Ärger um Leipziger Buchpreis - Was erlauben Jury?!

Die diesjährigen Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse werden in einem Offenen Brief scharf kritisiert: zu weiß, Ausdruck systematischer Diskriminierung schwarzer Literatur. Das überzeugt nicht.

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Drei der nominierten Bücher. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

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Jens Nordalm leitet die Ressorts Salon und Literaturen bei Cicero.

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Vor zwei Wochen hat die Jury des diesjährigen Preises der Leipziger Buchmesse ihre Nominierungs-Liste veröffentlicht. Es war eine – wie wir hier kommentierten – literarisch vielstimmige und überzeugende Auswahl, die sich auf wohltuende Weise von den Aufgeregtheiten der ohnehin täglich debattierten Identitätspolitik unbeeindruckt zeigte. Zu unbeeindruckt, wie wir damals gleich befürchteten – obwohl immerhin in der belletristischen Sparte vier Frauen neben nur einem Mann standen, und darunter eine 96jährige und eine 81jährige.

Zu unbeeindruckt von identitätspolitischen Erwägungen ist die Auswahl nun tatsächlich einigen hundert Unterzeichnern eines im Netz kursierenden Offenen Briefes erschienen, die die Liste deshalb zum Anlass nehmen, diskriminierende „institutionelle Strukturen innerhalb der deutschen Gesellschaft“ zu beklagen. Besonders auch im Literaturbetrieb gebe es „offensichtlich“ eine „Struktur“, „die Schwarze Schriftsteller:innen und Schriftsteller:innen of Colour ausschließt“. Also von „weiß“ abweichende Hautfarben waren, so die Meinung der Unterzeichner, auf der Liste wegen dieser „Struktur“ nicht vertreten.

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Wolfgang Jäger | Mi, 28. April 2021 - 15:18

Ich denke, in unserem Land -und nicht nur da- geht ein weiteres Virus um. Es schimmert links-grün-rot, viel gefährlicher als Corona und vor allem hoch ansteckend. Man soll angeblich realitätsblind werden und geradezu eine Lust auf Intoleranz und Totalitarismus bekommen. Dieses Virus besitzt die wunderbare Fähigkeit, sich in jede Ritze der menschlichen Gesellschaft zu schleichen. Auch ist seine Fähigkeit, sich zu vermehren und zu mutieren extrem ausgeprägt. Leider gibt es noch keinen Impfstoff. Aber wer sollte, möchte dürfte den wohl finden und wer würde sich impfen lassen? Diese Pandemie hat unser Land inzwischen fest im Griff. Eine Ende ist nicht abzusehen. Derweilen diskutieren wir weiter eifrig über Corona und merken nicht, wie sich diese Pandemie bereits mit unseren rot-grün-linken Virus-Kobolden verbündet hat.

Enka Hein | Mi, 28. April 2021 - 17:52

In reply to by Wolfgang Jäger

..Herr Jäger.
Aber Sie dürfen das Wort „Kobolde“ nur im Zusammenhang mit Elektroautos nennen. Den nur dort treten Sie vermehrt auf. Sonst werden sie Probleme mit den Fans der neuen gottgleichen diversen Grüninnen bekommen.

Rob Schuberth | Mi, 28. April 2021 - 19:49

In reply to by Wolfgang Jäger

Danke Herr Jäger, für Ihren wunderbaren und - leider - so zutreffenden Kommentar.

Eine kl. Anmerkung nur sei mir gestattet. National betrachtet reden wir von Epidemien nicht von Pandemien. Die sind immer global.

Jens Böhme | Mi, 28. April 2021 - 15:55

Im Link zum Offenen Brief steht weiter unten die englische Version. Mir fehlen in der englischen Übersetzung die Gender-Doppelpunkte und ist somit nicht lesbar.

Markus Michaelis | Mi, 28. April 2021 - 16:51

können, also munter rein ins Getummel.

Geht man von einer wirklich (nicht nur eine deutsche, bürgerliche Abgrenzung gegen Deutsch-Rechts) weltoffenen Prämisse aus und einer universell Einen-Menschheit, scheint es mir außer Frage zu stehen, dass die deutsche Gesellschaft in der Literatur und auch sonst rassistisch ist. Schon in Italien sieht es anders aus, in Nigeria, Thailand und allen anderen Ländern noch anders. Auch wenn man Länder negiert und die eine Menschheit sieht: in Deutschland sieht es auch krass anders aus als ein mittleres Potpurri der Welt.

Wie kann man das anders erklären, als dass in D bestimmte Sichtweisen, Vorlieben und Werte gelten, einfach weil die aus den HIESIGEN Traditionen kommen. Außer für einzelne Facetten: wer kann andere Gründe anführen?

Meinem Eindruck nach hat die "Mitte" der Gesellschaft im Moment kein funktionierendes Welt- und Selbstbild. Wir geben Dinge vor, die wir offensichtlich nicht sind. Da sollten wir noch einiges munter diskutieren.

"Der Beste soll gewinnen" ist sicher oft ein gewünschtes Prinzip. Aber ich denke diese gesellschaftliche Fragestellung hier geht tiefer. "Der Beste" suggeriert, dass die Maßstäbe, an denen das gemessen wird, anscheinend klar seien - der Punkt ist aber, dass jede Gruppe versucht darunter die eigenen Maßstäbe zu verstehen. Auch "Angriffe" von Gruppen (PoCs etc.) auf die Besetzung von Shortlists sind aus dieser Sicht angreifbar: entweder man sieht hinter dem eigenen Standpunkt eine höhere Weltwahrheit, dann öffnet man "den Weißen" aber auch die Möglichkeit zu argumentieren, dass ihre Besten die eigentlich Besten sind. Oder man argumentiert mit Gruppen, aber dann gibt es eben auch andere Gruppen, etwa die der Traditionen in einem Land.

Ich sehe das so: Weltoffenheit alleine ist kein funktionierender Maßstab - Weltabgrenzung ist ein notwendig dazugehörendes Prinzip, besonders, wenn man Vielfalt in der Welt begrüßt. Das auszutarieren ist wie vieles ein nie endender Prozess.

Gerhard Schwedes | Mi, 28. April 2021 - 17:34

Den linken Identitären geht es darum, mit ihren Einwänden stets im Gespräch zu belben. Ständig fordern Sie dazu heraus, sich rechtfertigen zu müssen und liegen dann auf der Lauer mit Gegenargumenten eine weitere Suada von Rechtfertigungen einzufordern. Damit erhöhen sie ganz enorm das Verunsicherungspotential, wenn man sich für Selbstverständlichkeiten immer rational rechtfertigen muss. Warum sind Sie heute Morgen mit dem rechten Fuß aus dem Bett gestiegen? Verbirgt sich dahinter etwa eine versteckte faschistische Tendenz? Warum tragen Sie eine schwarze Krawatte bei einem Trauerfall? Wirklich kein Zeichen von Verachtung schwarzer Kultur? Wer sich erst einmal auf solche Fragen einlässt, der kommt aus dem circulus vitiosus des Rechtfertigen-Müssens gar nicht mehr raus. Die Identitären gebärden sich wie Kinder, die ihren Eltern ein Loch in den Bauch fragen. Warum ist der Mond rund? Wer sich auf solche Fragen ständig einlässt, ist verloren. Auslachen wäre das geeignete Gegenmittel. Basta.

Michael Bahr | Mi, 28. April 2021 - 17:55

All diese Vorgänge um Forderungen nach identitätspolitischen Quotierungen werden - wenn sie sich durchsetzen - natürlich zu einer ideologisch orientierten Auswahl von Kunstwerken führen. Dass das dann nicht mehr zwangsläufig dem Kriterium der besten künstlerischen Leistung entspricht, ist auch klar. Diese Dinge erinnern mich stark an kulturpolitische Vorgänge in der untergegangenen sozialistischen Diktaturen. Es werden Künstler und Werke gefördert, die den ideologischen Kriterien entsprechen. Vieles von dem, was in diesen Systemen als künstlerisch wertvoll propagiert wurde, wurde sofort fallen gelassen wie die berühmte heiße Kartoffel, als die Macht der totalitären kommunistischen Parteien über die Länder, die sie unter der Knute hielten, zusammenbrach. Die ideologisch unterfütterte Kunst wanderte zumeist in den Mülleimer der Geschichte. Diejenigen, die nun identitätspolitische Quotierungen in der Kunst fordern, brauchen sich über Abwehrreaktionen des Publikums dann nicht zu wundern.

Manfred Sonntag | Mi, 28. April 2021 - 18:57

Herr Nordalm, ich hätte nicht gedacht das es so etwas gibt. Danke für die Information. Ich selbst lese sehr viel. Es ist für mich vollkommen uninteressant welche Hautfarbe oder Religion usw. der Schriftsteller hat. Meine Lieblingsautoren sind Amos Oz, Jasmina Khadra, Salman Rushdie, Mario Vargas LLosa, Rafik Schami, Claudia Piniero, Pamuk Orhan, Graham Greene, Laksmi Pamuntiak, Garry Disher und Higashino Keigo. In dem Streit um die Auszeichnung will sich nur eine kleine Gruppe im Rahmen der Identitätspolitik hervortun, ohne selbst schon entsprechende Leistungen erbracht zu haben. Wenn sie gute Bücher schreiben stellt sich der Erfolg von selbst ein, egal welcher Identität sie angehören. Wenn nicht, dann muss so ein Palaver herhalten um sich wichtig zu machen. Wenn es schlimm kommt, dann knickt die Jury ein und ein Larifari Autor wird belohnt. Meine Herrschaften: „Ohne Fleiß kein Preis“, das sollte die Devise sein.

Rob Schuberth | Mi, 28. April 2021 - 19:41

Gibt es eigtl. noch Ereignisse, Gesagtes u. ä. über das sich diese MINDERHEIT nicht empört?!

Ich finde es einfach nur noch lächerlich was da läuft.

Diese Leute suchen offensichtlich Alles u. Jedes danach ab, ob sie sich nicht irgendwie daran reiben = empören können.

Nicht mehr ernst zu nehmen.

Wäre schön wenn unsere Medien diese Thematik mal - als unwichtig - aussortieren u. ignorieren würden.

Mit anderen, wichtigen Themen bekommen sie das ja auch hin.

Christa Wallau | Mi, 28. April 2021 - 19:45

uns schrecklichen weißen Rassisten dadurch die Stirn bieten, daß sie - als Antwort auf unser ungeheuerliches Verhalten - keine Preise mehr an
"Weiße", ob alt oder jung, verleihen und keine Literatur mehr von Nicht-Farbigen kaufen und lesen.
Da würden wir uns aber schön umschauen, nicht wahr?

Wer hindert denn Farbige daran, ihr alleiniges Glück unter den Millionen von coloured people auf der Welt zu suchen?
Etwa die Weißen?
Nicht daß ich wüßte.

ihren eigenen Laden aufmachen, genau! Keiner hindert sie daran, schon gar nicht die Weissen!
Die die Schwarzen (fast) überall auf der Welt zunächst als Ware handelten. Und dann, als sie zähneknirschend einräumen mussten, "Schwarze" seien eventuell auch Menschen, sie zumindest klein hielten. Ihnen "besondere" Gesetze "widmeten". Eigene Schulen. Sogar eigene Busse.
Und Ihnen eigene Staatsgebilde "schenkten", Homelands, siehe Südafrika.

Überhaut, das Apartheid-Regime zeigte uns doch, wie wunderbar fair man die Welt organisieren konnte. Da bekamen sogar die "Schwarzen" ein paar Hütten und Brachen ab. Und jetzt? Stellen sie auch noch Forderungen, Frechheit.
(Ironie Ende)

Es stimmt: der Versuch, alle Minderheiten gleichmässig in allen Situationen gerechtzuwerden kann nur scheitern.

Andererseits: Das Gejammer der neuerdings ach so diskriminierten Weissen ist widerlich.
Wie der Rassismus, der hier im Form blüht.

Dr. Hermann-Josef Stirken | Do, 29. April 2021 - 08:41

„Möge das beste Buch gewinnen " Dem ist nichts hinzuzufügen. Große Literatur und Musik hat sich immer und unter allen Bedingungen durchgesetzt. Dieses sinnentleerte Statement ist ein bloßer Versuch auf Entscheidungsprozess durch den Versuch der Einschüchterung Einfluss zu nehmen. Ein großer Künstler hat keine Hautfarbe, kein Geschlecht und keine Religion. Wer eins dieser Attribute ins Feld führen muss, gehört nicht dazu. Mögen die auswählenden Personen das beste Buch wählen und sich von diesem Geplärr nicht beeindrucken lassen.

Ernst-Günther Konrad | Do, 29. April 2021 - 09:21

In reply to by Dr. Hermann-Jo…

Danke für ihren Kommentar Herr Dr. Stirken. So ähnlich kam es mir nach dem Lesen dieses Artikels auch in den Sinn. Am Ende entscheiden die Leser, wen und welches Buch zu welchem Thema sie lesen wollen oder eben nicht.

Wolfgang Tröbner | Do, 29. April 2021 - 12:48

In reply to by Dr. Hermann-Jo…

Ich möchte mich Ihrem Kommentar vorbehaltlos anschließen. Ein Buchpreis sollte nur an den Autor guter Literatur verliehen werden. Gute Literatur zeichnet sich nach meinem Dafürhalten dadurch aus, das der Autor den Leser durch die erzählte Geschichte und die Art des Schreibens emotional in seinen Bann ziehen kann. Das gelingt aber nur, wenn der Autor tatsächlich etwas zu erzählen hat und der Leser sich in dieser Literatur wiederfinden kann. Ein Text wird nicht automatisch gute Literatur, nur weil er aus der Feder eines Nicht-Weißen stammt. Die Idee einer gezielten Förderung speziell nicht-weißer Autoren lehne ich ab.

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