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Premiere im Autokino wegen Corona: Die Staatsoper Berlin zeigt Puccini auf dem Tempelhofer Flugplatz / David Baltzer

Kultur nach Corona - Nichts bleibt, wie es war

Die Klassik freut sich auf die erste Saison nach Corona. Doch ist die Unsicherheit ist groß: Gibt es überhaupt noch ein Publikum für all die vielen Konzerte und Opern? Was planen die Häuser, was wollen sie ändern? Ein Überblick der Trends, Themen und Namen, die 2021/2022 wichtig werden.

Autoreninfo

Axel Brüggemann ist Musikjournalist und lebt in Bremen. Zuletzt erschien der von ihm herausgegebene Band „Wie Krach zur Musik wird“ (Beltz&Gelberg-Verlag)

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Das Ende der Selbstverständlichkeit prägt die kommende Klassik-Saison. Vorbei die Gewissheit, dass Bach, Beet­hoven oder Brahms Teil der Kulturnation Deutschland sind. Viele Künstlerinnen und Künstler fühlten sich während der Pandemie im Stich gelassen – von der Politik, aber auch vom Publikum. Soloselbstständige kämpften mit dem Existenzminimum, viele sattelten vom Musikstudium auf den Mjam-Bringdienst, vom Orchestergraben auf Gorillas um. Und jetzt, da Konzerthallen und Opernhäuser wieder öffnen, soll plötzlich alles weitergehen wie immer?

Der Bayreuth-Heldentenor Stefan Vinke stand in den letzten beiden Sommern nicht auf den Bühnen großer Festivals, sondern trat in seinem Garten auf. Gemeinsam mit seiner Frau organisierte er private Wagner-Abende nach geltenden Corona-Regeln: Siegfried neben dem Schildkrötengehege und Hunding im Hasenstall. Ob er Angela Merkel auf dem roten Teppich am Grünen Hügel noch die Hand geben würde? „Es fällt mir schwer, nach all dem, was passiert ist“, sagt Vinke. Der Tenor war einer von vielen Künstlern, die von den ewig neuen und meist leeren Versprechen der Kulturstaatssekretärin Monika Grütters enttäuscht waren und davon, dass der Kulturbetrieb am härtesten von den strengen Corona-Maßnahmen getroffen wurde. 

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Peter Sommerhalder | Mo, 18. Oktober 2021 - 15:02

Das kann ich unterschreiben.
Ganz allgemein müssen wir uns auf Einschränkungen einstellen.

Gesundheit und Klima sind dazu äusserst geeignete Themen!
Was mich am meisten erschreckt/überrascht:
Wie einfach es ist, das Volk zu leiten...

Sie sagen es nicht nur, Herr Sommerhalder, Sie zeigen es auch deutlich genug.

Sie wissen sogar schon, dass es Einschränkungen geben wird - die noch gar nicht verkündet sind.

Ich nehme an, für Sie gibt es so wenig einen menschengemachten Klimawandel, wie es eine gefährliche Covid-Pandemie gibt.

Ich frage mich nur eins: WOHER wissen Sie das?

Ach klar. Der gesunde Menschenverstand, der nie irrt.

Oder irgendwelche "neutralen Medien".

Da kann sich jeder seine Wahrheiten abholen.

So wie Sie.

Sie sind schlecht informiert, oder haben Sie sich in der Zeit geirrt? Es braucht keine zukünftigen Maßnahmen, weil es sie schon gibt. Und zwar massiv. Den Sinn von Einschränkungen und Vorschriften darf man übrigens auch hinterfragen und anzweifeln, wenn man an die Ernsthaftigkeit der Corona-Erkrankung „glaubt“. Das selbstständige Denken ist eben nicht jedem auszutreiben. Auch mir nicht. Und bevor Sie sich jetzt echauffieren, setzen Sie sich doch mal nur zum Spaß mit validen empirischen Daten einiger unserer Nachbarländer auseinander. Da werden selbst Sie ins Staunen geraten, was alles so möglich ist, wenn man den Menschen ihre Eigenverantwortung zurück gibt, ohne dass die Welt untergeht!

Sehen Sie. Und hier ist der große Unterschied zur Masse.

Denken & dies auch noch eigenständig & ohne Filter! Ja, sowas gibt es noch, wenn wir auch eine aussterbende Spezi sind.

Am Sonntag brachte ich einen jungen Kellner in Verlegenheit, weil ich im Kopfrechnen von unseren 7 Artikeln schneller war, als er überhaupt sein Handy raus holen konnte. Es ist eben keine Zauberei, sondern eine logische Folge von Wegemöglichkeiten.
Aber Logik wird ja heutzutage gehasst wie der Teufel das Weihwasser hast.

Und Kultur - ich bin ein Fan der klassischen Musik. Vor allem (italienische) Opern & Operetten haben es mir angetan.

Ich kann nur den Kulturschaffenden raten, sägen sie nicht an dem Ast, worauf sie sitzen. Dies kann wie bei den Wirtsleuten nach hinten los gehen.
Und wer hoch lebt, kann tief fallen.
Allen alles Gute 🤗

Rob Schuberth | Mo, 18. Oktober 2021 - 16:46

Das wir (hoffentlich) alle zukünftig, analog zu den asiatischen Ländern, in der Zeitspanne der Erkältungskrankheiten Masken tragen und aufs Händeschütteln verzichten, zähle ich zu den positiven Veränderungen.

Und die Klein-Künstler, die mehr schlecht als recht u. meist von der Hand in den Mund leb(t)en, also immer am Existenzminimum entlang, die werden es auch immer schwer haben.

Dafür haben sie ja als Ausgleich eine weit größere Freiheit sich so auszuleben wie es ihnen (u. nicht einem Chef) gefällt.

Wo Licht fällt, da gibt es immer auch Schatten.
Und das ist nicht zu bedauern, sondern das ist ganz natürlich.

Allgemein haben wir erlebt wie sehr die Kultur von Sponsoring abhängig ist.
Kultur ist toll u. teils eine echte Bereicherung, aber nun einmal kein Grundbedürfnis.

Das war immer so und das wird auch immer so bleiben.

In 5 J. hat m. E. "die" Kultur Corona vergessen.

Martin Falter | Mo, 18. Oktober 2021 - 17:43

Wir 6ns an das Gänglband gewöhnt. Ich dachte auch das, wenn die Beschränkungen fallen, die Leute wieder richtig feiern und ihr Leben genießen.
Aber wie es aussieht, sind alle Schaum gebremst.
Wenn es vor Corona eher zu iel an Festen und Events gab, gibt es jetzt fast gar nichts. Die Leute sind ein bisschen mutlos.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 19. Oktober 2021 - 13:22

dass Currentzis durchaus Antipoden herausfordert, nicht aber, weil er zu plump oder gar zu wenig ernsthaft wäre.
Brüggemann scheint mir ein "Roger Willemsen" der Musik.
Cicero-Leser dürfen sich also freuen, von ihm unter die Fittiche genommen zu werden.
Spüre gerade der Faszination der Musikstunden mit Joachim Kaiser nach.
Wenn Brüggemann diese Ernsthaftigkeit etwa meinte...