Schauspieler Heinrich Schafmeister über Corona - „Die Schablonen der Politik passen bei uns nicht“

Die Regierung gibt vor, Menschen zu unterstützen, die von den Corona-Maßnahmen betroffen sind. Für viele Schauspieler gilt das aber immer noch nicht. Heinrich Schafmeister von der Schauspieler-Gewerkschaft erklärt, warum die Politik blind für Kulturschaffende ist.

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Seit fast einem Jahr ist auf deutschen Bühnen das Licht aus / dpa

Autoreninfo

Jakob Arnold hospitierte bei Cicero. Er ist freier Journalist und studiert an der Universität Erfurt Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften. 

So erreichen Sie Jakob Arnold:

Heinrich Schafmeister ist Schauspieler und arbeitet als Schatzmeister für den Bundesverband Schauspiel (BFFS), der Gewerkschaft für Schauspieler.

Herr Schafmeister, Sie selbst sind Schauspieler. Wie läuft es bei Ihnen gerade?

Ich gehöre zu denen, die auch von Dreharbeiten leben können. Ich habe auch das Privileg, dass ich in der Vergangenheit auch schon gut gedreht habe. Aber ich hätte jetzt eigentlich Theater spielen sollen, die Tournee ist aber wegen Corona ausgefallen. Finanziell wäre das im Jahr 2021 meine Haupteinnahmequelle gewesen. Weil ich mir dafür frei halten musste, habe ich aktuell auch nichts anderes in Aussicht.

Aber mit anderen Produktionen können Sie noch gut leben?

Hatte ich im letzten Jahr. Und ich habe auch davor über 30 Jahre lang in vielen Dreh-Produktionen mitgearbeitet. Aktuell lebe ich vom Ersparten. Wenn ich das nicht hätte, dann sähe es jetzt ganz bescheuert aus.

Und wie sieht es bei anderen Schauspielern aus?

Von anderen, die nur aufs Theater angewiesen sind - wo man ja auch normalerweise nicht viel verdient – bekommen wir ganz verzweifelte Rückmeldungen. 

Könnte man bei Theatern nicht auch mit dem Internet arbeiten? Also zum Beispiel Aufführungen streamen.

Wer will denn sowas sehen? Da gibt es löbliche Versuche. Aber können wir davon leben? Nein. 

Andererseits heißt es aus der Politik, dass Betroffene unterstützt werden sollen. Werden Sie unterstützt? 

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Theresa Clayton | Do, 21. Januar 2021 - 13:15

Für die vielen selbständige Musiker sieht es nicht besser aus.
Seit März 2020 gibt es keine Engagements mehr. Die wenigen Rücklagen für Notfälle sind aufgebraucht.
Auf welchem Stern leben die Leute, die die Höhe der Unterstützung bemessen? Betriebskosten fallen in dieser Zeit bei uns so gut wie keine an. Aber die laufenden Kosten für z. B. Künstlersozialkasse, Kosten für die Erstellung der Anträge für Corona-Hilfen durch das Steuerbüro und so manch andere bleiben trotzdem erhalten, werden aber nicht berücksichtigt. Und wovon soll man leben?
Dann die Anträge für die Corona-Hilfen!
Die entsprechenden Antragsformulare z. B. auf „Phase II“ für September bis einschl. Dezember standen erst ab Ende Oktober bereit. Das bisschen Geld kam ein paar Tage vor Weihnachten.
Die Novemberhilfe konnte man erst Ende November beantragen. Einen kleinen Abschlag haben wir am 11. Januar bekommen. Die Restzahlung steht aktuell noch aus.
Dezemberhilfe und „Phase III“ stehen wohl noch in den Sternen.
Traurig!

vorschlagen, sofern man den Antrag vorweisen kann.
Das Geld müßte dann ja irgendwann kommen.
Der Dispozins geht zulasten des Staates.
Vieles ist evtl. nicht so schnell zu organisieren.
Das darf dann nicht aufs Konto der "Bedürftigen" draufgerechnet werden.
Hoffentlich belegen die Zahlen der Pandemie auch dann den Aufwand, der um sie getrieben wird.
Natürlich kann man Menschen nicht sterben lassen, sofern man dem abhelfen kann, aber Bedürftigen wird auch einiges zugemutet, ich würde meinen, dass Vulnerable dann auch etwas hinnehmen können, bevor das Leben weitestgehend heruntergefahren wird.
Die Infektion durch die Augen wird doch gar nicht richtig bedacht?
Es reichen evtl. ein paar Viren und zur Infektion kommt es Monate später, wenn das Wirtsklima für das Virus günstig ist?
Vielleicht läuft das so auch bei anderen Atemwegserkrankungen?
Wäre dann die Alternative, Einzelzellen plus Taucheranzug?
Vielleicht sterben dann annähernd so viele an eben diesen Bedingungen?
Impfung + Restrisiko?

Egal, ob politische Meinungsbildung, das Handeln ein jeden selbst. Jeder lebt in einer gewissen "Blase" (mehr oder weniger) & dadurch "tickt" ein jeder auf seiner Weise. Wenn ein wohl Genährter ein Buch über Hunger schreibt, na ja. Ich würde es nicht lesen. Wenn aber Politiker wie eine Maria Theresia für viele ein schwer erwirtschaftetes Steuergeld nach gut dünken mal viel, mal weniger & oft auch gar nicht ausgeben, dann ist dieses Verhalten nicht nur problematisch,
sondern es müsste den Säulen der Sicherung der Demokratie diese Verfahrensweise mehr wie bedenklich sein & ihre Gedanken & Einwände müssten mehr wie öffentlich zur Geltung & Ausdruck gebracht werden.

Jens Böhme | Do, 21. Januar 2021 - 14:26

Das IfSG ist für Viren ausgelegt, welche sich schnell und effektiv händeln lassen. Für tödliche Grippe und tödliche Corona nicht. Deshalb steht Grippe auch nur in Paragraph 7 IfSG und nicht in Paragraph 6 IfSG. Der Bundestag hat Corona im März 2020 reingeschrieben. Und nun werden wir den Wahnsinn nicht los.

Manfred Sonntag | Do, 21. Januar 2021 - 15:38

Herr Schafmeister, zuerst möchte ich mein Mitgefühl für die Schauspieler und alle im Kultursektor arbeitenden Menschen ausdrücken. Was hier in unserem Land mit der Kultur gemacht wird hat seine Ursache im Kultur-Verständnis der elitären Politsekte Deutschlands. So sagte 2017 das Kabinettsmitglied der Merkel-Regierung, Frau Özoguz das die Deutschen überhaupt keine Kultur hätten. Diese Äußerung war nur möglich da dieser Standpunkt von den meisten Regierungsmitgliedern vertreten wird. Aber auch mit Literatur steht diese Obrigkeit auf Kriegsfuß. So hat Frau Merkel 2010 ein Buch auf den medialen Scheiterhaufen geworfen. Sie musste danach eingestehen, dass sie das Buch gar nicht gelesen hat (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sarrazin/die-debatte/sarrazins-u…).Mit einer fanatischen Begeisterung werden Schulen und Bibliotheken geschlossen. Die Kultur stirbt. Jetzt!

dieter schimanek | Do, 21. Januar 2021 - 16:36

... der überzeugt davon ist, Grundsicherung bzw. Hartz 4 schützt vor Armut. Da ist er allerdings nicht alleine, deshalb auch der Spruch von der sozialen Hängematte. Kanzler Schröder bezeichnete diese Leute als Faulenzer und Schmarotzer was man auf RTL 2 in Echtzeit miterleben darf. Das Gute daran, derzeit wird einer etwas breiteren Öffentlichkeit deutlich, was soziale Hängematte wirklich bedeutet. Arbeitslosigkeit und der damit verbundene soziale Abstieg betr. nicht nur Schlecker Frauen, sondern auch Kulturschaffende, ehemalige Opelaner und ca. 4,5 Millionen andere Menschen, verarmte Rentner und Obdachlose nicht mitgerechnet. Erinnern sie sich daran, wer uns das eingebrockt hat?

Warum wird Schröder zitiert? Wir haben keinen Kanzler Schröder mehr.Wir haben seit gefühlt 25 Jahren das Regime der einsilbigen Durchführerin.Zitiert doch mal ein paar Sottisen von dieser Person."Da geht euch der Hut hoch.."Die Weltbeliebte,Größte,Tolle Frau. Deutsche,ihr könnt Stolz sein auf Merkel,und Was noch... Was?