Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsminister, und schweizerisch-deutsche Stand-up-Comedian, stehen in der Kulisse von «One Mic Stand»
Wer Hazel Brugger und Karl Lauterbach lustig findet, hat die Kontrolle über sein Leben verloren / dpa

Karl Lauterbachs Comedy-Auftritt bei „One Mic Stand“ - Einfach nur schlimm. Richtig schlimm

Karl Lauterbachs Gastauftritt in der Comedy-Show „One Mic Stand“ war nicht nur würdelos und humorfern. Er ist Teil einer Entwicklung, die die Öffentlichkeit mit infantilem Authentizitätskitsch entpolitisieren will.

Ulrich Thiele

Autoreninfo

Ulrich Thiele ist Redaktionsmitglied bei Cicero und lebt in Hamburg. Auf Twitter ist er als @ul_thi zu finden.

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Der Schriftsteller und Humorist (nicht Comedian) Heinz Strunk wurde vor kurzem gefragt, ob es noch gute Comedians in Deutschland gebe. „Nee. Keinen einzigen“, antwortete er. „Die haben einen Mangel an Talent, Geschmack, ästhetischem Empfinden und natürlich Humor. Und Helge Schneider ist kein Comedian.“ Vor einigen Jahren wurde er in einem Interview noch deutlicher: „Ich hasse und verachte Comedians zutiefst. Alles, wo Comedy draufsteht, ist Scheiße. Ich gucke mir das an und finde es einfach nur schlimm. Richtig schlimm.“

Nachdem ich mich durch eine 45-minütige Folge der Comedy-Sendung „One Mic Stand“ mit Karl Lauterbach als Gast gequält hatte, fühlte ich eine tiefe Übereinstimmung mit Strunks Worten. Weil ich in ihnen die Sprachlosigkeit widergespiegelt sah, die mich ergriffen hatte. Strunks Sätze sezieren ja nicht, was genau so schlimm an deutschen Comedians ist, was ihren Nicht-Humor von Humor unterscheidet – das tut Strunk an anderer Stelle.

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Joachim Kopic | Di, 19. Juli 2022 - 14:46

Wirklich vergleichen kann man Böhmermann & Co mit Leuten wie Georg Schramm ja wirklich nicht... und das in jeder Hinsicht!

Bettina Jung | Di, 19. Juli 2022 - 15:14

wenn ich das so lese, kommt mir der Verdacht, dass die Zuschauer Karl, den Lauterbach einfach ausgelacht haben. Andererseits, wer sich eine derartige Show antut (den bedauernswerten Autor ausgenommen) der hält Lauterbach womöglich für einen Mediziner, der es gut mit ihnen meint.

Christa Wallau | Di, 19. Juli 2022 - 16:27

Humor und erst recht funkelnder, treffsicherer Witz vertragen sich nicht mit rigidem Moralismus und
political correctness.
Das ist wie mit Feuer und Wasser.

Da ich die beschriebene Format "One Mic Stand" nie gesehen habe, kann ich mehr dazu nicht sagen.
Allerdings sieht es bei den vielen anderen Formaten, die unter dem Stichwort Comedy angeboten werden und in die ich gelegentlich beim Zappen gelange, kein bißchen besser aus.
Wenn ich wirklich mal Comedy brauche, hole ich mir die CDs mit Didi Hallervorden und lache mich schibbelig.

Ernst-Günther Konrad | Di, 19. Juli 2022 - 16:31

Bei BILD wurde dieser Auftritt auch schon zerrissen Herr Thiele. Da legte man den Finger in die Wunde bezüglich "entgleisender" Äußerungen über Armin Laschet. Nein ich schaue dieses Format nicht und kannte „One Mic Stand“ nicht und auch nicht das Amazon-Prime-Format. Ich habe schon lange hier die Meinung vertreten, das KL eine Gefahr für sich und andere darstellt und ein pathologischer Fall ist. Wäre alles nicht so schlimm, wenn er nicht als Gesundheitsminister für den Zerfall des Gesundheitswesen und für die tägliche Beschallung und Herbeirufung der Corona Panik und der Erzeugung der Corona Angst maßgeblich verantwortlich ist. KL gehört mal psychiatrisch untersucht. Und was die sog. Comedy Szene anbetrifft habe ich für diese Genre keine Antenne. Die können gerade machen was sie wollen. Und wer so etwas braucht, hat sein Verständnis für Humor längst verloren und sucht sich deshalb Ausgleich auf eigenem niedrigen Niveau. Das verwerfliche ist, einige von denen bekommen beim ÖRR Geld.

Brigitte Miller | Di, 19. Juli 2022 - 17:37

fand ich noch nie komisch, sie wurde ja sehr gehypt. Aber jetzt scheint sie an einem Tiefpunkt gelandet zu sein. Ich glaube , Buster Keaton ist ihr Vorbild. Aber es funktioniert nicht.

Wolfram Fischer | Di, 19. Juli 2022 - 18:28

Einstein sagte, das Universum und die menschliche Dummheit seien unendlich.
Wobei er sich beim Universum NICHT ganz sicher war.
Bei der menschlichen Dummheit also offenbar schon, womit er offensichtlich (und tagtäglich immer noch offensichtlicher) völlig richtig lag.
(Zumindest, wenn D den Maßstab definiert...)

Albert Schultheis | Di, 19. Juli 2022 - 18:42

Vor vielen Jahren war ich mal Vorsitzender eines feinen Kleinkunsttheaters. Ich liebte deutsches Kabarett und war überzeugt, es würde mich ein Leben lang begleiten. - Weit gefehlt. Denn dann kamen die 16 Merkeljahre und das gesamtdeutsche Kabarett flutschte erdrutschartig von der Ecke, aus der auf die Politik und die rechten Regierungen gepfeffert wurde (remember die "Birne"!) in die diametral gegenüberliegende Ecke und es ging gibste-was-haste aus allen Rohren ... nicht mehr gegen die "Herrschenden" sondern gegen die Beherrschten, gegen die, die ihr Leben einfach leben wollten, wie bisher, die sich weigerten, permanent in Panik zu verfallen, die sich weigerten abgekupferte Doktorarbeiten für den Ausweis von Expertentum zu halten, sich unwohl fühlten, als plötzlich über Nacht Hunderttausende aggressive junge Männer über unsere Grenzen marschierten und junge wohlerzogene Mädchen und Frauen sie mit Teddybären bewarfen. Als beim Stichwort AfD sich die Zuschauer die Schenkel zerklopften...

Politisches Kabarett habe ich geliebt, je kritischer desto besser. Anfänglich dachte ich dass Comedy nur ein "moderneres" Wort für Kabarett ist. Weit gefehlt. Kritik ist nur an dem Volk abseits von Mainstream erlaubt, da aber dafür unsachlich und menschenverachtend. Ich war schockiert wie man da über Ungeimpfte und Massnahmenkritische gesprochen hat. Ansonsten ist Comedy gerne absolut banal und oberflächlich. Ein Spiegelbild der derzeitige woken Gesellschaft. Einfach nur noch traurig. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen irgendwann aufwachen und da nicht mehr mitmachen und wieder empathisch, kritisch und tiefgründiger werden.

Jens Böhme | Di, 19. Juli 2022 - 19:19

Solche Veranstaltungen, die mit Publikum aufgezeichnet werden, haben selten authentische Zuschauerbilder zum Geschehen vorn auf der Bühne. Vor den Aufzeichnungen sind Animateure am Werk und unterhalten das Publikum. Dabei werden die Kameras in die Zuschauer gehalten und diverse Reaktionen der Zuschauer aufgenommen, die dann später für die Original-Aufzeichnung eingeblendet werden. Fernsehen oder Streamaufzeichnungen ist nur Show und Unterhaltung. Aber gut ist, dass Sie, Herr Thiele dieser Anarchronismus auffällt. Viele moderne Konsumenten glauben jeden Quatsch, der ihnen gezeigt wird.

Stefan Teschner | Di, 19. Juli 2022 - 19:39

Hazel Brugger ist natürlich sehr speziell. Ich habe mich durchaus schon über Beiträge von ihr amüsieren können. Mittlerweile hat sich ihr Konzept "Publikumsbeschimpfung in Zeitlupe" schon kräftig abgenutzt. Aber sie hat offensichtlich ein Publikum. Ebenso wie Herr Teclebrhan, der mit absurdem Nonsens offenbar nicht nur Vorschulkinder entzücken kann.
Wir können den Kopf darüber schütteln, aber wir sollten sie einfach machen lassen. Immerhin verzichten beide weitgehend auf woke Erziehungs-Comedy und tun allenfalls denjenigen weh, die freiwillig die entsprechenden Veranstaltungen einschalten bzw. besuchen.
Aber vielen Dank für die Warnung - ich hätte womöglich aus Neugierde doch einmal eingeschaltet.

Fritz Elvers | Di, 19. Juli 2022 - 22:03

kann Hazel Brugger unmöglich witzig finden. sondern einfach nur fragend den Witz suchen.

Die Schweizerin "Wir haben keine Gefühle, wir haben Geld" kann mit ihrer versteckten Ironie natürlich nicht jeden begeistern, offenbar auch nicht Herrn Thiele.
.

Sabine Lehmann | Di, 19. Juli 2022 - 22:28

Also wenn ich irgendwo einkaufen gehe, sage ich am Eingang immer vorher recht laut: Mein Name ist Lehmann und ich kaufe hier ein;-)
Nicht lustig? Bei Loriot schon, wie so vieles andere von ihm. Und ich finde es gibt durchaus auch bei uns noch lustige Comedians und Kabarettisten. Letztens erst habe ich mich sehr über Andreas Rebers und Ingo Appelt amüsiert. Auch aus dem Südwesten kommen ein paar witzige Typen, z.B. Lars Reichow.
Komische Frauen kenne ich nur eine und das ist Anke Engelke mit Ladykracher. Alle anderen sind einfach nur peinlich bemüht, zum fremd schämen.
Und Lauterbach? Wer denkt denn da ans Lachen? Typen wie der gehen zum Lachen in den Keller, gern auch ohne Salz und Zucker und pflegen dort ihre Zwangsneurosen. Nur dieser darf dieselbigen als unser Gesundheitsminister ausleben, leider. Wobei ich ihn eher als jemand wahrnehme, der mich krank macht. Also wer da Comedy erwartet, der ist selber schuld;-)

Ronald Lehmann | Mi, 20. Juli 2022 - 00:08

DANKE - CHAPEAU - CICERO-TEAM & auch den vielen fleißigen Helfern,

dass ihr trotzt des öffentlichen Sturmes von Orwell nach der Suche nach der Wahrheit, Aufrichtigkeit & Klarstellung von Verleumdungen euren Lesern verpflichtet bleibt & Demokratie tagtäglich von neuen erarbeitet, aber auch immer wieder einfordert. Danke

Armin Latell | Mi, 20. Juli 2022 - 08:34

zwei, die für das, was sie tun, vollkommen ungeeignet sind. Bei H.Brugger ist das nicht schlimm, es gibt (gute) Alternativen, wenn auch nur ganz spärlich. Bei L. verhält sich das ganz anders, als Gesundheitsminister totale Fehlbesetzung, als Trommler oder Taktgeber auf einer Strafgaleere perfekt. Es gab mal "Neues aus der Anstalt" mit Priol und/oder Pelzig, das war gut und anspruchsvoll, die sind Meister ihres Faches. Ich habe Pelzig live 2 Std auf der Bühne erlebt, der war knackig. Die "Heute Show" dagegen ist zum niveaulosen, einseitigen Propagandainstrument für linksgrüne Politik geworden. Allerdings ist es so, dass sich der deutsche Bürger diesem unterirdischen Nieveau angepass hat (oder umgekehrt). Mit einem Wort: dekadent.

Bernhard Marquardt | Mi, 20. Juli 2022 - 09:31

Zustimmung zu ihren Ausführungen.
Mit einer Ausnahme:
Wie definieren Sie den Begriff "linksliberal"?
Dieser aus verschiedenen Gründen verbreitete Ausdruck verbietet sich eigentlich wegen des eklatanten ideologischen Widerspruchs in sich.