Gendergerechte Sprache - Es geht um mehr als Grammatik

Eine Petition, initiiert unter anderem von Monika Maron, wendet sich gegen Eingriffe in die Sprache im Namen der Gendergerechtigkeit. Das Anliegen ist löblich und die Liste der Unterzeichner beeindruckend. Doch leider wird der entscheidende Punkt ausgeklammert. Von Alexander Grau

Monika Maron
Schriftstellerin Monika Maron: „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

Es begann mit dem Binnen-I in den 80er Jahren, inzwischen sind wir bei Gender*sternchen, Gender_gap und Gender-x: der Versuch der ideologischen Normierung der deutschen Sprache. Was anfangs als Marotte von ein paar esoterischen Studentengrüppchen abgetan werden konnte, hat, ausgehend von den Universitäten, Instituten, Organisationen und NGOs Einzug in den deutschen Alltag gehalten. Selbst das durchschnittliche Provinzbürgeramt verwendet inzwischen das Binnen-I oder betreibt Sprachverrenkungen mit Querstrichen und waghalsigen Klammerkonstruktionen. Diese Entwicklung ist geradezu ein Lehrstück darin, wie es einer radikalen aber entschlossenen Minderheit gelingen kann, der Majorität ihre Vorstellungen zu oktroyieren, wenn diese Mehrheit nur nachlässig und desinteressiert genug ist – und kein Gespür für die Macht politische Symbolik hat.

Beeindruckende Liste von Unterzeichnern

Doch offensichtlich formiert sich nun, reichlich spät, der Widerstand. Unter der etwas reißerischen Überschrift „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ wendet sich eine bemerkenswerte Petition gegen „zerstörerische Eingriffe in die deutsche Sprache“ im Namen der Gendergerechtigkeit. Initiiert wurde das Ganze von der Schriftstellerin Monika Maron, dem Journalisten und Sprachkritiker Wolf Schneider, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus und dem Präsidenten des Vereins für deutsche Sprache Walter Krämer

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Petra Führmann | Sa, 9. März 2019 - 10:22

Die Petition habe ich unterschrieben, auch wende ich diese dämliche und umständliche Sprache nicht an, ebenso wenig, wie ich alle Neuerungen der neuen Rechtschreibung anwende; nur die, mir logisch und sinnvoll erscheinen. Aus meiner politischen Überzeugung mache ich keinen Hehl, und unser Zahlungsmittel nenne ich nach wie vor Mark und Pfennig, weil ich den Euro seit Anbeginn ablehne. Das mag albern sein, ist aber meine kleine Möglichkeit, meine "Haltung" zu demonstrieren. Außer im persönlichen Bereich kann ich mir nicht vorstellen, dass man gegen diesen Irrsinn noch irgendwie ankommt. Wie gegen allen anderen ja auch nicht. Ein Fünkchen Hoffnung habe ich noch, dass irgendwann das Denken, die Eigenständigkeit bei den Leuten doch wieder einsetzt und das erkannt wird, was Herr Grau hier beschreibt.

Sie sind nicht allein liebe Frau Führmann. Ich nenne den Teuro meistens "Falschgeld" und spreche auch gerne von Mark und Pfennig und mache den Genderunsinn auch nicht mit. Ich kenne auch weitere Mitmenschen, die es ähnlich handhaben. Auch auf die Gefahr hin, dass ich wieder mal als "ewig gestriger" durch einen gewissen Kommentator genannt werde, stehe ich ich zu meiner Überzeugungen eines wachen Kritikers und überzeugten Demokraten, der nie gefragt wurde. ob er den Euro will oder solch eine Sprachregelung wünscht. Vernünftige Anpassung und zeitliche Anpassung einer Sprache darüber kann man reden, Sprachsteuerung lehne ich ab.
Alles Gute.

Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Jeder hat die Möglichkeit, diese hässliche und dämliche Gender-Sprache im täglichen Sprachgebrauch nicht anzuwenden. Und das fängt schon mit der Kindererziehung an. Wir haben z.B. für unsere Enkelkinder Märchen der Gebrüder Grimm in der ursprünglichen Fassung gekauft, um ihnen auch ältere, wenig gebräuchliche Begriffe der deutschen Sprache nahezubringen.

"Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht, Gehorsam aber Verbrechen!“ (Papst Leo XIII). Das gilt auch und gerade für die deutsche Sprache.

die Einführung des Euro manche so hart getroffen hat.
Ich bin vielleicht ein bisschen ein anderer Typ?
Ich gehe davon aus, dass man auch sein eigenes Geld, nicht Falschgeld, machen und in Umlauf bringen kann, es kommt nur auf die Akzeptanz an, ob es als Zahlungsmittel angenommen wird.
Geld ist bezügliche Vereinbarung.
Für viele steht es aber wohl auch für die Sicherheit, die die Personen, die es tragen und managen, dadurch garantieren können.
Vermutlich wurde der Euro zu schnell eingeführt für den einen oder anderen.
Ich mag Münzen auch als Ausdruck begrenzter Bilder, man kann auch sagen nationaler Bilder.
Jedenfalls bin ich ein großer Euro-Fan.
Auch von allen anderen Neuerungen bin ich angetan, hätte mir nur jemand anderen als Merkel als ausführende Kanzlerin gewünscht.
Wer nicht erklären kann, kann auch Angst und Schrecken verbreiten.
Um eine andere Angst evtl. zu nehmen, verständigen kann man sich auch mit Musik, Gebärden, Blicken etc.
Sprachdiktate fail-en gemeinhin:)

Auch ich habe noch (mehr als nur) ein Fünkchen Hoffnung,
sehr geehrte Frau Führmann, daß sich bei Ihnen das "heilige"
[ß] dauerhaft seinen Platz sichern wird - außer bei "außer",
da klappt's ja schon. Ansonsten teile ich Ihre "Albernheiten"
nahezu komplett. Da Sie noch weitere Gefolgsleute haben,
möchte ich hier in aller Bescheidenheit meine Bitte äußern:
"...laßt mich sein in Eurem Bunde der Dritte [ersatzweise der
soundso Vielte]".

Christa Wallau | Sa, 9. März 2019 - 11:13

Es geht um Macht, und zwar um die Macht über das Denken der Menschen.

Ja, es stimmt, lieber Herr Grau:
Bei der sog. "Gendersprache" handelt es sich keineswegs nur um ein Ziel an sich (damit etwa alle Geschlechter(!) endlich völlig gleichgestellt werden) sondern um eine linke Gesamt-Ideologie, zu der ein bestimmtes Familien-, Erziehungs- und Gesellschaftsbild gehört), welche kontinuierlich in die Köpfe eingepflanzt werden soll.

Die Gegenwehr kann und darf daher nicht nur aus
sprachlichen Argumenten bestehen, sondern muß
die perfide Anpassung an den herrschenden Geist (= Opportunismus) geißeln, mit dem Verwaltungsbereiche, Schulen und Universitäten
den indoktrinierten Sprachregulierungen folgen.

Was gedacht und ausgesprochen werden darf und was nicht, wird immer brutaler von staatlichen Zensoren vorgegeben - unter dem Deckmäntelchen von mehr Gleichheit und höherer Moral. S o läßt sich eine gefährliche Art von Geistes-Diktatur durch die Hintertür errichten.

gerhard hellriegel | Sa, 9. März 2019 - 11:50

Ich habe gar nichts dagegen, dass die deutsche Sprache sich ändert. Das hat sie schon immer getan, wir würden sonst heute noch althochdeutsch reden. Und die Sprache verriet auch immer schon die Gruppenzugehörigkeit.
Den Unterschied macht, ob ich dem freiwillig folge oder ob es eine Pflicht ist. Änder die Sprache sich oder wird die Änderung angeordnet.
Der Duden ist die entscheidende Instanz - leider.
Nimmt er die Gendersprache auf, dann werden Lehrer, Journalisten, Lektoren und andere dem folgen, sie müssten sonst berufliche Nachteile hinnehmen. Wir Unwilligen werden eine gewisse moralische Geringschätzung ertragen müssen, aber das wirft doch einen Mann nicht um. Dass Werbeträger aller Art der Mode folgen, weil sie sich dadurch Vorteile versprechen, werden wir nicht ändern können.

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 9. März 2019 - 12:26

Sie haben recht, Herr Grau, es geht um mehr als um die Sprache.
Bevor wir uns an das „Versetzen von Bergen“ (Macht, politische Deutungshoheit) begeben, lassen Sie uns mit den kleinen Hügeln (z. B. gendergerechte Sprache) anfangen. Je mehr Leute es im kleinen versuchen, desto eher haben sie vielleicht Einfluss auf die Politik. Die herrschenden Ideologien werden wir so schnell nicht verändern können.

Romuald Veselic | Sa, 9. März 2019 - 13:23

Bin zu alt dafür, da mitzuhalten u. ich werde mich an diesem Blödsinn nicht beteiligen. Wer sich wie geschlechtlich fühlt, ist mir schnuppe, da ich selbst, fühle mich an manchen Tagen im Jahr, wie ein toter Hund. Und verlange keine Aufmerksamkeit dafür.
Genderismus ist als augenblickliches Faktum, durch kein Gesetz im Kosmos definiert resp. beachtet. Die Gendersprache, samt Genderismus, werden in der Sekunde verschwinden, als die Fremd-/Importkulturen, die Oberhand gewinnen. Zwei Sekunden später lösen sich auch die Protagonisten/Gendergurus/Genderideolo-gen*innen auf, samt ihrer Pikominderheit der "Gender Individuen & Anhänger". 99,99 Prozent der Planetenbevölkerung, wird da nicht mitmachen. Am wenigstens die Staaten der islamischen Konferenz.
Der Selbsterhaltungstrieb entscheidet darüber, welchen Wert man dem Genderismus verleiht.
Den Rest überlasse ich den Anthropologen.

ingrid Dietz | Sa, 9. März 2019 - 17:26

Wer ist nur auf die Idee gekommen, die deutsche Sprache derart zu verunstalten ?!

Deshalb:
stoppt endlich diesen Gender-Unfug !

Tomas Poth | Sa, 9. März 2019 - 17:56

ist ein Teil der spätrömischen Dekadenz.

helmut armbruster | So, 10. März 2019 - 09:35

und zwar nicht durch künstlich/akademische Spitzfindigkeiten, sondern durch Unwissenheit, Nachlässigkeit und Schlamperei im täglichen Gebrauch.
Die massive Zuwanderung und die Kommunikation mit 2 Fingern per Handy haben die Standards nach unten abgeschliffen.
Hinzu kommt, dass diejenigen, die noch richtiges Deutsch gelernt haben, bald nicht mehr sein werden. Was nachkommt, nimmt es nicht mehr so genau und hat seine eigenen Sprachgewohnheiten entwickelt, die von korrektem Deutsch oft weit entfernt sind.
Das stört diese Nachkommenden aber keineswegs. Ihnen gehört die Zukunft, ob es uns gefällt oder nicht.

Ernst-Günther Konrad | So, 10. März 2019 - 11:16

Weil die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes weisungsgebunden sind und auch angebliche "Empfehlungen" besser umsetzen, bevor es Ärger gibt. Ich bin Ihrer Meinung Herr Grau, es ist politisch und es geht nicht um die Frauen. Es geht um die Macht der Sprache, um Kritiker mundtot zu machen oder jederzeit, wenn man schon inhaltlich nichts findet, sich am Sprachgebrauch abzuarbeiten. Es gibt sicherlich sinnvolle Korrekturen und Änderungen. Das ist keine Frage. Nur hier soll das Volk, wie sie es richtig von ihnen beschrieben ist, sprachkulturell entwurzelt und durch künftige Bevormundung ideologisch eingerahmt werden. Hier soll mit "Gewalt" die Sprache zur Umerziehung eingesetzt werden. Es werden immer leichte Veränderungen in der Sprache stattfinden. Worte geraten in Vergessenheit, neu Begriffe kommen. Nur ist es keine Modernisierung, es ist ideologische sprachliche Steuerung.
Und es dauert nicht lang, dann sind die Kritiker wieder in die rechte Ecke gestellt. Deshalb schweigen viele.