Frankfurter Buchmesse - Plädoyer für einen Geheimtipp

Der griechische Philosoph Panajotis Kondylis wird als Deuter unserer Gegenwart neu entdeckt. Er gilt noch immer als Geheimtipp

Die Statue der Europa steht am Mittwoch (26.10.2011) in den Herrenhäuser Gärten in Hannover in der untergehenden Sonne.
Horst Falk liefert eine gelungene Einführung in das Denken dieses intellektuellen Solitärs Panajotis Kondylis / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Er gilt noch immer als Geheimtipp der Geschichts- und Sozialphilosophie: Panajotis Kondylis. Von weiten Teilen der Forschung ignoriert, genießt der 1943 in Olympia geborene, 1998 in Athen verstorbene Gelehrte bei einer Reihe von Kennern einen geradezu magischen Ruf. Wer sinnvoll über die Moderne, ihre Ideologien und Wirrungen reden möchte, kommt an Kondylis’ Arbeiten nicht vorbei.

Die Aura des radikalen Querdenkers verdankt der griechische Philosoph seiner umfangreichen Studie über die Aufklärung, erschienen 1981. Gegen das dürftige Klischee vom Zeitalter der Vernunft zeigte Kondylis, dass die Aufklärung Sinnlichkeit und Erfahrung rehabilitierte und die Triebbedürfnisse aufwertete, die Natur, das Diesseits, die Gefühle. Damit einher ging eine Abwertung des bloßen Verstands. Nebenbei entlarvte Kondylis die Aufklärung als anti­intellektualistisch. Für die selbst ernannten Erben der Aufklärung an deutschen Philosophieinstituten war das die reine Provokation. Karriere macht man so nicht.

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