Streit um Eugen Gomringer - Der Geist der Unfreiheit drängt auf die Fassaden

Ein Gedicht von Eugen Gomringer muss von der Wand der Berliner Alice-Salomon-Hochschule verschwinden. Dem Dichter wird vorgeworfen, sexuelle Belästigung zu verharmlosen. Eine solche Zensur dient aber nicht der Aufklärung, sondern dem Gegenteil: einer exklusiven Ignoranz

Die Fassade der Alice-Salomon-Hochschule mit dem Gedicht von Eugen Gomringer
Fassade mit Gomringer-Gedicht: Niederlage der Kunst / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

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Bald schlägt die Stunde der Anstreicher. Wo jetzt noch ein Gedicht des Lyrikers Eugen Gomringer zu lesen ist, soll Farbe aus Kunst erst ein Nichts und dann eine andere Kunst machen, eine ganz gewiss vorbildlich geschlechtersensible, emanzipatorische, partizipative, komplett korrekte Kunst, Gedichtkunst aus Künstlerinnenhand. Die nun beschlossene Übermalung acht harmloser spanischer Zeilen an der Südfassade der staatlichen Berliner Alice-Salomon-Hochschule, wo sie seit 2011 prangen, markiert einen Sieg des Geschmackstotalitarismus‘ und des „Allgemeinen Studierendenausschusses“, eine Niederlage der Kunst, der Freiheit, der Toleranz. Künftig kann man in Kreuzworträtseln nach „Bildungsverlierern mit vier Buchstaben“ fragen. Die Antwort wird „Asta“ lauten.

Das Bauchgefühl triumphiert

Der Asta gewann eine Mehrheit im Akademischen Senat für ein Geschmacksempfinden, das da lautet: Das verbfreie Gedicht „avenidas“ über Alleen, Blumen, Frauen und einen „Bewunderer“ verursache „irgendwie (…) ein komisches Bauchgefühl. Und ein komisches Bauchgefühl im eigenen Haus – das ist doch nicht schön. (…) Wir haben der Hochschulleitung geschrieben und ihr gesagt, dass wir uns mit dem Gedicht unwohl fühlen – und dass wir gerne wissen wollen, warum es eigentlich da hängt und ob es nicht diskutiert werden könnte, an die Wand mal was Neues zu schreiben. (…) Wir reden über unangenehme Erfahrungen, die wir gemacht haben, genauer gesagt, über sexuelle Belästigung und patriarchale Strukturen.“ Mit Zensur oder gar Faschismus habe die Entfernung des Gedichts nichts zu tun; es handele sich bei der Übermalung um „gelebte Demokratie“: „Wir wollen eine einfache Wand neu streichen und haben diese Entscheidung in einem langen Prozess durch demokratisch gewählte Gremien erkämpft.“ Kurz gefasst: Das kämpfende Bauchgefühl hat sich sein Haus zurückerobert. Friede den Wänden, Krieg dem Gedicht!

Der Rektor der Hochschule, ein Mann mit Humor auch er, bindet die Debatte ab mit dem Bonmot, die Entfernung der Kunst sei „ein klares Bekenntnis zur Kunst“. Schließlich soll dann durch eine Tafel auf den einstigen Stein des Anstoßes verwiesen werden. Wenn das mal nicht Schule macht in schlingernder Zeit: Die Abwahl eines Politikers wäre dann ein klares Bekenntnis zu diesem Politiker, die Missachtung von Gesetzen ein klares Bekenntnis zur Rechtstreue, die Erhöhung von Steuern ein klares Bekenntnis zum schlanken Staat. Der Anwendung sind keine Grenzen gesetzt.

Exklusive Ignoranz

Eugen Gomringer, 93 Jahre alt, mit ebenso schweizerischen wie bolivianischen Wurzeln, ist eher zum Heulen als zum Lachen zumute. Es benennt den unfreundlichen Akt jener Hochschule, die ihn 2011 mit dem „Alice Salomon Poetik Preis“ auszeichnete, als das, was er ist, als einen „Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie“ – wovor selbst hochbetagte Pioniere eines programmatisch antipopulistischen Genres wie der Konkreten Poesie in diesen Tagen nicht gefeit sind. Gomringers Erschütterung über den „unverständlichen und unverantwortlichen“ Vorgang sorgt beim Zensierten gewiss ebenfalls für ein „komisches Bauchgefühl“, doch den Letzten beißen bekanntlich die Hunde.

Fast schon hat man sich daran gewöhnt, dass staatliche Hochschulen, die einmal ganz zweckfrei, radikal vorurteilslos die Universalität des Wissens abbildeten, sich zu geschlossenen Vereinen mit Klubmoral entwickeln. Nun drängt der Geist der Unfreiheit aus den Aulen und Sälen hinaus auf die Wände und Fassaden. Die exklusive Ignoranz ist da, im Namen freilich ihres Gegenteils. Auch die Reaktion kennt ihre Dialektik.

Milan Rosche | Do, 25. Januar 2018 - 11:36

Das macht alles gar nichts. Die wirkliche Elite von morgen recherchiert und vernetzt sich derzeit im Internet. Von den Asta-Mitgliedern, die sich mit Sexismus in romantischen Gedichten beschäftigen wird man nie wieder etwas hören.

Gerd Runge | Do, 25. Januar 2018 - 12:15

das Gedicht ist natürlich ganz starker Tobak.
Aber in Berlin wundert mich ohnehin nichts mehr.

Wenn schon in der Politik nicht, warum dann an den Hochschulen nicht auch.

Claus Bänsch | Do, 25. Januar 2018 - 12:28

Da ich des Spanischen nicht mächtig bin, wäre eine Übersetzung ganz schön.
Des Weiteren: Wieso benennt die Asta nicht die Dinge beim Namen? Ist wohl in ihren Augen "entartete Kunst". Ach so, diese Bezeichnung ist ja schon belegt.
Schöne neue Welt.

ich bin `Lateinerin´.
Das findet sich fast überall.
Avenidos, Avenue, Strassen y/und Frauen und Kinder und Blumen und ein Bewunderer, to admire.
Aus mir spricht aber nicht die Kundige, sondern die, die sich im Internet zu helfen weiss.
Man gibt einfach jedes Wort dort ein.
Da es sich hier nun um ein bekannteres Gedicht handelt, kann man auch den ganzen Satz eingeben und bekommt eine Übersetzung geliefert.
Der ASTA, Allgemeiner Studierendenausschuss.
Dennoch, trotz des Lobes auf das Internet ist Grundlagenwissen in irgendeinem Bereich gewissermassen als Lotse überall nötig.
Nur so kann man Wichtiges von Unwichtigem trennen.
Also würde ich die Bildung nicht "McDonalds" oder dem Internet überlassen.

Ralf Altmeister | Do, 25. Januar 2018 - 12:42

Als wollten links-grüne Kreise interkulturell-kompatible Verhältnisse etablieren.
Schon das Bauchgefühl und der Verdacht, dass in dieser Richtung bestimmte Personengruppen durch sexuelle Anspielungen eine Provokation mit unabsehbaren Folgen empfinden könnten, reicht aus für vorauseilende Unterwerfung.

Udo Dreisörner | Do, 25. Januar 2018 - 12:49

.. wir schaffen uns wirklich ab. Das Land der Dichter und Denker ist verkommen zu einem Land der Lächerlichkeit. Wo soll das noch hinführen? Meine Güte ist das grauenhaft geworden.

Ruth Müller | Do, 25. Januar 2018 - 13:01

... sind Lesben. [Statistika]
In Hellersdorf ist die ASTA von Queer & AntiFA gekapert. Es sollte sich keiner wundern über den Verlauf der Diskussion. Die Frage ist, ob die auf Zeit Alimentierten Minderheiten das Recht haben über die Kunst und den öffentlichen Raum zu richten.
Es ist immer wieder erstaunlich wie die "Pseudo-Linke" versucht rückwirkend sich die Welt ihrem Sinne a-historisch zu säubern und umzugestalten.
Der grosse Genosse Stalin lässt grüssen.

Der "Führer aller Werktätigen" grüßt nicht nur aus der Berliner Alice-Salomon-Hochschule. Er ist nicht nur in Berlin und darüber hinaus im ganzen Land putzmunter. Darum fühle ich mich als ehemaliger DDRler in diesem Land auch so wohl: wie vertraut ist mir die Vorsicht, mit der ich meine Worte setze, mein Gesprächspartner auswähle und bei immer mehr Gelegenheiten die Zähne zusammenbeiße. Wie vertraut ist mir dieses Land, wenn ich die Worthülsen der AM und ihrer Genossen aus dem Zentralkomitee der Vereinigten Sozialistischen Parteien höre. Es ist eine wahre Wonne, in diesem Land zu leben.

Willi Mathes | Do, 25. Januar 2018 - 13:07

Sitzt !

Einfach nur Kulturbarbarei unserer selbsternannten " Egalisierer " !

Danke Herr Kissler !

Monika Medel | Do, 25. Januar 2018 - 13:21

Hiermit oute ich mich als Sexistin: Genau dieses Gedicht hat vor nicht ganz 20 Jahren eine von mir betreute Referendarin im Deutschunterricht unserer Hauptschule behandelt - zum allgemeinen Wohlwollen. Auch im Kollegium gab es Interesse - das Poem sprach einen mehr, den anderen weniger an, aber keine und keiner kam auf die Idee, da würden "Frauen zu Objekten degradiert". Würde man sich da heute noch trauen? O tempera ...

Karl Kuhn | Do, 25. Januar 2018 - 13:32

Klar, solche hysterische Zensur ist hässlich. Aber mal ehrlich: dieses 'Gedicht' ist doch ein belangloser kitschiger Schmarrn, bei aller Liebe zur Poetik. Wenn es jetzt vor allem stehenbleibt, weil verwirrte neopuritanische Tugendwächter es entfernen wollen, ist das auch nicht gerade eine Ideallösung.

Mir persönlich bereitet es hingegen großes Unbehagen, mitansehn zu müssen, wie sich die Bundesrepublik immer mehr der Sorte Bevormundungs- und Spitzelstaat annähert, wie wir ihn schon zweimal auf deutschem Boden hatten.

Thoralf Krueger | Do, 25. Januar 2018 - 13:41

Wenn kulturtotalitaristische Bestrebungen wie diese hier ein Zeichen von gelebter Demokratie sein soll, dann waren die Bücherverbrennungen wohl eine Sonderform der literarischen Auseinandersetzung.
Schlimm, dass es hier eine Hochschulleitung gibt, die diesem Unsinn kein Ende setzen wollte.
Wie mag es wohl in dieser Hochschuleinrichtung mit der Freiheit von Forschung und Lehre (Leere) bestellt sein?

Jörn Weitzmann | Do, 25. Januar 2018 - 13:45

"Diejenigen, die sich für das Übermalen des Gedichts ausgesprochen haben, sollten einmal überlegen, ob sie nicht aus gleichen Gründen, die Hochschule, benannt nach Alice-Salomon, einer liberalen Sozialreformerin in der deutschen Frauenbewegung, umbenennen sollten. Oder dürfen an der Hochschule nur Frauen studieren?" Da es in der deutschen Sprache keine Satzzeichen für Ironie gibt, werden diese hiermit nachgeliefert.

Maria Fischer | Do, 25. Januar 2018 - 13:47

ich danke ihnen Herr Kissler und der Cicero Redaktion für diesen Artikel. Es ist so unendlich traurig was in diesem Land geschieht, dass man kaum mehr Worte dafür finden kann. Nur noch "schweigen" in Anlehnung an sein Gedicht.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 25. Januar 2018 - 14:19

Kann man das nicht anders vervollständigen?
Vielleicht hat das Haus noch eine Fassade oder drinnen?
Ausgewogenheit bedeutet nicht indifferentes Sprechen.
Vielleicht "Gracias a la vida"von Violetta Para oder von einer zeitgenössischen Künstlerin.
Oder eine Skulptur?
Diese Aktion hat für mich von weitem schon ewas von Auslöschung.
Oder hat der Künstler etwas getan, das dies rechtfertigen würde?

Richard Grünert | Do, 25. Januar 2018 - 14:30

"Vonseiten der Verwaltung muss eine gründliche Reinigung der Sprache bewirkt werden. Zu diesem Zweck müssen Wissenschaftler beschäftigt werden, welche die Sprache überwachen und auf die Schulen Einfluss ausüben." Allgemeinener Deutscher Sprachverein (ca. 1890)
Die autoritären Geschlechtstümler haben die autoritären Deutschtümler abgelöst.

Stefan Jess | Do, 25. Januar 2018 - 14:31

Der moralische Imperativ, getragen durch bestimmte Gruppen, hat in Deutschland inzwischen bedenkliche Ausmaße angenommen.

Um sich eindeutig, korrekt und unangreifbar zu verorten, rufen die guten Menschen dazu auf das Nicht-Denkbare nicht zu tolerieren, es auszumerzen. Man will in keinen Verdacht geraten!

Dinge wie Nation, traditionelle Familie oder das Leistungsprinzip sind in bestimmten Kreisen inzwischen Schimpfwörter und führen zur Verurteilung.

Dass es soweit kommen konnte, dass die AfD im Parlament sitzt, dafür tragen neben den linken Leitmedien auch viele in den bürgerlichen Parteien Verantwortung.

Wir brauchen einen neuen, modernen Konservatismus!

Eine politische Bewegung die zeigt, dass Anstand, Verantwortung und Hilfsbereitschaft aus Stärke heraus zeitlose Begriffe sind. Begriffe, die sich auch und gerade mit Umweltschutz oder Sozialpolitik vertragen.

Helga Ahrens | Do, 25. Januar 2018 - 14:40

nun ja, Kunst ist das, was man draus macht. Eine 'Wand der Ignoranz und Kleingeistigkeit' kann doch auch Kunst sein. Allerdings - wenn diese Wand nur in den Köpfen ist, nein, dann wohl eher nicht. Aber man könnte vielleicht das Ganze auch so sehen - hier war der der Studentenausschuss tätig ... der Begriff 'Ausschuss' hat einmal die Bedeutung von Denken und Handeln und einmal den des nicht Gelungenen ....

Wolfgang Z. Keller | Do, 25. Januar 2018 - 14:53

... vieler guter bis bester Artikel im Cicero, und bei dieser für mich nicht nachvollziehbaren Genderposse kommt mir der Gedanke, ob nicht beantragt werden sollte, dieser Schule den Namen Salomon zu entziehen und durch Schwarzer zu ersetzen, wobei diese Frau meines Erachtens durchaus ihre Verdienste hat.
Aber natürlich ist mir klar, dass diese Alice mit jenem König und seiner sprichwörtlichen Weisheit nur zufällig den Namen teilt ...
Meine Oma pflegte in den frühen 60ern ab und an zu sagen "Wenn der Mensch spinnt, gibt er ein Zeichen" - die käme vermutlich heute aus dem Wundern nicht mehr heraus.

„Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Das hatte doch nur mit Verehrung der Frauen zu tun. Verehrung!. Und mit Blumen vergleicht...
Sollte mann ein Bewunderer! jetzt als Spanner sehen?
Traurig...sind die Zeiten...
Alles Gute.

Rolf B. Greven | Do, 25. Januar 2018 - 14:54

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin, hat die geplante Übermalung des Gedichts von Eugen Gomringer als "erschreckenden Akt der Kulturbarbarei" bezeichnet.

Christian Döring | Do, 25. Januar 2018 - 14:58

...erleben wir eine moderne Form der Bücherverbrennung in den Farben von Gender-Mainstream vor linksgrünem Hintergrund ? Den Begriff von "entarteter Kunst" greift man zurecht nicht auf aber gelebt wird er schon mal und das nicht irgendwo am rechten Rand sondern in der linken Mitte. Toleranz war dort niemals zuhause. Ähnlichkeiten zu SpiegelkolumnistInnen wären blanker Zufall ...

Ewald Busch | Do, 25. Januar 2018 - 15:30

Und willst Du nicht mein Bruder sein dann schlag ich Dir den Schädel ein. Wie war das mit der Diktatur des Proletariats,das sind nicht nur die Schlägertrupps in Berlin und Hamburg, sonder auch die die Gedichte entfernen lassen vielleicht werden auch noch Bücher verbrannt. Aber die Bösen sind immer die Anderen.

helmut armbruster | Do, 25. Januar 2018 - 15:42

weder ist das Gedicht selbst Kunst noch wäre die Entfernung so was wie ein Bildersturm.
Wundern muss man sich nur über das, was da alles hinein interpretiert wird.

Arne Bruhn | Do, 25. Januar 2018 - 16:07

In den Jahren 1998-2009 residierte in Schleswig-Holstein die Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave, sie tat sich damals mit der Forderung hervor, das gute alte Volkslied "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt" aus dem 'Liederbuch für Schleswig-Holstein zu entfernen, da mit den Zeilen
"...Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn,
sie haben im Haus und im Garten zu tun; " die Frauen diskriminiert und herabgesetzt würden.
Sie sehen, Irrland war hier schon viel früher!
Wie gut ist es da, dass 'die Dummheit' weiblich ist, da wird wohl niemand das Sprichwort "Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen" beanstanden und verbieten wollen - hoffe ich.....

Linda Barg | Do, 25. Januar 2018 - 17:07

Unglaublich, aber wahr. Wen trifft es als nächsten im Namen der korrekten Kunst, Poesie, Sprache?
Mir fiel dazu nur Wilhelm Busch ein: Heißa! rufet Sauerbrot- Heißa meine Frau ist tot !
Schön böse, in diesem Sinne

Heidemarie Cöllen | Do, 25. Januar 2018 - 17:10

Eine Tefel am Haus soll über das übermalte Gedicht informieren. Tafeln an Hauswänden erinnern allzuoft an politisch Verfolgte aus vergangenen Zeiten. Fällt hier den politisch Korrekten noch immer nicht auf, wie weit die Zensur schon gediehen ist? Sind wir bereits bei der Bücherverbrennung angelangt?
Aber zum wunderbaren Gedicht von Herrn Gomringer - es ist geschrieben, es ist in der Welt, und keine Zensur kann es tilgen. Und das ist gut so.

Ursula Horvath | Do, 25. Januar 2018 - 18:35

in England die verwirrten tugendhaften Puritaner, die einen Bürgerkrieg entfacht hatten und nach dessen Ende, Richtung Amerika davon segeln mussten, um genau dort weiter zu machen. Fanatiker, egal für was sie ihren enthemmten Fanatismus ausleben, sind gefährliche Menschen, denn sie zersetzen Gesellschaften und errichten in der Regel Terrorregime mit der dementsprechenden Gehirnwäsche. Im mittleren Westen, der USA traut sich kaum Jemand zu behaupten, er wäre Atheist, dort konnten diese EX englischen Fanatiker Fuß fassen und "Ihre Gesellschadft" gestalten. Der Anfang sieht immer relativ harmlos aus, aber das Programm dahinter, ist längst geschrieben!

Wilhelm Maier | Do, 25. Januar 2018 - 19:28

Müssen wir jagen? Hexenjagd, oder auch, weich ausgedruckt: „Hexenverfolgung“ hat doch schon längst in allen unsern Lebensbereichen begonnen. Ob es sich um Kontinenten, Länder, Parteien, Politik, Gruppen oder Personen, und, und, und…. sich handelt. Der Umgang mit Denkmälern, mit Gedenktafeln, und mit Statuen, die auch als freistehende Skulptur uns auf nicht unbedinkt Richtige!(hallo!!) Gedanken bringen kann. Aphrodite ...
Venus von Urbino …
...
...
Wie weit sind wir von der Neue „Frühe Neuzeit“ Entfernt?

Gerd Runge | Do, 25. Januar 2018 - 19:56

wenn poetische Werke in Zukunft auch in genderspezifischem Neuschreib verfasst und verlegt werden?
Mit * oder |innen? Ich kenn die korrekte Syntax nicht so genau.
Damit würde man auch der letzten Sexismus-Keule den Wind aus den Segeln nehmen.

Ralf Peters | Do, 25. Januar 2018 - 23:04

Die Studenten wissen garnicht, was dies für Auswirkungen für jeden einzelnen haben kann. Schon heute sind Studenten die aus Berlin und Bremen kommen, außerhalb dieser Länder bei Einstellungen stark im Nachteil. Ich kann mir sehr gut vorstellen, das die Absolventen dieser Hochschule durch diese Maßnahme ihre Berufsaussichten massiv erhöht haben ;)

Christine Sander | Do, 25. Januar 2018 - 23:11

"Die "Große Proletarische Kulturrevolution" ragt wie ein erratischer Fremdkörper aus der Geschichte des Weltkommunismus im 20. Jahrhundert.[1] Kein anderer kommunistischer Parteiführer außer Mao Zedong setzte den Erfolg einer sozialistischen Staatsgründung scheinbar mutwillig aufs Spiel, indem er die Volksmassen zum Widerstand gegen "revisionistische" Tendenzen innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) selbst aufrief. Zeitgenössisch wurde die Bewegung von Vertretern der Moskau-treuen Linie als "Kinderkrankheit des Kommunismus" und als Ausdruck eines "wildgewordenen Kleinbürgertums" gebrandmarkt. " (Bundeszentrale für politische Bildung)

Wolfgang Schuckmann | Fr, 26. Januar 2018 - 00:03

Und sollte es so kommen, dass diese Art von Gedicht vielleicht Frühlingsgefühle beim geneigten Leser erzeugen würde, dann könnten sich die Demographen doch ungemein freuen.
Den Import geeigneter Flüchtlinge könnte man sich dann wenigstens für dieses Mal sparen, oder:
wen Gott strafen will, den schlägt er mit Dummheit. Und die, so scheint es an unseren Uni´s, hat in diesem Fall gerade Konjunktur.
Die Folgen einer solchen Gebildetheit werden über kurz oder lang gnadenlos sichtbar werden. Schon jetzt werden die eklatanten Folgen unserer "Bildungspolitik" sichtbar. Beschämend und widerwärtig.

reinhard rinner | Fr, 26. Januar 2018 - 08:21

Die Saat der 68er ist aufgegangen, leider fast ausschließlich mit Wildwuchs und viel Unkraut.
Das war bestimmt nicht so geplant, dass nun radikale Minderheiten, gefangen in ihren krausen ideologischen Blasen, den Ton angeben.

Bernhard K. Kopp | Fr, 26. Januar 2018 - 09:29

Einige Zeilen Lyrik, in spanischer Sprache, an einer Berliner Hausfassade, soll also Kunst sein. Da es im Lebensumfeld der Hausfassade natürlich kaum jemand versteht, ist es wohl eher überflüssig.

Klaus Dittrich | Fr, 26. Januar 2018 - 10:02

Die (mehrheitlich zugezogenen) Berliner wird es wahrscheinlich wenig stören; zumindest habe ich in meinem Bekanntenkreis keinen Aufschrei vernommen. R/R/G hat ja eine weitere „Ermattung“ der Einmischung, welche über den eigenen Kiez hinausreicht, erzeugt.
Was mir aber wichtig ist – die zunehmende Meinungsdiktatur der Astas. Es geht ja schon lange nicht mehr um ein Gedicht – die selbsternannten Revolutionäre bestimmen maßgeblich die jeweilige Hochschulpolitik: In Berlin fällt dieses „Revolutionstribunal“ über Prof. Münkler her; in Bremen muss sich ein Prof. Barberowski juristisch gegen diese Ideologiekrieger wehren (https://www.welt.de/geschichte/article163535334/Linksextremisten-wollen…) usw.
Und hinter diesen Astas sammeln sich oft geistige Tiefflieger, denen für ein Studium die geistigen Grundlagen fehlen, die dafür aber gern an anderen den Unmut auslassen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 26. Januar 2018 - 11:20

"Sag mir wo die Blumen sind,
wo sind sie geblieben.
Sag mir wo die Blumen sind,
was ist geschehn.
Sag mir wo die Blumen sind,
Mädchen pflückten sie geschwind.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehn."
Was dachte ich mir dabei?
Nun, Männer schaffen es nicht, jedenfalls nicht alleine, das Leben zu schützen und zu hüten.
Die auch in der Romantik sichbar werdende Vergöttlichung der Frau (Sah ein Knab ein Röslein stehn") als Weg aus der Sackgasse der männlichen Vernunft, hat mich persönlich immer geärgert, weil ich wußte, dass ich denken kann.
Aber ich lasse die Männer nicht alleine.
Wenn wir Entsprechendes einmal von männlichen Göttern hören würden, fühlte ich mich besser.
Schön wäre dann eine wilde Blumenwiese bei der Schule, aber wahrscheinlich gibt es zu viele Allergiker.
Bei allem `Segmentieren und Klassifizieren´ braucht es auch zusammenhängende Sequenzen, Klänge an Schulen.
"Aber Frederick, Du bist ja ein Dichter.
Ich weiss es Ihr Mäusegesichter"

"Sag mir wo die Blumen sind" ein Antikriegslied von Pete Seeger 1955, mir bekannt, gesungen von Marlene Dietrich.
"Frederick, du bist ja ein Dichter" von Leo Lionni, mir bekannt aus dem Grundschulunterricht meiner Tochter.

Karin Zeitz | Fr, 26. Januar 2018 - 14:30

und Universitäten sind offensichtlich nicht mehr Orte der freien Forschung und der Meinungsfreiheit. Der direkte Einfluss der Politik und vorauseilender Gehorsam treiben merkwürdige Blüten und schwächen den Wissenschafts- und Kulturstandort Deutschland.

raimund höllriegel | Fr, 26. Januar 2018 - 16:23

fakt ist, dass andere auch mal ranwollen. gedichtewechsel im turnus von 5 jahren, danach schaut sowieso keiner mehr hin. wahrscheinlich schon viel früher. dabei ist es jedoch eine ganz andere frage, ob man gedichte überhaupt in "übergröße" an häuserwände drapieren muss. gerade die lyrik hat ihrer eigentlichen bestimmung nach, ihren besten "resonanzraum" im stillen und intimen. der öffentliche raum ist dazu die gegenwelt, der sich zu einer immer hysterischeren kampfzone ausweitet.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 28. Januar 2018 - 11:20

hineinhören möchte, dem empfehle ich die Reihe "Bekannt trifft Unbekannt" jetzt wohl unter dem Namen "poetische Begegnungen" kuratiert bzw. Hrsg. von Frau Dr. Frauke Tomczak, Onomato-Verlag.
Frau Frauke Tomczak stimmt nicht mit meinen politischen Ansichten überein, poetisch stimme ich aber oft mit ihr überein.
Interessant in unserem Zusammenhang ist die Anwesenheit von Frau Nora Gomringer bei einer Veranstaltung dieser Reihe im Onomato.
Es heisst, der 2. Band erscheint in Kürze.
Ich würde mich freuen.

Jens Schuster | Fr, 2. Februar 2018 - 10:51

Allen interessierten Lesern empfehle ich Robert Pfallers gleichnamiges Buch.
Ich bin gar nicht mit dessen politischen Ansichten konform, aber sehr mit seiner treffenden Analyse, wie die öffentlich zur Schau getragene Verletzlichkeit jedes Einzelnen den Zusammenhalt der Gesellschaft zertört. Infantilität!
Zitat: "Wenn nicht mehr Erwachsenheit – und alles, was dazu gehört – öffentlicher Standard ist, sondern diverse Empfindlichkeiten, Herkünfte oder sonstige Beschaffenheiten, dann ist es den Profiteuren der neoliberalen Umverteilung nicht nur gelungen, die Verlierer in lauter irrelevante, rivalisierende oder verfeindete Untergruppen auseinanderzudividieren. Vielmehr ist es dann auch gelungen, jene Öffentlichkeit zu zerstören, in der solche Gruppen sich auch nur so weit solidarisieren könnten, dass sich erörtern ließe, wie sie trotz aller Divergenzen friedlich und für alle erträglich zusammenleben könnten[...], was bei allen konfliktuellen Interessen doch zum Vorteil [Aller] wäre

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