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Brief, Anruf, E-Mail, Videochat ... Was gilt heute bereits als Klassiker? / dpa

Der Flaneur - Nostalgie allerorts

Wir gehen schnellen Schrittes in die Zukunft. Immer mehr Menschen sehnen sich daher nach der Vergangenheit - dem Klassischen. Unser Kolumnist Stefan aus dem Siepen fragt sich, was bereits Klassiker sind.

Stefan aus dem Siepen

Autoreninfo

Stefan aus dem Siepen ist Diplomat und Schriftsteller. Von ihm erschien zuletzt bei dtv „Aufzeichnungen eines Käfersammlers. Unzeitgemäße Erzählungen“. (Foto: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

So erreichen Sie Stefan aus dem Siepen:

Die Sehnsucht nach der Vergangenheit grassiert, und sie macht auch vor der Ernährung nicht halt. In guten Bäckereien wird „Brot aus dem Steinofen“, ersatzweise dem „Holzofen“ angeboten. Und dass der Bäcker „alte Mehle“ verwendet, um „nach traditioneller Art“ seinen Teig anzurühren, erwarten die Kunden nicht nur in grün-regierten Universitätsstädten. Kochbücher und Internetseiten, die „Gerichte aus der guten alten Zeit“, „Heimwehküche“ oder „Omas leckerste Rezepte“ präsentieren, finden zuverlässig Klicks und Käufer. Neuerdings tritt sogar die Uroma auf den Plan: „Schätze aus Uromas Backbuch“ verströmt noch stärker das betörende Flair des Vergangenen, die bloße Oma genießt als Gewährsfrau kein rechtes Vertrauen mehr: Wegen des Jugendwahns tritt sie wie eine jung gebliebene Frau auf und kocht vermutlich sogar vegan.

Die konsequenteste Form der Nostalgie ist die Rückkehr in die Steinzeit. Kein Wunder daher, dass sich „Steinzeiternährung“ wachsenden Zuspruchs erfreut. Das in den USA entwickelte „paleo food“ verschmäht die Erzeugnisse von Ackerbau und Viehzucht, setzt stattdessen auf alles, was man jagen und sammeln kann. Recht so! Es hat sich herumgesprochen, dass die Geschichte der Menschheit ein einziger großer Irrweg war, und besonders die Moderne liegt als Fiasko vor unser aller Augen; da bleibt nichts übrig als: „Gehe zurück auf Los!“

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Tomas Poth | Mi., 10. November 2021 - 11:36

Nicht nur bei Kochrezepten, sondern auch in der Energieversorgung. FfF möchte zurück in das vorindustrielle Zeitalter, ein weiteres Beispiel für Ururururur-Omas Rezepte.

gabriele bondzio | Mi., 10. November 2021 - 12:24

Die habe ich ja schon bei dem Artikel "WOHIN MIT IHREM GELD?/Stelter angezeigt.
Lese gerade meiner (inzwischen bettlägrigen Mutter) einen Roman über Alaska vor.
Da kann Frau sich einiges merken, wie die Eskimo`s und Trapper zu Wärme und Mahlzeiten kamen. Eben was man jagen, sammeln und haltbar machen kann.
Ich koche seit Jahren viel ein, denn auf den Tiefkühlschrank ist im Fall des Falles (der ja nun nicht so unwahrscheinlich) auch kein Verlass.
Und zum Glück hat Frau in den alten Fachwerk-Bauernhäusern, sehr dicke Mauern (Feldstein-Lehmstruktur) und eine großzügig-geschnittene Speisekammer.

Rob Schuberth | Mi., 10. November 2021 - 19:32

Diesem Trend kann ich nur zustimmen.

Auch junge Menschen haben mittlerweile bemerkt, dass es nicht sinnvoll ist, ständig die neuesten Modelle zu kaufen, die dann doch nur wieder kurze Zeit halten, da sie keine Qualität darstellen, sondern nur zum Konsumieren produziert wurden (bald wegwerfen).

Der Trend hin zur guten alten Qualität, die dann auch gerne etwas teurer sein darf, ist schon einige Zeit zu beobachten.

Bei den bald kommenden Blackouts wird sich zeigen wer ohne I-Net auskommt u. wer dann am Rad dreht.
"Alte weiße Männer" u. auch diese Frauen dürften dabei besser wegkommen, da sie noch ohne den ganzen Schnickschnack aufwuchsen.

Qualität setzt sich immer durch.
China wird das auch noch merken.

Und die Autobauer werden auch bald weniger Modelle anbieten, dafür aber längere Lebenszeiten ihrer Produkte. Deren höhere Preise gleichen das gewinntechnisch wieder aus.