Reportage von Claas Relotius über Fergus Falls - Wer ist hier der Depp?

Die Reportagen des „Spiegel“-Reporters Claas Relotius waren offenbar zum großen Teil gefälscht. Einen besonders krassen Fall haben jetzt zwei Reporter aus Fergus Falls aufgedeckt. Eine Stadt in Minnesota, die Relotius als Ansammlung tumber Trump-Wähler darstellte

Verschiedene Ausgaben des Spiegel-Magazins
Der „Spiegel“ schickte seinen Starreporter Claas Relotius nach Fergus Falls. Aber war er überhaupt da? / picture alliance

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Im Februar 2017 schickt der Spiegel seinen Starreporter Claas Relotius nach Fergus Falls, eine kleine Stadt im Mittleren Westen der USA. Der deutsche Journalist soll dort mehrere Wochen unter den Einheimischen leben, um dem Rätsel des ländlichen Amerika und seiner Trump-begeisterten Bewohner auf den Grund zu gehen. Tatsächlich trifft Relotius im Bundesstaat Minnesota auf eine stattliche Reihe von Hinterwäldlern, die jedes Klischee über das rückständige Provinzlertum ruraler Republikaner-Wähler zu bestätigen scheinen. Nachzulesen ist der Bericht dieser Expedition in einer Spiegel-Ausgabe vom März 2017 unter dem Titel „In einer kleinen Stadt“ – in der Unterüberschrift heißt es raunend: „Ein Monat unter Menschen, die sonntags für Donald Trump beten“.

Nie eine Frau, nie am Meer?

Der inzwischen als gewerbsmäßiger Märchenerzähler enttarnte Relotius hatte aber offenbar nicht damit gerechnet, dass die Bewohner von Fergus Falls keineswegs jene Provinzdeppen sind, als die er sie darstellt. Zwei von ihnen, Michele Anderson und Jake Krohn, haben die Rechercheergebnisse des Spiegel-Reporters nachverfolgt und zerpflücken dessen Artikel nach Strich und Faden. Am schönsten ist dabei eine Passage über einen angeblichen Waffennarren namens Andrew Bremseth, der mit seinen 27 Jahren noch nie mit einer Frau zusammen gewesen und auch noch nie am Meer gewesen sei. Anderson und Krohn warten in ihrem Beitrag mit einem Foto von Bremseth auf, das ihn mit seiner langjährigen Freundin Amber am Meeresufer zeigt.

Tatsächlich erfährt man in der Gegenrecherche von Michele Anderson und Jake Krohn deutlich mehr über eine Kleinstadt im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten als in den meisten Betroffenheitsstücken aus deutscher Produktion. Von Relotius‘ Räuberpistole ganz zu schweigen. Oder wie der Kollege Sascha Lehnartz von der Welt auf Facebook schreibt: „Das ist auf beinah tragische Weise hochkomisch. Man fragt sich nach der Lektüre dieses Stücks nur, wie irre gut der Text über Fergus Falls hätte werden können, wenn Relotius tatsächlich mit Bewohnern gesprochen hätte.“ Aber lesen Sie am besten selbst.
 

Auch für „Cicero“ hat der Reporter zwischen 2012 und 2016 gelegentlich als freier Autor geschrieben. Wir überprüfen die Artikel.

André Oldenburg | Do, 20. Dezember 2018 - 13:13

Seit mindestens dem Jahr 2015 wurden sehr viele Berichte geschrieben und gesendet, die nur noch einem schwarz-weiß Bild entsprechen und so klischeehaft sind, das eine Überprüfung diesen Herrn Relotius als einen ganz normalen Journalisten erscheinen lassen.
Herr Relotius, der Spiegel und die anderen Journalisten und Redakteure werden ihr Weltbild nicht ablegen, sie werden weiterhin die Welt durch die gleichgetönte Brille sehen und es wird sich nichts verändern.
Es war ja für die richtige Sache, der Zweck heiligt die Mittel.

Rudolf Stein | Do, 20. Dezember 2018 - 17:55

In reply to by André Oldenburg

Da bleibt doch nur eine Frage: wieviele Relotiusse gibt es in wievielen Spiegeln noch?

Juliana Keppelen | Do, 20. Dezember 2018 - 13:31

Wie bestellt, so geliefert und die Überhäufung mit Preisen hat das bestätigt.

Michael Studer | Do, 20. Dezember 2018 - 14:03

Nur ein Einzelfall? Ist es nur der "Journalist" Relotius oder fordern Redaktionen von vornherein eine bestimmte Richtung ein? Wie unkritisch sind wir Leser und wollen wir solche Klischees nicht irgendwie auch gerne lesen und "bestätigt" wissen? Wie offen und selbstkritisch wird Presse und Journalismus mit diesem Thema umgehen? Wie ausgewogen ist politischer Journalismus, wenn die Journalisten deutlich überproportional einem links-grünen Spektrum angehören? Wie verbreitet ist (neben der hier aufgedeckten reinen Lüge) der subtile, durch Auswahl, Betonung, Weglassen, Bilder, Hintergrundmusik etc. beeinflussende, tendenziöse Journalismus? Warum gibt es in Zeitungen so selten mehrere, unterschiedliche Kommentare zum gleichen Thema? Warum wird Trump in Europa fast immer in unvorteilhafter Mimik gezeigt? Wie sauber wird zwischen konservativ und rechtsradikal unterschieden?

Es wird Zeit, dass wir alle, nicht nur Journalisten, ehrlich und selbstkritisch über solche Fragen nachdenken.

Hallo Herr Studer,
während ich ihren Kommentar gelesen habe, hatte ich das Gefühl eines Deja-vu.
Ich lese gerne die SZ. Ein Artikel: "Der Junge aus Kumul" von August 2018 war so Irrational bzw.haarsträubend so das ich den Redakteur angeschrieben habe mit den Verweis, dass der Art. auch "Märchen aus 1001 Nacht" heißen könnte.
Habe dabei einige Passagen zitiert und an deren Glaubwürdigkeit gezweifelt.
Der Redakteur schrieb mir wirklich zurück!
Die Antworten dazu waren pauschalierend und teilweise herablassend: wie ich die Schilderungen überhaupt anzweifeln könne. Und es fiele die Worte:(wenn es konkret wurde)..."bestehen keine Zweifel...darum gehe es nicht...nicht relevant...
Am Schluß hieß dann noch (nach einem Gedankenspiel von mir), er halte dies für unsachlich & unangemessen...und sie würde ihn nicht überraschen i.Z. mit meiner Mail.
Anstatt den kritischen Leser gehör zu schenken, wird dieser eher diffamiert um nicht zu sagen: nicht für VOLL genommen.
So geht Zeitung 2018 !

Karin Wolter | Do, 20. Dezember 2018 - 14:34

Eigentlich ist es egal, ob die Geschichten dieses Spiegelautors oder anderer Autoren, mit demselben Auftrag stimmen. Menschen ohne Freundin, oder solche, die noch nie am Meer waren, existieren real, auch wenn die Autoren sie tatsächlich nicht getroffen haben. Auch bei Hillary Clinton- und Obama ´Wählern gibt es solche Mitmenschen. Dann muss man nur noch geschickt montieren, und man hat das Bild, was man transportieren möchte. Dazu muss man seinen Schreibtisch nicht verlassen. Wer recherchiert, aber mit Scheuklappen, kann überall persönlich hinreisen und -schauen, er wird immer zum gleichen vorgestanzten Ergebnis kommen. Nur wenn der Spiegel, und andere Medien, oder auch Politiker Gedankenfreiheit geben, gibt es auch ein differenziertes Bild. Das Problem ist nicht der Autor, der sich erwischen ließ, sondern die Struktur, in der er arbeitet, und die er erfolgreich vorgeführt hat.

Dorothe Gaede | Do, 20. Dezember 2018 - 14:45

werden die Zuschauer/Leser der regierungsnahen Medien ( TV, Print)
schon lange gemacht. Aber immer mehr Bürger informieren sich auch abseits dieser Medien. Es ist löblich, dass der Spiegel diese fake news als solche anerkennt und publik macht.
Allerdings wird das den grandiosen Vertrauensverlust den der Spiegel ( taz, Stern, Welt, Zeit, Focus... ein Blick auf die sinkenden Auflagenzahlen genügt) aufgrund seiner Veröffentlichungen betr. der Migrationskrise zu verzeichnen hat, nicht wett machen. Wenn Meinungen (die nicht als solche gekennzeichnet sind ) als Information verkauft werden, die Kommentarfunktion bei kritischen Themen nicht zur Verfügung steht, alle Leser zu Nazis mutieren, die gegen "Mutti", Migration und die Meinungsmache gegen z. B. Trump, AFD, Brexit.... sind, dann ist der Depp auch der Mitarbeiter dieser "Qualitätserzeugnisse", der seinen Stuhl räumen muss, weil die Leser ihre Abo's kündigen.
Und das ist auch gut so!

Wolf-Dieter Hohe | Do, 20. Dezember 2018 - 19:22

In reply to by Dorothe Gaede

@Dorothe Gaede

...stimme Ihnen zu... siehe mein Beitrag weiter unten
Habe Ihren Kommentar erst nachträglich gelesen - Gruß W.D.H.

Dr. Roland Mock | Fr, 21. Dezember 2018 - 11:06

In reply to by Dorothe Gaede

Dasist der Punkt. Die Frage ist nicht, ob irgendein halbseidener Reporter Mist schreibt oder nicht. Die Frage ist, wer eigentlich in der Chefetage des SPIEGEL sitzt? Unter Augstein war der noch „das Sturmgeschütz der Demokratie“, brachte Minister zum Fallen und Kanzler zum Schwitzen brachte. Unter Aust nicht mehr ganz so relevant, aber immerhin noch professionell und seriös. Und Heute? Ein linkes Propagandablatt auf dem Niveau einer Omapostille; „Herz für die Frau“ oder so.

Klaus Göhn | Do, 20. Dezember 2018 - 15:09

Der Mann hat nur dass geschrieben, was der Bedeutungswelt des Spiegels entspricht.
Die bösen Trump Anhänger, die Frau, die sich alle Hinrichtungen ansieht und der Junge, der gegen Assad war mit seinem Graffitibild. Es war alles nur ausgedacht, aber es passt in die Gedanken dieser Linksintellektuellen. Diese Beiträge kann man über den Spiegel gut verkaufen.

Dr. Hans Elmsheuser | Do, 20. Dezember 2018 - 15:18

Es geht hier nicht um Fergus Falls. Es geht um Deutschland.
Dem Wohlstand folgt die Dekadenz und die Dekadenz ist der Vorbote des Untergangs. So war es schon immer und es wird nie anders sein. “Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt.” (Bismarck) Die vierte Generation ist klimaneutral, studiert gerade im 19. Semester Genderwissenschaft und will Abtreibungen bis zum neunten Schwangerschaftsmonat erlauben. Die schaffen das.
Agitation und Propaganda laufen in diesem Staat zur Hochform auf, die Moderatoren, Kommentatoren und Berichterstatter schlagen auf diesem Gebiet jeden Schauspieler!!!
Seit mindestens dem Jahr 2015 wurden sehr viele Berichte geschrieben und gesendet, die nur noch einem schwarz-weiß Bild entsprechen und so klischeehaft sind, das eine Überprüfung diesen Herrn Relotius als einen ganz normalen Journalisten erscheinen lassen.
Herr R. ist ein normaler Journalist in diesem Land

Susanne antalic | Do, 20. Dezember 2018 - 17:10

In reply to by Dr. Hans Elmsheuser

Niemand kann das besser beschreiben als sie, genau so sehe ich es auch. Danke

Alessandro LaPorta | Do, 20. Dezember 2018 - 21:27

In reply to by Dr. Hans Elmsheuser

So traurig Ihre Ausführungen klingen mögen, letztendlich bringen sie es auf den Punkt Herr Elmsheuser. Man ahnt, dass die Enthüllungen rund um die Causa Relotius sehr wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs darstellen.

Hubertus Elster | Fr, 21. Dezember 2018 - 10:44

In reply to by Dr. Hans Elmsheuser

Bravo Herr Dr. Elmsheuser,

treffender hätte man die Situation und Entwicklung unseres Landes nicht beschreiben können.

Wilhelm Maier | Do, 20. Dezember 2018 - 15:57

Kommt eventuell eine #me too'Journaille-Bewegung?
Oder etwas, (Hippokratischer Eid? usw.) was endlich "journaille" verpflichtet nur "Wahrheit und nichts außer Wahrheit"schreiben?...
So was wie Lügenpresse, ist viel schlimmer wie ein Raubüberfall mit Körperverletzungen, da so was nicht nur den Glauben an Medien ( der sowieso schon ziemlich schwindet!) sonder geht (auch nicht nur mir) auf denn Geist, und entzieht den letzten Glaubensfaden, der noch Verbindet. Die Nachbarschaft. Die Gesellschaft. Die Welt.
„Der Glaube ist ein großes Gefühl von Sicherheit für die Gegenwart und die Zukunft, und diese Sicherheit entspringt aus dem Vertrauen, auf ein übergroßes, übermächtiges, unerforschliches Wesen. Auf die Unerschütterlichkeit dieses Glaubens kommt alles an.“
Johann Wolfgang von Goethe.
M sorry!

Erwarten Sie nichts Unmögliches. Solche Fälschungen und solche Fälscher sind im System eingepreist. Könnten Sie sich das Hitlerregime ohne Goebbels vorstellen, oder die DDR ohne K. E. v. Schnitzler? Das ist unvorstellbar, denn diese Figuren hatten systemimmanente Aufgaben. So auch dieser aufgeflogene Journalist. Dass er aufgeflogen ist, ist schon verwunderlich. Aber hin und wieder müssen Opfer gebracht werden, um die Mär von dieser Staatsform am Leben zu erhalten. Schließlich gilt es, ganz andere, gewichtigere Personen zu schützen, die an Schaltstellen der Volksverdummung sitzen, beispielsweise im Staatsfernsehen oder in der Mainstreampresse.

Manfred Eggerichs | Do, 20. Dezember 2018 - 16:10

Es besteht jetzt eine kleine Hoffnung, dass in den Redaktionen deutscher Medien etwas sachlicher und wahrheitsgemäßer berichtet wird. Bisher ist es oft wie gewünscht, so geliefert. Bei den "Öffentlich Rechtlichen" zu erst und "Weglassen" ist auch gelogen!

Auch wenn es so sein sollte wie Sie es schreiben wird man es vlt. nur weglassen.
Das wird nur eine kleinere Lüge.
So lange bis der letzte Punkt aus dem Manifest von Alfiero Spinelli eine unumkehrbare Wirklichkeit wird.
Ungarn, Polen und andere Länder sind nicht ohne Grund in Brüssel und Berlin so verhasst.

Egon Zeimers | Do, 20. Dezember 2018 - 17:00

Ich zitiere nur:
1. "Keine Angst vor der Wahrheit" (Spiegel-Claim)
2. "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" (Heinz von Foerster)
Letzteres sollten sich übrigens alle selbsternannten Qualitätsjournalisten ... nein: nicht hinter die Ohren, sondern dorthin schreiben, wo sie es tagtäglich lesen können.

Piotr Mordel | Do, 20. Dezember 2018 - 17:53

Für mich hochtragisch, dass Herr Lehnartz die Sache so sieht, dass im Prinzip alles richtig dargestellt wurde, (A. von mir - die Trump-Anhänger sind Idioten) man müsste also nicht lügen. Und nur das war das Vergehen. Sonst stimmt die Richtung.
Und noch tragischer, dass nicht die Journalisten die Lügen entlarvt haben sondern die Betroffenen. Wie währst mit den Recherchen über Gauland-Sommerinterview-Protestler? Oder cottbuser Hetzjagden? Es ist seltsam still geworden. Alles schon unterm Teppich? ;)
Weiter so gilt also auch für Journalisten (ein Rätsel für mich), sie wollen einfach die selbstverschuldete Katastrophe nicht wahrnehmen. In meinem Bekanntenkreis (die meisten durchaus mit Hochschulabschluss also nicht die Abgehängten), niemand, aber wirklich niemand, nimmt den Spiegel und Co. ernst (seit ca 2 Jahren) . Man sucht im Netz nach Hintergründen und der Wahrheit. Manche sagen scherzhaft: „ist das Wahr oder hast du im Spiegel gelesen“. Schlimm :(

Gottfried Meier | Do, 20. Dezember 2018 - 18:03

Ach was soll´s? Karl May kannte das Land Winnetous angeblich auch nur aus Wildwest-Shows, mit denen Buffalo Bill auch in Deutschland gastierte.

Irgandwann wird man dann die Geschichte des Hochstaplers Claas Relotius verfilmen. Einen klangvollen Namen hat er ja! Ob der auch erfunden ist?

Wolf-Dieter Hohe | Do, 20. Dezember 2018 - 19:19

Die Pressestruktur vorgeführt Frau Walter ?
Zu allererst wurde/wird der Leser vorgeführt wenn auch nicht mehr ich... habe nach Spiegel`s von Assad großzügig gewährtem Auftrags-Interview für dessen traumhafte Darstellung, >> während dessen schlimmster Kriegsführung gegen die eigene Bevölkerung << (m)ein jahrzehnte langes Abo gekündigt <<
Sie glauben doch nicht im Ernst das "Der/Ein" Spiegel von diesem(n) Herrn*innen und weiteren Klonen weder wusste noch weiß? Der Spiegel hat die Assad Hymne doch nicht aus Überzeugung gesungen - Dieses ehemalige Qualitätsblatt wird beim wirtschaftlich "unendlichen Wiederauf " des nahen Ostens als Trompeter und Marktschreier :)unentgeldlich:( in erster Rehe marschieren
Auch wenn "Dem" Spiegel und von ihm bezahlten Schreiber mit diesem Artikel zu Lasten der Glaubwürdigkeit der gesamten Medien die Sache aus dem Ruder gelaufen ist...
Sollte Spiegel diese Partitur als Einziger spielen (können*)??...wohl eher nicht, oder ?
MfG WDH

Vetter Helmut | Do, 20. Dezember 2018 - 19:57

könnte man nicht schnell noch die rührensten Märchen als PDF-Geschenk verpacken?

Klaus Reichert | Do, 20. Dezember 2018 - 20:36

Die 99-jährige Holocaust - Überlebende in den USA, die im Interview fleißig AfD - Bashing betreibt. Der syrische Junge, der nach einer Anti - Assad Graffiti glaubt, er habe den Bürgerkrieg ausbelöst, der Flüchtling der in Deutschland 100 Euro findet, sie zur Polizei bringt und vom glücklichen Besitzer keine Belohnung will, weil man das als gläubiger Moslem nicht tut. Und so weiter. Es gibt noch Vieles wiederzuentdecken und mit anderen Augen zu lesen im Relonius - Spiegel - Universum. Ist der Name eigentlich echt?

Per L. Johansson | Do, 20. Dezember 2018 - 22:45

Was regen die sich denn so auf? Er hat doch letztlich nur das geschrieben, was seine Chefs und die SPIEGEL-Käufer lesen wollten. Und es hat offensichtlich sehr gut gefallen.
Dabei triefen die Story geradezu vor sentimentalen Bildern, kulturellen Klischees und Vorurteilen gegenüber Menscghen.
Aber wer diese selbst teilt, den stört all das nicht, dem fällt das eben gar nicht auf, ganz im Gegenteil, derjenige fühlt sich sogar noch bestätigt.

Warum einer realitätsfernen Geschichte mißtrauen, die perfekt ins eigene realitätsferne Weltbild paßt?

Nur deshalb konnte er so lange unentdeckt bleiben und deshalb müßten sich die Journalistenkollegen und ihre „linksintellektuelle“ Kundschaft zuvorderst an die eigene Nase fassen.
Aber in den Kreisen sind Fake-News ja per Definition immer „rechts“.
Entlarvt wurde hier daher nicht nur ein Autor, sondern das Weltbild derer, die seinen Lügenmärchen nur allzu gerne Gehör schenkten.

Jens Winkelmann | Do, 20. Dezember 2018 - 23:58

Wenn man sich die Mühe machen würde zu recherchieren, was der Journalist alles hinzu gelogen hat, so würde sich ein Mosaik eines links-liberalen Weltbildes ergeben.
Die Anerkennung und die Preise die er bekommen hat, beruhen sicherlich auch darauf, dass seine Artikel die Welt so beschreibt, wie die Auftraggeber sie gerne hätten.
Und wenn dieses das eigene Weltbild bestätigt,
dann lässt man sich auch ganz gerne belügen.
Ist das nicht auch eine Art von Populismus?

Marianne Bernstein | Fr, 21. Dezember 2018 - 00:31

sind eigentlich in Ostdeutschland unterwegs damit die Zeitschriften auch die "richtigen" Artikel bekommen?

Karl Napp | Fr, 21. Dezember 2018 - 04:01

Orwells Winston Smith bekäme nun den Auftrag so einiges einzusammeln, einzustampfen und die inkriminierten Beiträge rückwirkend abzuändern
So weit ist es noch nicht - so what?

Christian Froelich | Fr, 21. Dezember 2018 - 04:53

Seit dem Weggang von Herren Augstein, hatte sich der Spiegel zu einem Regierungsblatt,der Mächtigen entwickelt, der seitdem beständig das Hoch auf die Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft und die Einführung der Agenda 2010 unter Gerhard Schröder feierte. Vermeintliche Linksintellektuelle kann ich seit dem dort nicht mehr entdecken. Eher die Aufabe eines regierungskritischen,unabhängigen,handwerklich gut gemachten & investigativen Journalismus zugunsten einer,sich an dem billigem Zeitgeist,oreientierend machenden Berichtstatt- ung,gepaart mit der unangenehmen Ansammlung eines neoliberalen,selbstgerechten Moralismus, der im Bezug auf die Geschichte des Blattes nehmend, als pseudointelektueller Etikettenschwindel daherkommt.

Robert Friedrich | Fr, 21. Dezember 2018 - 09:21

Der kleine Mann mit dem Schwarz Rot Goldenen Hut aus Dresden war wochenlang Thema der Journalisten, bis zu seinem Untergang,
Chemnitz gleiches Szenarium,
Maaßen gleiches Szenarium,
bei Herrn Relotius nach Stunden- still ruht der See-, wie zu erwarten.

Birgit Fischer | Fr, 21. Dezember 2018 - 09:26

Seit Jahren ist mir der Spiegel zutiefst suspekt.
Es ist ein linksgrünes Krawalljournal, dass eben auch freche Lügen verbreitet. Hierbei geht es nicht um objektiven Journalismus. Es geht um eine linksgrüne Beeinflussung der Gesellschaft. Und dafür ist offenbar jedes Mittel recht. Sowas kaufe ich nicht.

Brigitte Tielert | Fr, 21. Dezember 2018 - 09:57

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Der Mann hat doch die richtige Haltung!? Und verkörpert bis in die letzte Synapse hinein den neuen Leitsatz des deutschen Qualitätsjournalismus: Haltung zeigen!!! Was da faktisch nicht so ganz passt, wird halt passend gemacht. Das hat man am Hase-Video gesehen. Jetzt muss man ja sagen: Das war Hase 1.0. Der Relotius hat das schon viel früher gemacht - genial! "Hase 00" praktisch (sorry, ich vergesse immer den Punkt). Aber in seiner ganzen Schönheit, voll erblüht sozusagen, zeigte sich dieser neue deutsche Qualitätsournalismus erst kürzlich in der Chemnitz-Berichterstattung. Und wer diesen Quantensprung nicht mitgekriegt hat wie der Maaßen, der wird schon sehen!!! Aber der war ja auch kein Journalist. Was ich allerdings gar nicht verstehe: Was mag den Spiegel jetzt dazu treiben, sowas über die eigenen Leute zu berichten? Macht man sowas denn heute auch? Der Relotius hat doch wirklich glasklar die richtige Haltung!? Mal das ZDF fragen...........

Detlev Flott | Fr, 21. Dezember 2018 - 10:05

Lügenpresse in Bezug auf die grün-roten Mainstream-Medien hätte das Unwort des Jahres werden sollen. Naja „alternative Fakten“ geht zumindest in diese Richtung!
Ich nehme hiervon Cicero ausdrücklich aus! Vielen Dank für die gut recherchierten von Substanz getragenen Beiträge.

Urs Sommer | Fr, 21. Dezember 2018 - 10:30

Claas Relotius schrieb doch auch für diese Zeitschrift hier? Waren diese Artikel von anderer Qualität?

Michael Murmurachi | Fr, 21. Dezember 2018 - 10:38

Wäre Claas Relotius die berühmte Ausnahme, die es braucht um eine Regel zu bestätigen, könnte man über den „Ausrutscher“ schmunzelnd hinweg sehen.

Wer aber die MSM seit einigen Jahren aufmerksam verfolgt, kommt zu anderen Schlüssen: die verfälschte Wahrheit ist zunehmend zur Regel gemacht worden. Bei nicht als Kommentar gekennzeichneten Beiträgen werden in den MSM viel zu oft Meinungen als Fakten angeboten. Von der €-Rettung über Energiewende und Migration wird der geneigte Leser zunehmend nicht mit Fakten, sondern teilweise mit eklatanten Lügen „informiert.

Wer im Zeitalter der viel gepriesenen Globalisierung und des Internets auf Unwahrheiten und Lügen setzt, wird sehr schnell zum Gespött und diesen Medien wird kein Vertrauen mehr geschenkt und in der Folge wird (hoffentlich) auch deren wirtschaftliche Grundlage zerstört.

Bernd Zeller | Fr, 21. Dezember 2018 - 11:00

Das war die ganze Zeit schon schlechter Journalismus, nicht erst, nachdem es als ausgedacht herauskam – was da prämiert wurde, weil es ins Weltbild passte, war meinungsbasierte Emotion zwecks emotionalisierter Meinungsmache.
Leider kein Einzelfall.

Peter Gentsch | Fr, 21. Dezember 2018 - 11:42

in die deutsche Presse hat in den letzten Jahren schon erheblich abgenommen, durch die ueble Vermengung von Nachricht und Kommentar, durch die selektive Berichterstattung nach weltanschaulichen Gesichtspunkten usw. Dieser Fall schlaegt nun aber dem Fass den Boden aus. Und das Schlimmste ist: Ich kann mich an den Artikel ueber Fergus Falls in Minnesota erinnern und habe den Berichten sogar mehr oder weniger geglaubt, obwohl ich mich fuer einen kritisch eingestellten Menschen halte. Die billigen Ausreden des Spiegel, dass man so etwas bei Auslandsreportagen nie ganz verhindern koennte, lasse ich nicht gelten. Das eigentliche Problem des Systemversagens durch penetranten linksgruenen Gesinnungsjournalismus wird nicht erkannt.

Wolfgang Tröbner | Fr, 21. Dezember 2018 - 12:30

Der Spiegel? Ist das nicht laut Eigenwerbung die führende Nachrichtenseite Deutschlands? Das Blättle, das stets ganz laut über die Fake News der Populisten schwadroniert? Und nun das - ihr Starreporter ein Fälscher der übelsten Sorte. Da habe ich gleiche mehrere Fragen. Ist das wirklich ein Einzelfall beim Spiegel oder hat das System bei denen? Und wenn so etwas bei der "führenden Nachrichtenseite Deutschlands" passiert, wie sieht es dann eigentlich bei den nicht-führenden Nachrichtenseiten des Landes aus? Noch schlimmer?

Hans-Jörg Waskowski | Fr, 21. Dezember 2018 - 12:53

Na da haben wir´s doch wieder mal. Wenn sie Politisch korrekt ist, die Lüge, dann ist sie hierzulande würdig, veröffentlicht zu werden. Und sie ist auch noch preiswürdig. Sie muss halt nur in das vorgebene ideologische Schema passen. Die Frage ist inzwischen, ob das alles noch etwas mit dem zu tun hat, was 1. den Vätern des Grundgesetzes mal mit unserem Land vorschwebte und 2. was die Ex-DDR-Bürger mit der sogenannten Wende mal wollten. Zumindest Letzteres darf aus meiner Sicht als ehemaliger DDR-Bürger massiv bezweifelt werden!

Mathias Nägele | Fr, 21. Dezember 2018 - 20:48

Ist das die berühmte Spitze des Eisberges? Werden bei anderen Reportagen -vielleicht weniger impertinent- Wahrheiten erfunden, oder Dinge weggelassen, oder aus einem Blickwinkel gezeigt, so dass sie erscheinen wie sie erscheinen sollen? Ich unterstelle manchen Reportagen, dass vorher die Moral der Geschichte schon feststand, die "Recherchen" dienten nur zum Untermauern der festgelegten Meinung. Das sind Fake News bei Leitmedien. Bei dem der mit einem Finger auf andere zeigt, weisen drei auf ihn zurück. Was für eine Blamage für die selbstgerechten Moralapostel vom Spiegel&Co! Mir war schon immer klar, die die Moral einfordern meinen immer die anderen. Nun wird die schonungslose Aufklärung des Spiegels gelobt, die "Spindoktoren" sind schon auf dem Plan. Sie werden dies als singuläres Ereignis darstellen, die Verfehlung eines krankhaften Ehrgeizling. Das System der Sensation-und Meinungsmacher in den Chefetagen wird nicht hinterfragt werden.

Karlpeter Ahrens | So, 23. Dezember 2018 - 13:53

Die Seriosität und Glaubwürdigkeit des 'Spiegel' habe ich bereits 2005/ 2006 (kann mich im Jahr irren) als mich meine 2.Offizierin auf einen Artikel über mexikanische, lange im Pazifik treibende Fischeraufmerksam machte in dem behauptet wurde, dass es nicht verwunderlich sei, dass sie nicht früher erkannt/ gerettet wurden: Spiegel: Auf Containerschiffen wird kein angemessener Ausguck gehalten da die Besatzung ihre Zeit unter Deck verbringt um Pornos zu gucken. Nach meiner Rückkehr habe ich den 'Spiegel' kontaktiert, um eine Erklärung gebeten, keine Antwort erhalten. Abonnement nach ca. 20 Jahren gekündigt. Damals ging es gegen Seeleute, übelste Ehrabschneidung, hat niemand interessiert. Soviel in punkto 'Qualitätsjournalismus'!

Season greetings, happy new year 2019

Karlpeter Ahrens
Kapitän i. R., Fahrzeit 1957 bis 2009)

Harro Meyer | Mi, 26. Dezember 2018 - 13:10

Letztlich traue ich auch dieser Meldung nicht. Da steckt doch mehr hinter als das Fehlverhalten eines Reporters! Vielleicht ein PR-Gag? Oder man will uns weismachen, alle anderen seien lupenreine Berichter.