Bildung - Die Schule kann es auch nicht richten

Schüler glänzen im Klassenzimmer zunehmend mit einem: Abwesenheit. Das liegt auch an ihren Eltern, fordern diese doch, dass auf die kleinsten Befindlichkeiten ihrer Kinder eingegangen wird. Dieses Phänomen beschränkt sich längst nicht mehr nur aufs Klassenzimmer

 Schulranzen hängen in der Oberschule Ralbitz in einem Klassenzimmer an den Tischen.
Abwesenheit der Schüler wird zu einem zunehmenden Problem für ihre Lehrer / picture alliance

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Katja Kranich ist Schulleiterin des Stromberg-Gymnasiums in Vaihingen/Enz in Baden-Württemberg.

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Bernd Saur ist Vorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg.

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Zunehmend mehr Kinder halten keine ganze Schulwoche mehr durch. Eltern entschuldigen über einen zu langen Zeitraum das medizinisch unbegründete Fehlen ihrer Kinder. Ärzte stellen dafür Woche für Woche Atteste aus, damit Eltern der Attestpflicht nachkommen. Eine Attestpflicht als Konsequenz übermäßigen Fehlens mit ungeklärter Ursache. In der Wahrnehmung vieler Schulleitungen entspricht dies der aktuellen Lage an vielen unserer Schulen – auch Schulpsychologen bestätigen diesen allgemeinen Trend. 

In diesem Schuljahr sind Grundschulen sowie die weiterführenden Schulen mit gestiegenen Zahlen von Abwesenheit konfrontiert. Das heißt, dass Kinder eine stark überdurchschnittliche Zahl an Fehltagen aufbauen, ohne dass es dafür einen wirklich triftigen Grund gäbe. Offenbar ist die Passung zwischen dem, was in der Schule gefordert wird, und dem, was Schüler von zu Hause mitbringen, zunehmend weniger gegeben. Damit ist es generell schwieriger geworden, Kinder im Klassenverband zu unterrichten. 

Lehrer sind Pädagogen – keine Psychologen

Lehrer führen zahlreiche Elterngespräche, bei denen seitens der Erziehungsberechtigten für die spezielle häusliche und familiäre Situation um Verständnis oder um Rat gebeten wird. Lehrer führen zunehmend Gespräche mit Therapeuten und Klinikschulen, die die individuellen Voraussetzungen darlegen, unter denen ein Kind während einer Therapie oder nach einem Klinikaufenthalt beschulbar ist. Eltern „befreien“ ihre Kinder selbstverständlich vom Unterricht für private Termine. 

Konkret heißt dies, dass die Bandbreite des „Normalen“ schmäler geworden ist und die Zahl individuell verschiedener Lernvoraussetzungen größer. Wenn von zunehmender Heterogenität im Klassenzimmer die Rede ist, dann ist damit längst nicht nur gemeint, dass Kinder mit Werkrealschulempfehlung in Realschulen oder Gymnasien sitzen. Sondern dass Kinder mit zunehmend psychischen Problemen im Klassenzimmer sitzen und aus unterschiedlichen Gründen nicht lernbereit sind.

Dies ist insofern höchst problematisch, weil Lehrer primär Profis fürs Lernen sind und einen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen haben. Lehrer sind Pädagogen, aber eben keine Psychologen oder gar Psychotherapeuten. An vielen Schulen wird Individualisierung nicht nur auf Lernwege bezogen. Vielmehr erheben die Eltern den Anspruch, dass für jedwede individuelle Befindlichkeit Verständnis aufgebracht wird und jede dieser Befindlichkeiten im Klassenzimmer – bei bis zu 30 Schülern versteht sich – gefälligst berücksichtigt werden muss. Doch was passiert da gesellschaftlich eigentlich gerade?

Fehlende Orientierung für Kinder

Die Fokussierung auf das eigene familiäre oder persönliche Bündel diverser Bedürfnisse und deren unmittelbare Befriedigung ist kein auf die Schule beschränktes Phänomen. Jüngst haben die Klinikärzte von Notfallpraxen am Wochenende Alarm geschlagen, weil die Wartezimmer am Samstagabend und sonntags voll sind von Nicht-Notfällen. Diese erheben für sich jedoch den Anspruch, bei jedem Halskratzen sofort behandelt zu werden. In der Notaufnahme müssen diese Fälle einfach warten. Wie gehen wir jedoch in der Schule mit Kindern um, die nur noch eingeschränkt aufnahmefähig sind?

Die Kernaufgabe eines jeden Lehrers – einfach guten Unterricht zu machen – ist mit den gestiegenen Anforderungen hinsichtlich Motivation, Differenzierung und Individualisierung der Lernwege an sich schon Herausforderung genug. Was Kinder an mangelnder Arbeitshaltung beziehungsweise Anstrengungsbereitschaft, Frustration, medialer Reizüberflutung oder Überforderung von zu Hause mitbringen, kann in der Schule nicht einfach so aufgefangen werden. Was vielen Kindern zusehends fehlt, ist ein klarer erzieherischer Rahmen, der ihnen Orientierung ermöglicht. Der ihnen die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen aufzeigt, ihnen ein bedingungsloses Aufgehoben-Sein anstatt eines Funktionieren-Müssens bietet. Einen Rahmen, der ihnen ihren Platz in der Gesellschaft aufzeigt. 

Vor uns sitzt jedoch eine heranwachsende Generation zunehmend „entgrenzter“ Kinder, die von ihren Eltern heiß geliebt und zugleich bedingungslos geschont werden. Diese Schonhaltung beginnt beispielhaft mit Bollerwagen light. In denen lauffähige Kinder samt Picknickbox für die unmittelbare Befriedigung von Durst und Hungergefühl durch die Welt geschoben und gezogen werden – anstatt dass ihnen zugemutet wird, ihren Lebensweg Schritt für Schritt selbst zu erkunden. Es geht weiter mit Eltern, die die Hausordnung von Jugendherbergen lesen wollen, bevor sie entscheiden, ob ihr Kind an einem Schullandheim teilnimmt. Bis hin zur elterlichen Einschätzung, dass die innerschulische Konfliktlösung ohne eine genaue Absprache mit den Eltern im Vorfeld als schwerer Übergriff auf das Kind, respektive auf sich selbst als Mutter oder Vater gewertet wird. 

Spürbares Gegenüber wichtig

Gleichzeitig wollen viele Eltern Partner ihrer Kinder sein, die selbst entscheiden dürfen, auf welche Schule sie gehen. Und selbstverständlich keine schulischen Maßnahmen akzeptieren müssen, die anstrengend oder gar belastend sein könnten. Die fortschreitende und offensichtlich allseits reklamierte Individualisierung unserer Gesellschaft steht im Widerspruch zu Systemen, die weitestgehend auf einem gesellschaftlichen Konsens an Regeln und Konventionen beruhen. 

Die Schule ist ein solches System. Und solange sich bezogen auf ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag nicht grundlegend etwas ändert, bleibt sie auch ein solches System. Auf einem gesellschaftlichen Konsens an Werten, Normen und Regeln aufgebaut, braucht die Schule aber als Nährboden ihres Wirkens eine Gesellschaft, die hinschaut, die interveniert, die überschrittene Grenzen im sozialen Miteinander laut artikuliert. Wenn für unsere Heranwachsenden dieses spürbare Gegenüber zusehends wegbricht, dann kann es Schule alleine auch nicht mehr richten. 

Christa Wallau | So, 14. Juli 2019 - 10:59

Wer eine Anspruchshaltung heranzüchtet, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Ansprüche erhoben u. für berechtigt gehalten werden. Politiker u. "Berufene" aller Fachrichtungen (Professoren "Wissenschaftler"..) hatten jahrzehntelang nichts Besseres zu tun, als den begierig horchenden Eltern zu verkünden, was sie von den Schulen (d.h.den Lehrerinnen und Lehrern) selbstverständlich erwarten dürfen: Individuelles Eingehen auf ihr Kind (das möglichst l u s t v o l l lernen soll) u. bestmögliches Vermitteln des Lernstoffes an a l l e Schüler in der Klasse, deren IQ zwischen 75 und 130 schwankt, deren Interesse am Lernen höchst unterschiedlich ist u. deren Sozialverhalten in vielen Fällen sehr zu wünschen übrig läßt (von der Inklusion Behinderter mal ganz abgesehen). Daß dies n i e m a n d leisten kann, wagt - außer knorrigen Alten (= den verhaßten Konservativen) - kein Verantwortlicher zu sagen. Lieber betrügt man sich weiter selbst u. tut so, als sei bei gutem Willen a l l e s machbar.

mit Lehrerstöckchen, Parieren und strammem Auswendiglernen ist das, was manchem Stockkonservativen als Idealvorstellung von Schule durch den rückwärtsgewandten Geist schwebt. Schüler sollen wieder mehr Kadetten sein, als zu eigenständigem Handeln, selbstständigem Denken und selbstbewusstem Auftreten gebildet zu werden. Drill statt Neugier und Kreativität.
Denn was ist falsch daran, mit Lust zu lernen? Natürlich läuft in deutschen Schulen vieles falsch - was vor allen Dingen daran liegt, dass Bildungsrefomen mit Rücksicht auf konservative Wählerschichten, wenn überhaupt, dann nur halbherzig durchgeführt werden. Der Blick sollte nicht zurück auf Wilhelminische Paukanstalten gerichtet sein, sondern skandinavische Vorbilder im Blick haben. Dort gibt es nicht nur seit Urzeiten - ausschliesslich - Gesamtschulen, dort gibt es auch fortschrittliche Lernmethoden und eine Pädagogik, die sich weiterentwickeln durfte. Ansonsten: Schule kann nicht Fehler von Eltern und Politik korrigieren.

Ja, genau, die Schulen mit ihrer modernen Pädagogik haben die Schüler lustvoll zu Lese-Rechtschreib-und Rechenschwäche geführt, die Unis bieten sogar Kurse für Erstsemester an, um das Gröbste auszubessern, das Textverständnis bei Studenten ist ein Desaster, die Schulabbrecherquote ist so hoch wie nie (Schüler verlassen ohne Abschluss die Schulen), aber die Kuschel-mich-tot-Pädagogik wird es schon richten. Lustvoll ist dieses Lernen überhaupt nicht (die Motivation und das Interesse nimmt schon in der Grundschule! ab), es ist ein Desaster! Vielleicht wäre Disziplin und Drill genau das Richtige, um den Schülern etwas beizubringen? Oder denken Sie, Eliteschulen verschenken ihre Abschlüsse?

...und da gibt es nichts hinzuzufügen...außer der Frage: Wie hätten Sie es denn gerne? Sie gehören offensichtlich zur alten Garde.
Es gibt genug Schulversuche, die zeigen, wie man besser lernt. Und dazu gehören nicht Drill und Methoden von 1950.
Ihre Vorschläge waren vielleicht für frühere Generationen, die in Lehrern noch Autorität, und "Folgsamkeit" in der Schule noch als unverzichtbare Tugend ansahen, passend - und wenn nötig, hat der Lehrer auch schon mal mit der Rute nachgeholfen. Heute können Sie damit nichts erreichen - Sie müssen, gleich ob Ihnen das Konzept gefällt oder nicht - Schüler motivieren, besser noch begeistern. Das gelingt Ihnen garantiert nicht, wenn Sie Klassenzimmer in Kasernenhöfe umwandeln und versuchen, den Schülern mit Gewalt alte Tugenden einzutrichtern. Da ist Scheitern absolut vorprogrammiert.....weswegen auch niemand und nirgendwo jemand auf die Idee kommt, solche "Methoden" aus der Mottenkiste zurückzuholen.

Sie sind ja echt putzig.

Antworten zu Aussagen oder Forderungen die niemand getätigt/gestellt hat und obendrauf dann noch die Keule, dass die Konservativen an allem schuld sind.

Also werden's die Linken schon richten, lassen wir die Schulen komplett in ihren Händen (sind sie das nicht schon lange? Also nach dem, was ich so höre und mitbekomme...)

In einem gebe ich Ihnen Recht: Niemand ersetzt ein ordentliches Elternhaus.

Gerhard Lenz | Mo, 15. Juli 2019 - 16:09

In reply to by Urban Will

..wenn auf das Scheitern von SchülerInnen den Besserwissenden immer nur der ewig gleiche, langweilige Verweis auf mangelnde Disziplin und falsche Kuschelpädagogik einfällt.
Und überhaupt war ja früher, als man selbst noch in der Schule war...alles besser.

Wer's glaubt, wird selig.

Ich habe viele Jahre in Lehrerzimmern zugebracht. Lehrer/innen sind ggf. Beamte - es winken 60 Tage bezahlter Urlaub im Jahr und nachmittags flexible Arbeitszeiten. Eine gute Besoldung, weniger STeuern und eine private KV. Ein Traumjob, wenn da die Schüler und Eltern nicht wären. Wer das anstrengende Referendariat schafft, ist drin und geht nicht mehr bis zur Pension bzw. vorzeitigen Ruhestand. Aber: der Beruf des Lehrers ist eine Berufung, die eine Begabung fordert. Der Zugang zum Lehrerberuf wird nur aufgrund der Noten reglementiert, aber eine Eignungsfeststellung über Noten ist nicht sehr erfolgreich - offenbar. Welchen Anspruch mein Kind hat? - dass Lehrer/innen für Ihre Aufgabe brennen, dass sie Kinder mögen, Verständnis haben und Vertrauen aufbauen können und ganz manchmal sich selbst nicht zu ernst nehmen. Solche Lehrer gibt es, aber auch solche: "Die sind hier alle so laut, unerzogen und blöd".. "Ja, es ist Dein Job sie schlau zumachen" ... offene Münder und Unverständnis ...

Ernst-Günther Konrad | So, 14. Juli 2019 - 11:11

Alles was Sie beiden da beschreiben trifft's. Nur, wer hat das zu verantworten? Völlig überforderte, personell unterdimensionierte, ohne Rückhalt zum Born out getriebene Lehrer?
Wenn eine Kanzlerin und Regierungsmitglieder das Schulschwänzen tolerieren und Weisung an Schulleiter verteilen, die schulische Anwesenheitspflicht nicht so ernst zu nehmen, die Demos dienen ja der guten Sache, wenn Eltern alles und jeden im Schulalltag bei Gerichten verklagen können, wenn sie lieber arbeiten und den wesentlichen Teil von Erziehung und vorlebenden Lebensbewältigung an Kitas und Schulen abtreten. Dann, ja dann kommt das raus was sie beschreiben. Die Politik macht es mit Gender und anderen Themen vor. Minderheiten werden medial geputscht, alles und jedem soll geholfen werden. Wer hilft den von Eltern allein gelassenen Kindern, denen jeder Stein aus dem Weg geräumt, die mit dem Auto in den Klassensaal gefahren werden? Die Kinder werden immer lebensunfähiger. Leistung, Anstrengung, was ist das?

Ernst-Günther Konrad | So, 14. Juli 2019 - 11:17

Hinter vorgehaltener Hand wird ein Abi in Bayern, überhaupt Schulbesuche dort besser eingestuft als anderswo in Deutschland. Warum wohl? Das Bildungssystem gehört an dieser Stelle reformiert, 16 Kultusminister aus unterschiedlichen politischen Lagern erfinden immer neuere Wege, Schule neu zu interpretieren, mit teilweise sinnlosen Inhalten zu füllen und von Lehrern immer mehr abzuverlangen. Wohlgemerkt, dafür kommt nicht neues Personal, es sind diejenigen die da sind, die es richten sollen.
Was der Artikel überhaupt nicht erwähnt, die sprachlichen Hürden die fast überall überwunden werden müssen, einschließlich den kulturellen Hintergründen von Migrationskindern. Was nützen Anstrengungen der Lehrer, wenn Eltern kein deutsch können, sich um die Kinder nicht kümmern, die Erziehung an Schulen abgeben wollen, selbst nicht integrationsbereit sind?
Die einzelnen Schulformen, deren Bildungsinhalte eine totale Katastrophe. Wenn heute jemand die Grundrechenarten beherrscht, reicht das offenbar.

Joerg Haerter | So, 14. Juli 2019 - 16:09

Dieses Thema ist sehr komplex, ein Allgemeinplatz?
In der Öffentlichkeit(um mal das Wort öffentliche Wahrnehmung zu vermeiden) werden Eltern wie die heiligen Kühe in Indien behandelt. Anfragen und Kritik sind tabu. Dabei beginnt im Elternhaus die fundamentale Prägung der Kinder, beim Vorlesen geht es los, über Sprache und der Gebrauch der Worte(Kraftausdrücke) bis hin zu der Beeinflussung durch elektronische Medien. Und komme mir keiner, man könne nichts dagegen tun,
das Kind soll kein Aussenseiter werden, wenn es mit 6, 8 oder 9 Jahren noch kein eigenes Smartphone habe. Wen Eltern wüssten, was auf dem Schulhof geteilt wird, würden zumindest einigen die Haare zu Berge stehen. Hier ist nicht der Platz, um alle As

Heidemarie Heim | So, 14. Juli 2019 - 16:19

Der Artikel beschreibt äußerst "behutsam" was in der Vergangenheit "sehr beredsam verschwiegen" bzw. ausgeblendet wurde. Wenn die Leiterin einer früher "höhere" Schule, ihre Konflikte und die ihres Personals mit Heli-Eltern und ihrem "sensiblen" und nur eng belastbaren Nachwuchs als inzwischen sehr problematisch ansieht, möchte ich besser nicht wissen, was an Grund/Haupt/Gesamt/Real/Förder/-Berufsschulen
und wie sie alle heißen erst abgeht! Wo man auf Eltern trifft, die es in ihrem ursprünglichen Kulturkreis nicht anders kennen, als das die Schullehrer natürlich und selbstverständlich für die umfassende Erziehung der Kinder außer Haus gegeben zuständig sind. Zuhause gibt es die elterliche Grundpflege, die ggf. Pflege der Herkunftskultur, evtl. religiöse Unterweisung und Festlegungen in der Familienhierarchie. Fertig.
Da werden auch keine JH-Hausordnungen studiert, da insbesondere Frau Tochter eh` nicht mitfährt! Alles bekannt aber total unpopulär! Für Kids,Generation HartzIV s.II.

Heidemarie Heim | So, 14. Juli 2019 - 16:46

Wie so oft reichte mir der Platz nicht, um dieses komplexe Thema zu kommentieren. Sorry liebe online-Redaktion! Im ersten Teil sprach ich den häuslichen Hintergrund der Schüler und Eltern aus
Einwanderungsfamilien an wie ich sie auch persönlich kennenlernte, und endete mit der Frage nach den auch schwierigen Voraussetzungen eines normalen Leistungsverhaltens in der Schule aufgrund familiärer Gegebenheiten. Genau wie ohne die inzwischen zahlreichen Tafeln landesweit, wären viele Kinder aus diesen teils prekären Verhältnissen womöglich in anonymen Ghetto-Wohnsilos lebend, ohne die meist ehrenamtlich begründeten und betriebenen Kindertafeln-Treffs inkl. einer warmen Mahlzeit Hausaufgabenhilfe und Platz und Gelegenheit zu kreativen Spielen, Sport in Gemeinschaft mit Anderen und den erwachsenen "Vorbildern" vor Ort, noch weniger zu beschulen! Die Erhebungen über das "Schulschwänzertum" steigen kontinuierlich und nur wenige interessiert es wirklich, bzw. es wird so gut es geht verwaltet?!

Bernd Muhlack | So, 14. Juli 2019 - 17:04

Frau Kranich: andersherum wird jedoch ebenso ein Schuh daraus!
Wenn ich mir etwa diese KITA-Broschüre der AA-Stiftung mit dem lobenden Vorwort von Familienministerin Giffey ankucke, da wird mir übel. Tipps und Anregungen, wie man "völkische Elternhäuser" erkennt und der dergleichen ("auch Mustafa kann Prinzessin sein!" OHA!)
Diese "Erziehung" setzt sich doch in vielen Schulen nahtlos fort, je nach Bundesland in verschiedener Intensität. Und wenn ein Kind dann auch noch mit "gestörten" Eltern (etwa Allesversteher und Weltretter gesegnet ist, dann sieht es eben duster für die Entwicklung dieses Fruchtzwerges aus. "Also Kevin, von einen achtjährigen hätte ich mehr kognitives Verständnis erwartet!"
Als unsere Tochter in die Schule ging (Abi 2010) gab es all diese Probleme bereits, jedoch nicht in dieser Ausprägung und Häufigkeit.
Wie auch sonst ist keine Pauschalierung möglich. Es gibt eben verpeilte Eltern aber auch hinreichend verpeilte Lehrkörper. q.e.d.!

sich denn die Kita Broschüre über Kinder mit Zöpfen aus rechtsradikalem Milieu mit Greta? Hat doch auch Zöpfe und ist fast mit Faltenrock und Kniestrümpfen bekleidet. Da sollte man sich doch mal das Elternhaus näher ansehen. Kinder die so aussehen werden in Berlin von Schulen ausgeschlossen und das Elternhaus überprüft.

Tomas Poth | So, 14. Juli 2019 - 17:33

empfehle ich auch den Beitrag "Safe Spaces" von T. Palzer zu lesen.
Mir scheint die Gesellschaft reagiert immer überempfindlicher je mehr sie "muttisiert" wird.

gabriele bondzio | Mo, 15. Juli 2019 - 09:44

bringt in der Regel nur Nachteile für das Kind. Es muss sich ja auch als Erwachsener durchsetzen können.
Aber was jetzt an den Schulen, besonders in Großstädten, an Gewalt und psychischen Stress auf die Kinder einstürzt. Gab es früher nicht. Dazu kommt die Stellung des Lehrers, früher eine Autorität. Jetzt oft ein Spielball zwischen Eltern und Kindern.
Auch dürfte sich der Stress und Angst der Eltern (Stressresistenz nimmt lf. ab) auf Kinder übertragen. Folgen einer stetig steigenden Fürsorge in allen Facetten des täglichen Lebens.

Urban Will | Mo, 15. Juli 2019 - 10:05

und - so denke ich - auch schädlich, wenn Kindsein schon früh zum leistungsorientierten Dasein mutiert.

Eine seltsame Entwicklung, die unsere Gesellschaft da genommen hat, aber das ist in vielen anderen Ländern sicherlich ähnlich. Wo liegen die Ursachen?

Vielleicht die kläglich niedrige Geburtenrate, die Kinder zu „seltenen Schätzen“ macht, die es um jeden Preis bis ins Letzte zu behüten und gleichzeitig maximal zu fördern gilt?
Hier zumindest vermute ich die Ursache des Phänomens der „Helicopter – Eltern“.

Entschleunigen, notfalls auch bei Verzicht auf das eine oder andere, welches zwar vielleicht als „unabdingbar“ angesehen wird, ohne das man aber auch erfolgreich durchs Leben gehen kann, mehr Zeit für die Kinder in zweifacher Hinsicht (mit ihnen und für deren individuelle Gestaltung) und vor allem Gelassenheit, das wäre vielleicht ein Lösungsansatz.

Man lernt in vielerlei Hinsicht für's Leben, auch draußen beim Spiel und ohne Zeitplan und Helicopter.

helmut armbruster | Mo, 15. Juli 2019 - 11:19

ist der rote Faden an welchem entlang sich unsere Kultur und Zivilisation entwickelt und aufgebaut hat.
Findet ein solcher Transfer zur nächsten Generation nicht mehr statt - aus welchen Gründen auch immer - dann fehlen der nächsten Generation entscheidende Orientierungshilfen und Erfahrungen
Die nächste Generation ist dann gezwungen sich ihren Weg in ihr zukünftiges Leben alleine zu suchen.
Das kann man vergleichen mit einem Schiff auf hoher See, das den Kompass verloren hat und das Wissen nach den Sternen zu navigieren ebenfalls.
Welchen Kurs soll es steuern?
Unser Schulen und unsere Jugend befinden sich in einer solchen Situation. Sie suchen sich ihren Kurs selbst und das geht nur über Versuch und Irrtum. Und was am Ende dabei heraus kommt ist offen.
Es kann besser als das bisherige sein, kann ebenso aber auch schlechter sein.

Diesen Transfer von Generation zu Generation nennt man TRADITION.
Und keine Gesellschaft, die sich gesunden Menschenverstand bewahrt hat,
schneidet sich selbst von jeglicher Tradition ab, so wie dies unglaublicherweise in
Deutschland geschehen ist - im Westen viel stärker als im Osten.

Die ENTWURZELUNG, die sich dabei ereignet hat, zeigt jetzt ihre ganze katastrophale Wirkung: Während immer mehr Fremde in unser Land kommen, die sich ihrer Wurzeln sehr bewußt sind und sie pflegen, irrt die dritte nachkriegs-deutsche Generation orientierungslos und von jedem Windstoß hin und her getrieben umher. An der "Klimarettung" scheint sie sich aufrichten zu wollen, um irgendwie einen Halt, eine Konstante zu finden, mit der sich so etwas wie eine
neue Tradition begründen ließe.

Das kommt dabei heraus, wenn man einem Volk eine neue Identität über einen
gemeinsamen Schuldkomplex zu geben versucht und alles positiven Wurzeln kappt.
Schwachsinniger kann man kaum handeln.

Brigitte Simon | Mo, 15. Juli 2019 - 12:43

In unserem Freundeskreis befinden sich auch Lehrer. Das Verschwinden von homogenen Klassen machen das Unterrichten sehr viel anstrengender, gleichzeitig hat der einzelne Schüler viel weniger hilfreiche Ansprache des Lehrers. Diese müssen die begrenzte Unterrichtszeit auf mehr divergierendes Leistungsniveau aufteilen.
Beispiel: In München vermehrensich die Klassen
mit einem bis zu 70-80%igen Ausländeranteil.

Die Schüler "bestimmen" ohne Überprüfung der
desinteressierten Elternhäuser ihren Schulbesuch.
Die deutsche Schulpolitik unterstützt diese Fehl-
entwicklung. Kompetenzorienter Unterricht kann
fördern. Fordern dagegen ist scheinbar zu anstrengend, viele
Eltern beklagen sofort die vermeintliche Ungerech-
tigkeit. Seit PISA erfolgt ein beängstiegender Rück-schritt in unserem vormals bespielhaften Bildungs-
system.Die Kontroverse um das diesjährige Mathe-
abitur bestätigt das. Anlaß war die scheinbar
schwierige. Sie bestand nur darin, eine Formel mit
einer

Brigitte Simon | Mo, 15. Juli 2019 - 13:02

nbekannten aufzustellen und zu lösen. Vor
20 Jahren hätten darüber wohl selbst Realschüler
nur müde darüber gelächelt, heute laufen Gymnasiasten Sturm. Das Niveau wird von Jahr zu
Jahr erschreckender, während die Erwartungshori-
zonte gleichzeitig stetig fallen. Form und Struktur
werden kaum noch bewertet. Immer weniger Abi-
turienten kennen z.B. den Unterschied zwischen
einer Analyse und einer Nacherzählung.

Wir sind soweit, daß selbst Lehrer und Sozialämter
die Familien aufsuchen mit der Aufforderung, ihre Kinder in die Schule zu schicken. In besonders ge-
fährlichen Fällen übernimmt das die Polizei.

In ihrem Buch "Das Ende der Geduld" schildert die Jugendrichterin Kirsten Heisig ihre Arbeit. Sie ar-
beitete 20 Jahre in der Berliner Strafjustiz - unter-
stützt von Bürgermeister Buschkowski kämpfend
gegen die unfähige "deutsche Justiz" und gegen
die Bedrohungen der islamischen, libanesischen,
arabischen ..Clans, die nach wie vor Arten-
schutz genießen.

Willy Ehrlich | Di, 16. Juli 2019 - 16:15

Ich sehe zwei grundsätzliche Probleme:
Das erste in der Politik, wenn z. B. die SPD auf Wahlplakate schreibt: "Bildung darf nichts kosten, außer etwas Anstrengung". Dieses "etwas" befördert die Probleme, die wir haben.
Das zweite in der Zuwanderung, denn das Autoritätsprinzip gibt es in den meisten zugewanderten Familien immer noch und weiterhin. Dort entscheidet der Vater, wann die Schulferien zu Ende sind und wer an welchen Unterricht teilnehmen darf. Und Pflichten? Gibt es ohnehin kaum noch. Nirgendwo.