Streit über Polizei - Onkel Horst und die Böhmermänner

Eine Kolumnistin will Polizisten als Abfall entsorgen, dann kracht es in Stuttgart – und Horst Seehofer schaltet sich ein. Schließlich schreibt Jan Böhmermann einen Brief an die Kanzlerin. Die deutsche Debattenkultur ist nicht einmal mehr eine Farce, sondern ein Trauerspiel.

Horst Seehofer in Stuttgart nach den Krawallen vom Wochenende / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass aus purem Schwachsinn ein Politikum erwächst. Und auch nicht das erste Mal, dass dieses Politikum schließlich Züge einer Satire annimmt, die den Zustand einer zur permanenten Hyperventilation bereiten Gesellschaft widerspiegelt. Die Entwicklung des Falls der inzwischen berühmt gewordenen taz-Kolumne, in der eine Autorin mit diversen angesagten Identitätsmerkmalen (queer, Migrationshintergrund, kompliziert auszusprechender Nachname etc.) ihre Abscheu gegenüber der auf dem Müll zu entsorgenden Polizei Ausdruck verleiht, ist ein schönes Beispiel dafür. Schwachsinn, wie gesagt, als Ausgangspunkt – wobei schon die Versuche der taz-Chefredakteurin, solcherlei komplett unlustigen Hatespeech zu Satire umzudeuten, für sich genommen eine köstliche Groteske ergeben. Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Und am Ende ist jeder für sein Image selbst verantwortlich.

Wahrscheinlich hätte das Elaborat „All cops are berufsunfähig“ unter anderen Umständen für weniger Furore gesorgt, weil es letztlich nichts anderes als die neue Normalität einer linken Publikation zeigt, die sich krampfhaft vom linken Medienmainstream abzuheben versucht, indem sie permanent noch eins draufsetzt. Wer Restle & Co. aber links überholen will, muss zumindest verbal aufrüsten und greift konsequenterweise auf das Stilmittel der Verächtlichmachung von anders denkenden Menschen und unliebsamen Berufsgruppen zurück. Diese Entwicklung mögen zwar selbst viele eingefleischte taz-LeserInnen nicht gut finden (wie ein Blick in die Online-Foren zeigt). Ein gewisser Gewöhnungseffekt an die neue linke Härte ist aber längst eingetreten. Was ja auch der Sinn der Sache ist, wenn Aktivisten den Journalismus kapern.

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HJS | Di, 23. Juni 2020 - 17:54

Zutreffender Kommentar und Analyse. Es ist ein Witz, was die Journalistin der TAZ da präsentiert und ein noch viel größerer Witz was ein Mensch mit dem Hintergrund eines Böhmermann sich anmaßt. Hoffentlich macht Merkel das, was angebracht ist, den Brief zum Altpapier legen. Ob die Anzeige Seehofers sinnvoll ist, kann man dahin stehen lassen. Warum er als Dienstherr in die Pressefreiheit eingreifen soll, bleibt ein Geheimnis von Herrn Böhmermann. Ich dachte immer , bei der Gewaltenteilung würden. Gerichte dies übernehmen. Aber solche Leuchten blenden dies aus.

Peter Schulmeister | Di, 23. Juni 2020 - 19:30

In reply to by Gast

Solche "Staatskünstler"wie dieses Männchen gab es auch im Sozialismus.Die verfassten dann Petitionen zu den einschlägigen Kampftagen.Grußadressen genannt.Vieles wiederholt sich in der Geschichte.Diesmal als pseudolinkes Knallchargenregime.

Michaela 29 Diederichs | Di, 23. Juni 2020 - 20:18

In reply to by Gast

Sandkastenspiele dieser Art - allerdings unter fleißiger Mitwirkung von Regierungsmitgliedern - sind tatsächlich nicht lachhaft, sondern schlicht und ergreifend lächerlich. Die Unaussprechliche hat mit Sand geworfen, nun will Seehofer ihr das Schäufelchen entwenden lassen. Und dann noch die Kulturschaffenden - oh Ende aus und gut! Schöner Beitrag Herr Marguier.

H. Köppl | Di, 23. Juni 2020 - 18:03

Die Würde des Menschen ist unantastbar, so steht es im Grundgesetz. Auch die Würde der Polizisten ist unantastbar.
Wer jemanden beleidigt um ihn zu schaden, kann sich nicht auf freie Meinungsäusserung berufen, weil er vorsätzlich und in bösartiger Absicht die Würde des Beleidigten beschädigt.
Würden die Richter in D das Grundgesetz zu gunsten der Geschädigten beachten, dann so wäre schon bald Hass und Hetze in D Einhalt geboten.

Volle Zustimmung, Herr Köppl. Zu fragen wäre auch: Wieso darf Satire eigentlich alles?
Wem nützt und wer benützt dieses Mantra eigentlich? Dieser Spruch von Tucholsky wird hauptsächlich von Linken als nicht hinterfragbare Weisheit eingesetzt und dient damit oft genug als Schutzschild nur dazu, den eigenen Hass ungestraft in die Gesellschaft rauswürgen zu können! Im linken Lager nennt man das Satire, was im rechten Lager als Hass und Hetze bezeichnet wird. Elende Heuchelei...

Heidemarie Heim | Di, 23. Juni 2020 - 18:34

Großartig lieber Herr Chefredakteur!
Jammerlappiger Möchtegern-Satiriker? "You made my evening;)" Ich glaube allerdings, dass die Kollegen*Innen von der TAZ und die Kultur-Petzen bei Mutti halb so begeistert und amüsiert sind wie ich.
Ganz recht! Was die nach oben offene Skala der Peinlichkeiten betrifft, gibt es scheinbar bei uns immer noch Luft nach oben.
Alles Gute! MfG

Der Cicero wird ja von mir auch nicht umsonst favorisiert. Hier ist noch eine gute Mischung der Themen. Die Wortwahl der Autoren oft zum schmunzeln.

Wieder ein schöner "heimischer" Kommentar, liebe Frau Heim.

Ich stehe voll hinter meinem Innenminister - und jetzt ganz leise -
Horst Seehofer. Doch wo er recht hat, hat er Recht. Er ist weder
durchdrungen von Satire, aber macht Platz für seine Selbsterkenntnis.

In einem Gespräch mit Herrn Pelzig am 20. Mai 2013 gestand er"

"Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen,
die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden"

Und seine Lebensphilosophie:
"Diejenigen, die mich beleidigen wollen, suche ich
mir selber raus".
Kann man sich durchaus merken

Bernd Muhlack | Di, 23. Juni 2020 - 18:49

Zitat:
"Das ist alles so unfassbar peinlich, dass man es für einen Witz halten möchte. Ist es aber nicht. Und so endet das Stück dann eben doch nur als übliches Trauerspiel der deutschen Debattenkultur.
Die nächste Inszenierung dürfte schon bald folgen."

Sehr geehrter Herr Marguier, dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen!

Gleichwohl zwei Anmerkungen:

Ich hege immer noch die Hoffnung dass eines Tages mein großer Wecker bimmelt und ich schweißgebadet, pitschepatsche nass geschwitzt aufwache und alles war nur ein Traum!
PUH!

Samuel Beckett: Warten auf Godot
Estragon und Vladimir sitzen auf der Parkbank, warten auf Godot.
Niemand kennt Godot, gibt es ihn überhaupt?

Kann es einen Godot, einen deus ex macchina für "dieses, unseres deutsche Vaterland" (Helmut Kohl) geben?

Weit und breit ist kein "Erlöser" in Sicht!

Manfred Sonntag | Di, 23. Juni 2020 - 18:55

Der Beitrag von Herrn Marguier hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es ist doch erschreckend, mit was wir uns jetzt beschäftigen: Zuerst ist es ein ideologisch vorgeglühtes Pogrom gegen unsere Ordnungshüter, dann ein naiver Minister und anschließend folgt das Rudiment eines Clowns samt Eskorte zum Schutz einer obszönen Possenreißerin. Die linksliberale Riege übt sich in der Destruktion unseres Landes! Sie haben nicht einmal Respekt vor der eigenen Arbeit, geschweige denn vor der Leistung anderer Menschen. Böhmermann, Restle, die TaZ und Frau Esken spielen jetzt die erste Geige in der Ouvertüre zur postdemokratischen Tragödie.

Lisa Werle | Di, 23. Juni 2020 - 19:03

Böhmermann beschwert sich darüber, dass der Innenminister in die „Pressefreiheit“ eingreift, ruft die Kanzlerin zu Hilfe und bittet in seinem eigenen Schreiben um genau das (politischer Eingriff), was er vorher bei Seehofer als Gefahr gesehen hat? Dümmer und kleinkarierter geht’s wirklich nicht mehr.

Die Kanzlerin führt dann ein Gespräch mit Herrn Seehofer und Herr Seehofer nimmt von einer Anzeige Abstand. Der Tiger landet mal wieder als Bettvorleger. Ich habe nichts anderes erwartet.

Hubert Sieweke | Di, 23. Juni 2020 - 19:14

dass eine Frau wie Merkel als Kanzlerin agiert, werden wir diese Dinge eben nicht in den Griff kriegen. Hoffentlich schaffen wir es noch 15 Monate. Hoffentlich fliegt uns die DDR 2.0 nicht um die Ohren. Dort wurde bestraft, wenn Kontakt zum NSA bestand, bei uns fliegt man aus seinem Jon, wenn man die Opposition trifft.
Wenigstens hat Seibert mit Merkel diesmal keine marodierenden Hetzjagden gesehen, sondern nur, wie Fritz Kuhn es meinte, die Freunde aus dem Schloßpark des so wunderschönen Stuttgart.
Hetzjagden haben wir alle nicht gesehen, oder wie nennt man es, wenn Polizisten gejagt und per Karate Tritte übel verletzt werden.
Na ja, irgendwie hat es auch nicht geklappt, dass Desaster nun der AFD anzuhängen, kommt vielleicht noch.
Wenn die Methode der eingeübten Marxisten weitergeht, Leinpzig-Connewitz, Tote Flora, Berlin, FRankfurt etc. dann fehlt jetzt noch, dass das eine oder andere Redaktionsgebäude angegriffen wird.
Dann hätten wir den ganzen Salat.

und was erwarten Sie danach? Wer könnte als Retter der Nation aus der Wahltorte springen? Ist irgendwo ein Hoffnungsträger in Sicht oder sonst Licht am Horizont?
Sorry Herr Sieweke, ich sehe da niemand der es richten könnte.
Na dann gute Nacht!

hat so viel Schaden angerichtet, warten Sie mal die Wirtschaftsdaten im Winter ab , dass niemand in der Lage wäre, dies zu toppen. Bw abgeschafft, Strompreise, Nuklear Energie, Griechenland, Migrantenzulauf, Grenzen kann man nicht schützen, Strompreisdesaster, und das latente Misstrauen, alles Deutschen gegenüber...... und vieles mehr. Dazu die Linksdrift in ein Honecker Paradies.
Und..... von Wirtschaft nicht die Bohne.... leider.....
Mein Favorit wäre Merz, er wäre der Einzige weit und breit mit einer Wirtschaftskompetenz und mit staatsmännischen Auftreten, das unsägliche Geschwurbel mit falscher Syntax dieser Damen hätte dann ein Ende.
Der hat sogar in seinem Beruf Erfolg gehabt, wer noch von den Politschranzen.

Bärbel Bohley hat schon 1991 eine bemerkenswerte Beschreibung der heutigen Zustände verfaßt:
„Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“ (Bärbel Bohley Frühjahr 1991)

Christa Wallau | Di, 23. Juni 2020 - 19:18

Es stimmt, lieber Herr Marguier, in Deutschland wird ein mieses Trauerspiel nach dem anderen aufgeführt. Zum Lachen gibt es da gar nichts mehr.
Man faßt es nicht, wie tief die Kultur bei uns gesunken ist: ob auf dem Gebiet der ergebnisoffenen, geschliffenen Diskussion, der Musik ("Feine-Sahne-Fischfilet" wird vom Bundespräsidenten empfohlen!), des Theaters (Wo finden noch Klassiker-Aufführungen statt, die Menschen begeistern?) oder des gemeinsamen Feierns (Immer noch fehlt ein Denkmal für die
Deutsche Einheit u. ein ergreifendes Konzept für die jährliche Feier).
Von Hochkultur kann überhaupt keine Rede mehr sein.
In dieser Hinsicht haben sich auch die Zuwanderer nicht als Zugewinn erwiesen, jedenfalls hat man nur solche hochkommen lassen, die "Deutschland-Bashing" zu ihrem Hauptthema gemacht haben - siehe Yücel oder diese Dame mit dem persischen Hintergrund. Sich unflätig u. menschenverachtend zu äußern und das dann als Satire zu verkaufen ist unterstes Niveau -sonst nichts.

Sehr geehrte Frau Wallau, wie immer eine völlig zutreffende Analyse! Wenn das Deutschlands Dichter und Denker sind und so sehen sich diese Leute womöglich selber, na dann geben wir nur noch ein Bild des Jammers nach außen ab! Es passt alles zusammen und wir sind die Lachnummer schlechthin! Frei nach Vicco von Bülow, meine Damen und Herren! Es sing(k)t für sie das Niveau!

Plumpes Migrantenbashing läuft manchmal ins Leere...

Insbesondere, wenn die Gescholtenen gar keine Zuwanderer sind.

Deniz Yücel wurde in Flörsheim/Main geboren, Frau Yaghoobifarah in Kiel.

Die Idee, dass nur richtiger Deutscher ist, wer einen arischen Stammbaum hat, ist nicht mehr aktuell.

Dachte ich zumindest. Gilt aber scheinbar nicht für jedermann/-frau.

....und gewiss alle hier im Forum in welchem Land Yaghoobifarah geboren wurde.
Um zu einer Nation zugehörig zu sein sollte man allerdigns auch ein Mindestmass an Zugehörigkeitsgefühl zu dieser haben.
Yaghoobifarah hat das eindeutig nicht!
Im Gegenteil - aus derem tiefen Hass auf Deutschland macht Yaghoobifarah kein Geheimnis.

Ist es übrigens nicht absolut antifemistisch von Ihnen, Yaghoobifarah "Frau" zu nennen?
Wegen dieser Anrede hat Yaghoobifarah immerhin eine Einladung beim Bundespräsidenten zurückgewiesen.

aber ich schätze, es war genau andersherum. Wahrscheinlich wollte sie nicht zum "Fräulein" degradiert werden. Spielt aber keine Rolle.

Allerdings frage ich mich, auf welcher Grundlage Sie zusätzliche Kategorien "einführen", damit man "richtiger Deutscher" wird.
Da muss man wohl Bier, Bratwurst, Bismarck und Wagner schätzen, Fussball lieben, und dicke Autos fahren wollen.

Oder wie messen Sie das "Zugehörigkeitsgefühl"?

Wie das wohl bei denen ausgebildet ist, die ständig irgendetwas von DDR 2.0 faseln?
Oder die ständig dieses Land schlechtschreiben, weil es ja so dekadent, heruntergekommen, im rot-grünen Sumpf erstickt usw usw usw ist?

Ja, da wird Hass sichtbar.

Ann-Kathrin Grönhall | Mi, 24. Juni 2020 - 11:59

In reply to by Gast

Doch es handelte sich eindeutig um die Anrede " Frau" (auch wenn es keine Rolle spielt)
Es ist auch wohl kaum anzunehmen das das Bundespräsentialamt die rückständige Anrede " Fräulen " noch benutzt.
Um Deutscher zu sein reicht es erstmal aus dieses Land nicht zu hassen und sich an deutsche Gesetze zu halten.
Mit Bier und Bratwurst hat das nichts zu tun.
Fussball,Wagner werden auch in anderen Ländern gemocht und auch dicke Autos
Abe besonders Fussball.
Hat also alles nichts mit "Deutschsein" zu tun.
Ich kenne persönlich keinen der ein Bismarckfan ist.
Sie vielleicht ?
Der Mann gehört eben zur deutschen Geschichte, wie vieles andere auch.

Wer sich Sorgen um das Land macht, schreibt es nicht schlecht.
Wer allerdings alles nur auf das 1000jährige Reich bezieht mag Deutschland wohl auch nicht so richtig - oder

Ergänzen könnte man noch, das Kindern, deren Papa vielleicht bei der größten Opposition im Bundes- oder Landtag sitzt, in den Kitas das Leben zur Hölle gemacht wird. Sie werden ausgegrenzt. Hoffentlich bekommen die nicht bald einen Erkennungsstern.
Diese Art von Drangsalierung kannte man im Honecker Staat, wenn auch nicht so ausgereift wie bei uns.

Helmut Bachmann | Di, 23. Juni 2020 - 19:30

wäre ein ähnlicher Artikel von rechts als Volksverhetzung bezeichnet worden. Es hätte Mahnwachen und Anzeigen gehagelt. Aber für den Jammerlappigen ist das Ganze von links dann nur Meinung. Gut, warum in Deutschland immer mehr Mindertalentierte im Rampenlicht stehen und deren politische Meinung veröffentlicht wird, ist mir gänzlich unverständlich. Idiocracy? Was den Wendehorst angeht: nicht reden, tun, lieber Horst.

Rudolf | Di, 23. Juni 2020 - 20:04

Warum haben die Böhmermann*innen und Konsorten denn so panische Angst vor einer Strafanzeige? Wenn sie sich doch im Recht fühlen und meinen, dass diese Satire von der Pressefreiheit gedeckt ist, dann wird ihnen ggf. ein Gericht das bestätigen, was dann ja eine Niederlage für den Innenminister bedeutete. Wo ist da der Angriff auf die Pressefreiheit?
Es könnte aber sein dass diese Hass-satire doch nicht rechtens ist und somit geahndet werden muss, schlicht basierend auf unseren Gesetzen.

Das habe ich auch gedacht. Warum versucht jemand seinen Einfluss geltend zu machen, wenn er aus seiner Wachte davon ausgehen kann , dass unabhängige Gerichte davon ausgehen, dass kein strafbares Verhalten vorliegt. Das wäre für Seehofer dann eine Ohrfeige. Anscheinend ist sich dieser Böhmermann da gar nicht so sicher, dass die Journalistin am Ende eines Verfahrens bestraft wird. Außerdem fordert er , dass seines Gleichen in Ruhe arbeiten können, wer lässt die Polizei denn in Ruhe ihren Dienst tun.

Gisela Fimiani | Di, 23. Juni 2020 - 20:45

Es ist nicht nur „unfassbar peinlich“, Herr Marguir. Es ist unerträglich und widerwärtig welches Schundniveau die Bürger dieses Landes von Politikern, Medien und Möchte-Gern „Künstlern“ ertragen müssen. Die Ernsthaftigkeit der Probleme des Landes werden mit intellektuellem Ramsch auf verachtenswerte Weise zugedeckt und marginalisiert von Zeitgenossen deren Wohlergehen und Lebensstil gesichert und verteidigt werden. Wie mögen sich Menschen fühlen, die um ihre und die Existenz ihrer Familie bangen. Der redliche, verantwortungsbewußte Bürger erlebt eine weitere Steigerung und Entlarvung einer neuen polit-medialen Kaste, die das verachtete Volk durch Schmierentheater demütigt. Ein „Trauerspiel“ auch, eine Schande vor allem. Welch ein Absturz der einstigen „Dichter und Denker“.

Stimmt Frau Fimiani, unertraegliches und widerwaertiges Schundniveau, Boehmermann hat es im oeffentlich-rechtlichen Fernsehen darstellen duerfen, und er hatte sogar eine beachtliche Zuschauerzahl, da muss man sich nicht wundern, dass seither das Niveau noch weiter gesunken ist.

Barbara Katze | Di, 23. Juni 2020 - 20:55

Genau, es wird nicht mehr mit Argumenten diskutiert und um die beste Lösung gerungen, es wird verunglimpft, beleidigt und wenn nichts mehr hilft nach dem großen, starken Bruder, in dem Fall „Mutti“ , gerufen , später kommt noch die Zaunlatte oder ähnlich Schlimmes dazu!!! Einfach kindisch, aber brandgefährlich!

Gustav Ehlert | Di, 23. Juni 2020 - 23:00

Ein äußerst treffender Kommentar, Herr Marguier, der zeigt, dass Cicero so ziemlich das einzige verbliebene Medium ist, das noch in der Lage ist, mit gesundem Menschenverstand - fernab jeder moralischen Überhitzung - nachzudenken.

Und wie ich es schon unter dem leider nicht so treffenden Kommentar Ihrer Kollegin Hildebrandt zum selben Thema schrieb: Es kann nicht schaden, wenn sich solche Pseudo-Satiren wie seinerzeit das Böhmermannsche Erdogan-Gedicht, das "Titanic"-Cover mit befleckter Papst-Soutane oder auch der jetzige taz-Erguss strafrechtlich verantworten müssen und man so etwas nicht nur dem zahnlosen Tiger namens Presserat überlässt. Schließlich darf Satire gewiss nicht alles, sondern endet auch ihre Freiheit dort, wo sie gegen das Grundgesetz verstößt. Dies war in besagten Fällen mit der beschädigten Menschenwürde gegeben.
Ob nun solche juristischen Klagen unbedingt von einem Bundesinnenminister eingereicht werden müssen, steht wieder auf einem anderen Blatt...

Urban Will | Di, 23. Juni 2020 - 23:13

ist ein Witz an sich.

Unsere Kultur haben wir bereits dahin geschmissen, wohin Frau Yabbadabbadoo (ich erlaube mir die Fred Feuerstein - Variante) die Polizisten haben möchte.
Und Debatten? Definiert als Streitgespräch oder „lebhafte“ Diskussion...
Da kann man nur lachen. „Debatten“ sind bei uns i.d.R. meist schon tot, bevor sie beginnen. Das Ergebnis steht schon vorher fest, Gegenargumente unerwünscht, rechts, populistisch...

Sowohl im Parlament wie auch in den Quasselshows im ö.r. Medienstadel.

Was wurde nicht alles debattiert, früher.
Alles Geschichte.
Und das – da kann auch der linkeste Linke nicht widersprechen – ist eine Folge des allgemeinen Linksrutsches.
Wenn es überhaupt noch eine „Kultur“ gibt, die unsere Öffentlichkeit prägt, ist es eine links – grüne. Alles andere wurde und wird abgewürgt, verschmäht, ausgegrenzt.

Findet nicht statt und somit auch keine Debatte mehr über den richtigen Weg.

Ein Trauerspiel, da haben Sie recht, Herr Marguier.

Christoph Kuhlmann | Mi, 24. Juni 2020 - 06:13

Seehofers Anzeige nicht zu einer Verurteilung führe. Es sind ja schon unsägliche Beleidigungen als "Meinungsäußerung" vor Gericht durchgegangen. Aber, eine Berufsgruppe, die im Alltag immer häufiger ernsthaften gewalttätigen Angriffen ausgesetzt ist pauschal Rassismus zu unterstellen oder sie auf den Müll werfen zu wollen ist genau die undifferenzierte Hetze, die man gemeinhin den Rassisten vorwirft. Da gibt es dann so Gummiparagraphen wie Volksverhetzung und Aufruf zu Hassverbrechen um darauf reagieren zu können. Ich bin im Zweifel für die Meinungsfreiheit, aber grundsätzlich gilt, gleiches Recht für alle!

Ernst-Günther Konrad | Mi, 24. Juni 2020 - 07:15

so treffend Ihr Kommentar auch sein mag. Die taz hat 18500 Abonnenten und ich bezweifele, dass die Randalierer sie überhaupt lesen oder wissen, wer ESKEN oder Böhmermann sind. Denen sind politische Diskussionen und Aussagen erstmal egal. Ihr Kompass ist der praktische Umgang des Staates mit ihnen. Was geht und was geht nicht?
Nun, dass alles geht was der "guten" Sache dient, auch wenn Gewalt nötig ist, das Erleben wir täglich hautnah. Polizeifreie Bereiche, ängstliche Polizei, Antidiskriminierungsorgie in Berlin, permanente Unterstellungen usw. Das ist doch schon längst seit Jahren absehbar und gewollt. Der Horsti ist doch bekannt für seine Aktionen. War ja mal ruhig geworden um ihn. Wahrscheinlich wird die juristische Prüfung ergeben, dass es wenig sinnvoll ist, sein Strafantragsrecht aus §77a StGB wahr zu nehmen. Das will er nur für die Galerie und im Irrglauben, die Polizisten würden deshalb CDU/CSU wählen und das Volk sehe einen "starken" Minister. Ohne "Mutti" geht gar nichts.

Stefan Jurisch | Mi, 24. Juni 2020 - 07:54

Das aber kommt leider dabei raus, wenn sich immer mehr (sowohl gute als auch schlechte) eher linke oder grüne Künstler und Satiriker immer mehr in Politik und Journalismus einmischen. Damit prägt nämlich eine sehr reichweitenstarke Minderheit die öffentliche Meinung derart stark, dass genau das hervorgebracht wird, was wir erleben: immer mehr Empörte.

Zobel Wendland | Mi, 24. Juni 2020 - 09:24

Wenn die Satirikerin nach einem rechtsstaatlichen Verfahren bestraft wird, dann vermute ich mal, dass die ganze anarcho,antifa,roten floras ,Satiriker und free gustavs,die nächste Welle der Gewalt versuchen zu inszenieren.Gemischt mit Antiverschwörungstheoretikern und Menschenrechtsaktivisten für grenzenlose Party und Gewaltexzesse, zumindest wird man versuchen diese zu instrumentalisieren .Jeder Versuch der Staatsgewalt und ausführenden Organe dagegen vorzugehen ,wird man als, je nach politischer oder patologischer Coleur,faschistisch,totalitär oder reaktionär........bezeichnen.

Hans-Jürgen Stellbrink | Mi, 24. Juni 2020 - 10:15

Wenn jemand einen Beweis für das Abgleiten des Journalismus in den Aktivismus gesucht hat, findet er ihn bei Böhmermann.
Der Zustand der deutschen Medien (besonders der steuerfinanzierten [ja, die Abgabe ist eine Steuer]) ist beschämend, ihre Einseitigkeit eine Katastrophe für die Meinungsfreiheit und damit die Demokratie. Zu der taz-Journalistin muss man sagen: Natürlich darf man in einer Demokratie hassen (so wie die AfD gehasst wird), man muss den Hass aber auch als solchen benennen und gesellschaftlich ächten dürfen, ohne dass er die Betreffend_innen gleich zum Fall für die Staatsanwält_in machen muss.

Werner Peters | Mi, 24. Juni 2020 - 11:25

Verstehe die ganze Aufregung über den Artikel in der taz nicht. Laut DLF gestern früh war das doch nur eine "polizei-kritische Meinungsäußerung". Dürfen sich denn Journalisten nicht mehr zu aktuellen Themen kritisch äußern, ohne dass gleich der Innenminister einschreitet ? Ironie off.

Hanno Woitek | Mi, 24. Juni 2020 - 12:00

ein Rechtsradikaler, ein Linksradikaler, ein mieser Polemiker, ein Intellektueller (sorry), ein Populist
, ein Philosoph,ein Antidemokrat, auch schon mal ein Seniler, ein Schwachkopf, ein Hohlkopf, ein brillanter Analytiker, ein unflätiger Pöbler, ein Dichter etc... eben ein Bayer.

Hanno Woitek | Mi, 24. Juni 2020 - 12:05

bekennender Katholik und fremdgehender Seitenspringer

Armin Latell | Mi, 24. Juni 2020 - 13:45

hat seinen Zenit schon so lange überschritten und ist genau genommen nicht nur peinlich, sondern in dieser Position für De auch noch gefährlich. Wenn ich ihn im Interview sehe und höre, kann ich ihn nur noch für senil abgehalftert halten. Allerdings kann ich auch keinen Funktionär im ganz weiten Umfeld erkennen, der diese Aufgabe übernehmen könnte. Ich hätte es nie gedacht, aber da war ein Schily ein echter schwarzer Sheriff. Zu den minderbegabten oder auch überhaupt nicht begabten Satirikern mit ihrem alles überragendem Leuchtturm Böhmermann haben Sie alles richtig beschrieben. Ein sehr gelungener, treffender Artikel. Es werden sich auch in Zukunft viele Gelegenheiten bieten, politische Peinlichkeiten zu thematisieren. Dazu kann ich Sie, Herr Marguier, nur ermuntern!

Brigitte Simon | Mi, 24. Juni 2020 - 17:42

In reply to by Gast

...für die taz. Hoffentlich ist sie finanziell besser bestellt als derzeit Wirecard.
Am 23.02.2018 mußte taz 20.000 Euro Schadensersatz an Sarrazin entrichten.
Das Landgericht Berlin sieht in Yücels Aussage "Sarrazins nächster Schlag-
anfall muß endgültig sein", eine Persönlichkeitsverletzung. Die taz dürfe diese
nicht weiter vetreten und veröffentlichen. Für mich eine korrekte Entscheidung
des LG`s.

Ich stelle mir die Frage welcher Art journalistischer Freiheit präferiert die taz?
Übelste, unter die Haut gehende Beschimpfungen, tendenzielle Halbwahrheiten...
lehne ich ab.

Die taz als "Wiederholungstäterin" sieht nichts Anrüchiges in der Festellung ihrer
Autorin Hengameh Yaghoobifarah:" Für die Polizei gibt es nur als Option die Müll-deponie". Sie befindet sich mit ihrer Drohung im besten Einklang mit Denis Yücel.
"Er freut sich über das Deutschlandsterben". Sein Glück die Nichtvollendung des
Sterbens. Wer hätte für ihn, in seiner türkischen Verhaftung, gekämpft und
gezahlt?