Kassenärztliche Bundesvereinigung zum zweiten Lockdown - „Nicht mit Angst, Panik und Verboten“

Nach der heutigen Ministerpräsidentenkonferenz droht ein neuer Lockdown. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die beiden Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit haben jetzt mit einem gemeinsamen Positionspapier vor diesem Schritt eindringlich gewarnt. Wir dokumentieren den Appell im Original.

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Warnt vor einem zweiten Lockdown: der Virologe Hendrik Streeck / screenshot Zoom t

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Der derzeitige rasante Fallzahlanstieg nach den ruhigeren Sommermonaten zeigt klar, dass aufgrund der Eigenschaften von SARS-CoV-2 eine Pandemiebekämpfung ausschließlich im Rahmen einer Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr möglich sein wird. Bereits im Sommer konnte bei niedrigen Fallzahlen das Infektionsgeschehen nicht vollkommen nachverfolgt und eingedämmt werden. Bedingt durch die Saisonalität des Infektionsgeschehens, die Verlagerung der Aktivitäten von draußen nach drinnen sowie die erhöhte Infektanfälligkeit in den Herbst- und Wintermonaten ist mit höheren Fallzahlen als im Frühjahr und Frühsommer zu rechnen. 

Wieder auf Lockdowns zu setzen, könnte – in der Hoffnung Infektionszahlen zu senken – die reflexartige Konsequenz darauf sein. Aber wir haben in den Monaten der Pandemie deutlich dazugelernt. Der Rückgang der Fallzahlen ist politisch zwar eine dringende Aufgabe, aber nicht um jeden Preis. Wir erleben bereits die Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation und Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage als Folge.

Erstens nicht schaden

Wir berufen uns auf das grundlegende medizinisch-ethische Prinzip des ärztlichen Handelns: „primum nihil nocere“ („erstens nicht schaden“). Dieser Grundsatz auf die momentane Situation angewendet bedeutet, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie so zu wählen, dass wir schwere Verläufe wirksam mindern, ohne neue Schäden zu verursachen. Dabei sind wir auf die Bereitschaft der Bevölkerung zur Mitarbeit angewiesen. Ohne ihre Kooperation laufen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ins Leere.

Sobald sich Verordnungen als widersprüchlich, unlogisch und damit für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar darstellen oder von Gerichten außer Kraft gesetzt werden, entsteht ein Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem. Wir könnten diejenigen verlieren, die wir dringend als Verbündete im Kampf gegen das Virus brauchen.

Es gibt keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage für die Bewertung des Pandemieverlaufs und die Ableitung von Maßnahmen, die sich allein auf Grenzwerte stützen, die auf der Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner beruhen. Dies gilt umso mehr, als in der jetzigen Pandemiephase, vielerorts notgedrungen, weniger die Eindämmung durch Kontaktpersonennachverfolgung, als vielmehr die Protektion – insbesondere von Risikogruppen – Priorität haben muss. 

Einheitliches Ampelsystem

Zielführender und entscheidender ist die Auswertung von Indikatoren, die kurzfristig Auskunft über die Gefährdungslage von Risikogruppen mit möglichen schweren Krankheitsverläufen geben und frühzeitig auf eine Überlastung des Gesundheitswesens durch COVID-19 hinweisen. Daher fordern die Unterzeichner ein bundesweit einheitliches Ampelsystem. Anhand dessen lässt sich sowohl auf Bundes- als auch auf Kreisebene die aktuelle Lage auf einen Blick erkennen. Anhand dieses Ampelsystems kann die Politik dann klar kommunizieren, wie die aktuelle Situation aussieht, mit welchen Entwicklungen zu rechnen ist und mit welchen Maßnahmen darauf reagiert werden sollte.

Grundlage dieser Corona-Ampel müssen alle relevanten Kennzahlen wie Infektionszahlen, Anzahl der durchgeführten Tests, stationäre und intensivmedizinische Behandlungskapazitäten bilden. So gelingt die Bündelung komplexer Informationen, die verständlich auf ein Signal konzentriert dargestellt werden. Wissenschaft, Gesundheitsbehörden und Verwaltung verfügen über ausreichend Daten, anhand derer das Pandemiegeschehen regional verfolgt und eingeschätzt werden kann.

Barack Obama gewann seine Landsleute 2009 mit einem einfachen Satz: Yes, we can. So sollte auch unsere Strategie sein. Wir wollen und müssen die Menschen mitnehmen, ihnen Mut machen. Wir wollen und können es zusammen schaffen und zwar nicht mit Angst, Panik und Verboten, sondern mit dem Aufzeigen von Alternativen. Hoffnung ist ein besserer Partner als Verzagtheit.

Virus wird uns begleiten

Wir müssen uns ehrlich eingestehen: Dieses Virus wird uns die nächsten Jahre begleiten. Auch ein Impfstoff wird nur ein Mittel unter vielen zur Bekämpfung der Pandemie sein. Bisher konnte erst einmal ein Virus durch einen Impfstoff über jahrzehntelange Impfkampagnen ausgerottet werden. Deshalb müssen wir viel stärker darüber sprechen, wie das Zusammenleben trotz des Virus in größtmöglicher Freiheit stattfinden kann. Ein achtsamerer Umgang miteinander, als wir ihn bisher vielleicht gelebt haben, ist hierfür erforderlich. 

Wir setzen auf Gebote anstelle von Verboten, auf Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung. Verbote oder Bevormundung haben eine kurze Halbwertszeit und entsprechen nicht unserem Verständnis einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Gerade die Kontaktpersonennachverfolgung kann besser und effektiver über Eigenverantwortung erfolgen. Zusätzlich zu der Corona-Warn-App können die Menschen eigene Mitteilungen an ihre Kontaktpersonen schneller und zielgerichteter senden und die Gesundheitsämter entlasten. Dieses Vorgehen ermöglicht damit eine Langzeitstrategie und erlaubt, wichtige Ressourcen der Gesundheitsämter auf die Risikogruppen zu fokussieren. Wissenschaft, Gesundheitsbehörden und Verwaltung verfügen zwar bereits über Daten anhand derer das Pandemiegeschehen regional verfolgt und eingeschätzt werden kann. Diese Datenbasis muss zukünftig aber systematisch erweitert werden.

Sinnvolle Maßnahmen

Die Unterzeichner fordern die Politik auf, sich auf eine Auswahl von Maßnahmen zu konzentrieren, die möglichst direkt und spezifisch den Schutz der Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt stellen, für die ein hohes Risiko schwerer Krankheitsverläufe besteht. Wir befürworten die:

–   Anwendung der AHA + A + L Regelung (Abstand/Hygiene/Alltagsmaske + App + regelmäßiges Lüften) zur Eindämmung der Ausbreitung. 

–   Priorisierung der Kontaktpersonennachverfolgung nach den Kriterien: 1.) Bezug zu medizinisch/pflegerischen Einrichtungen 2.) Teilnahme der Kontaktperson an potenziellen „Super-Spreader-Events“ 3.) der Nutzung der Corona-Warn-App. 

Es ist für die Unterzeichner unstrittig, dass der Fokus im weiteren Verlauf der Pandemie auf dem Schutz von Risikogruppen liegen muss. Gleichwohl müssen wir darüber nachdenken, wie eine Isolation ganzer Bevölkerungsgruppen gegen den eigenen Willen verhindert werden kann. Aus unserer Sicht wurde es über die Sommermonate leider versäumt, analog zu den Konzepten der Arztpraxen maßgeschneiderte und allgemeingültige Präventionskonzepte für vulnerable Gruppen zu entwickeln.

Für den Schutz von Risikogruppen sind folgende Maßnahmen erforderlich:

–  Besucher in Seniorenheimen, Pflegeheimen und Krankenhäusern erhalten in einem „Schleusen“-Modell nur nach negativem Antigen-Schnelltest Zutritt.

–  Das ärztliche und pflegerische Personal sowie das Reinigungspersonal werden regelmäßig getestet.

–  Das ärztliche und pflegerische Personal sowie das Reinigungspersonal und auch die Besucher tragen beim Kontakt mit den Patienten/Bewohnern FFP2-Masken.

–  Der Aufbau und die Unterstützung von Nachbarschaftshilfen für Personen, die der Risikogruppe angehören, aber zu Hause leben, wird durch Städte, Kreise und Kommunen etabliert. Personen, die sich selbst isolieren, sollen dabei unterstützt werden. Gleichzeitig muss ihre medizinische Versorgung gewährleistet werden. 

Hygienekonzepte und Teststrategien

Wir wissen derzeit nicht, unter welchen Bedingungen Veranstaltungen stattfinden, ohne dass dadurch ein erhöhtes Infektionsrisiko oder Infektionsgeschehen entsteht. Dies muss aber definiert werden, um im Frühjahr bestimmte Veranstaltungen wieder zulassen zu können. Daher sollten Veranstaltungen mit Hygienekonzepten und Teststrategien unter wissenschaftlicher oder gesundheitsamtlicher Begleitung durchgeführt werden, um herauszufinden, ob das Risiko einer Virusübertragung überhaupt in relevantem Umfang besteht. Gesellschaftlich und infektionsepidemiologisch ist es besser, wenn Menschen sich in öffentlichen Räumen mit Hygienekonzepten unter optimalen Bedingungen treffen, als dass sich die sozialen Begegnungen in vergleichsweise weniger sichere private Innenräume verlagern. Daher unterstützen die Unterzeichner Initiativen, die unter klar definierten Hygienekonzepten und Teststrategien Veranstaltungen zulassen.

Beteiligte: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Prof. Dr. Hendrik Streeck, Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 28. Oktober 2020 - 13:22

Bitte viele andere...
Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam werden wir die Herausforderungen in Zusammenhang mit dem Virus meistern.

Darf man auch wissen, auf welchem Planeten Sie sich zur Zeit befinden?
Gebote anstelle von Verboten, Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung? Vortrefflich! Wann, Herr Steeck, überzeugen Sie unsere noch kritischen Mitbürger, die sich - trotz kaum noch wahrzunehmender Einschränkungen - bei Querdenker-Demos echauffieren?
Wie war das eigentlich während der Sommermonate, als das Virus pausieren und für den Herbst/Winter warmlaufen konnte? Die Leute haben auf Hygienemaßnahmen "gepfiffen", die Entrückten samt rechter Trittbrettfahrer sind marschiert...und die wollen Sie jetzt, wo schärfere Einschränkungen überfällig sind, "überzeugen"?
Na dann, viel Glück!
Wie wollen Sie die Risikiogruppen schützen? Besucherzahlen reduzieren? Personal ständig testen, am besten täglich, denn auch das Personal hat ein Leben, wenn es nach Ihnen geht im weitgehend ungeschützten Raum. Sonstige, die nicht in Heimen leben?
Keinen Schimmer? Fehlanzeige!
Schwaches, sehr schwaches Konzept. Aber schöne Worte.

aber Prof. Streeck und Prof. Schmidt-Chanasit sind tatsächlich Experten auf diesem Gebiet. Und aufgrund ihrer wissenschaftlichen Expertise können sie das obige auch schreiben, ohne jegliche ideologische Scheuklappen. Das ist Ihnen vielleicht entgangen: Hier geht es nicht um Ideologie, sondern um medizinische Probleme. Versuchen Sie doch bitte, den Aufruf nochmals zu lesen. Und zu verstehen!

Sehr geehrter Herr Lenz.
Mir ist nicht bekannt wo und was Sie arbeiten, aber ich lebe - wie sehr viele mir persönlich bekannte Personen - von Veranstaltungen. In diesem Zusammenhang von "kaum noch wahrzunehmenden Einschränkungen" zu sprechen, ist ein Schlag ins Gesicht zehntausender Betroffener, die nun auf Grund der Maßnahmen kurz vor dem Aus stehen oder da schon sind.
Ich gehöre nicht zu den lautstarken Teilnehmern hirnloser Protestaktionen und halte mich auch an die Regeln, aber offensichtlich ist Ihnen entgangen, dass ein beträchtlicher Teil von berufstätigen Menschen die (noch) nicht von Hartz IV leben unter den Tisch fallen. Ausserdem sollten Sie sich gewahr sein, dass der Wegfall dieser Branche nicht nur alle Zulieferer trifft (die dieses Geld und die Arbeitskraft übrigens im eigenen Land freisetzen), sondern dass der Rattenschwanz irgendwann auch andere trifft. Der Staat kann nur ausgeben, was er einnimmt. Schwierig mit weniger Steuerzahlern. Einen schönen ruhigen Abend noch.

Warum schweigen die Lämmer in Deutschland und EU-Europa?

Wissenschaftliche Meinung ist heute vor der Öffentlichkeit unerwünscht!

Gestandene Wissenschaftler mit Jahrzehnten an wissenschaftlicher Erfahrung werden doch nicht von den öffentlichen GEZ-TV-Medien eingeladen. Sie dürfen doch nicht vor einem Millionen-TV-Publikum ihre wissenschaftlich fundierten Ansichten vertreten und diskutieren!

Sie werden wie Staatsfeinde behandelt, wenn sie nicht die Meinung der parlamentarischen Mehrheit und deren Parteien vertreten.

Klaus Funke | Mi, 28. Oktober 2020 - 13:27

Danke an CICERO für die Übermittlung des Standpunktes der Virologen. Das klingt alles sehr ausgewogen und überlegt. Ich stimme dieser Sichtweise zu. Wie abenteuerlich, ja beinahe unserem Demokratieverständnis entgegen gesetzt, klingt da die Forderung eines Herrn Lauterbach, Corona-Kontrollen in privaten Wohnungen durchzuführen. Ich vertraue auch auf die Ausgewogenheit und Lebensnähe der MP´s. Wir werden mit dem Virus trotz aller Panik und Angstmache und aller Maßnahmen die nächsten Jahre leben müssen. Das geht nur, wenn man aktiv auf die Mitwirkung der Bevölkerung setzt. Die erreicht man nicht mit Verboten und drakonischen Maßnahmen. Das erzeugt Widerwille und führt direkt in den Untergang unseres bisherigen Parteienstaates. Schon jetzt ist im Gegensatz zum Frühjahr die Zustimmung zur Regierungspolitik gesunken. Sie wird weitersinken. Es wird ein böses Erwachen zur Bundestagswahl - sofern sie überhaupt stattfindet* - geben. (*Ich prophezeie, keine Wahlen aus Angst vor dem Volke)

Ernst-Günther Konrad | Mi, 28. Oktober 2020 - 13:44

und das wird gnadenlos umgesetzt.
Wie umgehen mit der Corona-Pandemie? Das Bundesinnenministerium hat ein 17-seitiges Strategiepapier mit dem Titel „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ verfasst und nach dem 18. März an weitere Ministerien sowie das Bundeskanzleramt verteilt. In der Studie fordern die Autor:innen, zu denen offenbar Wissenschaftler:innen gehören, unter anderem eine massive Ausweitung von Tests."
Quelle: Frag den Staat
https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle…
Die Studie belegt zweifelsfrei, dass alles, was derzeit passiert vom Staat bewusst und gewollt gegen die Bevölkerung eingesetzt wird. Das 17seitige Dokument verschwand ganz schnell aus der öffentlichen Wahrnehmung. So wie die 192 Seiten des ROR Kohn, der genau und exakt mit Hilfe von Fachleuten unter dem Begriff: "Corona Falschalarm" alles niederschrieb, was derzeit die Folgen der absurden Maßnahmen darstellt. Ich hoffe sehr, die Bürger klagen ihre Rechte massiv ein.

Bickerle | Mi, 28. Oktober 2020 - 13:58

Es zeigt sich, Virologen sind möglicherweise keine guten Epidemologen.
Ich führe eine Tabelle, in die die Zahl der Infizierten und Toten gemäß RKI seit 2.3.2020 (Tag_1) bis zum 27.10.2020 (Tag240) eingetragen, ausgewertet und verrechnet wurden. Aufgrund der Toten, die testunabhängig sind, vermag ich zu sagen, wir befinden uns situationsbedingt wieder in der Woche die mit dem 23.3.2020 begann. Wir hatten seinerzeit zwischen 3550 und 5200 Infizierte und 28 bis 66 Tote täglich. Da sich der Infektionsdruck des Virus nicht vermindert, sondern eher verstärkt hat, werden sich unsere jetzigen Zahlen ca. 15000 Infizierte und 85 Tote in den nächsten 3 Wochen verdoppeln bis verdreifachen, wenn nicht entscheidendes geschieht. Es ist vorhersehbar, dass uns das Virus den totalen Lock-Down aufzwingen wird, wenn wir es jetzt nicht stoppen können. Wir verdanken diese Lage Juristen die nicht rechnen (können) und Virologen, die keine Epidemologen sind.

Mfg,
Carl Heinz Bickerle

mögen alle stimmen. Sie sind offensichtlich Epidemiologe oder kennen sich da sehr gut aus. Nach deren „Logik“ hätte man wohl bereits im Frühjahr alle Menschen dieses Planeten für mehrere Wochen komplett isoliert einsperren müssen und das Virus wäre verschwunden, die nicht Gestorbenen wären für immer davor sicher (das ist jetzt leicht übertrieben modellhaft dargestellt.)

Aber Politik muss mehr sein als die Exekutive der Epidemiologen.
Sie muss abwägen.
Auch Sie werden nicht bestreiten, dass Covid 19 keine hoch tödliche Erkrankung darstellt, sondern es sehr davon abhängt, wer sie bekommt.

Und somit sind wir wieder beim Abwägen.

Ein kompletter Lockdown, wie Sie ihn hier andeuten, ist angesichts der absehbaren Folgen der falsche Weg. Auch wenn mehr Menschen sich infizieren und wohl auch mehr sterben, wobei „an“ und „mit“ eine sehr schwammige Zahl darstellt.
Eine neue Strategie wird unvermeidlich sein, bisher wurde zu viel falsch gemacht.

Jeden Tag sterben in D ca. 2.400 Menschen an irgendetwas. So starben jeweils am 28.10. 2016 bis 2019 2.596, 2.417, 2.423 und 2.427 (Sonderauswertung DStatis 2020). Und weil wir zwischen 30 und 90 Todesfälle vielleicht mit, nicht einmal an Corona am Tag haben, fahren wir unsere Gesellschaft an die Wand? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, werte @Bikerle und @Lenz. Eine solche Rechnung mag ja zynisch klingen, aber Zahlen lügen nicht und politische Entscheidungen dürfen sich nicht an Einzelschicksalen orientieren, sondern am Gemeinwohl und dem Grundsatz der Verhälnismäßigkeit. Und davon ist NICHTS im Krisenmodus dieser Regierung erkennbar!

Derzeit haben wir eine Positivrate von 3,62% bei 1,2 Mio Tests pro Woche. Im März (Woche 13) lag die Positivrate bei 8,69% mit 0,3615 Mio Tests pro Woche.
Mithin bezogen auf die Testhäufigkeit lägen wir bei gleich geringer Testung heute bei nur 1,2%.
Hier werden die Fallzahlen durch die Testhäufigkeit hochgezogen und bleiben dennoch weit unter dem was im März war.
Knicken Sie ihre Tabelle und schauen Sie direkt bei RKI nach oder in der FAZ.

Jetzt bin ich aber beruhigt, dass offenbar Sie den Durchblick gegenüber den kritischen Virologen haben. Ich habe mir die Mühe gemacht und versucht, Ihre Zahlen in den offiziellen Tabellen des RKI und anderen internationalen Quellen irgendwo zu finden. Was soll ich Ihnen sagen, die scheinen alle keine Ahnung zu haben, denn Ihr Zahlenwerk finde ich nirgends. Nun gut, es sind Ihre persönlichen Aufzeichnungen und ihre persönliche Lesart und Auslegung Ihrer Zahlen. Es sei Ihnen zugestanden, dass sie ihr eigenes Glaubensbekenntnis hier offenbaren. Das dürfen Sie gerne tun.
Was ihre Kritik an den Richtern anbetrifft, die etliche Maßnahmen für verfassungswidrig und unrechtmäßig, weil völlig außer Verhältnis stehend anbetrifft, sollten Sie sich künftig als sachkundiger Zeuge bei den Gerichten melden, um deren Entscheidungen in Ihrem Sinne mit ihren fundierten Aufzeichnungen bei der Urteilsfindung zu unterstützen. Vielleicht stellen Sie auch Ihr Zahlenwerk dem RKI zur Verfügung.

Sehr geehrter Herr Konrad,

keiner will einen Lockdown, ich war froh als der erste Lockdown zu Ende war. Aber wir haben die Geschichte schlecht verwaltet. Es sind die RKI Infektions- + Sterbezahlen tabellarisch aufgelistet. Und daraus errechnet die wöchentlich gewichteten durchschnittlichen Steigerungen. Die Steigungsraten sind wichtiger als die Zahlen. Die Rate in der Woche die mit dem 27.9.2020 endet war gemittelt 8% sodann wochenweise 16%; 50%; 52%; 58% (trotz erster Maßnahmen) und diese Woche steigt weiter. Wenn wir in diesem Tempo steigen, haben wir in 6 Wochen täglich 170.000,-- Infizierte und an die 950 Tote. (15.000 täglich Infizierte*1,5 hoch 6) Ich überlasse es Ihnen zu entscheiden, wie lange wir diesen Trend aussitzen.
Zu den Richtern, wer über die Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme entscheidet sollte die Gefährlichkeit ihrer Unterlassung rechnen können.
Mit freundlichen Grüßen,
Carl Heinz Bickerle

haben Sie auch Statistiken und Zahlen über die vielen Virenkrankheiten (TBC, Masern, Windpocken, Hepatitis und dgl.) Was kann man unternehmen, um diese schrecklichen Krankheiten ein für alle mal auszurotten?
Ich wäre auch zufrieden, wenn die Regierung gegen sonstige Bedrohung von Leib und Leben so rigoros vorgehen würde.

Urban Will | Mi, 28. Oktober 2020 - 14:55

Eine durch und durch schlüssige Strategie, nicht nur was die einzelnen Maßnahmen betrifft, sondern vor allem dahingehend, dass man endlich dazu übergehen muss, den Menschen Mut zu machen, sie mitzunehmen.

Ich kann es nicht fassen, dass Lauterbach jetzt sogar Wohnungen kontrollieren möchte.
Was glaubt der denn, was er damit bewirkt? Unfassbar, was da an Gedankengut herumschwirrt in der Politik.
Wann kommen sie – aus Sicht der Hysteriker - „endlich“ zurück, die Blockwarte?

Ich setze keine Hoffnung auf die Einsicht von Merkel und ihren Gesinnungsgenossen (von Söder hört man erstaunlich wenig in den letzten Tagen, hat er wohl schon sein Fähnchen neu ausgerichtet?)
Aber ich hoffe auf die Vernunft einiger MP's.
Und auf zahlreiche Klagen der Betroffenen.
Dem Panik- und Verbots – Spuk muss ein Ende bereitet werden. Sonst geht es bald über in die Phase groß angelegten, offenen und bald auch gewalttätigen Widerstandes.
Angst lässt sich nicht allumfänglich verordnen, wie man sieht.
Gut so.

Ich kann es nicht fassen, dass Lauterbach jetzt sogar Wohnungen kontrollieren möchte.

schrieben Sie.
____________________

Und ich las von Herrn Lauterbach einen klaren "Wenn,---dann--"-Satz.
"Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können."

Und ob das jemals zutrifft, muss dann wie bei jedem Notstand gemäß der Notstandsgesetze entschieden werden.

Also: Am Pflaumenpfingsten.

Nun klarer?

Ines Schulte | Do, 29. Oktober 2020 - 20:12

In reply to by Dr.med. Herber…

- nicht ganz: Ich las, dass Lauterbach gegenüber der Rheinischen Post äußerte " Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein."

Ihren Gedanken stimme ich in jeder Hinsicht zu, dem "Panik - und Verbotsspuk" muss ein Ende bereitet werden. Wir werden mit diesem sowie auch anderen Viren leben müssen, und ob die ganzen oft übertriebenen Hygienemaßnahmen bis hin zu dem Vorschlag in einer Tageszeitung, Klassenzimmer durch ein eigens dafür konstruiertes Filter und Lüftungssystem "virenfrei" zu halten, zeigt, bei welchen Auswüchsen wir inzwischen angekommen sind, denn für die funktionierende Immunabwehr unseres Körpers, die sich durch Viren und Bakterien erst ausbilden konnte, wäre nicht nur ein "virenfreies" Klassenzimmer mehr als kontraproduktiv, ganz abgesehen davon, dass das gar nicht zu erreichen sein wird.

Urban Will schrieb:
Ich kann es nicht fassen, dass Lauterbach jetzt sogar Wohnungen kontrollieren möchte.
_________________
Das ist falsch.
Lauterbach sagte: Wenn....dann...
Das bedeutet, wenn kein Notstand herrscht, dann werden auch keine Wohnungen kontrolliert. Nun klarer?

Ingbert Jüdt | Mi, 28. Oktober 2020 - 15:15

»Ja, aber die Methode ist so empfindlich, dass sie ein einzelnes Erbmolekül dieses Virus nachweisen kann. Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötzlich ein Mers-Fall. Wo zuvor Todkranke gemeldet wurden, sind nun plötzlich milde Fälle und Menschen, die eigentlich kerngesund sind, in der Meldestatistik enthalten.«

(https://www.wiwo.de/technologie/forschung/virologe-drosten-im-gespraech…)

Das war aus Anlass einer Häufung von MERS-Fällen in Saudi-Arabien im Jahre 2014 *Christian Drostens* Meinung zu genau dem PCR-Test, auf dessen Grundlage wir jetzt wieder in den Lockdown geschickt werden sollen. Aber unsere Exekutive verhält sich, als hätten wir die Zombie-Apokalypse abzuwehren - weil sie süchtig geworden ist nach den Handlungsfreiheiten des Ausnahmezustands!

Brigitte Miller | Mi, 28. Oktober 2020 - 15:19

aber noch immer geht man davon aus, dass Sars-Cov2 eine hochgefährliche Krankheit ist und "Alltagmasken" nötig. Hoffentlich kehrt auch hier noch eine Beruhigung ein.

Christian Haustein | Mi, 28. Oktober 2020 - 15:26

Soweit ich weiß sind die KVen vorallem für den Bereich, Abrechnung, Wirtschaftlichkeit und ähnliche Bereiche zuständig. Sprich es geht um administrative Themen und weniger um medizinische Kompetenz... Warum meldet man sich zu einem Themenbereich von dem man gar keine Ahnung hat? Ich geh doch auch nicht zum Zahnarzt, wenn mir der Fuß weh tut...

Helene Kaiser | Do, 29. Oktober 2020 - 12:17

In reply to by Christian Haustein

Die KVen organisieren die gesamte ambulante Versorgung für ca. 800.000 kronisch Erkrankte und zusätzlich akut Erkrankte. 19 von 20 Covid Erkrankten werden ambulant behandelt.
Übrigens werden schon seit Jahren Diagnose Daten täglich bei Pandemien erhoben und an die KBV und an das ZI (Zentralinstitut) übermittelt.
Daher ist aufgrund der vorliegenden und manifaltigen Fakten und von Patientenkontakten für die Ärzteschaft ein "MUSS" sich einzubringen.
Es ist ein Witz das die „Praxis vor Ort“ bisher überhaupt kein Gehör bei den Politikern findet und von diesen sogar ignoriert wird.

Tomas Poth | Mi, 28. Oktober 2020 - 15:50

Wir haben nur ein Problem und das sitzt im Bundeskanzleramt!

Jürgen Keil | Mi, 28. Oktober 2020 - 16:54

Mir fehlt der Glaube, dass sich im angstgesteuerten und angstschürenden Verhalten der führenden Politiker in Bezug auf Corona- Maßnahmen etwas ändern wird. Eher denke ich wird man, wenn die Zahlen sich irgendwann jahreszeitgemäß entspannen hören, dies ist das Ergebnis unserer konsequenten Maßnahmen. Auch wenn das Klima, wie schon oft in der Geschichte sich einmal wieder kühler zeigt, waren es dann die Maßnahmen der Alleswissenden, die das bewirkten. Man wird ihnen das Gegenteil schwerlich beweisen können. Das ist die Krux. Ich werde mich vorsichtig und verantwortungsbewusst verhalten, aber verrückt machen lasse ich mich nicht. Aber ein wenig wütend macht mich diese Angstschürerei schon!

Karla Vetter | Mi, 28. Oktober 2020 - 18:28

Es ist an jedem Bürger sich vielleicht a u c h ein paar Gedanken zur Eindämmung des Geschehens zu machen. Meine Ideen, auch befördert durch Jahrzehnte im Umfeld des Gesundheitsbereiches, gebe ich gerne zur Kenntnis. Warum nicht ein Brainstorming der verschiedenen Beteiligten? Wie wäre es z.B. mit Entlastung unserer Gesundheitsämter durch ein "Coronatagebuch". Es sollte Begegnungen/ Feste -Veranstaltungen die vom normalen Alltag abweichen, dokumentieren. Also das Kaffeekränzchen, den Theaterbesuch usw. Es würden Stichpunkte und Namen der anwesenden direkten Kontaktpersonen (wegen der Verfolgbarkeit) genügen, als Gedächtnisstütze. Wer erinnert sich sonst noch an Ereignisse vor 14 Tagen? Vor Besuchen bei älteren Menschen und in Heimen könnte man einen privaten kleinen "Lockdown" durchführen, also mal eine Woche davor keine unnötigen Kontakte. So könnte man auch das familiäre Weihnachtsfest retten.

Dieter Erkelenz | Do, 29. Oktober 2020 - 08:05

Herr Poth, wir haben noch ein Problem: Das ist die Quotenjournaille, die landauf, landab Hysterie verbreitet!