Petra Leister - Die Clan-Jägerin

In Bremen wurde ein führendes Mitglied des Miri-Clans abgeschoben. In Berlin gilt derweil die Berliner Oberstaatsanwältin Petra Leister als strengste Anklägerin krimineller Mitglieder arabischer Clans. Doch ihre Methoden sind riskant – auch für sie selbst

 Oberstaatsanwältin Petra Leister, zuständig für die Ermittlung gegen die Clans in der Hauptstadt, sprichtbei einem Pressegespräch über eine Razzia der Bundespolizei gegen mutmaßliche Schleuser.
Petra Leister gilt als tough, hartnäckig, geradlinig und teamfähig / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Die Szene war filmreif. Da hatte das Berliner Amtsgericht Deutschlands bekanntesten Clan-Chef, Arafat Abou-Chaker, zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er einem Hausmeister ohne Vorwarnung die Nase gebrochen hatte. Der Ex-Manager des Rappers Bushido wollte den Gerichtssaal gerade verlassen, da betrat Petra Leister die Bühne. Zierlich, feuerrote Haare, eine strenge Brille auf der Nase und eine Mappe mit einem Haftbefehl unterm Arm. Der Oberstaatsanwältin gelang etwas, was noch keinem Kollegen vor ihr gelungen war. Sie ließ Abou-Chaker verhaften

„Die traut sich was“, raunten Kollegen. Doch der Showdown hatte ein Nachspiel. Zwei Wochen später war Abou-­Chaker wieder auf freiem Fuß. Der Verdacht, er habe versucht, die Kinder und die Frau von Bushido entführen zu lassen, ließ sich nicht erhärten. Das Verfahren wurde eingestellt. Die Verhaftung sei „eine reine Show-Veranstaltung“ gewesen, kritisiert sein Anwalt, Burkhard Benecken. 

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Ernst-Günther Konrad | Do, 11. Juli 2019 - 16:56

Sie vollstreckt eilig erwirkte Haftbefehle für die Galerie und schwupps wird der Verdächtige wieder freigelassen am nächsten Haftprüfungstermin, das Verfahren inzwischen sogar eingestellt. Da lachen sich die Clans doch schlapp. Was besseres kann ihnen doch nicht passieren, erst dringend verdächtig, dann Verfahren eingestellt. Der schnelle Erfolg soll her, er wurde präsentiert, das Endergebnis natürlich verschwiegen. So lesen wir es auch bei NRW-Aktionen. Unzählige Beamte nehmen mal wieder irgendjemand "hopps" und schwupps ist er wieder draußen.
Diese Politik der öffentlichen Scheinerfolge wird doch ständig durch die geneigten Medien als "Beweis" staatlicher Kriminalitätsbekämpfung missbraucht. Wieviele werden davon verurteilt? Wieviele werden ausgewiesen? In Bremen wurde ein Clanchef letzte Nacht heimlich festgenommen und abgeschoben. Wann kommt die Gerichtsentscheidung, dass er wieder zurück muss, weil irgendetwas nicht berücksichtigt wurde. Knispel läßt grüßen. Für die Clans läufts

Markus Michaelis | Do, 11. Juli 2019 - 17:05

Also mein Eindruck bei den 77 Immobilien war es nicht, dass jetzt der Rechtsstaat erfolgreich durchgreift, sondern eher was im Artikel anklingt: er versucht es überhaupt mal und wenn er scheitert, wird es vielleicht schwierig einen neuen Anlauf zu wagen. Da ist die Versuchung zum Arrangieren vielleicht groß.

Wieviele Leute vom Format Leisters gibt es denn, die das sich und ihrer Familie antun? Wie realistisch ist es, dass der Rechtsstaat genügend rechtsstaatlich saubere Beweise sammeln kann? Mit der ständigen Drohung im Nacken einseitig, fremdenfeindlich etc. zu agieren.

Heidemarie Heim | Do, 11. Juli 2019 - 19:46

Wenn man sich solcher Bewunderung durch Kollegen innerhalb der Justiz sicher sein kann oder den Titel einer Jägerin, vergleichbar mit den Mafia-Jägern in Bella Italia, die ihre Berufsausübung überlebten an das Revers geheftet bekommt, sollten sich Bürger wie Regierung der wahren Dimensionen bewusst werden, mit denen es unser Rechtsstaat inzwischen zu tun hat. Ich befürchte nach Jahrzehnten des Verleugnens seitens der verantwortlichen Politik in Bund und Ländern, das unser aktuelles Rechtssystem nicht mehr gewappnet ist gegen die sich ähnlich eines Kraken ausbreitende Form der Kriminalität. Der Laie macht sich keinerlei Vorstellung darüber was es heißt auch nur mittels einer Beschlagnahme eine hieb-und stichfeste Beweisführung zu machen bis die Verhandlung fest steht. Steuer-,Betrugsermittlungen sind meines Wissens viel langwieriger, schwieriger sowie fachpersonalintensiver als jedes andere Delikt mit Tatort, Spurenlage und "sprechenden" Zeugen.
Dessen sollte man sich bewusst sein! FG

Christa Wallau | Do, 11. Juli 2019 - 23:41

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich noch eine Mehrheit der Menschen in Deutschland schätzt, was diese mutige Frau täglich tut.
Erhalten überhaupt die Staatsanwälte - welche ja die "Anwälte des Staatsinteresses", also unser aller Sicherheit und Ordnung sind - überhaupt noch genügend Rückendeckung von der Politik und der Gesellschaft?
In meinen Augen: Eindeutig n e i n !
Unsere heutige Gesellschaft bevorzugt den coolen Selfmade-Man - ob auf legalem o. illegalem Wege dazu geworden. Es gilt als schick, dem Staat ein Schnippchen zu schlagen u. mit Hilfe guter Anwälte davonzukommen. Ob Araber, Türke oder Ur-Deutscher - Wer "Kohle" hat und angeben kann mit dem, was er alles besitzt u. sich leisten kann (die Herkunft des Geldes spielt keine Rolle), der gilt etwas in den allermeisten Kreisen.
Welcher Mensch mit Prinzipien wie Ehrlichkeit,
Gesetzestreue, Bescheidenheit, Loyalität zum Staat (Beamteneid!) usw. gilt w o noch als rühmliches Vorbild?
Wer kann mir diese Frage beantworten?

Bei uns Kommentatoren, bei den wertungsfreien Journalisten, bei einem Teil der Bevölkerung, da gelten sie noch immer etwas, um ihre Frage Frau Wallau zu beantworten. Sie haben nur außer bei der AFD keine politische Stimme mehr, sieht man von Herrn Maaßen und einigen wenigen ab. Und was die politische Unterstützung von Frau Leister angeht, hat Herr Knispel bei Lanz unlängst alles gesagt. Interessanter weise fand allerdings nur die richtige Aussage von Friedrichs aus ihrem kurzen Intervieteil etwas Widerhall in den Medien. Der eigentlich Aufschrei, ob der Aussagen des Herrn Knispel, blieb medial ein laues kleines Lüftchen. Ja, diese Politiker, sie haben Angst vor lauten Wahrheiten, sie schweigen sie lautstark nieder, mit Hilfe der willfährigen ör Medien und der gewogenen Merkelpresse. Würde Frau Leister etwas passieren, hätte diese Regierung ein ernsthaftes Problem. Ob sie das weiß? Die merken bis heute nichts. Es ist fünf nach 12, die glauben aber noch es ist Frühstückszeit.

Liebe Frau Wallau,
ich hätte Ihnen gerne ihre Frage positiv beschieden. Nur mir fällt auch keine*r ein.
Politisch, war die letzte Person, vor der ich Hochachtung hatte: Helmut Schmidt!
MfG

Urban Will | Fr, 12. Juli 2019 - 09:28

Dass man über Jahre die Entwicklung dieser Clans stillschweigend geduldet hat, ist eine Schande für den Rechtsstaat.

Man meint zwar, nun eine etwas gesteigerte Mühe erkennen zu können, gegen sie vorzugehen, aber angesichts der horrenden Anzahl von Straftaten, die sie begehen, ist das politische Engagement kläglich.

Immer mehr nimmt in einem das unheimliche Gefühl zu, dass es keine Gleichheit mehr vor dem Gesetz gibt.
Der Migrationsirrsinn, die in seinem Zusammenhang geschehenen Straftaten und die Unfähigkeit der Behörden, hier für Abhilfe zu sorgen, hat das natürlich noch verstärkt.

Während man bei Straftaten von rechts immer gleich weiß, dass „Hassreden“ zu so etwas führen, frage ich mich, wie blind man sein muss, all diesen gegenwärtigen, politisch gemachten Irrsinn und die zunehmende Radikalisierung in der Gesellschaft nicht – zumindest nicht öffentlich wirksam – in Verbindung zu bringen.

Vor dem Erbe der politischen Schlafwandler muss man sich langsam fürchten.

Bernd Schiebener | Fr, 12. Juli 2019 - 14:24

Der sogenannte Rechtsstaat ist gegen Clans, Mafia und ihren hoch bezahlten Anwälte ein zahnloser Tiger. Über die armseligen Gehälter von beamteten Staatsanwälten, können sie nur milde lächeln. Dafür ist bei diesen Honoraren die Trickkiste dieser "Rechtsvertreter" unerschöpflich. Da ist der Rechtsstaat chancenlos. In Berlin wurde die Immos beschlagnahmt und die Mieten flossen weiter in den Libanon. Luxus- Karossen wurde nach 2 Wochen zurück gegeben. Gehörten alle dem Onkel im Libanon.

Roland Lissowski | Fr, 12. Juli 2019 - 20:58

... wird vermutlich ebenso enden wie vor einigen Jahren die genauso mutige Jugendrichterin Kirsten Heisig: durch "Selbstmord". Die geäußerten Befürchtungen sind leider allzu berechtigt. Arabische Männer lassen es sich nicht gefallen, wenn man ihre Kreise stört. Erst recht nicht, wenn eine Frau dahinter steckt.

Brigitte Miller | Sa, 13. Juli 2019 - 08:41

In der Bundestagsdebatte vom 27.6.19 zur Clankriminalität sorgten sich SPD _Politiker vor allem um den Ausdruck "Clankriminalität". Dieser bedeute eine Diskriminierung von Familienmitgliedern, die nicht kriminell seien.

Alexander Mazurek | Mo, 15. Juli 2019 - 12:49

… von Kirsten Heisig von vor 9 Jahren. Nichts dazu gelernt. Nichts Neues unter der Sonne. Der "Fortschritt" will es!