Zelte von Obdachlosen am Spreeufer im Berliner Regierungsviertel, im Hintergrund der Reichstag / Anja Lehmann

Obdachlosigkeit - Unter Brücken

Obdachlosigkeit und Drogensucht werden in Städten wie Stuttgart, Frankfurt und Berlin angesichts von Corona-, Wirtschafts- und Flüchtlingskrise immer sichtbarer. Gerät da etwas außer Kontrolle?

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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„Das tut alles weh!“ Der Mann im grauen Trenchcoat mit den ordentlich nach hinten gekämmten grauen Haaren steht an einem Novembermorgen auf dem Gehweg der Kaiserstraße in Frankfurt am Main und zeigt anklagend auf einen Müllhaufen: Corona­-Tests, Dutzende Weinflaschen, Essensboxen aus Pappe, Milchpackungen. „Die Regierung versaut das hier“, sagt er laut und wütend. 

„Das hier“, damit meint der Palästinenser Odeh Ghazi, 69, vor 42 Jahren nach Deutschland gekommen, seine Heimat, das Bahnhofsviertel von Frankfurt, die reiche Bankenmetropole, Verkehrsknotenpunkt Deutschlands. Ghazi meint die schlafenden Obdachlosen, die in den Hauseingängen liegen, die Crack-­Süchtigen, die vor dem Bahnhof gerade Pillen und Drogen tauschen. Ghazi meint die Sinti und Roma, die bettelnd und stehlend zwischen Hauptbahnhof und Kaiserstraße pendeln, viele von ihnen mit kleinen Kindern in Kinderwagen. „Früher“, sagt er, „war das nicht so!“ 

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Bernd Windisch | Fr., 9. Dezember 2022 - 19:02

dass die Rot, tot, grüne Berliner Stadtregierung nichts auf die Kette kriegt ist eine Binse.

Die Ampel blamiert sich parallel dazu gerade mit ihrem Doppel Wumms. Der Starttermin für das 49-Euro-Ticket ist immer noch offen, die Länder streben, kein Scherz, den 1. April an.

Auch die Auszahlung der anderen noch angekündigten Wumms Sozialleistungen lassen weiter auf sich warten.

Es ist offensichtlich das eine, dieses Land zum Sozialamt dieser Welt zu machen aber wohl etwas völlig anderes dieses dann auch professionell zu betreiben.

Von einer effektiven Wirtschaftsförderung, damit die Menschen von eigener Hände Arbeit gut leben können, ganz zu schweigen.

Deutschland lebt augenblicklich und ganz offensichtlich gewollt von seiner Substanz.

Für den einen oder anderen Rot- Grün - Wähler wird es aber ganz nützlich sein sich jetzt schon mit prekären Lebensverhältnissen besser vertraut zu machen.

Vor diesem Hintergrund hat der Artikel den geneigten Leser ganz sicher weitergebracht.

Maria Arenz | Fr., 9. Dezember 2022 - 22:28

fing das alles mal an. Weil man mit denen ja auch ein KZ führen könne. Die waren deshalb beginnend mit den 70ern völlig out. Dann kam es in Mode, zuvor als Ordnungswidrigkeit verfolgte, sozial lästige Verhaltensweisen wie betteln und Obdachlosigkeit chic zu finden- natürlich vor allem im "juste milieu," das seine gepflegten Wohnungen woanders hatte, sich fortwährend selber küssen könnte wegen seiner Großzügigkeit und Toleranz und sich wahnsinnig erhaben fühlt über all die Spießer, die dem Elend immer noch nichts abgewinnen können. Inzwischen steht fest, daß die Abschaffung der Sekundärtugenden die Primärtugenden keineswegs befördert sondern das Gegenteil bewirkt hat- nirgendwo ist der Mensch dem Menschen mehr ein Wolf als in den im Artikel beschriebenen "coolen" Zonen. Jetzt, nachdem man das alles viel zu lange hat laufen lassen, ist guter Rat teuer und angesichts des absehbaren wirtschaftlichen Absturzes der Kommunen auch eh nicht mehr realisierbar.

Albert Schultheis | Sa., 10. Dezember 2022 - 00:22

Ich habe eine kleine Wohnung zu vermieten. Von 30 Interessenten sind 25 Migranten, zur Hälfte aus muslimischen Ländern, zur Hälfte aus der Ukraine. Sie sagen mir in gebrochenem Deutsch, dass das Arbeitsamt bzw das Jobcenter die Miete komplett bezahlt. Ich brauchte mir also keine Sorgen zu machen. Gleichzeitig sehe ich früh morgens vor dem Bahnhof die Bündel derer liegen, die dort im Freien übernachten. Das ist gefährlich, nicht nur wegen der Kälte. Ihnen hilft kein Arbeitsamt, kein Jobcenter. Das macht mich wütend. Haben diejenigen, die schon etwas länger hier leben und aus welchen Gründen auch immer gestrandet sind, kein Recht vom Arbeitsamt bzw vom Jobcenter unterstützt zu werden?

Ähnlich wie Sie, lieber Herr Schultheis, hatte ich eine kleine Wohnung zu vermieten.
Gott-sei-Dank wußte ein Freund unseres Sohnes davon und rief uns an, weil er händeringend eine Bleibe für einen Deutschen suchte, der unverschuldet obdachlos geworden war. Es handelte sich um einen freien Mitarbeiter einer Universität, der jahrzehntelang Latein-Nachhilfe-Unterricht für Studenten erteilt hatte, dessen Dienste aber kaum noch benötigt wurden (Lateinkenntnisse werden immer weniger verlangt) u. der in der Corona-Zeit endgültig sein Einkommen verlor. Sein Elternhaus u. die Ersparnisse der Mutter, waren vom Sozialamt für deren Unterbringung im Altersheim bereits konfisziert worden. Nach der Zwangsräumung seiner Wohnung erhielt er Geld zum Überleben vom Sozialamt, aber niemand half ihm, eine kleinere Wohnung zu finden.
Also fuhr er nachts in Bahnen durch die Stadt u. dachte an Selbstmord; denn er schämte sich u. sah keinen Ausweg mehr für sich. Ins Asyl wollte er auf keinen Fall.

Durch Zufall erfuhr ein ehem. Schüler dieses Mannes von dessen Elend. Er rief uns wegen unserer Wohnung an, bevor wir sie annoncierten. So konnten wir dem Bedauernswerten in seiner schlimmen Lage helfen. Wir ließen ihm die Wohnung zu dem Preis, den das Amt bezahlt, obwohl wir auf dem freien Markt mehr bekommen hätten.
Ich frage mich: Warum wird einem deutschen Staatsbürger (ohne Vorstrafen u. ehem. Steuerzahler) nicht m e h r geholfen als jedem Dahergelaufenen? 'Das ist so, als würde eine Mutter ihre eigenen Kinder behandeln wie fremde Kinder.

Das also nennt sich "Sozialstaat": Jeder beliebige Mensch erhält eine Nummer, wird nicht nach seinem Hintergrund befragt, und selbst dann, wenn er ohne Ausweisdokument erscheint, erhält er exakt dasselbe wie ein Deutscher, der hier
immer gelebt hat. Wer unverschämt bzw. drohend auf der Sozialbehörde erscheint u. sich nicht abwimmeln läßt, der hat am ehesten Aussichten, daß seine Anliegen ernst genommen werden. So lautet der traurige Befund.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 10. Dezember 2022 - 09:05

Es gibt solche und solche Obdachlose. Es gibt jene, die bewusst und gewollt aussteigen. Es gibt jene, die infolge Existenzverlustes (keine Arbeit, keine Wohnung, kein Einkommen, Bruch it der Familie) zwangsweise auf der Straße leben müssen und hoffen, in kalten Jahreszeiten eine der wenigen Plätze in Obdachlosenheimen zu finden, meistens nur für drei Tage, dann müssen sie wieder Platz machen für den/die nächste und es gibt jene, denen genau diese Lebensweise mit ihrer Einreise in unser gelobtes Land vorbestimmt ist. Ihre Beschreibung von dem Bahnhofsviertel in Ffm. ist zutreffend. Man sollte aber auch noch erwähnen, dass der Großteil Deutsche mit Migrationshintergrund sind oder eben ausreisepflichtige "Einwanderer", die dort die Kriminalstatistik hochtreiben. In 1990er gab es mal Sonderprogramme von Stadt und Polizei. Durch Kontrolldruck wurden viele ins Umland verdrängt und die Taunusanlage war frei für die koksenden Banker. Das war nur von kurzer Dauer. Die Politik schaut einfach weg

Gabriele Bondzio | Sa., 10. Dezember 2022 - 12:56

krank und elend auszusehen. "

Gewiss nicht, Herr Gathmann, zeigt aber auf was in DE so alles auf die schiefe Bahn gerät.

"Die Dimension, das sind 5000 bis 10.000 Obdachlose in der Stadt."
Und wenn sich auf den Bauch geklopft wird, beim Projekt „Housing First“ mit 96 Wohnungen, ist das fast ohne Relation zur Situation.

Dabei fürchte ich, dass hier kaum Änderung eintritt...
"Im Wohnungsbau ist die Nachfrage nach ihrem Höhepunkt im März um sage und schreibe über 40 Prozent eingebrochen, obwohl allgemein das Fehlen von hunderttausenden von bezahlbaren Wohnungen beklagt wird."
"Deutschland ist in der Rezession – und das ist extrem gefährlich!"/TP

Die "Würdelosigkeit" ist trotz verbaler Menschenrechtsbeteuerung eher noch auf dem Vormarsch.
Und wenn 2/3 der Wohnungssuchenden Ausländer sind, wird das auch nicht mit rot-grün Vorstellungen, über Migration, besser werden.

Das ist wie eine Schlange, die sich immer wieder in den eigenen Schwanz beißt!

Urban Will | Sa., 10. Dezember 2022 - 17:10

gegen – seit langer Zeit mal wieder – war ich sehr erstaunt, wie viele Obdachlose auch dort zu sehen waren. Ab einer gewissen Uhrzeit sieht man dort zu weit über 90% nur noch Migranten und man braucht keine allzu ausgeprägte Menschenkenntnis, um zu wissen, das kaum einer von denen einer geregelten Arbeit nachgeht. Bei den Obdachlosen handelt es sich fast ausschließlich um „Schonlängerhierlebende“.
Welch eine gotteserbärmlich dumme, naive, die Betroffenen verachtende Floskel, man wolle bis 2030 „die Obdachlosigkeit überwinden“
Zumal unsere Ampel – Stümper alles daran setzen, dass die Wohnungsknappheit weiter steigen wird. Exorbitante Baukosten und hohe Zinsen, unbezahlbare Energie, all das wird d Bauwirtschaft zum Erliegen bringen.
Gleichzeitig winkt man jährlich eine Großstadt ins Land, von denen die meisten in die Sozialsysteme uns somit staatl alimentiertes Wohnen wandern.
Zum Leidwesen derjenigen ganz unten in der Rangliste dieser „Regierung“: die „Schonlängerhierlebenden“

Tomas Poth | So., 11. Dezember 2022 - 13:19

- Gerät da was außer Kontrolle?-
Eine offen gestellte Frage, die eigentlich um ganz viele Fragestellungen erweitert werden müßte!
Eine Antwort könnte sein, daß viele mit dem geregelten Leben, vielleicht sogar Ghetto, einer bürgerlichen Existenz nichts anfangen können.
In meinem Wohnumfeld stoße ich immer wieder auf viele dieser Menschen, die sich bettelnd oder vor dem Supermarkt mit dem Verkauf ihrer Obdachlosen-Zeitung zeigen.

Gibt es eigentlich eine Befragung dieser Menschen, um sich ein glaubwürdiges Bild über ihrer Motive, Antriebe, ihres Schicksals machen zu können?

Eines dürfte allerdings klar sein, unsere Wettbewerbsgesellschaft fordert ein strenges Selbstregime! Sind diese Menschen vielleicht nicht fähig dazu, oder wollen sie sich dem nicht unterwerfen?

Georg Kammer | So., 11. Dezember 2022 - 18:28

Seit Jahren gewollt und gezüchtet.
Zitat:
Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott.
Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.

( Theodor Körner 1791 - 1813 deutscher Dichter und Dramatiker )

Zitat Ende.

Georg Kammer | Di., 13. Dezember 2022 - 15:59

Immer zu Weihnachten werden wieder Heilsbotschaften an die sei 30 Jahren wachsende Zahl der Obdachlosen gepredigt.
Die gibt es auch im Sommer, die bemerkt nur kaum einer.
Hauptsache Ali und Mukeke haben den Kühlschrank voll und einen warmen Arsch.
"Über tausend Brücken musst du gehn, um das Elend darunter nicht zu sehn, es wird weiter gewumst und nichts getan, so ist es halt in Absurdistan.