Mitte-Studie der Ebert-Stiftung zu Fremdenfeindlichkeit - „Ein Satz reicht nicht, um rechts zu sein“

Die gerade veröffentlichte „Mitte-Studie“ der SPD-nahen Ebert-Stiftung unterstellt 21 Prozent der Deutschen rechtspopulistische Einstellungen. Wegen ihrer Methoden sind die Autoren in die Kritik geraten. Haben sie die Teilnehmer ihrer Umfrage vorsätzlich in die rechte Ecke gestellt?

Von der Polizei begleitete Teilnehmer der Demonstration "Pegida schützt" laufen am 09.01.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) zum Hauptbahnhof. Nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht haben verschiedene Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen.
Die Kölner Silvesternacht war der Anfang vom Ende der Willkommenskultur. Ist jetzt jeder 5. Deutsche rechts? / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie arbeitet als freie Reporterin und Autorin. 

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Die Sozialpsychologin Beate Küpper ist Co-Autorin der gerade veröffentlichten Mitte-Studie zu Fremdenfeindlichkeit, die alle zwei Jahre im Auftrag der Ebert-Stiftung erscheint. 

Frau Küpper, obwohl die  Zahl der Asylsuchenden rückläufig ist, nehmen die Vorbehalte gegen Asylsuchende in der Bevölkerung nach Ihrer Studie zu. Woran liegt das? 
Asylbewerber sind seit 2015 Gegenstand einer öffentlichen Debatte. Diese Debatte wird nicht immer nur neutral geführt. Sie ist durchsetzt von pauschaler Abwertung und Hetze. So etwas hinterlässt Spuren in den Einstellungen der Bürger. Das  passiert zeitversetzt.  

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Wolfgang Schuckmann | Sa, 27. April 2019 - 00:43

Wundern sich diese Leute wirklich über ihre "Erkenntnisse" bzgl. der Befindlichkeit weiter Teile der deutschen Gesellschaft angesichts der alternativlos gefahrenen Politik?
Ich glaube etwas ganz Anderes, nähmlich, dass den Herrschaften im Widerschein der heraufziehenden EU-Wahlen ganz schön der Stift geht, weil sehr viele der ehrenwerten Gesellschaft schlicht um ihr ökonomisches Fortkommen bangen.
Wie dem auch sei, die Euro-Wahlen werden eines deutlich machen: die Leute haben, wenn auch spät, gemerkt, dass die gemachten Versprechen sich ganz erheblich von den erlebten Tatsachen unterscheiden, und sie sich zu schade sind sich weiter als Stimmvieh behandeln zu lassen.
Das Lügen wird in Zukunft wesentlich schwerer fallen als bisher.
Die "Etablierten" haben Angst, was ich denen von ganzem Herzen gönne, denn wer die Interessen derer missachtet, die einem politisch anvertraut sind, hat es durchaus verdient in eine Denkpause geschickt zu werden.

Helmut Bachmann | Sa, 27. April 2019 - 01:20

Ausgezeichnete Fragen, entlarvende Antworten. Da wird einem ausgebildeten Naturwissenschaftler übel.
Gefälligkeitswissenschaft.

Werner Kirchhoff | Sa, 27. April 2019 - 01:39

Da frage ich mich, welche Demokratie gestärkt wird, wenn eine von einer Ex-Stasi geleitete, mit Millionen Steuergeldern alimentierte Stiftung eine Broschüre "Ene mene muh und raus bist du" herausgibt und hierin die Erzieher anleitet, Gesinnungsschnüffelei durch Aushorchen der Kinder zu betreiben, um "rechte" Eltern zu outen. Ist das die gestärkte oder nicht doch die gesteuerte Demokratie? Die DDR nannte sich auch Demokratische Republik - wollen wir das wieder? Sorry, aber ich muss Merkels Politik nicht gut finden und darf das auch sagen. Ich darf sie sogar katastrophal finden. Ich darf auf der Meinung sein, dass wir zuviel Migranten aufgenommen haben, denn ich werde durch die täglichen Berichte in der Regionalpresse in der Annahme bestätigt, dass der soziale Frieden den Bach runtergeht. Wenn Beate Küpper das als Fremdenfeindlichkeit oder Hetze interpretiert, kann sie das gerne machen. Ich verbitte mir nur, für eine von links abweichende Meinung als Rechtspopulist diffamiert zu werden.

Zitat: "Ich verbitte mir nur, für eine von links abweichende Meinung als Rechtspopulist diffamiert zu werden."

Sehr richtig. Man muß sich wehren.
Denn ganz egal, wo nun die vielbeanspruchte Mitte des politisches Spektrums liegt, stehen zwangsläufig die Hälfte der Menschen links und die andere Hälfte rechts von ihr, sonst wäre es nicht die Mitte.
Unter „links“ versteht ja auch niemand nur den extremistischen, verfassungsfeindlichen Rand.
Auf keinen Fall darf man tolerieren, daß Linksideologen die gesamte rechte Hälfte des politischen Spektrums in eine Tonne kloppen, um sie so besser mundtot machen zu können.
Schon gar nicht, wenn diese Leute in Regierungswürden stehen. Auch der offiziell ausgerufene „Kampf gegen Rechts“ ist schon vom Ansatz an Einseitigkeit und Undifferenziertheit kaum zu überbieten.
Warum kein "Kampf gegen Extremismus"? Egal ob rechts- links-oder religiös?
Aber das traut man sich nicht. Dann könnten ja auch die eigenen Genossen ins Visier geraten...

Michaela Diederichs | Sa, 27. April 2019 - 08:28

Die anerkannten 1 - 2 % echter Asylanten werden m. E. nicht abgelehnt. Es sind wohl eher abgelehnte Asylbewerber, die nicht abgeschoben werden, aber im Land bleiben, denen die Bevölkerung eher ablehnend gegenübersteht. Dies ist der Politik nicht den Migranten geschuldet. Die Studie differenziert nicht und ist m. E. daher komplett wertlos und überflüssig.

Jürgen Keil | Sa, 27. April 2019 - 10:07

Die deutsche Migrationspolitik wird von Linken, SPD, Grünen und Teilen der CDU als moralische Pflicht, als nicht verhandelbar betrachtet. Ich halte es aber für legitim, dies auch anders zu sehen. Vernunft, eine reale Weltsicht gegen moralisierende, schuldsüchtige Schwärmerei. Man kann Fremden gegenüber freundlich eingestellt und hilfsbereit sein, und trotzdem die Migrationspraxis in Deutschland ablehnen.
Wenn ich Fremden gegenüber Vorsicht walten lasse, skeptisch bin, ist das keine Fremdenfeindlichkeit. Dieser Begriff differenziert nicht und wer ihn ständig im Munde führt, spaltet. Wer die Migrationspolitik nicht unterstütz, soll kein Demokrat sein. So einfach machen es sich die Moralapostel. Die Migrationspolitik ist ein scharfer Einschnitt in unser Leben. Wir sind aber nie gefragt worden, ob wir das in dieser übertriebenen Art und Weise mittragen wollen. Umfragen, wie die beschriebene sind mir suspekt!

Ernst-Günther Konrad | Sa, 27. April 2019 - 11:35

gutes Interview Frau Hildebrandt. Besser kann man die Meinungsmache dieser Vertreterin der SPD nahen "Mitte-Studie" nicht entlarven. Ich finde diese Studie einfach nur klasse. Ihre Ergebnisse provozieren selbst den neutralsten Bürger zu Widerspruch. Es muss eine öffentliche Diskussion her, über die Begrifflichkeiten Populismus, konservativ, rechts, links- und rechtextrem, links- und rechtsradikal, über den Einfluss von Medien auf die Sprache und klare Aussagen der Politiker. Der Bürger muss keine Reden hören, sondern konkrete Aussagen zur Auswahl bekommen. Es müssen Diskussionen über parteinahe Stiftungen, Institutionen und NGO's her, deren Einfluss auf die Wähler klar benannt werden. Es muss eine Streitkulutr definiert werden, die andersdenkende Menschen nicht stigmatisiert. Vor allem aber, bedarf es einer neuen Fehlerkultur. Nicht lügen, nicht verzerren, nicht verdrehen, kein Framing.....
Die Würde des Menschen ist seine Freiheit selbst zu denken und frei zu reden.

helmut armbruster | Sa, 27. April 2019 - 17:12

Schlimmer und primitiver geht's nicht.
Alles nichts anderes als Stimmenfängerei auf dem tiefst möglichen Niveau.
Aber das ist kein Populismus? Nicht wahr? Das ist ordentlicher und regulärer Wahlkampf.
Mein Gott, wenn die Wähler wirklich so dumm sein sollten wie die Politik offenbar glaubt, dass sie es sind, dann plädiere ich für andere Formen von Wahlkampf.
Meinetwegen wer ein Schachturnier gewinnen kann oder einen 10.000m Lauf (ohne Doping), der kommt ins Parlament. Und nicht wer die inhaltslosesten und blödesten Wahlkampfplakate aufhängt.
Alles ist besser als das, was da z.Zt. läuft.

Hallo Herr Armbruster,
ich mußte laut Lachen, als ich zwei Wahlplakate der CDU sah. Warum CDU Plakate? Weil bei uns im Ort fast ausschließlich (Inflationär) Wahlplakate dieser Partei hängen.
Wurden wohl mit Spenden (legal) unbekannter Gönner finaziert?
Plakat 1: Für Sicherheit und Ordnung - Am 26. Mai CDU wählen
Plakat 2: Unser Europa gibt Sicherheit - Für Deutschlands Zukunft
Meine Kommentare dazu = Geschenkt, lohnt sich nicht!

Vielleicht sollte ein Comedy-Wettbewerb stattfinden und der beste vom Volk gewählte Comedian gibt den Kanzler. Wäre doch mal was oder? Im Ausland sind auch Comedyfachleute gewählt worden. Das wäre mal echte Konkurrenz für unsere Laienspielgruppe in der Regierung. Ups, ich habe die Genderform nicht benutzt. Bin ich jetzt ein Rassist?

Wahlplakat „Wer die Welt retten will, muss mit Europa anfangen.“ KGE.
Dieser Spruch der Grünen ist so unsäglich dämlich und stört jede ernsthafte Befassung mit dem Thema.

Hubert Sieweke | So, 28. April 2019 - 13:26

warum den linken und sozialdemokraten, die ja derzeit extrem an Zustimmung verlieren (SPD 17%), noch immer diese riesige Bühne in unserem Staat erhalten und die Opposition, AFD, derzeit bei 14 %, stumm geschaltet wird.
Klar, die SPD hat große Teile der Presse, aber????

Hubert Sieweke | So, 28. April 2019 - 13:36

beim TAGESSPIEGEL etwa. die sogenannte Studie, die auf zugekauften Daten basiert, hätte mit einer wissenschaftlichen Analyse nichts zu tun. Er kritisiert dieses Papier sehr scharf und rügt die Verfasser, also auch Frau Küpper....

Heidemarie Heim | So, 28. April 2019 - 17:39

Die habe ich nach Anregung von Frau Küpper und den in der Studie "erwiesenen/aufgewiesenen?" Erkenntnissen unternommen. Mit dem bedauerlichen Ergebnis, das ich unter den oben genannten Gesichtspunkten sozusagen wohl rechtskräftig;-) zu den 21% gehöre. Und zu denjenigen, die sich eigentlich in der Mitte wähnten. Aber als Verfechterin des "1/2 vollen Glases" werte ich es positiv um. Denn wer möchte schon "mittelmäßig" sein?!
Ärgern und beeindrucken können mich solche bestellten Studien, insbesondere die parteinaher Stiftungen nach "Ene mene muh" mittlerweile immer weniger. Obgleich man die Gefahr nicht unterschätzen sollte, wie sich diese eventuell auf politisch inaktivere, bzw."ambivalentere" Gemüter noch immer auswirken kann!
Und einem Problem der "Einordnung" und der Sympathiewerte was mein Deutsch-Sein und meine damit verbundenen Attribute durch Außenstehende betrifft,stand ich ehrlich gesagt noch nicht gegenüber. Aber das kann sich nach meinem Geständnis wohl ändern;) MfG

Bernd Muhlack | So, 28. April 2019 - 18:39

Eine MITTE kann es nur beim Vorhandensein, der Existenz von Rändern geben; gäbe es diese nicht, wäre die Mitte folglich ALLES.
Folglich bedarf es eines RECHTS sowie LINKS zur Verortung einer MITTE.
Die Diskussionen was MITTE ist oder nicht sind obsolet, denn wer soll diesen Begriff, Standort quasi normativ, für alle geltend definitiv bestimmen?
Ich würde mich als konservativen, rechts der MITTE stehenden (meist eher sitzenden) Zeitgenossen einschätzen. NEIN, der Islam gehört meiner Meinung nach nicht zu D/EU! JA, ich bin für die Einhaltung unserer G! => Klare Tendenz zur rechten Radikalisierung, nicht wahr!
Ich empfehle den aktuellen Artikel von Alexander Grau ob der Uni Frankfurt!

Friedrich-Ebert-Stiftung! Bertelsmann-Stiftung! etc --- "Welches Ergebnis hätten Sie denn gerne? Kein Problem, alles ist machbar!"

Wie ruft man bei den Burschenschaften? "Das Glas zur MITTE, das Glas zur Titte, das Glas zum Sack trinkt aus Zack Zack!"
Es gibt alternativ feministisches Kickboxen!

Lisa Werle | Mi, 1. Mai 2019 - 10:58

Die Antworten von Frau Küpper haben bei mir auch noch den allerletzten Zweifel ausgeräumt, wozu diese sog. "Studie" dienen sollte. 'Wir' - die Deutschen sollten und wurden pauschal abgewertet in dieser Studie. Wir sollen nicht den Fakten glauben - dass nur ein ganz geringer Teil der Asylanten wirklich Asyl-berechtigt ist, dass viele der sog. 'Schutzsuchenden' hier Gewalttaten am laufenden Band begehen, dass die unkontrollierte Armutszuwanderung unserem Sozialsystem alsbald den Garaus machen wird - usw.
Der 'Hammer' allerdings ist die Formulierung von Frau Küpper: "Die Frage ist auch, in welcher Hinsicht diese ehrenamtliche Aufgabe interessengeleitet sein soll. Interesse für die Stärkung der Zivilgesellschaft im Kampf um mehr Demokratie ist wohl kaum verdächtig.." Das ist so lächerlich und manipulativ, dass jedes weitere Wort dazu überflüssig ist. Frau Küppers Hinweis, 'meine Einstellung zu überdenken', habe ich allerdings beherzigt: 'Wir' sollen erzogen werden - MIT MIR NICHT MEHR!"