Martin Schulz im Wortlaut - „Meine persönlichen Interessen müssen hinter denen der Partei zurückstehen"

Nach heftiger Kritik verzichtet Martin Schulz nun doch auf das Außenministerium. Lesen Sie hier seine Erklärung im Wortlaut

Martin Schulz
Wird doch nicht Außenminister: Martin Schulz / picture alliance

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Cicero-Cover März 2018

„Der von mir gemeinsam mit der SPD-Parteispitze ausverhandelte Koalitionsvertrag sticht dadurch hervor, dass er in sehr vielen Bereichen das Leben der Menschen verbessern kann. Ich habe immer betont, dass - sollten wir in eine Koalition eintreten – wir das nur tun, wenn unsere sozialdemokratischen Forderungen nach Verbesserungen bei Bildung, Pflege, Rente, Arbeit und Steuer Einzug in diesen Vertrag finden. 

Ich bin stolz sagen zu können, dass das der Fall ist. Insbesondere ist die Neuausrichtung der Europapolitik ein großer Erfolg. Umso mehr ist es für mich von höchster Bedeutung, dass die Mitglieder der SPD beim Mitgliedervotum für diesen Vertrag stimmen, weil sie von dessen Inhalten genauso überzeugt sind, wie ich es bin.

Durch die Diskussion um meine Person sehe ich ein erfolgreiches Votum allerdings gefährdet. Daher erkläre ich hiermit meinen Verzicht auf den Eintritt in die Bundesregierung und hoffe gleichzeitig inständig, dass damit die Personaldebatten innerhalb der SPD beendet sind. Wir alle machen Politik für die Menschen in diesem Land. Dazu gehört, dass meine persönlichen Ambitionen hinter den Interessen der Partei zurück stehen müssen.“

Jacqueline Gafner | Fr, 9. Februar 2018 - 16:15

Fragt sich nur, für wen, für die Deutschen wohl eher nicht. Doch der "Club Med" wird den Einsatz des deutschen Ex-Aussenminister in spe bestimmt zu würdigen wissen. Vielleicht schaut für Martin Schulz am Ende wenigstens ein einschlägiger Beraterposten in der Zentrale der Umverteilungsmachinerie namens EU heraus?

klar jetzt wird noch viel mehr Kohle gen Brüssel gescheffelt. Dafür hat die SPD ja sogar verhindert, dass alle Mütter mit Geburten vor 1992 in den Genuss eines dritten Entgeltpunktes kommen. Das hätte nämlich rund 3 Milliarden jährlich zusätzlich gekostet-Tendenz fallend, weil die ja wegsterben. Übrigens in etwa die Summe, die wir für Schulzenz Goldjungen in 3 Wochen raushauen. Im Gegensatz zur Wartezeit beim Arzt scheinen die Sozen diese Ungerechtigkeit gerne weiterzuführen. Eigentlich sollte die AFD jetzt Wahlkampf bei der Hauptwählergruppe der Groko, also vor Altersheimen, führen.

Linda Berckhemer | Di, 13. Februar 2018 - 09:01

In reply to by Juergen Winzig

Wo bleibt denn da Herr Schulzens ewig gepriesene Gerechtigkeit?
Da hätte die SPD nun mal wirklich
etwas gegen die Altersarmut von
Rentnerinnen tun können, doch so
können Sie nun weiter tapfer Dosen und Flaschen sammeln.
Außerdem erinnere ich mich gut
an Schulzens Aussage kein Minister unter Merkel zu werden.
Es gibt auch Rentner mit funktionierendem Gedächtnis...
Herr Schulz aus der Schlangengrubenpartei hat dafür gesorgt, dass ich Sie nicht mehr wähle...das ist meine Neuausrichtung.

Bernd Fischer | Fr, 9. Februar 2018 - 16:22

Wenn ich jetzt die verlogenen Vorstands" SPD'ler " so höre, für die der Schulz vor wenigen Stunden noch der größte war und jetzt Mitleid heucheln, so sträuben sich mir die Nackenhaare.

Danke, sehe ich auch so. Der ganze Parteivorstand sollte gehen. Ein unerträgliches Schmierentheater. Man schaut gleichermaßen fasziniert und angeekelt auf das Geschehen und mag das Alles irgendwie nicht glauben. Gut, kann man argumentieren, in der SPD ist ordentlich was los, während die Christlichen offenbar zur geschlossenen Salzsäule erstarren ob dieses Koalitionsvertrages. Aber die befragen ja noch nicht einmal ihre Mitglieder. Dann wäre vermutlich Schluss mit lustig. Auf dem Parteitag wird man Frau Merkel wieder einstimmig und 11minütig devot Zustimmung klatschen. SED lässt grüßen.

Bernd Fischer | Fr, 9. Februar 2018 - 23:33

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

war das nicht auch mal ein ehemaliger Parteivorsitzender der SPD der mit "klarer Kante" gegen die damalige , wahrheitsgemäße Ankündigung von Fr.Merkel im Wahlkampf die MwSt um 2% zu erhöhen, und dem Wahlvolk ( mit Sprechblasen ) versprach es wird keine Merkelsteuer geben.
Iss klar..SPD Logik: 0% + 2% = 3%
Was dabei rauskam, wissen wir heute alle.
Solche Verhaltensweisen mit den heute lebenden und politisch aktiven Personen, in dieser Partei, sind rein zufälliger Natur und nicht beabsichtigt.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 11. Februar 2018 - 12:08

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

wieso Schulz es hat überhaupt soweit kommen lassen?
Ich hoffe, es versteht sich von selbst, dass ich meine Partei und deren Funktionsträger nicht mit Samthandschuhen anfasse, wenn ich über andere hart urteile.
Und da fällt mir eben ein Satz der Erklärung von Martin Schulz auf - gelernt ist gelernt - in etwa, vor allem war es ihm wichtig, dass die Europapolitik neu ausgerichtet wurde.
Dann hätte Martin Schulz m.E. nicht begriffen, was die Wähler- und Wählerinnen von ihm erwartet haben.
Ich hatte meine Zweifel, ob Martin Schulz der Sprung ins "kleine Deutschland" glückt.
Wenn ich das lese, denke ich nicht.
Die Kritik seiner Schwester geht demnach ins Leere.
Schulz wurde eingeflogen und fliegt wahrscheinlich wieder irgendwohin.
So stabilisiert man keine Partei.
Hat er nicht Andrea Nahles einen Bärendienst erwiesen, indem er überspitzt gesagt, sein Scheitern über vorschnelle Festlegungen an sie weitergibt?
Andrea Nahles schätze ich so loyal ein, dass sie darüber nicht nachdachte.

Mathias Trostdorf | Fr, 9. Februar 2018 - 17:13

Ich finde, daß Schulz, nachdem er in den letzten Wochen schon die meisten anderen seiner Prinzipien(?) über Bord geworfen hatte, auch gleich noch verkündet hatte, Anspruch auf den Außenministerposten zu erheben, zeigt nicht nur, daß er keine Scham und kein Gespür für die Stimmung in der SPD und natürlich im Lande hat, sondern auch ein absolut selbstherrlicher Mensch zu sein scheint.
Bin gespannt, wie es mit der Anschlußversorgung weitergeht.

Das ganze Politbüro der SPD hat doch da voll mitgemacht.

Als der erste leichte Gegenwind kam, in der Stimme vom Gabriel öffentlich wirksam in der "Presse", überkam dem Politbüro der SPD das große "Fracksausen".

Nein, den angeblichen freiwilligen politischen"Freitod" haben die Pharisäer vom SPD-Politbüro zu verantworten.

Armin Latell | Fr, 9. Februar 2018 - 19:01

machen Politik für die Menschen in diesem Land. Das ist das Problem. Ihr müsst Politik für uns Bürger, für das Volk machen, ja, und auch für das Pack, die Armleuchter, die Mischpoke, die Ewiggestrigen, die Globalisierungsverlierer und auch für die besorgten Bürger mit ihren Ängsten Sorgen und Nöten. Denn genau das und viel mehr macht ihr nicht.

Guido Schilling | Fr, 9. Februar 2018 - 19:39

Schuld ist doch die ganze Partei. Erst holen sie den größten Intriganten und Schummler aus Brüssel und blasen ihn zum Kanzlerkandidaten und Mr. 100 % auf. Statt ihn nach dem Wahldebakel gleich in der Versenkung verschwinden zu lassen, darf er weiterwurschteln, obwohl er außer Mist nichts kann. Aber die Entlassung jetzt ist besser spät als nie. Nun müssen die anderen beiden des Trio Infernale noch ihr Fett bekommen.

Susanne Dorn | Fr, 9. Februar 2018 - 20:12

...ist mit einem gesunden Menschenverstand nicht mehr zu begreifen. Jeden Tag denke ich, eine Steigerung des Irrsinns ist jetzt wohl nicht mehr möglich. Und was passiert?

Das taktische Wahlverhalten des Souverän hat Politiker aller Parteien, AfD ausgenommen, völlig aus der Bahn geworfen. Unsere selbsternannte Elite hat endgültig den Boden unter den Füßen verloren und taumelt nur noch von einer Kurzschluss-handlung in die andere.

Ich mag mir nicht ausmalen, was passieren würde, sollten die SPD-Mitglieder wirklich die GROKO ablehnen...

Unsere Politiker wären reif für die Insel...

Christoph Rist | Fr, 9. Februar 2018 - 20:26

Das hält ja kein Mensch mehr aus! Dass die SPD mit dem überfalligen Rückzug Ihres heiligen St. Machtin unmittelbar in den Selbstzerfleischungsmodus übergeht hatte ich nicht erwartet. Ich dachte die Genüsslichen und Genüsslichinen warten wenigstens noch den Mitgliederentscheid zum GrotesKo-Vertrag ab, bevor die Zentrifugalkräfte die Schamlose Partei Deutschlands auseinanderreißen.

Vor wenigen Tagen habe ich an dieser Stelle noch über den Stegnerralle gewitzelt. Schulz ist erledigt und hat Gabriel allerdings wohl noch erfolgreich und nachhaltig mit in den Abgrund reißen können. Wer wird also künftig Außenminister? Wenn es der Stegner wird, fresse ich ein doppelseitig gedrucktes Exemplar des kompletten Koalitionsvertrags!

Bernd Fischer | Sa, 10. Februar 2018 - 00:13

„Meine persönlichen Interessen müssen hinter denen der Partei zurückstehen"

in allen Parteien Bestand haben ,müssten wir in den nächsten Tagen oder Wochen in den anderen Parteien massenhafte Rücktritte erwarten.

Ironie off.

Marion Moritz | Sa, 10. Februar 2018 - 00:18

Der Herr Schulz toppt sie alle: Selten sah man, wie jemand die eigene politische Karriere derart schnell zerlegt hat, wie er. Zumindest wusste er noch, wo die Reißleine ist. Andere, wie unsere Kanzlerin, wissen selbst das nicht mehr. Und das Ansehen der Politik, falls überhaupt noch vorhanden, geht weiter in den Keller. Es ist nur noch furchtbar...

paul peters | Sa, 10. Februar 2018 - 11:43

wie kann man auf etwas verzichten, wozu man noch in keinster weise legitimiert war?

das schlimmste an dem schulz-trauerspiel ist doch, dass eine volkspartei so einen charakter ernsthaft als regierungs-chef unseres landes als wahlvorschlag unterbreitet hat. oder anders ausgedrückt, wie ist es möglich, dass so ein low-performer es parteiintern an die spitze schafft?

im übrigen erkläre ich mich solidarisch und verzichte ebenfalls auf das amt des außenministers und erteile ebenso eine absage, in das kabinett merkel 4 einzusteigen.

Guido Schilling | Sa, 10. Februar 2018 - 19:28

Wie hat er doch vor einem Jahr gesagt? "Hingefallen, Mund abgeputzt, aufgestanden, Helm aufgesetzt und weitergemacht." Aber bitte nicht in Deutschland oder Europa. Der Mars böte sich an. Da ist man etwas länger unterwegs.

Udo Dreisörner | Sa, 10. Februar 2018 - 22:09

Hat ihn die Gier nach einem Ministerposten doch noch den Kragen gekostet. Ich habe selten einen Wendehals wie Schulz gesehen. Grauenhaft.

Wolfgang Schuckmann | Sa, 10. Februar 2018 - 23:34

In der Politik ist es wie bei Jesus.
Da liegen " Hosianna und Kreuzigung" ganz dicht beieinander.
Hat er doch glatt Berlin mit Brüssel verwechselt.
So ein Pech aber auch.

Heidrun Schuppan | So, 11. Februar 2018 - 12:49

Nun sind die Trauben auf einmal zu sauer, während sie doch eigentlich zu hoch hängen ...

Peter Lieser | So, 11. Februar 2018 - 13:26

„Meine persönlichen Interessen müssen hinter denen der Partei zurückstehen"

Und an welcher Stelle kommt das Land in der kleinen Welt des Würselers ?

Christine Sander | Mo, 12. Februar 2018 - 16:53

sein Anspruch auf das Außenministerium dürfte von allen anderen im SPD Vorstand zumindest unterstützt, wenn nicht sogar vorgeschlagen zu sein und zwar um Gabriel aus einer Regierung und aus dem Vorstand heraus zu halten und ihn zu entsorgen.
Wenn er in der Bevölkerung der beliebteste SPD-Politiker wirklich sein sollte, dann zeigt das nur, daß die Bevölkerung alle seine Winkelzüge und seine Intrigen vergessen hat oder gar nicht erst erkannte. Jedenfalls hat er durch seine Parteiführung der Partei mehr geschadet als sich mancher das vorstellen kann.

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