Kloster Andechs
Das Kloster Andechs in Oberbayern, im Hintergrund die Zugspitze / dpa

Katholische Kirche - „Der Zölibat ist kein Dogma“

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx tritt angesichts des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche für eine Abschaffung des Zölibats ein. Besteht zwischen diesen beiden Themen überhaupt ein Zusammenhang? Der Buchautor und ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri sagt im Interview, was er vom Zölibat und vom Vorstoß von Kardinal Marx hält.

Autoreninfo

Marie Oster studiert an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Politik und Gesellschaft sowie Geschichte. Derzeit macht sie ein Praktikum bei Cicero.

So erreichen Sie Marie Oster:

Anselm Bilgri war Ordensmann, Wirtschaftsleiter der Abtei St. Bonifaz und Prior des Klosters Andechs. Er trat nach 30 Jahren als Benediktinermönch aus seinem Orden und vor kurzem ganz aus der römisch-katholischen Kirche aus. Mittlerweile ist er als Unternehmensberater für werteorientierte Führung tätig. Während dieser Zeit lernte er seinen Partner kennen, mit dem er nun seit 2021 standesamtlich verheiratet ist.

Herr Bilgri, wieso sind Sie nach einem doch stark von der Kirche und dem Glauben geprägten Lebensstil aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten?

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... den eigenen Status (und sei es nur den Wohlstand) zu sichern ... was in der Not an Kreativität hochgespült wird ... einfach nur ...
Man hofft doch wirklich immer noch, den Fokus von den Opfern damit ablenken zu können ... und die Medien (BR etc.) ... ich könnte "lachen", wenn es nicht so ernst wäre!

Helmut Bachmann | Fr, 4. Februar 2022 - 12:27

Das der zölibatere Lebensstil unnötig ist, ist ja klar. Aber der Zusammenhang mit pädophilen Übergriffen ist alles andere als logisch. Es gibt leider Missbrauch über all da, wo Menschen Macht über andere haben. Da machen sich Marx und Bilgri etwas vor.

Ronald Lehmann | Fr, 4. Februar 2022 - 23:33

In reply to by Helmut Bachmann

Bei mir käme nur eins in Frage - ritsche - ratsche - ab das Ding!

Und Ohne Diskussion! Und dann ab in die Altersheime, um mit Arbeit & Liebe das Evangelium zu verkünden. Aber nicht in der alten Gehaltsklasse. Das Geld kann ja dann in einen Kinderschänder-Topf gespendet werden, um etwas Trost in diese Welt zu geben. Und wer sich an Kleinstkindern vergreift, ab die Hände.

Sorry, da hört bei mir jedes Verständnis/ Vergebung
- wie mein eigenes Glaubenbekenntnis
- wie auch wir unseren Schuldigern vergeben - auf.
Es tut mir Leid.

Romuald Veselic | Fr, 4. Februar 2022 - 12:45

"Die Täter sind auch Opfer der Ideologie des Systems Kirche."
Dem widerspreche ich; denn die Täter als Opfer des Kirchensystems, sind sie definitiv nicht. Sie sind freiwillig zu Priestern geworden u. könnten ebenso, jederzeit aus der Kirche austreten u. sich bei Hells Angels bewerben.

Wenn ich einen Verein beitrete, der mit unverrückbaren Regeln agiert, dann muss ich wissen, worauf ich mich da einlasse. Siehe Jesuiten, die dennoch einen hervorragenden, institutionellen Ruf haben. Wie die Loyola Unis.

Was ich nicht verstehe, wieso ist die D-Katholische-Kirche so auffällig in dieser Dimension des Missbrauchs? Woran liegt das?

Wo liegt der Unterschied, als Beispiel, zw. D-Kath-Kirche u. den Pendants in Polen oder Portugal?

Alexander Brand | Fr, 4. Februar 2022 - 12:56

Teil. So lange es den Zölibat gibt wird es immer wieder sexuelle Übergriffe durch Priester/Pfarrer geben, es wird höchste Zeit, daß die kat. Kirche das begreift!

Das zweite große Problem beider Kirchen ist ihre groteske Anbiederung an das aktuell herrschende linke System, die Kirchen beteiligen sich am gesellschaftlichen und moralischen Werteverfall. So lange die Kirchen sich nicht wieder zu ihren traditionellen Werten bekennen, so lange werden ihnen die Mitglieder davon laufen. Menschen die sich zur Kirche bekennen sind i.d.R. konservativ, sie wollen keine linke Kirche.

Eine christliche Kirche die z.B. die Massenzuwanderung intoleranter Muslime aus aller Welt lautstark befürwortet, gegen Zuwanderungsgegner hetzt und aktiv ins Schleppergeschäft einsteigt (Sea-Watch/Eye 4), ist nicht mehr tragbar.

Die Kirchen schaufeln sich durch ihr Verhalten das eigene Grab denn sie vernachlässigen Christen.

Das Hauptproblem der Kirche ist der mangelnde Glaube der Menschen!

Wer an der christlichen Kernbotschaft zweifelt, hält sich verstärkt bei Problemen auf, die zwar schwerwiegend, aber nicht entscheidend sind. Er hängt sich auf an Nebensächlichkeiten, weil er seine Glaubensfreude und -sicherheit längst verloren hat. Aufhebung des Zölibates würde dazu beitragen, daß mehr Männer sich zum Priesterdienst bereit fänden. Insofern wäre dieser Schritt zu befürworten, zumal der Z. nicht biblisch begründet ist. Evtl. Kindesmißbrauch würde damit nicht aus der Welt geschafft. Beides hat m. E. wenig miteinander zu tun. Homosexuelle als Priester sind nicht mit der Bibel in Einklang zu bringen. Man sollte ihnen - wie den Frauen - andere Aufgaben in der Kirche übertragen.
Das ALLERWICHTIGSTE für die Kirche ist jedoch, daß sie treu zu ihrer Lehre u. deren Werten steht, sich n i e dem Zeitgeist andient u. denen zur Seite steht, die aufrichtig an den Auferstandenen u. das ewige Leben glauben.

warum sollen Frauen nicht Pfarrer/Priester sein können? Was Homosexuelle im Priesteramt angeht so stimme ich Ihnen zu 100% zu, das geht nicht.

Ich sehe durchaus einen Zusammenhang zwischen Pädophile und dem Zölibat, denn wenn normale Sexualität verboten ist, dann sucht sich das Bedürfnis ein Ventil, das ist zwar nicht zwangsläufig, aber dennoch naheliegend. Aus der Welt schaffen würde man den Kindesmißbrauch nicht, aber reduzieren.

Die deutschen Kirchen halten sich weder an ihre Traditionen noch an ihre Werte oder ihre Lehre, im Gegenteil. Sie kümmern sich um jeden und alles nur nicht um die Christen, sie verraten die eigenen Werte und die Christen!

Sie beschweren sich über Mitgliederschwund, als ich mit meinen Kleinkindern in die Kirche ging, wurde ich regelmäßig aufgefordert in einen Nebenraum zu gehen damit die Alten "ungestört" sind, irgendwann ging ich nicht mehr hin.

Die egoistische linke Kirche in diesem Land ist am Ende, denn Kirche und links/Egoismus sind unvereinbar!

Wolfgang Jäger | Fr, 4. Februar 2022 - 13:35

Aufhebung des Zölibats. Ja. Sinnvoll. Reformen auch. Aber warum gleichgeschlechtliche Ehe? Nur weil das die Regenbogenfraktion fordert?
Was Bilgri sonst so meint, hat m.E. mit dem Thema nicht viel zu tun. Auch die Umwandlung der Kirche in eine mainstreamorientierte, woke NGO als Ableger der Grünen und Vereinigung von Gutmenschen, Welt- und Klimarettern mit Gendergedöns wird der Kirche nichts helfen.
Das Grundübel ist, dass den Menschen der Glaube abhandengekommen ist. Das hat mit Bildung und Erziehung zu tun. Die Grundlage des Glaubens ist die in der Bibel niedergelegte christlichen Botschaft. Bloß wenn man nur noch hören und lesen will, was in die neuzeitliche Ideologie passt, dann ist der Glaube zur reinen Zeitgeist-Ideologie verkommen. Und das ist dann das Ende der Kirche.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 4. Februar 2022 - 14:12

es reicht völlig, die inneren Widersprüche der Katholischen Kirche ernstzunehmen, anzugehen und aufzulösen, mithin den verpflichtenden Zölibat abzuschaffen.
Nur ganz salopp bemerkt, so hat Christus Petrus nicht zum Statthalter seines Todes gemacht, sondern seiner Lehren, seiner Kirche.
Das Leben Jesu ist nach meinem Empfinden so sehr von der Seligkeit des Lebens in Gott geprägt, dass er sich jedenfalls nicht wehrte gegen die Anrufung, er sei Gottes Sohn.
Das Leben in Gott liess ihn den Tod ertragen - Ich bin schon in der Passion und höre viel Bach, by Masaaki Zuzuki.
Wie man in diesem Eindruck vom Leben sich abwenden kann, ist mir ein Rätsel und eigentlich nur zu erklären über Trauer und Schuldgefühle.
Gott lebt, ich würde also, wie Herr Bilgri, davon Abstand nehmen, jedenfalls soweit, dass Leben in Gott aufscheinen kann, will sagen heilig, ganz werden kann, "You can make me hole again", wer auch immer das zu wem sagt.
Es bedarf keiner Einheitlichkeit, um ganz zu sein, sondern Aller.

Gerhard Hellriegel | Fr, 4. Februar 2022 - 14:22

Gut, ich bin Atheist, also Außenstehender. Ich habe mich nicht primär von der Kirche oder der Kirchensteuer verabschiedet, sondern von der Religion. Ich habe mich einfach gefragt, was ich denn eigentlich wirklich glaube. Da blieb nichts übrig, was der Rede wert war. Trotz 13 Jahren Religionsunterricht. Aber ich fühlte mich auch von der Religion abgestoßen: das ganz Sünden-, Erlösungs- und Liebestheater, das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche. Teils habe ich es abgelehnt, teils fühlte ich mich überfordert. Man möchte sich ständig am Ohr reiben und mit dem Auge zwinkern. Nein, ich liebe nicht alle, tut mir leid. Bigotterie hat ihren Grund. Der letzte Grund ist - Langeweile: im Gottesdienst, beim Bibellesen, bei religiösen Gesprächen. Dazu die Unbehaglichkeit mit dieser seltsamen Sprache, diesen seltsamen Formeln, dieser seltsamen Denke, bei dieser Propaganda. Ich verstehe wohl, dass manche Religion brauchen, aber es ticken eben nicht alle Tierchen gleich.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 4. Februar 2022 - 15:43

Nur ihr letzter Satz mag ich so für mich nicht stehen lassen, wenn Sie sagen: "Die Täter sind auch Opfer der Ideologie des Systems Kirche." Das mag in Teilen stimmen, aber eben auch nicht. Wer sich an Kindern und Jugendlichen vergreift, wer Abhängigkeitsverhältnisse anvertrauter Personen ausnutzt, um seine unterdrückte Sexualität auszuleben, wird für diese kriminellen Handlungen nicht unmittelbar durch die Kirchendisziplin dazu gezwungen. Jeder, der als Mönch oder Nonne oder Priester/Pastor tätig sein will, weiß, wie seine Kirche zur Sexualität steht. Wenn ich das Zölibat nicht leben kann, dann muss ich dieser Amtskirche entsagen und nicht deren irrwitzigen Vorgaben nach außen hin leben und im Inneren konterkarieren. Sie haben es ja auch getan, auch wenn Ihr Entscheidungsprozess dauerte. Der Hang von auch Kirchenleuten zur Pädopälie ist nicht der Kirche per se nur zu zuordnen. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Nur Kirche verschließt die Augen davor, wenn es ihre Leute sind.

Hanno Woitek | Fr, 4. Februar 2022 - 16:23

aber wann endlich wird von der Pressens Thema Strafe für diese Kinderschänder-Verbrecher primär aufgegriffen und Zuführung in richtige Gefängnisse statt alberner Versetzungen zum weiter fummeln. Bis hin zur Verhaftung des Ratzingers und Rausholen aus dem Vatikan rein in ein Zelle . Man müßte wegen dieses Packs die Verjährungsfristen überdenken. Am Besten: Verbot dieser Kirche. Und Einzug des Vermögens.

Das mit der "Verhaftung Ratzingers und Rausholen aus dem Vatikan rein in die Zelle" kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein!

Was hat Joseph Ratzinger als deutscher Staatsbürger denn verbrochen, daß ein derartiges Vorgehen angemessen wäre?
E r selbst hat sich doch an keinem Kind vergangen.

Wenn Sie für ein Verbot der Kirche sind und den Einzug ihres Vermögens, dann müssen sie auch dafür sein, daß k e i n e einzige Religion mehr auf deutschem Boden tätig werden darf, u. a. auch der Islam nicht, dem man gerade bei uns überall den Teppich ausrollt.

Wissen Sie übrigens (wahrscheinlich eher nicht), daß viele Imame sich auch an Kindern u. Jugendlichen vergriffen haben und unbehelligt weiter vergreifen? Lesen Sie dazu bitte mal die Biographie des Ägypters Hamed Abdel-Samad, der inzwischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und bei uns immer wieder vor dem Islam warnt, dann gehen Ihnen die Augen auf!
(Titel: "Mein Abschied vom Himmel")

Wolfgang R. | Fr, 4. Februar 2022 - 21:27

Kardinal Marx lenkt wieder äußerst geschickt von seinem Versagen ab. Dadurch, dass er wieder Aufmerksamkeit mit seinem Vorschlag auslöst. Kardinal Marx ist auch mitverantwortlich, was da an sexuellen Straftaten an Kindern begangen wurde. Es kann mir keiner sagen, dass er der einzige in der Kirche war, der nicht etwas von den Mißbrauchsfällen in der Kirche wußte. Schließlich ist er schon viel zu lange für diese Institution tätig gewesen. Es wurde halt nur mit allen Mitteln versucht was geschehen war zu vertuschen und er war immer in einer leitenden Funktion.
Also bitte nicht ablenken.

Norbert Heyer | So, 6. Februar 2022 - 08:05

Kardinal Marx hat seinen Glauben verraten - er hat sein Kreuz abgelegt, um sich dem Islam zu unterwerfen. Von so einem Heuchler kann die katholische Kirche keine positiven Impulse erwarten. In meiner Stadt war auch ein „kinderlieber“ Pfarrer tätig. Nach seiner Enttarnung wurde bekannt, dass er bereits in einer anderen Pfarrei seine Perversion ausgelebt hat. Er wurde also vorsätzlich nochmals durch die Kirchenleitung „in Versuchung geführt“. Hinterher hat der Weihbischof die Eltern der betroffenen Kinder „bearbeitet“,
von einer Anzeige abzusehen. Kurz darauf wurde die Pfarrei aufgelöst und die Kirche aus Kostengründen aufgegeben. Die katholische Kirche bewegt sich nur, weil ihre
finanzielle Basis zusammenbricht, sie agiert auf der Seite der Mächtigen, die „dumme Masse“ finanziert den Laden. Ihre Probleme werden zunehmen, die Kirchensteuer ist die einzige vom Bürger zu kündigende Steuer. Das wird in harten Zeiten weiter sehr verstärkt zunehmen und die Kirche zu einer Sekte machen.

Karla Vetter | So, 6. Februar 2022 - 18:14

von Abhängigen und insbesondere Kindern, nicht nur in der katholischen Kirche (Ich bin nicht katholisch). Es gab und gibt sie auch in der evangelischen Kirche. In staatlichen Kinderheimen, Ferienunterkünften und nicht zuletzt in Sportvereinen und Schulen. Man denke nur an die privilegierte Odenwaldschule. Die kath. Kirche hat nur durch ihre Struktur einen besonderen Zugriff auf junge Menschen, z.B. Ministranten. Entsprechend groß ist der Vertrauensverlust. Ich glaube nicht, dass man das damit verbundene grundlegende Problem mit Aufhebung des Zölibats wird lösen können. Natürlich ist die Ehelosigkeit der Priester nicht biblisch, im Gegensatz zur Beurteilung von Homosexualität im alten wie im neuen Testament. Wenn man die Bücher von Alice Miller, einer schweiz. Kinderpsychologin, gelesen hat, weiß man um die Verankerung von Missbrauch auch bis in die Familien. Das Buch "Du sollst nicht merken "öffnet einem dahingehend die Augen.