Kardinal Woelki
Kardinal Rainer Maria Woelki am heutigen Aschermittwoch / dpa

Katholische Kirche - Kardinal Woelki bietet Rücktritt an – oder auch nicht

Die Doppelnachricht des heutigen Tages ist verstörend. Kardinal Rainer Maria Woelki kehrt nach einer Auszeit zurück in sein Amt. Und zugleich bietet er Papst Franziskus seinen Rücktritt an. Dieses Hin-und-Her schadet der Kirche, die ein solches unwürdiges Theater nicht verdient hat.

Autoreninfo

Volker Resing leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

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Kardinal Woelki ist nicht Putin. Manche wüste Dämonisierung des Kölner Erzbischofs in den zurückliegenden zwei Jahren war unsachlich und unangemessen. Woelki hat viele Fehler gemacht, etwa indem er ein Gutachten zu Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln zunächst nicht veröffentlichen wollte, aber er ist kein Verbrecher. Es gab die Sehnsucht, die durchaus gravierenden Defizite im Auftreten und Verhalten „der Kirche“ – nicht zuletzt im Umgang mit der Missbrauchskrise – und die daraus erwachsende grassierende Unzufriedenheit zu bündeln. Rainer Maria Woelki wurde zur Personifizierung der Kirchenkrise.

Natürlich war Woelki nicht ohne Grund Zielperson für den ganzen kumulierten Ärger in der katholischen Kirche. Seine eigenen Fehler im Umgang mit Betroffenen, sein eigener Hang, kirchlichen Seilschaften nicht entgegenzutreten, und ein offenbar zu lapidarer Umgang mit finanziellen Ressourcen sind Facetten seiner „Schuld“, von der er allgemein in seinem Hirtenbrief heute schreibt, den er aus Anlass seiner Rückkehr ins Amt formuliert hat. Allerdings fehlt in diesem Brief jedes konkrete Eingeständnis von konkreten Fehlern.  

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helmut armbruster | Mi, 2. März 2022 - 19:18

in dunklen Jahrhunderten Barbaren zivilisiert und das römische Erbe konserviert hat.
Sie brachte einem unzivilisierten und verwilderten Europa Zivilisation und Moral bei.
Viele ihre Häupter und auch viele normale Geistliche machten für sich selbst schon immer einer Ausnahme von der Moral, die sie anderen predigten.
Aber egal, das Verdienst Europa zivilisiert zu haben bleibt und dagegen sind die eigenen Verfehlungen nicht mehr so wichtig

die paar Verfehlungen sind nicht so wichtig, weil die Kirche ( teilweise )
das Mittelalter in das 20/21 Jahrhundert rüber gerettet hat.

Nein es war nicht die Wissenschaft und Gesellschaft selbst, die Europa zivilisiert hat, es war die katholische Kriche?!?!?

Genau mein schwarzer Humor.

Erzählen Sie das mal den alten Griechen, den Römern und vielen anderen hochentwickelten Kulturen v o r der k. Kirche.

Manche basteln sich ihre Welt schön zurecht.

Christa Wallau | Mi, 2. März 2022 - 20:28

Da hat er nun den Dom verdunkelt, als die "Pegida"-Köln-Anhänger ihren Marsch durch die Stadt machten, ein Flüchtlingsboot als Altar
benutzt u. Häuser für Migranten aus Kirchenmitteln gebaut - alles hat ihm nichts genutzt bei den "Reformern".
Nein, sie wollen ihn wegmobben - koste es, was es wolle!
Er hat sich zwar persönlich nichts zuschulden kommen lassen, aber er steht in ihren Augen für die Verkommenheit des Epsikopates.
Vom Verzeihen ist da keine Rede u. auch nicht von mildernden Umständen wegen des "Milieus", von dem er geschädigt wurde...
Ich frage mich: Kapieren die reformbewegten Katholiken irgendwann noch mal, daß eine
Kirche kein Verein im üblichen Sinne ist, sondern eine G l a u b e n s g e m e i n s c h a f t, die maßgeblich von Inhalten bestimmt wird, welche weltlichen Dingen wenig zu tun haben u. deshalb auch nicht von Problemen beherrscht werden darf, die heute "in Mode" sind.
Warum konvertieren sie nicht? Die Evangelen haben doch alles, was sie sich wünschen!

Jens Böhme | Mi, 2. März 2022 - 20:40

Hier sollte der Spezialist für Kirchenfragen sich noch einmal informieren. Ein Kardinal kann nicht von sich aus entscheiden, ein Amt anzunehmen oder abzulehnen. Er wird immer vom Papst eingesetzt, egal was der Kardinal an Einwänden vorgibt. Es ist ein Auftrag im Namen des Herrn. Deshalb kann Kardinal Woelki nur um den Rücktritt bitten, diesem zu entsprechen.

Sie sollten sich lieber daran gewöhnen, daß die Leute, welche am wenigsten Ahnung von einer Sache bzw. einer Institution haben, immer am besten wissen, was jemand tun müßte o. sollte, obwohl er es de facto gar nicht kann, weil er
weisungsgebunden ist.
Wer vom Glauben nichts u. von der 2000 Jahre alten Kirche wenig weiß, der redet heute am meisten und lautesten über deren Reform.
Das ist hier nicht viel anders als in der Politik.
Diese Art von "Spezialisten" tummeln sich überall und machen Furore sowie Karriere! Schauen Sie sich nur unsere Minister an!
Z. B. unsere Verteidigunsministerinnen der letzten Jahre, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten, aber die BW "reformiert" und Geld "verbraten" haben, was das Zeug hielt. Den Endzustand dieses Tun finden wir heute vor:
ein Schrotthaufen!
Und die Verantwortung übernimmt keine von denen, die sie trugen. Vielmehr steht z. B. Fr. von derdLeyen heute an der Spitze der EU, um dort mit derselben
Non-Chalance weiter zu "wirken" ...

Der "Spezalist für Kirchenfragen", dem Sie Wissenslücken vorwerfen, behauptet doch aber gar nicht, Kardinal Woelki solle zurücktreten bzw. hätte das schon tun sollen. Er schreibt davon, er habe "seinen Rücktritt angeboten".
Und Kardinal Woelki hätte es ja wohl freigestanden, seinen Rücktritt nicht erst jetzt - exakt am Tag seiner Rückkehr - anzubieten. Er steht ja schon lange unter Beschuss, so daß es nicht grade nahe liegt zu vermuten, sein Entscheidungsfindungsprozess habe partout bis "vorgestern" Zeit benötigt um "reif" zu sein.
Rücktrittsangebot vor sagen wir mal 6 Woche und dieses - unwürdige... da stimme ich dem Autor zu - Theater wäre der Kirche, dem Amt und den Menschen - incl. K. Woelki selbst - erspart geblieben.

@Herr Fischer, Sie sprechen den entscheidenden Punkt an. Es ist unglaubwürdig, am Tag des "Dienstantritts" seinen Rücktritt anzubieten. Aber dieses Verhalten passt ins Bild: keine Verantwortung übernehmen. Und er rechnet mit einem Papst, der seit Jahren dafür bekannt ist, klaren und auf Dauer ausgelegten Entscheidungen auszuweichen. Das ist eben der Unterschied zwischen polnischer und argentinischer Prägung- Mensch bleibt Mensch, trotz Unfehlbarkeit (in Glaubensfragen).

Werner Zillig | Mi, 2. März 2022 - 23:32

... dass der deutschen katholischen Kirche das Personal für die höheren Posten ausgeht. Hier wäre mal eine Aufstellung der Priester-Zahlen seit 1980 gefordert. Wie viele davon haben an der Gregoriana studiert?

Norbert Heyer | Do, 3. März 2022 - 06:57

Ich bin nur noch Kirchensteuer-Zahler, den letzten Gottesdienst am Sonntag habe ich vor ca. 40 Jahren besucht. Warum bin ich nicht ausgetreten? Aus Rücksicht auf meine sehr gläubigen Eltern und Großeltern, die sich einen Sonntag ohne Gottesdienst nicht vorstellen konnten. Die Kirche hat sich von den Sorgen und Nöten der Menschen sehr entfernt. Statt Seelsorge werden einseitige regierungsgenehme Parolen gepredigt, die kirchlichen Mitarbeiter werden gegängelt, das soziale Gewissen ist abhanden gekommen. Der Tropfen auf dem heißen Stein sind die verschwiegenen Missbrauchs-Vorwürfe, sie sind der weitere Niedergang der Katholiken, die dem Islam den Weg bereiten. Woelki ist nur ein kleines Rad im Getriebe einer intriganten Glaubensgemeinschaft, die ihre wichtigste Eigenschaft schon lange verloren hat: Sie hat sich um die Menschen zu sorgen, ihnen beizustehen und zu helfen. Das ist ihre Kernaufgabe, aber leider - so stelle ich fest - kommt sie dieser in keinster Weise nach - sie ist schon tot

Ernst-Günther Konrad | Do, 3. März 2022 - 09:32

Die Kirche insgesamt hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie hat sich von der Vermittlung und dem Vorleben des christlichen Glaubens entfernt. Nicht nur die Missbrauch Skandale haben das ausgelöst. Die geradezu mafiösen Strukturen bleiben, die Handlanger des Systems wechseln ihre Namen, das Gesicht der unbarmherzigen Kirche bleibt. Die Amtskirche hat längst den Draht zu ihren Gläubigen verloren. Die Vereinnahmung und auch teilweise freiwillige Anbiederung an die Politik und den Islam sind Ausdruck des Verlustes des eigenen Glaubens. Vom Staat bezahlte Funktionäre, die eine kriminelle Organisation führen, haben eine wahrhafte Rückführung zur Glaubensvermittlung nicht im Sinn. Woelki wäre zwar ein sichtbarer "Funktionär" für die Vertuschung und gewollte Handlungsunfähigkeit gegenüber den Straftätern in den eigenen Reihen, aber nur der Austausch eines Kirchenmannes löst das Problem nicht. Die Seilschaften bleiben unangetastet und die Opfer dieser Kirche bis an ihr Lebensende gezeichnet.

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