Corona-Krise - Ist die Globalisierung am Ende?

Die Corona-Pandemie zwingt uns, unser Leben und Wirtschaften grundsätzlich zu überdenken. Welche Alternative gibt es zur grenzenlosen Globalisierung?

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Bilder aus der Vergangenheit? Was kommt nach der Globalisierung? / picture alliance

Autoreninfo

Frank A. Meyer ist Journalist und Kolumnist des Magazins Cicero. Er arbeitet seit vielen Jahren für den Ringier-Verlag und lebt in Berlin.

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Bisher war die Globalisierung ein Naturereignis, hinzunehmen als Schicksal, einem unergründlichen Weltgeist geschuldet. Als von der modernsten Moderne abgehängt gilt, wer Zweifel anmeldet an jener höheren Macht, die sich mit dem Waren- und Finanzmarkt hienieden verbündet hat: mit der Marktmacht, einer weiteren Göttlichkeit, gern auch „die unsichtbare Hand“ genannt. 

Und so spielt sich das gewaltige Geschehen in der real existierenden Ökonomie ab: Die Baumwolle wird in den USA gewonnen, der Faden in der Türkei gesponnen, die Farbe in China hinzugefügt, das T-Shirt in Bangladesch gewoben, das Produkt auf dem Kurfürstendamm in Berlin verkauft.

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Charlotte Basler | Mo, 6. April 2020 - 10:47

Kommunismus neu zu erfinden.“ Wäre es denn nicht deutlich einfacher und wirtschaftlicher, diese Internationalisierungen der Industrie, welche mit ausufernden unökologischen Transporten verbunden sind, durch Zölle einzudämmen? Eine win win Situation für alle. Und Wachstum müsste wieder durch Verbesserungen und neue Ideen der Hersteller erfolgen.

Für Verelendung, Versklavung des Geistes & uniformiertes Leben brauchen wir diesen nicht neu erfinden.
Den gab es ein dutzend Male mit vielen Opfern, Herr Basler.
Aber ich weiß, die Menschheit schafft das .....

Christa Wallau | Mo, 6. April 2020 - 10:59

Was braucht der Mensch? Welche seiner Bedürfnisse sind diejenigen, die ihn am nachhaltigsten zufriedenstellen und dadurch auch f r i e d l i c h e r machen?
Schon lange sind die Antworten auf diese Überlegungen d i e Grundlage für mein Urteil auch im politischen Bereich.
Für mich steht außer Frage, daß die tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit u. Verwurzelung neben dem Bedürfnis nach Nahrung j e d e n Menschen kennzeichnet und daß deshalb unmittelbare menschliche Nähe (Elternliebe), Familie, Heimat, gemeinsamer Sprachraum/Kultur von lebenswichtiger, prägender Bedeutung für alle Menschen sind.
Entsprechend ist eine gesellschaftliche u. staatliche Ordnung, die diesem Bedürfnis Rechnung trägt, i m m e r einer Ordnung vorzuziehen, welche die Menschen in die totale Vermischtheit u. Beliebigkeit stellt u. sie dort dem Kampf um seinen Platz auf dem Globus bzw. einer Weltregierung mit ihren Anforderungen und Wohltaten überläßt.

Globalisierung ist zutiefst menschen- u n d umweltfeindlich!

wir können nicht mehr zurück ins 19. Jahrhundert. Ihre auf Ethnozentrismus und Heimattümelei basierende Schwärmerei der idealisierten, traditionell-spiessigen, überschaubaren Dorfgemeinschaft, in welcher der Pfarrer noch eine übergeordnete Autorität, der Soldat noch wegen seines Heldenmutes bewundert und der Mann im kinderreichen Haushalt noch diktatorische Vollmachten hatte, ist längst ein Relikt der Vergangenheit. Nicht alles, was heute in unsere Gesellschaft zu beobachten ist, mag gut sein - aber vieles ist besser als der Mief von gestern. Die Globalisierung ist da, es gilt , sie in Bezug auf Sozialverträglichkeit und Klima zu zähmen.

Eckart Härter | Mo, 6. April 2020 - 13:13

Die Globalisierung war ein Komplott von Industrie und Regierenden gegen die in hartem, langem Ringen erkämpften Errungenschaften der Arbeitnehmer in den hoch entwickelten Ländern. Normal ist, dass ein Land alles das produziert, was es selbst herstellen kann und das übrige importiert. Globalisierung bedeutete, dass deutsche Arbeitskräfte plötzlich mit ausgebeuteten Malochern in Entwicklungsländern konkurrieren mussten, und dass wir uns in einer schmählichen Weise vom Ausland abhängig gemacht haben, so dass die Regierung z.B. Atemschutzmasken als entbehrlich erklären musste, weil ein eklatanter Mangel an den seit langem in China gefertigten Masken bestand. Beschämend und feindlich gegen das eigene Volk.

Robert Müller | Mo, 6. April 2020 - 20:07

In reply to by Gast

Globalisierung ist wirtschaftliche Freiheit. Dem Unternehmen steht es frei Vorprodukte, Rohstoffe, etc. einzukaufen wo es das möchte. Das kann in China, Afrika oder in der Straße nebenan sein. Natürlich können Freiheiten eingeschränkt werden, aber nur wenn es sehr gute Gründe dafür gibt. Das kommt immer wieder vor, warum nicht auch bei der Produktion von z. B. Atemschutzmasken? Das hat dann aber nichts mit Globalisierung zu tun, sondern Vorsorge für den Notfall.

Sonja Göhringer | Mo, 6. April 2020 - 13:15

in dieser Einschätzung stimme ich Ihnen ,sehr geehrte Frau Wallau, vollkommen zu. Die Globaliserung dient vor allem den Globalplayern, die ihre Produktion in solche Länder verlagert, die die schlechtesten Umweltstandards bzw. die geringsten Löhne aufweisen.Die Menschen in anderen Nationen werden so gegeneinander ausgespielt. Solange wir unseren Betrieben auf nationaler Ebene immer höhere ökologische Standards und hohe Mindestlöhne vorschreiben müssten wir dafür sorgen, dass nur Importe ins Land kommen, die die gleichen Standards aufweisen. Anderenfalls müßte sich der durch die Auslagerung der Produktion für den Importeur ergebende finanzielle Vorteil durch Zölle ausgeglichen werden. Geschieht das nicht, führt dies unumgänglich zu massiven Wettbewerbsnachteilen unserer heimischen Betriebe. Das Transportgewerbe und die Landwirtschaft seien hier nur als zwei Beispiel genannt.

Gisela Fimiani | Mo, 6. April 2020 - 20:05

„Never let a crisis go to waste.“ Diese Gelegenheit ergreifen die „Philosophenkönige“, von Hegelscher Geschichtsinterpretation geleitet. Sie treten als die Propheten einer neuen Zeit auf die Geschichtsbühne, um einer Elite anzugehören, die sich in Wahrheit in alten, gescheiterten Utopien ergeht. Hier sind Menschen ihrer Eitelkeit und Selbstverliebtheit erlegen. Sie wollen auffallen, beeindrucken, belehren. Sie sind sprachverschmutzende Verräter am Geist der Aufklärung. Einbildung und Ehrgeiz sind unter Intellektuellen leider keine seltenen Laster.

Rob Schuberth | Mo, 6. April 2020 - 20:26

Für die Befürworter ist die Globalisierung etwas Gutes, da sie (angeblich) mehr Wohlstand schafft.

Für mich als Kritiker ist sie eine Form des Kapitalismus und zwar die des Raubtierkapitalismus.

Denn sie verschafft nur sehr Wenigen (den Managern u. Aktionären der Globalplayer, u. wenigen Eliten) mehr Wohlstand.

Die Massen aber müssen sich mit Niedriglöhnen, Werkverträgen uvm. abfinden.

Die großangelegte Umverteilung (von unten nach oben) wird nun, dank der Krise, hoffentlich beendet.

Wenn nicht wird es bald fürchterliche Bilder (auch bei uns) geben.

Denn irgendwann ist auch der zahme Deutsche Michel mal bereit seinen Hintern zu bewegen.