Laschet vs. Söder - Das Corona-Kanzler-Casting

Erst musste sich Armin Laschet von Markus Söder zum Jagen tragen lassen, dann kam auch noch der Corona-Ausbruch bei Tönnies. Es sieht gerade nicht gut aus für den NRW-Ministerpräsidenten, wenn es um die Kanzlerkandidatur geht. Doch auch Söder kann noch stolpern.

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„Das alles wird niemals dir gehören“: Im Duell der Unions-Ministerpräsidenten um die Kanzlerkandidatur gibt es einen vermeintlichen Sieger / dpa

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Politik ist erbarmungslos, ungerecht oft auch. Sie bestraft nicht nur eigene Fehler, sondern obendrein auch noch für Dinge, an denen die betreffenden Person allenfalls mittelbar Anteil hatte. Der Fall Volker Rühe ist dafür ein ewig gültiges Beispiel. Der vormalige Verteidigungsminister machte sich zum Jahreswechsel 2000 in Schleswig-Holstein aussichtsreich daran, das Land für die CDU zurückzuerobern und Ministerpräsident zu werden. Ambitionen und auch die notwendigen Anlagen für mehr hatte der energiegeladene Harburger obendrein. 

Dann kam Helmut Kohl mit seinen schwarzen Kassen. Und Rühe konnte nicht nur Schleswig-Holstein abhaken. Sondern alle weitere Ambitionen auch. 

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Ernst-Günther Konrad | Fr, 26. Juni 2020 - 07:53

Ich sehe einiges genau so, wie Sie Herr Schwennicke. Söder hat schon einige "Niederlagen" einstecken müssen. Derzeit vier Corona Maßnahmen haben ihm bayrische Verwaltungsgerichte als unverhältnismäßig und mit Hinweis teilweise auf Missachtung verfassungsrechtlicher Rechte einkassiert. Laschet war da etwas vorsichtiger und hat, ja das stimmt schon, weniger hysterisch meistens nachgemacht und ist nur beim Lockdown "mutiger" gewesen.
Söder ist ein Selbstdarsteller und konnte, das sehe ich auch so, medial sich besser verkaufen und verhindern, dass seine rechtlichen Fehlentscheidungen nur in kleinen kurzen Passagen in die Öffentlichkeit fand. Sollte es der Opposition im Bundestag - namentlich der AFD und vielleicht der FDP, wenn die Mut hat - gelingen, die gesamte Corona Hysterie in einem Untersuchungsausschuss prüfen zu lassen, könnten beiden an ihren Entscheidungen nachträglich scheitern. Auch wenn das meiste gut aussah, es war vieles nur schlecht gemacht. Wenn der Wähler will, dann...?

der war gut. Nur soviel dazu: In den USA gab es alleine am Mittwoch fast 37.000 Neuinfizierte. Da soll sich noch mal einer beschweren, wenn er als Corona-Verharmloser oder -leugner bezeichnet wird.

Zum Thema:
Laschet hat Beachtliches geleistet. In der Kürze der Zeit hat er bewiesen, dass er nicht zum CDU-Chef, und schon gar nicht zum Bundeskanzler taugt. Sein "Management" der Corona-Krise war - frank und frei - hundsmiserabel. Zuerst wollte er eine Hauptrolle in der bundesdeutschen "Öffnungsorgie" spielen. Wie ein Staubsaugerverkäufer tingelte er durch die Medien, um von seinen "Lockerungen" und "Öffnungen" zu schwärmen. Offensichtlich wollte er, der so gerne als "windelweich" bezeichnet wird, sich als entschlossen Handelnder präsentieren, der besonders gut auf die Unzufriedenen hört.

Als jedoch die neuen Hotspots im Lande auftraten, musste sein Gesundheitsminister vortanzen, von Laschet war nichts zu hören.

Die NRW-SPD hätte Laschet auseinandernehmen müssen.....

Es gibt nichts in der beruflichen Biografie von Laschet das eine komplexe, höhere Management-Kompetenz vermuten ließ. Söder ist ein Selbstdarsteller mit manchmal diabolisch-trumpschen Zügen, weshalb ihm zu mißtrauen ist. Es bleibt nur Merz. Andernorts wird heute berichtet, dass er eine schwarz-grüne Koalition anführen möchte. Man sollte ihm eine Chance geben.

Gegen die Massnahmen der bayerischen Staatsregierung waren bisher 596 Klagen vor Gericht anhängig, 4 gingen in der Tat negativ aus. Das sind 0,07 % ! Ist schon erstaunlich, wie Sie dieses Ergebnis verdrehen um gegen Söder zu stänkern. Wir Bayern mögen unseren Markus und sind froh, dass er unser Land führt. Und das noch möglich lange. Ein Weggang nach Berlin ist nicht in unserem Interesse, zumal viele Neidhammel nördlich des Weisswurstäquators ihn schon wegen seiner Herkunft ablehnen.
Was die Aufarbeitung der Corona-Krise anbelangt, sollten ausgerechnet die vollkommen unfähigen Faschisten und die bei der letzten Regierungsbildung fahnenflüchtigen Lindner-Anhänger bewerkstelligen ? Das ist absolut lachhaft,
aber bleiben Sie nur in ihrer Blase, ihre kleine Minderheit wird die weitere Entwicklung unseres schönen Landes nicht aufhalten. Die übergrosse Mehrheit der
mündigen Bürger/Wähler kann besonders in Krisenzeiten sehr gut differenzieren zwischen staatstragendem Regieren und Blenderei.

Hans Jürgen Wienroth | Fr, 26. Juni 2020 - 10:07

Der nächste Kanzler wird der oder besser die alte bleiben, auch wenn sie es noch nicht zugibt. Frau Merkel ist die „ideale“ Krisenmanagerin. Ihre Amtszeit ist geprägt von Krisen, eine folgt der anderen und keine ist gelöst. Aber wie sagte Frau Merkel vor der letzten Wahl: Ich kann ihnen nicht sagen, was wir in Zukunft machen werden, weil ich nicht weiß, was auf uns zukommt. Wir müssen auf diese Situationen angemessen reagieren.
Das heißt im Klartext: Ich habe keine Perspektive für die Zukunft dieses Landes, werde aber auf Krisen mit gutem Bauchgefühl reagieren.
Wer wie Laschet schon vor der Wahl kein Programm hat, kann nicht Kanzler werden. Auch Söder dreht sein Mäntelchen nach dem Wind. Wir brauchen einen Kanzler, der für seine Bürger – mit und ohne Migrationshintergrund – sorgt und keinen, der sich für EU und UNO einsetzt, während alle anderen Staatschefs für ihr eigenes Land kämpfen. Leider ist auch die Konkurrenz ohne geeignete Kandidat*innen.

gabriele bondzio | Fr, 26. Juni 2020 - 10:09

Kann es nicht auch daran liegen, werter Herr Schwennicke, dass die Nähe in bestimmten Sachfragen zur Kanzlerin eine entscheidende Rolle spielt? Betrachten muss man immer das Gesamtpaket, was angeboten wird.
So haben auch nach Corona bei mir, weder Söder noch Laschet Punkte gewonnen oder verloren. Gemäß ihres Satzes: „Es gibt auch große Schlachtfabriken in Bayern.“ Der das Problem gut umreißt.
Zum Lossagen aus Eigennutz, ein Zitat von Goethe: „Der Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, daß tüchtige Menschen undankbar gewesen wären.“

Christa Wallau | Fr, 26. Juni 2020 - 10:42

Es ist - so meine ich - zu früh, um darüber zu spekulieren, wer von den beiden (Söder oder Laschet) die besseren Chancen hat, Kanzlerkandidat der CDU/CSU zu werden.
Bis zu dessen Nominierung kann noch sehr viel passieren...
Und da gibt es ja noch Friedrich Merz, der sein Pulver bis jetzt auffällig trocken hält.

Viele Menschen vergessen sehr schnell und handeln bei einer Wahl aus dem momentanen Empfinden heraus, weelches sich von Tag zu Tag ändert.

Was dies für die Karriere eines Politikers bedeuten kann, das haben Sie am Beispiel von Volker Rühe gut herausgearbeitet. lieber Herr Schwennicke.
Da worde jemand abgestraft für etwas, woran er selbst unschuldig war, nur deshalb, weil er aus dem Stall kam, in dem der Haupthengst großen Mist gebaut hatte.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 26. Juni 2020 - 11:01

dass ich hier schreibe, anderen ist es wiederum egal ff.
Früher habe ich den Redakteuren und Redakteurinnen immer direkt geschrieben, allerdings mit dem unguten Gefühl, mich eventuell aufzudrängen.
Herr Schwennicke macht wenig falsch in meinen Augen und andere Meinungen beleben auch schon mal die Diskussion.
Ich sehe es aber wieder völlig anders.
Laschet HAT mit Streeck reüssieren können, wie auch Sachsen-Anhalt mit Kekulè.
Bei allem Respekt bin ich auch deshalb so halbwegs entspannt während Corona, weil Merkel es nicht zur Chefsache machen konnte oder nur in Zusammenarbeit mit den Ministerpräsidenten.
Es stand ihr offen, niemand sträubte sich gegen eine Zusammenarbeit, es kam anders.
Herausragend Laschet und Söder, verhalten, aber ebenso erfolgreich Haseloff.
Gut, wenn sich die jeweilige Hausmacht nun herausbildet und auch überhaupt gute Zusammenarbeit.
Das ist ganz wichtig für ein Land wie die Bundesrepublik mit föderaler Demokratie.
Möglich ist auch noch ein Kanzler Habeck von GRR.

Klaus Peitzmeier | Fr, 26. Juni 2020 - 11:14

Ich teile Ihre Einschätzung nicht, H.Schwennicke.
Laschet hat am Anfang versucht im Einklang zu handeln. Söder wollte sich profilieren u hat immer auf maximale Maßnahmen gesetzt.
Laschet hat sich viel mehr getraut. Er hat mit der früheren Öffnung des Einzelhandels, insbesondere der Möbel-, Bau- u Gartencenter Arbeitsplätze erhalten u kein unnötiges Geld verbrannt. Hätten Sie ein Einzelhandelsgeschäft oder wären Sie dort angestellt oder Lieferant, wüßten Sie das zu schätzen.
Dichtmachen kann jeder. Auch ein Bundesland für Urlauber aus Gütersloh. Ob das in anbetracht kaum vorhandener Coronafälle im Kreis Gütersloh (abgesehen von Tönnies) eine so großartige Entscheidung ist, möchte ich bezweifeln. Ich würde es mir merken. Die Bayern sähen mich in absehbarer Zeit als Urlauber nicht.
Insgesamt ist es eine ziemlich simple Furche die Söder zieht, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben. Die Furche von Laschet ist anspruchsvoller. Merkel hat man auch unterschätzt. Warten wir es ab.

Eugen Renz | Fr, 26. Juni 2020 - 13:15

Söders größtes Handicap ist seine Herkunft. Bayern ist als Urlaubsland beliebt, einen Kanzler aus Bayern ( Franken ) wollen m. E. jedoch viele Mitbürger jenseits des Weißwurstäquators nicht. Die Coronakrise ist insofern zweitrangig. Vielleicht geht Merkel in die fünfte Runde, falls es keine alternativen Kandidatinnen oder Kandidaten gibt. Unsere beliebteste Politikerin ( Politiker )können wir auch noch eine fünfte Amtszeit verkraften - wir schaffen das !

Gerhard Lenz | Fr, 26. Juni 2020 - 13:57

In reply to by Gast

F.J.S. hatte bei seiner Kanzlerkandidatur im Norden und Westen der Republik Zustimmungsraten, die sich überwiegend im negativen Bereich bewegten.

Mit seinem Auftreten konnte er vielleicht den einen oder anderen Stammtisch überzeugen, viele fanden ihn einfach nur nervig.

Söder erscheint heute vergleichsweise liberal. Erstaunlich, dass er seine vor der letzten Landtagswahl begangenen Fehler öffentlich eingeräumt hat: Damals versuchte die CSU, so eine Art zivilisierte AfD zu sein. Mit bekanntem Ergebnis.

Alexander Mazurek | Fr, 26. Juni 2020 - 14:02

... Demokratie ist, dass solange wir die Gummibärchen aus der bereitgestellten Einheitsparteientüte wählen, die Wahl nichts Wesentliches ändern wird. Das Parteienestablishment wird weitermachen wie bisher, warum denn nicht?