Ukrainerinnen in einer Bar im Kiewer Zentrum am 24. Februar 2023 / dpa

Krieg in der Ukraine - Ende der dunklen Tage in Kiew?

Mit seiner Strategie, die Ukrainer mit Raketenangriffen auf die Energie-Infrastruktur des Landes in die Knie zu zwingen, ist Putin gescheitert. Die Menschen in der ukrainischen Hauptstadt atmen nach Monaten der Angriffe und Stromausfälle auf.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Regelmäßig heulen Ende Februar zwar noch die Sirenen des Raketenalarms, aber seit gut zwei Wochen gab es keine Raketenangriffe mehr auf die Energie-Infrastruktur von Kiew, deshalb kümmert sich kaum noch ein Bewohner der ukrainischen Hauptstadt darum. Vereinzelt kommt es noch zu Angriffen mit  iranischen Shahed-Drohnen, etwa in der Nacht auf den heutigen Montag, die allerdings von der ukrainischen Raketenabwehr abgeschossen werden.

Die Russen scheinen die Strategie, die Ukrainer auf diese Weise in die Knie zu zwingen, aufgegeben zu haben. Zeitlich fällt der Strategiewechsel mit einem anderen Ereignis zusammen: Sergej Surowikin, der Anfang Oktober das Kommando der russischen Streitkräfte in der Ukraine übernommen hatte, wurde am 11. Januar durch Walerij Gerassimow ersetzt. Offenbar war es Surowikin, der sich zum Ziel gesetzt hatte, zum Winteranfang mit Raketen und Drohnen die Energie-Infrastruktur der Ukraine zu zerstören – und so den Kampfeswillen der Ukrainer zu brechen.

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Walter Bühler | Mo., 27. Februar 2023 - 15:22

... trotz Krieg einigermaßen erträglich geht.

Auch Politiker und Journalisten aus dem westlichen Ausland können offenbar ganz in Ruhe und ungefährdet nach Kiew fahren.

Vielleicht ist Putin eben doch nicht das hitlergleiche, allesfressende Monster, das Kiew zerstören und das ukrainische Volk am liebsten mit Stumpf und Stil physisch ausrotten will, wie es uns unsere deutsche Medien Tag für Tag einreden wollen.

Präsident Selenski glaubt, dass 95% der Bevölkerung hinter ihm stehen. Über die 5%, die nicht mit ihm einverstanden sind, wissen wir nichts, ebenso wenig wie über das Schicksal der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine, oder über die Arbeit der Geheimdienste und der "Territorialverteidungung".

Berichterstattung, die sich nicht vollständig auf die Propaganda des ukrainischen Präsidenten beschränkt, wäre für uns alle in Europa ein echtes Geschenk.

Tomas Poth | Mo., 27. Februar 2023 - 16:36

Jede Rakete die nicht startet, jede Granate die im Abschussrohr bleibt, jede Kugel die nicht den Gewehrlauf verläßt bedeutet weniger Tod und weniger Zerstörung!
Wie wird es weitergehen? Wie wird sich die ukrainische Seite und ihre Antreiber verhalten?

Keiner sollte vergessen, daß mit dem Euro-Maidan der damals gewählte Präsident mit Hilfe des "Westens" weggeputscht wurde und das Unheil seinen Lauf nahm.
Keiner sollte vergessen, daß mit der Un-Resolution die Kriegsparteien, damit auch deren Unterstützer, aufgefordert wurden ihren Streit auf Basis der Minsker Abkommen beizulegen.
Keiner sollte die ca. 14.000 Toten, vorwiegend ethnische Russen, im Donbas vergessen, die seit 2014 bis 2022 durch die ukrainische Armee ihr Leben liesen.

Der Einmarsch Russlands vor einem Jahr war kein jungfräuliches Ereignis, es war ein Ausreizen der Spannungen bis zur Explosion, an der beide Seiten ihren Anteil tragen.

Christoph Kuhlmann | Mo., 27. Februar 2023 - 16:42

Hat Russland die 300 000 neuen Rekruten schon wieder in sinnlosen Angriffen verheizt? Oder sind die russischen Stellungen im April mit frischen Kräften verstärkt und die Russen drehen den Spieß um. Wer liefert mehr Granaten, Russlands Verbündete oder die der Ukraine? Ich halte den Ausgang des Krieges nach wie vor für offen. Zumal niemand sagen kann, wie fest Putin im Sattel sitzt. Es gab schon Diktatoren, die ihr Volk verheizten und bis zum Selbstmord keinerlei Probleme mit dem Machterhalt hatten.

Heidemarie Heim | Mo., 27. Februar 2023 - 16:58

Erst einmal bin ich froh darüber, dass trotz Krieg zumindest in Kiew die Menschen scheinbar ihre Lebensfreude nicht verloren haben und die Verteidiger eine Atempause bei ihren Familien genießen können, was viel zu vielen Eltern, Frauen und Kindern, deren Söhne, Töchter, Männer und Väter zu Tode kamen nicht mehr vergönnt ist. Wer kann auch nur im leisesten deren Leid nachvollziehen? Das grausame Schicksal von Vertriebenen, die Traumatisierungen der Menschen, insbesondere der Kinder, die ihre Bezugspersonen und ihr soziales Umfeld verloren oder in einem Luftschutz-Keller unter Umständen auf die Welt kommen mussten, die jeder Zivilisiertheit spotten? Dies alles lässt mich fragen lieber Herr Gathmann, wie man da auf die Idee kommen kann, dass es mit einem Friedensschluss wie manche meinen oder befürworten getan sein kann? Der durch Putin befeuerte Hass/Ablehnung/Misstrauen zwischen den beiden Völkern wird m.E. Generationen überdauern. Deshalb wird es wenn überhaupt ein Scheinfriede sein?

Hans Schäfer | Mi., 1. März 2023 - 12:54

Antwort auf von Heidemarie Heim

<<....wie man da auf die Idee kommen kann, dass es mit einem Friedensschluss wie manche meinen oder befürworten getan sein kann?>>

Meinen manche das wirklich oder meinen sie das es:

Irgendwann Frieden geben muss/wird?
Warum nicht sofort?

Oder glauben Sie: Dass die Weiterführung der Kriegshandlungen nicht weitere Tote, Vertriebene, Traumatisierungen, bringen?
Zumal keiner offen sagt, wie lange es weitergehen soll und welches Ziel man verfolgt!

Ich höre schon die Befürworter schreien: Mit Putin kann man nicht reden, etc.!
Woher wissen die das? Oder geben Sie nur Ihre subjektive Meinung, die sie sich aus welchen Quellen gebildet haben? Diplomatie ist gefordert, was nicht einfach sein wird. Deshalb müssen Politiker mit Lebenserfahrung diese Verhandlungen führen, nicht halbe idealistische Kinder, die ohne zu überlegen losplaudern

Ronald Lehmann | Mo., 27. Februar 2023 - 17:07

Mehr gibt es nicht hinzufügen & Gott ist auch bei denen, die glauben, allein auf dem Meer zu sein.
Alles Gute auch ihnen als einsamer Wanderer auf irdischen Pfaden Herr Veselic & allen Gottes Segen

Ingo Frank | Mo., 27. Februar 2023 - 20:01

Ich muß gestehen, dass mich das Bild zum Artikel mehr als irritiert hat. Mal abgesehen von dem für mich unhaltbarem Fakt, eine Spätabend- Nachrichtensendung, das heute Journal mit M. Slomka in Überlänge, live aus dem „friedlichen“ Kiew wie vergangene Woche Zwangsgebühren finanziert, erleben zu müssen.
Sie, Herr Gathmann werden das sicher anders sehen. Aber im deutschen Fernsehen werden überwiegend nur zerbombte Städte und „jeder einzelne Raketeneinschalg“ gezeigt, der im krassen Gegensatz zur prall gefüllt mit Hochprozentigem & fröhlichen Gästen eine Bar in Kiew zeigt. Und die im Bild zu stehenden jungen Frauen sehen ja auch nicht aus als wären Sie Frontsoldaten.
Was ich sagen will, es können einem Gedanken ereilen, die sich fragen wie steht es mit der Solidarität der Ukrainer selbst mit ihren Ausgebombten Landsleuten? Und diese weiteren teils unangemessenen Forderungen nach Kampfflugzeugen kann ich auch nicht mehr hören bei diesen Bildern.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Rep

Jens Böhme | Mo., 27. Februar 2023 - 20:06

In jedem Krieg, der länger als sechs Monate dauert, wird der Schrecken des Krieges zum Alltag, zur Normalität und insbesondere zur Erfahrung: Wenn man eine Rakete hört, dann muss man nicht laufen, hört man nichts, ist es gefährlicher. Dann kommt das Mathematische: wie lange ist es lautlos und passiert was. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist dann auch dem letzten Ängstlichen näher als die Angst.

Brigitte Simon | Di., 28. Februar 2023 - 00:07

Ach wie schön für Sie, werter Herr Gathmann. Waren Sie nicht zu einem Drink in der Bar im Kiewerer Zentrum von den schicken Kiewerinnen eingeladen? Ich kann nur sagen,"Friede, Freude, Eierkuchen".

Vielleicht kann die deutsche Bevölkerung auch bald sagen "Friede, Freude, Eiekuchen".

So wie es aussieht, benötigt Selenskyj die geforderten zusätzlichen 500 Millionen Euro monatlich nicht mehr. Fürsorglich für Soldaten und Rentner*innen gedacht. Nun bleibt etwas übrig für unsere bedürftigen Rentner.

Ach ja, hinter verschlossenen Hinterzimmern
plaudert Selenskyj mit den Fürsten von Black Rock.

Albert Schultheis | Di., 28. Februar 2023 - 10:18

es wird noch lange keine helleren Tage in der geschundenen Ukraine geben, ja der Frühling kommt, aber er wird mit mehr toten jungen und auch älteren Männern und mit mehr Zerstörung kommen. Denn Verhandlungen darf es ja vorerst nicht geben, denn die sind ja wieder einmal "unmoralisch"! Gut dass wir den Ethikrat haben! Russland wird also weiterkämpfen und vermutlich die kritischen Stellungen in Bachmut etc. einnehmen. Dann werden sich die Asow'schen Helden zurückziehen oder sterben, trotz der Panzerhaubitzen und Leos. Denn solange wir nicht verstehen, dass Russland diesen Krieg nicht verlieren darf - auf Teufel komm raus! - solange werden sie ihn fortführen müssen. Es wird schlechterdings nur mit einem Sieg der Russen mit anschließ. Friedensdiktat enden können, denn die Russen wurden durch den wort- und vertragsbrüchigen Westen, durch uns!, allzuoft getäuscht und belogen. ... Es sei denn die USA und die NATO meinen, die Trumpfkarte zu ziehen ... dann kommt der Teufel tatsächlich heraus.