Zwei Frauen-Skulpturen gegen das Vergessen bei der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück
KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, zur Nazi-Zeit das größte Konzentrationslager für Frauen / dpa

KZ-Denkmal für Lesben - Geschichte im Dienste einer neuen Opferkultur

Am Mittwoch hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten bekanntgegeben, dass in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück nun doch ein Denkmal für lesbische Frauen errichtet werden soll. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit. Der Vorgang ist ein Beispiel dafür, wie historische Fakten im Dienste heutiger Identitätspolitik verbogen werden.

Autoreninfo

Dr. Alexander Zinn (Foto Katja Pietrusky) ist seit 2021 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frankfurter Fritz Bauer Institut zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust. Er ist Herausgeber des Bandes „Homosexuelle in Deutschland 1933-1969. Beiträge zu Alltag, Stigmatisierung und Verfolgung“. Seit 2008 ist Zinn Mitglied im Internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

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Es gab Zeiten, da träumten die Menschen davon, Helden zu sein. Man wollte Drachen besiegen, Jungfrauen retten, Banditen dingfest machen oder zum Mond fliegen. Zu einem Opfer zu werden, erschien weniger erstrebenswert. Allenfalls der Opfertod fürs Vaterland war eine Option, die allerdings auch eher als Heldentat glorifiziert wurde.

Heute hingegen ist nichts mit größerem sozialen Prestige verknüpft, als Angehöriger einer „Opfergruppe“ zu sein. Kann man gar auf „intersektionale“ Diskriminierung verweisen, spielt man in der ersten Liga der Opferhierarchie. Wer die „schlimmsten“ Diskriminierungsmerkmale auf dem Blatt hat, sticht alle anderen aus.

Deutscher Hang zum Opferkult

Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig. Zwei wesentliche Aspekte fallen aber schnell ins Auge. Zum einen gibt es hier eine deutsche Besonderheit: Die Diskreditierung des Heldentums durch die Erfahrungen der NS-Zeit hat den Fokus öffentlichen Gedenkens zunehmend verschoben. Statt auf Kriegshelden kaprizierte man sich zunächst auf die Opfer des „alliierten Bombenterrors“, später rückten dann die Opfer des NS-Terrors in den Mittelpunkt der Erinnerungspolitik. Zum zweiten entwickelten auch die neuen sozialen Bewegungen, die sich seit den sechziger Jahren formierten und die westlichen Gesellschaften stark prägten, eine besondere Affinität zum Opferstatus. Eine wenig überraschende Entwicklung; waren die Erfahrungen von Herabsetzung und Diskriminierung doch das verbindende und identitätsstiftende Element der Black-, Women- und Gay-Movements.

Besonders prestigeträchtig ist es vor diesem Hintergrund, nicht nur auf aktuelle, sondern auch auf historische Diskriminierung, womöglich sogar auf eine Verfolgungsgeschichte in der NS-Zeit verweisen zu können. Insoweit verwundert es nicht, dass die Neigung groß ist, nach Belegen für eine entsprechende „Opfergeschichte“ zu suchen. Groß ist dann aber oft auch die Neigung, es mit der Historie nicht ganz so genau zu nehmen, sich nur die „passenden“ Dokumente anzuschauen und somit Geschichtsklitterung zu betreiben. Klassische Beispiele aus den fünfziger Jahren sind die Versuche, die Katholische Kirche, die Jugendbewegung oder gar die Wehrmacht zu einem Hort der NS-Opposition zu stilisieren – Versuche, die einer differenzierten historischen Betrachtung nicht standhalten konnten.

Interessen von Minderheiten vor historischer Aufarbeitung

Heute sind entsprechende Bemühungen vor allem in den neuen sozialen Bewegungen, so etwa in der LGBTI-Bewegung zu verzeichnen. Ein Paradebeispiel ist der Konflikt um ein Lesben-Denkmal in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, der exemplarisch vor Augen führt, dass es in solchen Fällen weniger um historische Aufarbeitung als um gegenwärtige Interessen geht.

Bereits um das im Jahr 2008 in Berlin eingeweihte „Denkmal für die Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ hatte es erbitterten Streit gegeben, weil sich lesbische Frauen durch den dort in einem Film zu sehenden Männerkuss nicht repräsentiert fühlten. Ein Streit, der freilich schon in der Konzeption des Denkmals angelegt war, sollte es doch nicht nur an die Verfolgung homosexueller Männer durch das NS-Regime erinnern, sondern auch „ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen“.

Ließ sich die Historie in diesem Streit also noch elegant umschiffen, kommt man an ihr in dem seit 2012 gärenden Konflikt um Ravensbrück allerdings nicht mehr vorbei. Denn Erinnerungstafeln werden in den  KZ-Gedenkstätten in aller Regel nur für Verfolgte, nicht aber für soziale „Querschnittsgruppen“ genehmigt, die gar nicht im Fokus der NS-Verfolgung standen. Der Initiative „Autonome feministische FrauenLesben“, die seit Jahren für das Lesben-Denkmal in Ravensbrück kämpft, geht es aber ohnehin um mehr: Sie will nicht nur an den unbestreitbaren Umstand erinnern, dass es unter den Häftlingen des Konzentrationslagers auch lesbische Frauen gab, sondern behauptet, weibliche Homosexualität sei auch ein Haftgrund gewesen.

Das Lesben-KZ, das es nie gab

Das Thema ist nicht neu: In der Lesbenbewegung gab es schon in den siebziger Jahren Bestrebungen, eine entsprechende Verfolgung nachzuweisen. Nachdem schwule Männer begonnen hatten, die NS-Verfolgung als ihre „eigene“ Geschichte zu entdecken und den Rosa Winkel stolz ans Revers zu heften, erschienen auch bald Geschichten über lesbische KZ-Häftlinge. Große Aufmerksamkeit erregte 1975 ein Bericht der Zeitzeugin Lilo Z., demzufolge es im mecklenburgischen Bützow ein „Lesben-KZ“ gegeben habe. Das habe ihr die Luftwaffenhelferin Helene G. erzählt, die dort unter dem Vorwand der Wehrkraftzersetzung inhaftiert worden sei, weil sich ihre Geliebte den Avancen eines Vorgesetzten verweigert habe. Gemeinsam mit sechs anderen lesbischen Frauen sei sie in einen „Extrablock“ gesperrt worden, wo die SS russische und französische Kriegsgefangene auf sie gehetzt habe, um sie „mal richtig durchzuficken“.

Die Geschichte geisterte Jahrzehnte durch Forschungsliteratur und Presseberichte. Doch schon der Umstand, dass es in Bützow zwar Zwangsarbeiter-, aber kein Konzentrationslager gegeben hatte, hätte stutzig machen müssen. Vor drei Jahren stellte sich schließlich heraus, dass Helene G. nicht wegen Wehrkraftzersetzung in einem KZ, sondern wegen Diebstahls in einem Gefängnis gesessen hatte. Lilo Z. hatte ihrem leichtgläubigen Publikum eine Münchhausiade aufgetischt.

Lesbische Liebe blieb unter den Nazis meist straffrei

Nun war die Situation lesbischer Frauen in der NS-Zeit durchaus prekär, denn die Nationalsozialisten lehnten auch die weibliche Homosexualität ab. Anders als in der mann-männlichen, sahen sie in der lesbischen Liebe aber keine „Staatsgefahr“. Das von Heinrich Himmler entwickelte Bedrohungsszenario, schwule Männer könnten den nationalsozialistischen „Männerstaat“ unterwandern und zerstören, traf auf Frauen nicht zu. Deswegen verzichteten die Machthaber bei der Verschärfung des Homosexuellenparagrafen 175 im Jahr 1935 auch ganz bewusst auf eine Kriminalisierung der lesbischen Liebe.

Für Österreich, wo weibliche Homosexualität schon lange unter Strafe stand, wurde nach dem „Anschluss“ festgelegt, die reichsdeutschen Regelungen zu übernehmen. Da sich dies aber kriegsbedingt verzögerte, gab Roland Freisler 1942 schließlich die Anweisung, „die lesbische Liebe nicht mehr zu bestrafen“. Zwar ermittelte die Polizei auch gegen lesbische Frauen, wenn sie von böswilligen Nachbarn angezeigt wurden. Doch die Staatsanwaltschaft stellte diese Verfahren regelmäßig ein. Zu Sanktionen kam es allenfalls, wenn Kinder involviert waren. So wurde den beiden Berliner Fabrikarbeiterinnen Hildegard W. und Helene T. von der Gestapo das Zusammenwohnen verboten, weil sie, „ohne auf die Kinder Rücksicht zu nehmen, ihr schamloses Treiben ungeniert ausgeführt“ hätten.

Die Lage lesbischer Frauen war also widersprüchlich: Sie war von Stigmatisierung, teilweise auch von Repression geprägt, in erster Linie aber von Toleranz, also von einer weitgehenden Duldung. Unkorrekt wäre es, von Verfolgung zu sprechen, denn es war der erklärte Wille der NS-Machthaber, die weibliche Homosexualität straffrei zu lassen. Auch auf andere Formen der Verfolgung, so insbesondere auf die Anordnung von KZ-Haft, finden sich in den Erlassen von Gestapo und Reichssicherheitshauptamt keine Hinweise. Doch obwohl all das bekannt und anerkannt ist, bemühen sich einige lesbische und schwule Historiker seit Jahren, anhand biografischer Einzelfälle nachzuweisen, was sich im Großen nicht belegen lässt. Dabei tappen sie in eine kognitive Falle, die als „Hase-Ente-Illusion“ bekannt geworden ist: Wer immer nur nach Hasen Ausschau hält, hält auch eine Ente für einen Hasen.

Letztlich betreiben diese Forscher das, was die Historikerin Sandra Kostner „Agendawissenschaft“ nennt: Eine auf ein politisch genehmes Ergebnis ausgerichtete Forschung, die zu selektiver Wahrnehmung verleitet, widersprechende Aspekte übersieht und an Verschwörungstheorien erinnernde Thesen befördert. Nebulös ist da zum Beispiel von einer „versteckten“ Verfolgung die Rede – freilich ohne zu erklären, warum die Nationalsozialisten die Verfolgung lesbischer Frauen (im Gegensatz zu der schwuler Männer) hätten verschleiern sollen. Zum Beleg dieser These wird regelmäßig auf einzelne Häftlinge aus Ravensbrück verwiesen, in deren Haftunterlagen sich der Hinweis „lesbisch“ fand. Diese seien unter „Vorwänden“, zum Beispiel als Asoziale oder Jüdinnen, inhaftiert worden.

Bei genauerer Betrachtung dieser Fälle wird aber schnell klar, dass die Homosexualität nicht der Verfolgungsgrund war. Ein häufig erwähnter Fall ist der der Prostituierten Margarete Rosenberg und der Arbeiterin Elli Smula, die 1940 als Straßenbahnschaffnerinnen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) „dienstverpflichtet“ wurden. Wenige Wochen später wurden sie von ihrem Arbeitgeber angezeigt, weil sie „Arbeitskameradinnen mit in die Wohnung nehmen, sie unter Alkohol setzen und dann mit ihnen gleichgeschlechtlich verkehren“. Beide wurden schließlich nach Ravensbrück deportiert, wo man sie als politische Häftlinge registrierte, aber auch auf ihre (angeblich) lesbische Veranlagung hinwies.

Forschung von Beginn an auf Homosexualität fixiert

Die Forschung zu diesem Fall war von Beginn an auf den Aspekt der Homosexualität fixiert. So wurde behauptet, die beiden seien „wegen ihres Lesbischseins von Staats wegen verfolgt“ worden. Ausgeblendet wurde dabei allerdings den Kontext: Denn der BVG ging es nicht um die sexuellen Handlungen, sondern darum, dass die Beteiligten „am nächsten Tag nicht ihren Dienst versehen konnten“ – wofür im Wesentlichen der Alkoholkonsum verantwortlich gewesen sein dürfte. So habe Rosenberg „während der 1 ½ Monate ihrer Beschäftigung bei der BVG 16 Tage“ gefehlt, wodurch „der Betrieb des Straßenbahnhofs Treptow stark gefährdet“ worden sei. Derartige „Dienstpflichtverletzungen“ wurden streng verfolgt, erst recht bei einem kriegswichtigen Betrieb wie der BVG. Tatsächlich waren sie auch der Grund für die Verhaftung und KZ-Einweisung der beiden Frauen. So notierte die Gestapo auf der Karteikarte von Rosenberg als „Grund der Schutzhaft“ zunächst „Arbeitsverweigerung“, ersetzte den Eintrag dann aber durch die Formulierung: „Hat die Arbeit vernachlässigt.“

Bei etwa einem Dutzend (von insgesamt 130.000) Ravensbrück-Häftlingen ließen sich in Verfolgungsdokumenten Hinweise auf das Thema Homosexualität finden. In keinem dieser Fälle ist zu belegen, dass die Homosexualität der Grund der KZ-Haft war. Doch selbst wenn sich in einzelnen Fällen entsprechende Belege finden ließen, würde auch hier gelten: Ausnahmen bestätigen die Regel. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass es die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und deren Beiräte immer wieder abgelehnt haben, der Errichtung eines Gedenkzeichens zuzustimmen, das eine solche Verfolgung insinuiert. Doch das schien die Initiatorinnen nicht nachdenklich zu stimmen, sondern nur weiter anzustacheln. Über Jahre hinweg stellten sie immer neue Anträge. Gleichzeitig warben sie mit großem Erfolg um Unterstützer: Letztlich gelang es ihnen, fast die gesamte lesbisch-schwule Community für das Ansinnen einzuspannen.

Die Agitprop-Methoden, mit denen die Aktivist*innen versuchten, die mangelnde historische Stichhaltigkeit der Verfolgungslegende zu kompensieren, nahmen dabei teilweise absurde Ausmaße an. Im Internet wurde gegen die Stiftung mobilisiert, Vorwürfe der Lesben- und Frauenfeindlichkeit erhoben, Massen-Mailings und Demonstrationen organisiert. Sogar die brandenburgische Landesregierung setzte man unter Druck, zu intervenieren. Kompromissvorschläge lehnten die Initiatorinnen hingegen ab. So etwa das Entgegenkommen, ein Gedenkzeichen für die Querschnittsgruppe lesbischer Frauen zu akzeptieren, dessen Widmungstext keine Verfolgung postuliert. Das macht klar, worum es eigentlich ging: Die weibliche Homosexualität sollte als ein Verfolgungsgrund anerkannt werden.

Geschichtsverbiegung im Dienste einer neuen Opferkultur

Letztlich war der politische Druck, den die Aktivist*innen entfalteten, wohl zu groß. Entgegen dem eigenen Bekunden, die Situation lesbischer KZ-Häftlinge zunächst mit einer Ausstellung aufarbeiten zu wollen, hat die Stiftung nunmehr den Antrag für das Gedenkzeichen genehmigt. Der Widmungstext soll lauten: „In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Sie wurden verfolgt, inhaftiert, auch ermordet. Ihr seid nicht vergessen.“ Doch die rabulistische Rechtfertigung, mit diesem Text sei doch nichts über die wahren Verfolgungsgründe der inhaftierten Frauen gesagt, kann ebenso wenig überzeugen wie der Versuch, den Verfolgungsbegriff einfach so auszuweiten, dass er sämtliche Formen von Benachteiligung und Herabsetzung umfasst. Jeder Gedenkstättenbesucher, der vor diesem Zeichen steht, wird es so lesen, wie es die Initiatorinnen wünschten: Als Beleg dafür, dass weibliche Homosexualität ebenso ein Verfolgungsgrund gewesen sei wie etwa die jüdische Herkunft oder politischer Widerstand gegen das NS-Regime.

Das zentrale Motiv der ganzen Auseinandersetzung war der Wunsch nach Anerkennung. Lautstark wurde beklagt, lesbische Frauen würden in den Gedenkstätten „unsichtbar“ gemacht, so wie sie bereits von den Nationalsozialisten „unsichtbar“ gemacht worden seien. Dass es in der NS-Zeit ein Segen gewesen sein könnte, unsichtbar zu sein, ja dass sich Angehörige tatsächlicher Verfolgtengruppen nichts sehnlicher gewünscht hätten, um unter dem Radar der NS-Behörden hinwegtauchen zu können, kam den Aktivistinnen nicht in den Sinn. Nun ist der Wunsch nach Anerkennung durchaus nachvollziehbar und auch nicht unberechtigt. Wenn man ihn in die Geschichte projiziert, empfiehlt es sich allerdings, die historischen Gegebenheiten etwas genauer zu betrachten.

Dabei hätte sich vielleicht herausgestellt, dass das heute gängige Begriffsrepertoire des Emanzipationskampfes nur bedingt tauglich ist für die Beschreibung komplexer historischer Vorgänge. Und vielleicht hätte dann auch die Erkenntnis reifen können, dass es viele Orte gibt, an denen man an die lange Geschichte von Herabsetzung, Ausgrenzung und Selbstbehauptung erinnern kann, dass eine KZ-Gedenkstätte aber der denkbar ungeeignetste ist, um die vielschichtige Situation lesbischer Frauen unter dem NS-Regime zu repräsentieren. Ein passenderer Gedenkort wären zum Beispiel die Berliner „Residenz-Festsäle“ gewesen, in denen der lesbische Kegelklub „Lustige Neun“ noch bis in die Kriegsjahre Bälle mit hunderten Teilnehmerinnen veranstaltete – von der Gestapo zwar argwöhnisch überwacht, aber geduldet.

Der Streit um das Lesben-Denkmal ist eines von vielen Beispielen dafür, wie die Geschichte im Dienste einer neuen Opferkultur verbogen wird. Ausgehend von den Universitäten, an denen eine ganze Generation in Fragen von Gender, Queer Politics, Postkolonialismus und Intersektionalität geschult wurde, erleben wir derzeit eine emotional aufgeladene Kulturrevolte, die sich um historische Quellen und deren Kontext wenig schert.

Andere Fälle, so etwa die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße, deren Name ein Ausdruck rassistischen Denkens vergangener Jahrhunderte sein soll, werden heiß diskutiert. Umso beachtlicher ist es, dass die vehemente Auseinandersetzung um das Ravensbrücker Gedenkzeichen fast nur in der LGBTI-Community geführt wurde – die breitere Öffentlichkeit hat diese fraglos komplexe Thematik kaum zur Kenntnis genommen. Auch deswegen konnte es den Interessenverbänden gelingen, ein solches Denkmal durchzusetzen.

So erschreckend der neue kulturevolutionäre Furor auch ist, ein Trost bleibt immerhin doch: Auch die alten Heldenmythen nahmen es mit der historischen Wahrheit nicht so genau. Im Gegenteil. Heldengeschichten dulden keine Ambivalenzen, der differenzierte Blick kann sie nur zerstören. Mit Märtyrerlegenden verhält es sich nicht anders.

Tomas Poth | Do, 15. Juli 2021 - 18:37

Wird die Frage ob diese Gruppen mit Steuergeldern gefördert werden mit JA beantwortet, ist eigentlich klar was hier abläuft.
Wir fördern die hysterische Überbietung von Splittergruppen und spalten damit die Gesellschaft.

Gerhard Lenz | Fr, 16. Juli 2021 - 10:11

In reply to by Tomas Poth

In diesem Forum kann jeder völlig
unbeschwert seine homophoben Neigungen ausleben.

Ist ja alles nur Mainstream oder von Merkel bzw. RRG gesteuert!

Mal sehen, ob man sowas hier sagen darf..

Sie irren, werter Herr Lenz.
Ich und ich bin mir sicher auch viele andere, stimme Herrn Poth ausdrücklich in seiner Kritik u. seinem Fazit zu.

Schauen wir mal - Phobie: kommt vom altgriechischen Wort phóbos und bedeutet „Furcht“.
Sie sind also der Meinung, der Herr Poth fürchtet sich vor gleichgeschlechtlicher Liebe?
Wo lesen Sie das denn in seinem Kommentar?
Ich befürchte auch etwas: Sie leiden unter Realitätsphobie …

.. ein Denkmal für Lesbinnen (so soll es jetzt wohl heißen) in KZ-Haft für überflüssig halte, bin ich nicht - wie sie glauben - homophob. Das ist unseröser Schluss. Eisverkäufer mag ich, würde ihnen aber kein Denkmal setzen. Wer Lesbinnen ein Denkmal setzt, warum dann nicht noch 20 anderen sexuellen Orientierungen, Nationen usw.? Keine Denkmäler für homosexuelle Männer, etwa im KZ Buchenwald? Das ist Spaltungspolitik pur, abgesehen davon, dass sexuelle Vorlieben nicht den Menschen ausmachen. Diese Gesellschaft hat vollständig den Kompass verloren und erstickt in Narzissmus.

Rob Schuberth | Do, 15. Juli 2021 - 18:58

Was soll das denn?
Soll jetzt jede Minderheit der KZ-Opfer ihr persönliches Denkmal erhalten?

In den KZs kamen Mio. Unschuldiger zu Tode.
Denen gebührt ein Denkmal.
Nat. auch an den verschiedensten Orten, aber nicht für jede Minderheit die sich darunter befunden hat.

Diese Forderung zeugt m. E. von dem Wahn den diese Minderheiten für sich empfinden uns uns allen überstülpen wollen.

Offenbar sind ihnen ihre CSDay-Auftritte etc. nicht genug.

Romuald Veselic | Do, 15. Juli 2021 - 19:04

Bislang wurde ebenso die europäische Sklaverei nicht aufgearbeitet, die durch osmanische Aggression und Eroberungskriege zum Massenphänomen wurde. Ebenso wie die Knaben Auslese, aus deren man das Sklavenheer der Yanitscharen aufstellte, was analog mit Rekrutierung der Kindersoldaten von heute zu vergleichen wäre.
Mythen sind dazu da, um zu unterhalten. Faktenprosa ist das Gegenteil von Mythen. Der Altgrieche Homer hat's zum literarischen Genre erhoben, um damit für damaligen Medienfreie Landschaften, Stoff zum Erzählen ersann. Daraus ist die Literatur entstanden.
PS Homer war alter, weißer Mann.

helmut armbruster | Fr, 16. Juli 2021 - 06:56

richten, sollte die Forschung sich lieber mal daran machen die Beziehungen zwischen den Häftlingen selbst heraus zu arbeiten und zu veröffentlichen.
Denn das Leben im KZ war ein Überlebenskampf, auch unter den Häftlingen selbst. Wer dem anderen ein Stück Brot oder einen besseren Posten wegschnappen konnte hatte bessere Überlebenschancen als derjenige, der das nicht konnte.
Das sind unangenehme Wahrheiten und die KZ Opfer, die überlebt haben, reden nicht freiwillig über dieses Thema.
Darum - wie es wirklich im täglichen KZ Leben zuging - sollte sich die Forschung kümmern und nicht die Opfer in Gruppen aufteilen um dann einige Gruppen als besonders "opferwürdig" heraus zu stellen.

Bernhard Mayer | Fr, 16. Juli 2021 - 06:56

.....ist der aktuelle Zeitgeist welcher verschwinden wird.
Bzw, welcher sich Wandeln wird...!

Walter Bühler | Fr, 16. Juli 2021 - 08:46

... für diesen Einblick in die heutigen Rahmenbedingungen der historischen wissenschaftlichen Arbeit.

Die gegenwärtige, zu großen Teilen freiwillige Unterwerfung der Wissenschaften unter das ideologische Diktat von straffen Netzwerken aus der LGBTIA+- und Gender-Bewegung dient in erster Linie der Akquisition staatlicher Alimentierung im öffentlichen Dienst und im wissenschaftlichen Bereich. Fehlende fachliche Qualifikation soll durch den Opferstatus ersetzt werden. Daher ist er diesen Seilschaften so enorm wichtig.

Der Schaden in der Wissenschaft, der durch die Unterordnung unter diese Ideologie entsteht, ist immens, weil nicht nur das fachliche Niveau sinkt, sondern weil auch dem in diesem Klima erzogenen wissenschaftlichen Nachwuchs die Orientierung auf ideologiefreie Wahrheit und Objektivität verloren geht.

Alexander Brand | Fr, 16. Juli 2021 - 09:34

Was damals passierte war schlimm, es reicht aber so langsam den Deutschen immer und immer wieder ein schlechtes Gewissen einzureden. Von den damals Verantwortlichen/Beteiligten leben evtl. noch eine Handvoll, der Rest der Bevölkerung ist an dem was damals passierte unschuldig und Sippenhaft ist moralisch inakzeptabel zudem verboten!

Durch ständiges Eindreschen auf die hiesige Bevölkerung erreicht man das Gegenteil von dem was man vorgibt erreichen zu wollen. Ich trage keine Verantwortung für die damaligen Ereignisse, meine Eltern auch nicht und meine Kinder erst recht nicht, irgendwann muß es also gut sein, ich fordere den Schlußstrich den Martin Walser schon 1998 forderte.

Zudem ist es mir schleierhaft, warum ausgerechnet für Lesben eine Gedenkstätte errichtet wird. Dann aber bitte auch für Christen, Schwule, Regimegegner, Kinder, Frauen, Männer, die diversen ethnischen Gruppen usw. Sind nicht Opfer alle Opfer? Warum muß man jetzt eine Opfergruppe über die anderen stellen?

Kurt Walther | Fr, 16. Juli 2021 - 12:42

Viele Deutsche fühlen sich heute gerne als Opfer von irgendetwas und irgendwem.
Ein niveauvoller Beitrag von Dr. A. Zinn, der präzise aufzeigt, was und wie es betreffs einer bestimmten Sache einst war und es in der Jetztzeit aus von bestimmten Gruppen verbogen wird.
Viele haben so ihre Probleme mit der historischen Wahrheit - vor allem an den Biertischen mangels Wissen. Diesmal aber kommt Unkorrektes aus "höheren" Kreisen, nicht zuletzt im Kontext der LGBTI-Bewegung.
Die "Sache", das ist der Umgang der einst regierenden Nazis mit Lesbierinnen. Es gab also laut Dr. Zinn keine Lesben-KZ. Dennoch soll in Ravensbrück für Lesben als Opfer speziell ein Denkmal installiert werden.
Ich halte gar nichts davon, dass bestimmte Opfer-Gruppen auf sich aufmerksam machen wollen. Das spaltet nur die Gesellschaft.
Es herrschten schlimme Verhältnisse in Hitlers KZs. Darüber sollte vorrangig immer wieder berichtet werden - auch die Details des täglichen Überlebenskampfes.

Markus Michaelis | Fr, 16. Juli 2021 - 12:51

will natürlich jeder dabeisein. So wollte jeder früher vaterländisch oder christlich sein, bis dahin, dass auch die Kanonen noch gesegnet wurden. Insofern ist es erstmal normal und zulässig, dass jede Gruppe um Anerkennung in den gerade aktuellen gesellschaftlichen Wertmaßstäben und Symbolen kämpft. Das führt dann auch regelmäßig dazu, dass Werte so verwässert und widersinnig werden, dass wieder etwas Neues kommt.

Wichtig scheint mir daher, dass auch immer die Kritik an allem mitläuft und wir nicht zu sehr in eine Gesellschaft reinrutschen, die absolute Wahrheiten verkaufen will. Sehr gerne mit gemeinsamen Werten, aber aus meiner Sicht immer mit der Interpretation, dass das unsere derzeitige Wahl für unsere Gesellschaft ist.

Im Moment nehme ich allerdings eine gewisse Tendenz in der (staatstragenden) Gesellschaft wahr, wieder mehr absolute, universelle, globale, nicht hinterfragbare Wahrheiten verkaufen zu wollen.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 16. Juli 2021 - 13:33

Was sich da im Kleinen, scheinbar kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen abspielt, wird auch in großem Stil bei anderen Themen gemacht. Ob Klima, Migration, Geldverschuldung, EU usw., überall das gleiche Muster. Tatsachen werden verdreht, Geschichte zweckgebunden "umgeschrieben", Kritiker verbannt, Menschen wahlweise zu Opfern oder Tätern gemacht, je nach politisch ideologischer Agenda. Die Wahrheit ist das, was Kleingruppen definieren und wohlfeile Medien kolportieren. Fakten interessieren nur dann, wenn es ins Weltbild passt. Nun, jetzt steht dieses Denkmal. Mir egal. Was und wer kommt als nächstes? Fragen sich diese vermeintlichen "Kämpfer" für Minderheiten eigentlich, ob die Betroffenen im heutigen Leben das so wollen? Wer finanziert das alles? Wer geht wegen dieses Denkmals letztlich dorthin? Ist nicht jeder dieser vom verbrecherischen System getöteten Menschen einer zu viel, egal welchen Grund die Tötung hatte? Eint die Opfergruppen nicht eines, nämlich der gewaltsame Tod?

Bernd Muhlack | Fr, 16. Juli 2021 - 16:18

Nun ja, im Vergleich zu dem Denkmal welches für Lady Diana erschaffen wurde, ist dieses Denkmal mMn eher gut.
Ich besitze jedoch keinerlei verwertbares Fachwissen was "Kunst" betrifft.

Diese Artikel qua queeren Gruppen sind in der Tat inflationär. Jede noch so winzige vermeintliche Diskriminierung muss öffentlich gemacht werden!

Nur soviel, ich schrieb das schon einmal:
damals während des Zivildienstes hatte ich eine lesbische Kollegin. Sie sah sehr gut aus, hatte sehr viel Humor und wir kamen super miteinander aus.
In jeder Beziehung!
Eine schöne Zeit, ewig her.

Meistens sind es auch in "Randgruppen" die internen Randpersonen, welche den meisten Krawall veranstalten.
Ich denke, dass die überwiegende Mehrheit kaum Probleme hat - siehe oben!

Schönes Wochenende!

Wolfgang Borchardt | Sa, 17. Juli 2021 - 07:43

wissenschaftlich fundierter Beitrag. Vielen Dank