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Der bulgarische Premier Boiko Borissov / dpa

Parlamentswahlen in Bulgarien - „Im Prinzip besteht die Junta fort“

Vorerst steht der Sieger der Wahlen in Bulgarien fest: Die Partei von Boiko Borissov. Einige Stimmen werfen der Regierung aber Korruption vor und fordern Neuwahlen. Der bulgarische Oligarch und Unternehmer Vasil Bozhkov erzählt im Interview von den Machtspielen der Regierung und was er sich von möglichen Neuwahlen erhofft.

Autoreninfo

Frank Stier ist Korrespondent für Südosteuropa und lebt in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

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Vasil Bozhkov aka Tscherepa (Schädel) ist ein bulgarischer Oligarch und Unternehmer. Mit Valuta-Handel im Umfeld des legendären Cafés Magura auf Sofias Boulevard Vitoscha legt der diplomierte Mathematiker in Bulgariens Wendezeit 1989/1990 den Grundstock seines Vermögens. Als Präsident seiner Nove Holding mit Geschäftsaktivitäten in Tourismus, Bau und Glücksspiel wird er in den 1990er zu einem der schillerndsten Unternehmer in Bulgariens Wild-West-Kapitalismus. Im Jahre 2008 listet ihn das polnische Nachrichtenmagazin Wprost als Reichsten der Bulgaren mit einem persönlichen Vermögen von 1,5 Milliarden $.

Boschkov war zuletzt Eigentümer des bulgarischen Fußball-Traditionsvereins Levski Sofia und plante, für seine Sammlung archäologischer Artefakte der antiken Thraker die Eröffnung eines Museums in Sofia. Obwohl sich um seine Person seit vielen Jahren Legenden ranken und zahlreiche Verdächtigungen illegaler Machenschaften kursieren, bleibt er über 30 Jahre von der bulgarischen Justiz unbehelligt.

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Ernst-Günther Konrad | Di., 13. April 2021 - 11:45

Wann werden die in Deutschland lebend Clan-Chefs interviewt, damit wir alle erfahren, wie bösartig und ungerecht man mit ihnen hier in "ihrem" Staat umgeht? Werden die Clans hier, demnächst auch eine Partei gründen? Familienmitglieder haben sie ja genug, die sie wählen.
Das der Cicero ein solches Interview hierzu veröffentlicht, verärgert mich sehr. Das ein solcher Mensch seine kriminellen Machenschaft mit politischen Argumenten rechtfertigen darf ist für m ich ein Skandal.

Bernhard K. Kopp | Di., 13. April 2021 - 16:30

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

Das alte West-Europa hat seit mehr als 25 Jahren dreistellige Milliardenbeträge an Fluchtkapital zweifelhafter Herkunft mit dem fadenscheinigen Argument aufgenommen, dass Geldwäsche ein subsidiäres Delikt sei - dass also im Herkunftsland zumindest eine strafrechtliche Untersuchung bestehen müsste, Vorzugsweise auch ein internationaler Haftbefehl, um das " schöne Geld, das nicht stinkt " als zweifelhaft einzuordnen. Das galt schon vor 40 Jahren für " reiche Griechen ", und dann eben für alle, die seit den 90ern dazugekommen sind. Wenn die Oligarchen sich zivil benehmen, und ihre Bodyguards die Kalaschnikows im Kofferraum lassen, dann steht einer Rechts- und Investitionsberatung erster Qualität nichts im Wege. Europapolitisch ignorieren wir, dass der wirtschaftliche Mehrwert, der mit allen EU-Förderungen geschaffen wird, mehrheitlich von den lokalen Eliten abeschöpft und exportiert wird. Freude schöner Götterfunken.

Bernd Muhlack | Di., 13. April 2021 - 19:34

Antwort auf von Bernhard K. Kopp

Janosch und seine genialen Kinderbücher!

Ob Janosch ebenfalls qua seiner Literatur ein Oligarch wurde?
Eher nicht, oder?

Ich hänge den Herrn Abramowitsch dran ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Eclipse_(Yacht)

Als bekennender Nichtschwimmer bin ich der Ansicht, dass ein Schiff gar nicht groß genug sein kann!
Sogar Rettungshubschrauber!
worst case- Houston we have an emergency!

Geldwäsche - Manus manum lavat...
Das erinnert etwas an Pontius Pilatus, oder?

Kalaschnikows im Kofferraum sind doch mega-out!
Das ist etwas für Tschetschenen & people of color!
https://www.welt.de/politik/ausland/article209715217/Dijon-Bandenkrieg-…

Heut zu Tage fällt ab und an mal jemand "tot vonner Parkbank", gell?
Vergleiche Tatort Münster: Mord ist die beste Medizin.

"Freude schöner Gotterfunken" hätten damals Angie und Hillary liebend gern ensemble intoniert.
Okay mit Trump wollte sie nicht singen!

Juliana Keppelen | Di., 13. April 2021 - 16:52

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

Ich finde es eher mutig so ein Interview zu veröffentlichen. Ich selber schwankte auch zwischen ärgern und lachen habe mich für das letztere entschieden. Der arme Oligarch wird in seinen Geschäften gestört von einem Clanchef der zufällig Chef der Regierung ist und nun ist das Tischtuch zerrissen und der Clanchef muss weg damit der ausgebremste Oligarch und wahre Menschenfreund seine Vorstellung von Demokratie und Menschenrechte, unabhängiger Justiz, Pressefreiheit und ganz wichtig Steuergerechtigkeit usw. umsetzen kann, Geld von der EU abgreifen niemals. Ich erinnere mich an die großen Demonstrationen gegen die Regierung war aber unseren Medien kaum berichtenswert die waren damit beschäftig Belarus zu retten. Ach und die EU und unsere Regierung haben die Demonstrationen auch übersehen denn merke, Bulgarien ist Nato- und EU-Land da muss man nicht mehr putschen. Die Regierung Borissow sollte weg aber ein Chodorchowskiverschnitt ist ganz sicher nicht die Rettung.

Bernhard Homa | Di., 13. April 2021 - 22:57

An dieser Stelle möchte ich doch mal Herrn Stier für seine stets lesenswerten Berichte aus Osteuropa danken - man erfährt doch vieles aus einer Region, über die der gemeine West-/Mitteleuropäer üblicherweise wenig weiß (obwohl EU!). Gut, ich muss zugeben: die teils haarsträubenden Berichte über Korruption u.a. (ich erinnere mich an "Gold und Pistolen" 2020) sind durchaus, trotz ihres ernsten Hintergrundes, als abendliche Belustigung geeignet. Den Bulgaren kann man da nur alles Gute wünschen - und Herr Stier sollte eifrig weiter berichten, denn die EU-Kommission scheints da mit der Kontrolle der Rechtsstaatlichkeit bisher nicht allzu genau zu nehmen ...

Die EU Kommision hat keine Zeit sich um die EU Ländern zu kümmern. Die ist voll damit beschäftig sich um nicht EU Staaten zu kümmern oder jetzt vorrangig um "Sofagate" (wobei protokolarisch alles richtig lief der Ratspräsident/in steht über Kommissionspäsident/in). Viel Zeit braucht man auch um das schöne Geld zu verteilen und vor allem um diverse Sanktionen auszukungeln usw. da kann man sich nicht auch noch um die Defizite innerhalb der EU Länder kümmern.