Sturm auf Churchill: Demonstranten auf dem Parliament Square/dpa
Sturm auf Churchill: Demonstranten auf dem Parliament Square/dpa

Rassismusvorwürfe gegen Churchill - Raserei statt Reflexion

Erst Greta, dann die Corona-Wutbürger– und jetzt die Rassismus-Rebellen. In Großbritannien stürzen sie Denkmäler von prominenten Persönlichkeiten vom Sockel, die des Rassismus beschuldigt werden. Jetzt hat es Winston Churchill getroffen. Wer kommt als nächstes?

Autoreninfo

Christoph Schwennicke war bis 2020 Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Als im mittelenglischen Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston im Hafenbecken versank, da dachte ich noch: Na gut, Bristol, ein Sklavenhändler vom Sockel geholt, das passt irgendwie. Bristol ist so etwas wie das britische Kreuzberg, nur mit Meerzugang. Junge Leute zieht der Ort magisch an, er ist hip, Banksy kommt von dort. Oder wird jedenfalls als von dort kommend vermutet. 

Aber als Sadiq Khan Winston Churchill am Parliament Square in London in einem Bretterverschlag verschwinden ließ und Nelson Mandela und ein paar andere Standbilder in der britischen Hauptstadt gleich noch mit, da dachte ich, jetzt drehen offenbar alle durch, und Londons Bürgermeister macht dabei mit. 

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Michaela 29 Diederichs | Mo., 15. Juni 2020 - 08:37

Die Römer und ihre Hinterlassenschaft müssten wir demnach wohl auch in die Tonne treten, oder? Die Ägypter und ihre Pyramiden gleich mit. Langsam wird es gruselig auf dem Planeten. Danke für Ihren Artikel.

Christoph Kuhlmann | Mo., 15. Juni 2020 - 08:51

Konflikt, der sich nicht mehr entlang von Einkommensgrenzen vollzieht oder klassischen Milieus, sondern entlang von Funktionssystemen, die Niklas Luhmann in seiner Systemtheorie beschrieb. Dabei sind die Mehrheitsverhältnisse, je nach Funktionssystem höchst unterschiedlich gelagert. Währen wir in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ein eindeutiges links-liberales - progressives Übergewicht haben, auch hier wieder nach einzelnen Fakultäten differenziert,(bei den Historikern/Philosophen würde ich noch ein ? setzen) Ist die Akzeptanz von unreflektierter Gewalt, so sie denn links-liberal-progessiv motiviert ist im Nachrichtensystem nicht zu übersehen. Wobei eine Rechtsgüterabwegung oder differenzierte Darstellung der sozialen und psychologischen Situation der Betroffenen nicht stattfindet. Insofern sind die Nachrichten einer der Hauptfaktoren, die immer neue Flashmobs hervorrufen und die Situation verschärfen ohne zu konstruktiven Lösungen beizutragen.

Für die Schaffung gleichberechtigter Lebensgrundlagen – unabhängig von der Herkunft, Geschlecht und Hautfarbe der Menschen – bedarf es der Umwandlung aller sozialen (sozioökonomischen) und gesellschaftlichen Lebensverhältnisse in den Vereinigten Staaten, so aber auch in Deutschland und Europa, und/bzw. weltweit.

Die sozialen und materiellen Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Entwicklung aller Menschen in der Gesellschaft müssen gewährleistet werden. Dafür bedürfen die Eigentums-, Kapital- und Vermögensverhältnisse eine tief greifende Veränderung und Umwälzung in der ganzen Gesellschaft.

Es bedarf menschenwürdige Wohnverhältnisse. Eine auskömmlich bezahlte Erwerbsarbeit. Einen uneingeschränkten Zugang aller Menschen, ob mit oder ohne Erwerbsarbeit, zu einem gleichwertigen und kostenfreien Gesundheitsschutz. Eine menschenwürdige Alterssicherung für alle (unteren) sozialen Bevölkerungsgruppen.

PS: Ohne eine Umgestaltung der Eigentums- u. Vermögensverhältnisse geht es nicht.

"Ohne eine Umgestaltung der Eigentums- u. Vermögensverhältnisse geht es nicht." Sie sprechen es nicht direkt aus, Herr Schramm, meinen Sie Volkseigentum? Das habe ich persönlich erlebt. Es war eigentlich Staatseigentum. Nun lese ich an anderer Stelle: Ja, wir wollen einen neuen, einen demokratischen Sozialismus. Wir lernen aus den Fehler der DDR. Aus welchen? Die größte Fehlerstelle des Sozialismus ist der Mensch. Der eigennützige, egoistische Mensch. Wir haben aber keinen anderen; von ein paar wenigen, selbstlosen Idealisten mal abgesehen. Gut, man kann den Menschen zu seinem sozialistischen Glück zwingen. Funktioniert aber nicht sehr lang. "Volkseigentum", das ist meine persönliche Erfahrung, birgt die Gefahr der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ineffizienz. Die den Kapitalismus kohärenten Stimuli, darf der Sozialismus nicht nutzen. Es sei denn, es ist ein Sozialismus mit kapitalistischen Kern, wie in China. Man kann dieses Thema hier nicht erschöpfend behandeln.

ist das geringere Übel. Viel schlimmer ist die Willkür vor der es in einer volksdemokratischen Republik kein Entkommen gibt außer man flüchtet in ein anderes Land mit anderer Gesellschaftsordnung.

Herr Schramm, wie stellen Sie sich das in der Praxis vor?

Was heißt den "Dafür bedürfen die Eigentums-, Kapital- und Vermögensverhältnisse eine tief greifende Veränderung und Umwälzung in der ganzen Gesellschaft"? Wie genau sollen den diese tiefgreifenden Veränderungen umgesetzt werden? Woher glauben Sie, die Legitimation dafür zu bekommen? Und woher wollen Sie wissen, dass genau Ihr Vorschlag zu den gewünschten Veränderungen führt?

gabriele bondzio | Mo., 15. Juni 2020 - 08:52

Nein, Herr Schwennicke, dass müssen Sie nicht!
Auch wenn eine Vielzahl (junger Menschen) Maß und Verstand vermissen lassen. Und regelrecht, spekulativ, angeheizt werden durch verschiedene Presseartikel. Heute früh beim Gang ins Internet, las ich bei den von Pocket empfohlenen Artikeln,mit einem Auge. Was wenn Trump die Wahl verliert, aber nicht gehen will.“Gewalt ist denkbar, sogar wahrscheinlich“.
Hier wird der geneigte Leser, erneut in Wut versetzt.
Makel werden sich immer finden lassen, auch an großen Persönlichkeiten, Schriftstellern usw. der Vergangenheit.
Eine Entwicklung, die mir Sorge bereitet.

auch an großen Persönlichkeiten, Schriftstellern usw. der Vergangenheit." – Was bedeuten würde, dass man (besonders junge Menschen im Geschichtsunterricht – heißt das heute noch so?) sich nicht mehr mit einer Persönlichkeit der Geschichte (gilt noch) auseinandersetzt, sondern von vornherein in "Gut und Böse" aufteilt – die einen auf den Sockel, die anderen runter vom Sockel. Hätte dann mehr von Maos Kulturrevolution als von Geschichte, mit der man sich auseinandersetzt, kritisch und auch mit eigener Sichtweise, das muss erlaubt sein, oder?

Sie sollten dieses Interview mit einem renommierten amerikanischen Rechtsexperten mit beiden Augen lesen. Darin wird ziemlich plausibel dargelegt, wie Trumps Rhetorik bereits gewirkt hat und welche Auswirkungen sie im Fall einer Wahlniederlage im November haben könnte. Gerne erinnere ich an Trumps Gewaltaufrufe während des Wahlkampfes 2016, sein Lob für bewaffnete Milizen, die in die Michigan State Legislature eindrangen, seinen Retweet ("Nur ein toter Demokrat ist ein guter Demokrat") und natürlich den Ku-Klux-Klan, der Trump wieder unterstützen wird.

In der Tat, sehr Besorgnis erregend...

gabriele bondzio | Mo., 15. Juni 2020 - 21:09

Antwort auf von Kai-Oliver Hügle

bitte erinnern sie mich, wenn Trump sich weigert sein Amt abzugeben. Vorher sehe ich in der Behauptung nur reine Spekulation, auch wenn sie noch so renommiert ist.
Erinnern sie sich doch bitte auch, was vor seiner Wahl in DE`s Blätterwald für ein Sturm entfacht wurde.

Klaus Funke | Mo., 15. Juni 2020 - 09:02

Nein, ich bin noch nicht dahinter gekommen, was diese neuen Anti-Rassismus-Aktionen bedeuten. Sind sie gelenkt? Wer steckt dahinter? Oder ist es einfach eine neue Art von Massenhysterie? Wir müssen mal die Uhren zurückdrehen. Der getötete Floyd, so bedauerlich sein Tod ist, war ein mehrfach vorbestrafter Krimineller. Taugt so einer zum Idol? Warum Denkmalsstürze? Man wird doch seine Geschichte nicht los, indem man Denkmäler umstürzt oder schändet. Was soll das Ganze? Sollen wir eingeschüchtert werden? Wer Schwarze ablehnt, ist ein Rassist? Sollen wir für eine Masseneinwanderung aus Afrika, organisiert von NGO´s und der UNO, reif gemacht werden? Soll der zu erwartende Protest auf diese Weise totgemacht werden? Rassismus, das neue Schlagwort in einer Reihe von Schlagwörtern der letzten Zeit, Corona-Leugner, Klima-Leugner, Migrationshasser, Judenhasser, Merkelhasser... ich erkenne weder in der Bevölkerung noch in Behörden oder der Polizei irgendeinen Rassismus. Das ist herbeigeredet!

Werner Gottschämmer | Mo., 15. Juni 2020 - 13:10

Antwort auf von Klaus Funke

Herr Funke Sie stellen die richtigen Fragen und ziehen aus meiner Sicht auch die richtigen Schlüsse. Jedenfalls wenn man an Verhältnismäßigkeit glaubt. Weil Verhältnismäßig ist hier gar nichts. Darum ist auch der Versuch einer von Vernunft geprägten Diskussion für den Eimer. Wie nennt man es wenn der Gegenüber vorgibt in eine offene Diskussion gehen zu wollen, und Probleme bestenfalls zu lösen, aber sein Plan, den er nicht offenlegt, in vollem Gang ist?

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 15. Juni 2020 - 14:02

Antwort auf von Klaus Funke

ganz einfach, weil ich auch nicht frei von Animositäten bin, andererseits, Rassismus trifft es nicht und deshalb würde ich Ihnen hier im Kern recht geben.
In den USA ist das Level der Auseinandersetzung zwischen "Ordnungshütern" und "Kriminellen" evtl. jedoch um einiges höher.
Beides setze ich in Anführungsstriche, denn die im Cicero beschriebene Ausbildung reicht m.E. nicht zu einer derartigen Qualifizierung, andererseits ist das Spektrum ziviler "Willkür" in den USA auch evtl. höher, so dass sich manches hochschaukeln kann.
Die schiere Größe des Landes mitsamt relativ geringer Bevölkerungsdichte ermöglicht dann noch einmal ganz andere Möglichkeiten der Segregation, so dass evtl. wirklich viel mehr in den USA im Argen liegt, als wir es glauben.
Und dennoch "beobachte" ich eine zumindest von weitem passende Mobilisierung in Bezug auf LEIDER "tägliche" Vorkommnisse.
Bei Herrn Floyd "passte" evtl. das "I can´t breathe" zu Corona und dem Wahlkampf.
Hoffentlich nur ein Zufall.
Unbehagen

Gerhard Lenz | Mo., 15. Juni 2020 - 14:48

Antwort auf von Klaus Funke

So einer taugt nichts zum Idol. Wir sollen eingeschüchtert werden, ja man will uns sogar das "Privileg" absprechen, Farbige aufgrund ihrer Hautfarbe abzukanzeln. Alles Methode zur Einschüchterung des "weissen Herrenmenschen"!

Und jetzt sollen auch noch die Zeugen einer strahlenden Vergangenheit aus dem öffentlichen Leben getilgt werden: Militaristen, Sklavenhalter, hier und da Täter, die zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen haben. Distanz zu unrühmlicher Vergangenheit ist nicht gefragt. Festhalten daran schon.

Rechte Aktivisten arbeiten eifrig an der Demontage des getöteten George Floyd. Deutsche Rechtsausleger stossen, wie man sieht, ins gleiche Horn.
(www.kurier.at).

Was ist denn schon passiert? Irgendein Strassenpolizist hat an Floyd nach eigenem Gutdünken die Todesstrafe ausgeführt. Auf Floyds "Ich bekomme keine Luft" antwortete der "Gesetzeshüter" angeblich mit "I don't care".

War ja nur ein Vorbestrafter...

Immerhin: Jetzt lautet die Anklage auf Mord.

Ironie Ende.

Hans Jürgen Wienroth | Mo., 15. Juni 2020 - 09:05

Wenn die „Rassismus Proteste“ alte Kulturdenkmäler zerstören, ist das dann etwas anderes als die Zerstörung von Palmyra durch den IS? Wird mit dem Rassismus der nächste totalitäre Bürgerkrieg angefacht? Der IS hatte als Legitimation den Glauben, beim Rassismus ist es die Ungerechtigkeit, die der Benachteiligte fühlt. Genügt ein Gefühl, um einen Krieg auszulösen?
Kann man die Bedrohung von Synagogen in unserem Land durch radikale Einzeltäter oder kleine Tätergruppen mit der Bedrohung von Denkmälern durch eine große, aufgeheizte Menschenmenge vergleichen? Reicht eine Handvoll Polizisten, um diese Menschen in Schach zu halten? Sollen sie sich mit Waffengewalt schützen oder gleich mit lynchen lassen?
Bei all den weltweiten Protesten frage ich mich: Cui bono? Wer zieht hier die Fäden? Denn große „Protestwellen“ gibt es derzeit weltweit, wogegen auch immer.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 15. Juni 2020 - 09:05

wenn sich diese "Ströme" nicht alleine bewegen, alles andere will ich aushalten.
Wie weit das in England gehen wird, liegt nicht zuletzt beim Premier und den Besonnenen im Lande, gleich welchen Herkommens.
Schmückte Johnson sich nicht mit Churchill?
Wird er Politik gestalten oder scheitern?
Andererseits sind "emotionale Ausbrüche" zur Gänze nur mit hohem Polizeiaufkommen und rigider politischer Haltung zu verhindern.
Sie haben aber auch ihre Berechtigung und Statuen kann man wieder errichten.
Um es einmal ein bisschen zu übertreiben, "gewaltige Politker" können meist mit Gewalt umgehen, ihr begegnen.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 15. Juni 2020 - 09:27

Als die verbrecherischen Nazis an die Macht kamen, wurden Menschen gejagt und ermordet, Bücher verbrannt, ihnen ihr Eigentum geraubt, Kinder entzogen, ihre Symbole und Zeichen vernichtet usw.
Sind das in Bristol alles Nazis oder Kommunisten? Oder ist man, wenn man für die "gerechte" Sache vorgibt zu sein, einfach nur ein selbstreflektierter guter Mensch, der sich anmaßt, die Geschichte mit allen ihren Erinnerungen "auszulöschen"? Das nenne ich Selbstzerstörung aller erster Güte. Wer seine eigene Geschichte auf die Weise meint auszulöschen, vergisst, dass andere auch diese Geschichte kennen und nie alle Bücher und andere Erinnerungen vernichtet werden können und auch nicht de Gedanken. Tote können sich nicht wehren. Genauso, wie es jetzt dort in London und in Teilen auch bei uns in DE moralideologisch läuft, genauso fingen immer Revolten und Bürgerkriege an. Die Wahl der Mittel sind immer gleich, ob Faschisten oder Kommunisten. USA, GB, DE, das soll alles Zufall sein? Uffpasse

Wusste ich doch. Klang doch gut, Adolf-Hitler-Platz, oder? Und warum musste ausgerechnet die Joseph-Goebbels-Schule einen neuen Namen bekommen? Es gibt ja noch weitere schöne Beispiele. Hindenburg war als Namesgeber sehr beliebt, auch von Papen. Alles ausradiert, "namensmässig". Welche Barberei!

Schliesslich waren die doch auch Teil unserer erfolgreichen tausendjährigen Geschichte (Gauland)! Wann gibt es endlich die erste Bjorn-Hoecke-Allee? Irgendwo im dunkleren Osten vielleicht? Ist schliesslich auch Teil unserer Kultur. Und unsere Kultur ist grundsätzlich schützenswert, gleich ob neu oder alt, ob humanistisch, oder mit dem Tod von 60 Millionen Menschen verbunden.
Wäre ja noch schöner. Gauland meinte ja auch schon, er wolle endlich auf die Wehrmacht ganz öffentlich stolz sein.

Ernsthaft: Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bedeutet, jene Etappen einer Würdigung zu entziehen, die es nach heutigem Empfinden nicht verdient haben. Also, weg damit. Und zwar flott.

Ernsthaft: Wer bestimmt und definiert das 'heutige (gesunde Volks-) Empfinden'. Sollte über die Frage, wem 'die Würdigung zu entziehen' ist, nicht in irgendeiner Form abgestimmt werden? Ein demokratischer Rechtsstaat hat dafür Verfahren.
Es kann nicht sein, daß die Entscheidung über diese Frage jene treffen, die aktuell gerade die stärkeren, schnelleren und skrupelloseren Schlägertrupps auf der Straße haben. Das wäre ein Rezept zum Bürgerkrieg, in dessen erste (anarchische) Phase wir in diesen Tagen mglw. gerade eintreten (gewaltsame Ausschaltung der staatlichen Polizei).
Ihre Äußerung provoziert außerem zwei Gegenfragen:
Hat nicht jede Etappe/Epoche Dinge und Personen hervorgebracht, die bewahrenswert sind (und andere Dinge und Personen, die verwerfenswert sind)? Welche Etappe/Epoche ist denn in IHREN AUGEN bewahrenswert (außer der kommunistischen)?
Zu Personen Hindenburg hat Götz Aly in der Berliner Zeitung gerade an (bisher vergessene und ausgeblendete) Fakten erinnert.

wäre es, in die Zukunft zu schauen und zu versuchen, es besser zu machen. Symbole des Vergangenen zu zerstören, Bücher und Sprache zu "säubern" ist dumm und sinnlos und weiter nichts als Zerstörung.

In diesem Zukunfts-Buch besteht die Aufgabe der Feuerwehr darin, Bücher zu verbrennen, da diese zum unerwünschten, selbständigen Denken anregen. Aber auch wenn alle Bücher verbrannt sind, gibt es im Wald Widerstandskämpfer, von denen jeder ein Buch auswendig kann.

Urban Will | Mo., 15. Juni 2020 - 10:00

beim Sturm auf das Churchill – Denkmal, sehe ich nur junge Menschen.
Beängstigend.

Es macht wohl wenig Sinn, diesen Gesinnungs - Besessenen zu erklären, dass ohne diesen Mann vielleicht heute das Hakenkreuz über dem Palace of Westminster wehen würde.
Deren Geschichtskenntnisse werden kaum weiter zurückreichen als zum Abschluss des letzten Handy – Vertrages...

Gesinnungspflicht.
Eine Seuche, die sich zusehends in die Institutionen verlagert.
Ihr Bild von den „Diskussionen“ dieser Zeit, den Einladungen zu genehmen Antworten, passt so gut.
Doch die Geschichte ist geduldig. Diese Zeit wird vorüber gehen. Man wird zurückblicken und feststellen, wie arrogant es war, auf die Zeit vor dieser Zeit, nämlich die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, vom Thron der „moralischen Überheblichkeit “ herab geblickt und sich selbst und der Gesellschaft suggeriert zu haben, dass einem selbst so etwas nie passieren könnte.

Manfred Bühring | Mo., 15. Juni 2020 - 10:04

Während der maoistischen "Kulturrevolution" waren es die jungen Garden (heute würden wir sagen "Generation Schneeflöckchen"), die hemmungslos alles, ob Mensch oder Statuen oder Bücher, was der vermeintlich guten Sache im Weg stand, niedergemacht haben. Wer nicht "Mainstream" war, wurde in Umerziehungslager gesteckt.
Wir sind auf dem besten Weg, diesem Kulturmaoismus nachzueifern, alles mit der Begründung, die Welt zu retten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 15. Juni 2020 - 14:22

Antwort auf von Manfred Bühring

von dem darf man sich sicher trennen.
Da hat Herr Lenz recht.
Deshalb stehen bei uns bestimmte Dinge zurecht auf dem Index.
Ich weiss jedoch nicht, wie auf einmal nach 70 Jahren wunderbarer Geschichte der Bundesrepublik und einer wunderbaren friedlichen Revolution in der DDR plötzlich überall nur das Schlimmste lauert.
Mein persönlicher Eindruck geht in Richtung jeweilige "Verlierer" der beiden Entwicklungen, also auch nach rechts, aber auch vermutet in Richtung mancher Politiker, politische Prozesse nicht richtig einordnen zu können.
Und so beschwört jeder seine "eigene" Apokalypse?
So langsam interessieren mich die verschiedenen "Apokalypsen" nicht mehr, ich frage mich eher, ob sie auch ein Symptom darstellen, als was gemeint sein könnte.
Da Intellektualität zugunsten Betroffenheit und Fühligkeit fast völlig fehlt, ist es evtl. stärker bei den Jüngeren, aber eben auch nicht meine Welt.
Das sagt mir viel darüber, wie ich evtl. gelenkt wurde.
Denken wird überleben, vielleicht.

Hans Jürgen Wienroth | Mo., 15. Juni 2020 - 10:23

Wenn die „Rassismus Proteste“ alte Kulturdenkmäler zerstören, ist das dann etwas anderes als die Zerstörung von Palmyra durch den IS? Wird mit dem Rassismus der nächste totalitäre Bürgerkrieg angefacht? Der IS hatte als Legitimation den Glauben, beim Rassismus ist es die Ungerechtigkeit, die der Benachteiligte fühlt. Genügt ein Gefühl, um einen Krieg auszulösen?
Kann man die Bedrohung von Synagogen in unserem Land durch radikale Einzeltäter oder kleine Tätergruppen mit der Bedrohung von Denkmälern durch eine große, aufgeheizte Menschenmenge vergleichen? Reicht eine Handvoll Polizisten, um diese Menschen in Schach zu halten? Sollen sie sich mit Waffengewalt schützen oder gleich mit lynchen lassen?
Bei all den weltweiten Protesten frage ich mich: Cui bono? Wer zieht hier die Fäden? Denn große „Protestwellen“ gibt es derzeit weltweit, wogegen auch immer.

Christa Wallau | Mo., 15. Juni 2020 - 11:08

... in der Politik.
Wenn "richtige" Gesinnung/Haltung wichtiger werden als Vernunft, Recht u. Gesetz, dann beginnt über kurz o. lang der Furor derer, die sich für die besseren Menschen halten.
Wenn Ideologen (Weltverbesserer) - welcher Art auch immer - das Volk aufputschen u. dadurch bestimmen, was geschieht/unterbleibt, dann endet das immer in der BARBAREI - so lehrt es die Geschichte.
Lassen wir die USA u. das UK aus dem Spiel u. schauen wir nur auf Deutschland: Hier regiert seit langem eine Kanzlerin mit ihrer Entourage, die
es angeblich m o r a l i s c h nicht verantworten kann, weiter Atomkraftwerke zu betreiben, die Grenzen vor willkürlicher Einwanderung zu schützen, Islamismus u. linken Terrors zu verhindern, Greta u. FFF in ihre Schranken zu weisen, in der Pandemie eine rationale Güterabwägung vorzunehmen, ihre Polizei vor Diffamierung zu schützen usw.
Sie ist eine von Moralisten ("Gutmenschen"/Grünen/NGOs u. deren Mitläufern) Getriebene.
Gutes Regieren sieht anders aus.

Unser GG und die daraus abgeleiteten Gesetze sind nicht mehr und vor allem nicht weniger als in Buchstaben gegossene Abwägungen Und Ergebnisse unterschiedlicher moralischer, ethischer, sozialer und ökonomischer Vorstellungen vom Funktionieren von Staat und Gesellschaft in einer Demokratie. Über diese dann individuelle Moralkategorien zu stellen, wie es unsere Regierungen seit der fatalen Euro-Rettung zum Primat ihrer Entscheidungen gemacht haben, bedeutet das faktische Ende von Demokratie.

sind doch keineswegs Gegensätze. Richtig ist: moralisches Verhalten ist per se erst mal gut. Verhielte es sich anders - wäre moralisches Verhalten also abzulehnen - müsste man das Gegenteil, also "Amoral", oder wenigstens "Unmoral", als lobenswert auszeichnen.

Was natürlich Unsinn ist. Denn wie immer versucht die Foristin lediglich, Ziele und Forderungen des politischen Gegners zu diffamieren, indem sie diese mit einem "falschen Moralismus" begründet sieht.
Die Schuldigen sind natürlich, wie in fast jedem ihrer Beiträge, zunächst Frau Merkel und die Grünen, gefolgt von anderen "links-versifften", wie NGOs.

Gleichzeitig unterstellt sie, dass man an der Bekämpfung von radikalem Islamismus und linkem Terrorismus nicht interessiert sei (rechten Terror gibt es für sie, wie man weiss, ja fast gar nicht).

Die Realität ist, wie man weiss, eine andere. Heute wurde bekannt, dass der brandenburgische Landesverband der AfD vom Verfasssungsschutz beobachtet wird.

Moral in der AfD?

Moral ist immer zeitgeistgemäss und damit zutiefst subjektiv außer sie wird durch demokratischen Beschluss normiert und in Gesetze gegossen, und sobald Wertvorstellungen damit einhergehen in der Verfassung/Grundgesetz festgeschrieben. Nicht ohne Grund dürfen bestimmte Teile des GG nur mit 3/4 Mehrheit geändert werden, einfach um zu verhindern dass Modemeinungen die nicht den Rückhalt von erheblichen Bevölkerungsmehrheiten haben zu unveränderlichen Norm werden.

Politik sollte nicht moralisch handeln sondern sich einfach an Gesetze halten. Das würde reichen in Kombination mit einem unpolitisch zusammen gesetzten Verfassungsgericht.

Peter Gegesy | Mo., 15. Juni 2020 - 12:20

Zum legeren Umgang mit Tausenden von Morden, wenn sie einen nicht berühren, ein Beispiel aus dem „Tagesspiegel“ vom 06.05.2019:
„ „Südafrika : „Die Morde an weißen Farmern gehen zurück“
Und was ist die - statistische - Wahrheit?
Es gibt Morde an Farmern. Aber das ist erstens kein neues Phänomen - die meisten Morde gab es 2002, damals wurden 140 Farmer umgebracht. Seitdem ist die Zahl zurückgegangen, im Jahr 2018 waren es 64. Zweitens sind es nicht nur Weiße, die ermordet werden; zu ungefähr 30 Prozent sind schwarze Farmer betroffen. Und drittens: Die Motive der Täter sind nicht politisch.““
So einfach kann man das erklären. Und der Leser ist beruhigt und zufrieden! Also, „statistische Wahrheit“ verdeutlicht: Bei weniger als 10 % weißer Bevölkerung beträgt ihr Anteil an Mordopfern unter Farmern 70%. Aber, „only“ black life matters! Sonst verwässern wir unser Rassismusverständnis und verlieren unser klares Feindbild.
Hingegen ein ungeschönter, langer Art. im „Stern“ v. 16.09.17.

Hans Jürgen Wienroth | Mo., 15. Juni 2020 - 12:47

Wenn die „Rassismus Proteste“ alte Kulturdenkmäler zerstören, ist das dann etwas anderes als die Zerstörung von Palmyra durch den IS? Wird mit dem Rassismus der nächste totalitäre Bürgerkrieg angefacht? Der IS hatte als Legitimation den Glauben, beim Rassismus ist es die Ungerechtigkeit, die der Benachteiligte fühlt. Genügt ein Gefühl, um einen Krieg auszulösen?
Kann man die (vorhandene!) Bedrohung von Synagogen in unserem Land durch radikale Einzeltäter oder kleine Tätergruppen mit der Bedrohung von Denkmälern durch eine große, aufgeheizte Menschenmenge vergleichen? Reicht eine Handvoll Polizisten, um diese Menschen in Schach zu halten? Sollen sie sich mit Waffengewalt schützen oder gleich mit lynchen lassen?
Führen alle weiteren Äußerungen zur Nicht-Veröffentlichung, weil sie unter „Verschwörungstheorie“ fallen?

Markus Michaelis | Mo., 15. Juni 2020 - 12:56

Churchill war nach heutigen Maßstäben sicher ein Rassist. Ohne das Wort zu verwenden, würde auch ich manches heute anders sehen. Aber damals war damals und Geschichte ist keine lineare Entwicklung zum Licht - heute ist auch nur heute. Es bleibt seine nie zu vergessende Standhaftigkeit gegen Hitlerdeutschland . Wer das nicht sehen kann, macht auch nichts besser.

"Shakespeare, Platon, Sokrates": Herr Schwennicke, haben Sie den Mut und stellen in einem Artikel Luther in die rassistische, menschenverachtende Ecke. Das ist zwar eigentlich genügend diskutiert, aber eben nicht mit gesellschaftlicher Breite und Furor. Luther bietet nun wirklich nicht nur ein, zwei Stellen, sondern breites Material für seine Einstellung, bei der der Mensch zu zertreten ist (und Juden durchaus nicht zuletzt), wenn er Gottes Plan im Weg ist.

Ich schätze Luther: aber das sind die relevanten Diskussionen, die nicht nur bürgerlich wohlfeil sind, sondern die Gesellschaft voranbringen (... mehr abzuwägen).

Sprache und Politik der Hocharistokratie ist nicht immer leicht zu entziffern.
Für mich entscheidend, dass Churchill Hitler einzuschätzen wußte, obwohl er laut Wiki sowohl in Mussolini als auch Hitler interessante Ansätze zu entdecken glaubte, vielleicht der historischen Bedeutung entsprechend, aber nicht der meisten ihrer Protagonisten.
Die Katastrophe des Faschismus war auch genau diese Art Führer, die nach oben gespült wurden.
Mein Großvater sah das auch, was Hitler WAR und nicht, was das damalige deutsche Volk in ihm sehen SOLLTE.
Johnson führt die Briten aus der EU, was auch strategische Gründe haben kann und das wird evtl. auch so bleiben, solange die EU nicht sicher ist vor "Alleingängen", sei es empathisch oder Schulden-beladen.
Ich beginne die politische Klasse bei Johnson zu sehen, was er durch sein "Gehabe" erschwert, aber als ob ich je viel Wert darauf gelegt hätte.
Hocharistokratie bedeutet nicht selten, dass man PLÄTZCHEN an der Sonne ablehnt, den eigenen Morast vorzieht

Bernd Muhlack | Mo., 15. Juni 2020 - 17:23

ich wurde 1961 im wunderschönen Koblenz geboren; vereinzelt noch Trümmer in den Straßen.
E Schängelsche!
Und das Deutsche Eck ohne Kaiser Wilhelm!
Zitat Wiki:
"Der ehemalige Verleger der Rhein-Zeitung, Werner Theisen, verpflichtete sich zusammen mit seiner Ehefrau Anneliese bereits am 14. November 1987, die Rekonstruktion des zerstörten Reiterstandbildes zu finanzieren und der Stadt Koblenz zu schenken. Dazu gründete er die Bürgerinitiative Deutsches Eck e. V. Das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer des Deutschen Ecks lehnte das Geschenk am 29. Januar 1988 mit dem Hinweis darauf ab, dass es weiterhin ein „Mahnmal der Deutschen Einheit“ bleiben müsse. Eine von Theisen im März 1988 in Auftrag gegebene Meinungsumfrage unter den Koblenzer Bürgern ergab, dass 80 % einer Rekonstruktion des Denkmals zustimmten."
Der Kaiser ist wieder da!

Am Konrad-Adenauer-Ufer stehen in unmittelbarer Nähe des Denkmals etliche Stücke der Berliner Mauer.
Ich sollte unbedingt mal wieder hinfahren, wunderschön!

Peter Lüders | Mo., 15. Juni 2020 - 19:27

Der französische Präsident Macron hat es gestern in seiner Ansprache die aktuellen Brennpunkte m.E. sehr gut auf den Punkt gebracht: Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung bekämpfen; eine Nation muss sich ihrer Geschichte stellen und sie aufarbeiten, dafür werden aber keine Standbilder entfernt; Die Polizei und Gendarmerie dient zur Sicherheit und der Freiheit! Er folgt in seiner Haltung Charles de Gaulle, der auch den Mut hatte "nein" zu sagen. Es gibt von diesen Persönlichkeiten leider immer weniger....