Cicero im Februar - Das Prinzip Greta

Ob Greta Thunberg und „Fridays for Future“ oder die Twitter-Diplomatie von Donald Trump – immer häufiger geben Kinder oder kindliche Verhaltensweisen den Ton in der Politik an. Und die Politiker hören mit eingezogenem Kopf zu. Von den Konsequenzen lesen Sie in der Februar-Ausgabe von „Cicero“

cicero-februar-kinderpolitik-greta-thunberg
Die Welt, wie sie mir gefällt

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Es gab eine Zeit, da kamen die Kinder einmal im Jahr ins Zentrum der Macht. Die Bundeskanzlerin und all ihre Vorgänger empfingen die Sternsinger und fanden für die jungen Besucher freundliche Worte. Es gab eine Zeit, in der Politiker Kindern gesagt haben, was diesem oder jenem kindlichen Wunsch im Wege steht. Wie im Frühsommer 2015, als Angela Merkel einem weinenden palästinensischen Mädchen in Rostock die Grenzen deutscher Flüchtlingspolitik erklärte.

Inzwischen geben die Kinder den Ton an. Und die Politik hört mit eingezogenem Kopf zu. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg schmettert den Vereinten Nationen in New York mit wutverzerrtem Gesicht ein „How dare you?“ entgegen. Die deutsche Galionsfigur der Fridays-for-Future-Bewegung, Luisa Neubauer, lässt den Siemens-Chef Joe Kaeser mit dessen absurdem Angebot auflaufen, in den Aufsichtsrat des Weltunternehmens aufgenommen zu werden. Und es ist nicht so lange her, als ein blauhaariger Blogger namens Rezo mit einem Youtube-Video die CDU das Fürchten gelehrt hat.

Mit der Infantilisierung der Politik geht eine Infantilisierung der Politiker einher. Die USA werden von einem Präsidenten regiert, der über Twitter komplexe Sachverhalte mit Zwei-Wort-Sätzen („so bad!“, „so sad!“) kommentiert und in seinem ganzen Gebaren an ein Kleinkind an der Quengeltheke erinnert.

Unser Autor Norbert Bolz geht dem Phänomen der regredierenden Politik auf den Grund, sucht die Ursachen und benennt die Folgen. Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff erkennt in den regressiven Erwachsenen eine Begleiterscheinung der Wohlstandsgesellschaft. Es sei „wie bei einem Kleinkind: Wenn es nicht von seiner Mutter entwöhnt wird, verlangt es noch mit fünf Jahren nach der Brust“.

Vielleicht hat das alles auch mit einer grassierenden politischen Gefühligkeit zu tun. „Das Herz bäumt sich schneller auf als der Verstand“, sagt Oscar Wilde, und die Liebe für die Leidenden sei „bequemer als die Liebe zum Nachdenken“. Kinder und Heranwachsende sollen gern ein heißes Herz haben und es jederzeit ausschütten. Aufgabe der Politik aber muss die Anstrengung bleiben, dem heißen Herzen einen kühlen Verstand zur Seite zu stellen. Alles andere ist unverantwortlich, wohlfeil, anbiedernd. Und lächerlich.

Cicero FebruarDieser Text ist in der Februar-Ausgabe des Cicero, die Sie am Kiosk oder direkt bei uns portofrei kaufen können.

Jetzt Ausgabe kaufen

 

 

 

Maria Fischer | Mi, 29. Januar 2020 - 15:39

Sie ist die falsche „Mutti“!
Frau Merkel setzt gezielt die emotionale Einbeziehung der Menschen/Kinder in den Mittelpunkt ihrer Politik und das unter dem Deckmantel der Vernunft. Seit 2015 kontinuierlich und je nach Bedarf, siehe auch Davos Rede.
Frau Merkel und die Grünen schrecken nicht davor zurück die größten Katastrophenszenarien heran zu zitieren, um ihre Ziele zu erreichen.
"Im Sinne der Kinder zu handeln" wird somit zu einem weiteren wirksamen Immunfaktor gegen Kritik von Außen.
Dermaßen verunsichert, werden vor allem junge Menschen ihrer Möglichkeit zur rationalen Kontrolle beraubt.
Angst, Ohnmacht und Depression sind die Folgen.
Trump agiert kindlich, benutzt aber keine Kinder zur Umsetzung seiner Politik.

S Bauer | Mi, 29. Januar 2020 - 16:06

Herr Bolz deutet es in seinem verlinkten Artikel an. Wir beobachten hier ein Versagen der vierten Macht im Staate. Als Beleg fuer diese schwierige These ermuntere ich alle mal zu googeln: "Fact check, Trump, Davos". Hier trifft sich die Creme de la creme der Medienwelt (NYT, BBC etc) zum Trump bashing. Gut so.
Jetzt googeln sie mal: "Fact check, Greta Thungerg, Davos"............
Auch der Cicero weist hier Mängel auf. Ich wuerde mir z.B. einen Artikel wuenschen in dem man den Einfluss des Abschaltens des AKW Philipsburg auf die deutsche CO2 Bilanz (inkl. Stromimport) untersucht. Und es gibt viele solche Themen die, meines Erachtens, sträflich ignoriert werden. Wäre doch eine tolle Schlagzeile:" Klimaregierung erhöht CO2 Ausstoss- weil Angst for Tsunami in Baden Wuerttemberg- wie ehrlich ist die Angst vor dem Klimauntergang?"

Eine sehr gute Frage, die ich mir auch schon eine ganze Weile stelle. Wenn es wirklich so ernst ist, wie allseits publiziert wird, ist es mir ein absolutes Rätsel, warum man zuerst die AKWs abschalten will. Das ist völlig irrational, populistisch, feige oder dumm. Ich wünsche mir mehr Rationalität und Ehrlichkeit in der Politik. Na, ich glaub ich träum schon wieder ;)

Außer den Finger in den Wind zu halten und zu schreiben, was potentiell am meisten provoziert und die meisten Klicks bringt. Allen voran diejenigen, die wir an sich extra dafür bezahlen, genau das nicht zu tun: die ÖR Medien. Sehen wir der Tatsache ins Auge: Wir müssen selbst aufbrechen und die Wirklichkeit beschreiben, wie sie ist, gegen den Widerstand der Medien.

Schön wäre zum Beispiel auch, wenn man die Bundesregierung mal fragen würde, wie viel Kohlenstoffdioxidausstoß alle deutschen Atomkraftwerke im Laufe ihres Betriebes bisher schon eingespart haben !
Und was sie bis zum Ende ihrer technischen Nutzungsdauer noch einsparen könnten !
Ich wette, da können alle aktuellen Autofahrergängelungen, Windmühlenbauten etc. nicht annähernd mithalten.
So gesehen sollten die deutschen Nuklearingenieure doch mit Klimapreisen überhäuft, und der Atomstrom dem Ökostrom zugeordnet werden, oder?
Was interessieren Endlagerprobleme im Salzstock, wenn wir nur noch wenige Jahre haben, um die Unbewohnbarkeit des Planeten abzuwenden.
Oder etwa doch nicht.....?
Aber wer sagt, mit Hysterikern könne man vernünftig diskutieren...
(pardon, Hysteriker*innen)

Ernst-Günther Konrad | Do, 30. Januar 2020 - 08:36

werden sie durch Wort und Bild von Kindern ersetzt. Wer widerspricht schon Kindern? Wer die Familien zerstört, jahrtausende gewachsene der Biologie und den Naturgesetzen unterworfene Rollen in den Elternhäusern aushebelt, braucht sich nicht zu wunden. Wo Mütter mitarbeiten müssen, weil der Verdeinst des Vaters nicht reicht, Kinder eben nicht mehr zu Hause erzogen werden, sondern bei Tagesmüttern, in der Kita , dem Hort und dann in der Schule, wo soll da das Vorleben und die menschliche Wärme und Elternwissen sinnvoll an die Nachkommenschaft übergeben werden. Die heutigen Eltern wollen ihren Kindern alles ermöglichen und überhöhen sie, betreuen sie als Helikoptereltern. Inhaltliche Auseinandersetzung mit Erziehung, Vorbild sein, Konsequenzen, Siegen und Verlieren lernen, Anstand und Respekt vermitteln, Kinder noch Kind sein lassen, wird alles gesteuert und zerstört. In der Werbung, in der Politik, in den Medien werden Kinder "missbraucht", um politische Ideologie zu vermarkten.

Paul Austen | Fr, 31. Januar 2020 - 16:36

Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, das wissen die Politiker, die CEOs und die Bürger. Eine theoretisch notwendige globale De-Industrialisierung mit lokaler Produktion des Notwendigsten ohne Autos, ohne Flugzeuge und ohne Schiffe reduziert zwar drastisch den CO2 Ausstoß, ist aber von keinem gewollt. Auf dem Weg dahin würden die Gesellschaften in unverantwortlicherweise destabilisiert, eine Welt ohne Wachstum, ohne Aktienmärkte, ohne Altersvorsorge und Steuereinnahmen ist kaum vorstellbar und nicht gewünscht.
Das die FFF Kinder jetzt die Hofnarren spielen und den Politikern und Bürgern den Spiegel ob ihrer Inkonsequenz vorhalten, hat einen gewissen Unterhaltungswert, führt aber zu nichts.
Wir sollten den aussichtslosen Kampf gegen den Klimawandel aufgeben und unsere Ressourcen bündeln um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu mildern und den Umweltschutz (Artenvielfalt, saubere Böden und Meere) vorantreiben.

Dr. Roland Mock | Sa, 1. Februar 2020 - 08:17

Jetzt vergleichen auch Sie, Herr Schwennicke, einen erfolgreichen amerikanischen Präsidenten, einen Macher vor dem Herrn, mit wohlstandsverwöhnten, wirren Jugendlichen? Nur weil Trump nicht lange intellektuelle Erörterungen abgibt, sondern knappe Zustimmung oder Ablehnung twittert? Enttäuscht mich ehrlich. Ist doch eher SPIEGEL- oder BUNTE- Niveau. Vielleicht sollte man weniger Physiognomie, Wortwahl und Frisur des U.S-Präsidenten betrachten, sondern schauen, was konkret er in seiner bisherigen Amtszeit verändert hat. Und ggf. auch jemanden hinzuziehen, der etwas von Wirtschaft versteht.