Verschissmus - Das Wort des Jahres

Kleiner Schreibfehler, großes Theater. Die ganze Republik redet über den „Verschissmus“, der auf das Konto einer Floristin geht. Höchste Zeit, dieser Frau einen Kranz zu flechten. Hat sie mit ihrer Wortschöpfung nicht endlich eine deutsche Übersetzung für den „Shitstorm“ gefunden?

Kranz der SPD für den Volkstrauertag
Endlich ein deutsches Wort für den Shitstorm / BAMH

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Wie es wohl der unbekannten Floristin geht, die da den Auftrag der SPD Mülheim telefonisch entgegengenommen hat und auf der Schärpe eines Trauerkranzes aus den Opfern des Faschismus Opfer des „Verschissmuss“ gemacht hat? Wenn es stimmt, was der Boulevard schreibt, hat sie ihren Job von sich aus gekündigt. 

Eine hochnotpeinliche Sache, vor allem für die Mülheimer SPD, die vielleicht mal einen Blick auf die Schleife hätte werfen sollen, bevor sie den Kranz abgelegt hat. 

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Tomas Poth | Do, 21. November 2019 - 15:04

ich würde den Begriff so stehen lassen wie er "geboren" wurde, so erscheint er mir besser geeignet für das Wort des Jahres.
Dieser Begriff hat auch das Zeug die gegenwärtigen Hass-Fronten zu beruhigen.
Aus der sich selbst so nennenden "Antifa" (wo bitte haben wir Faschismus in D?) wird somit nun die A n t i v e r. Das trifft es wirklich gut, denn alle die nicht RotGrün wollen und dagegen opponieren haben bei denen total verschissen.
Ein zweiter Gewinn aus der Kranzniederlegung.

Thomas Hechinger | Do, 21. November 2019 - 15:06

Mir fällt da das Blumenmädchen Eliza aus "My Fair Lady" ein. Es spricht einen Hinterhofdialekt, ein so grottenschlechtes Englisch, daß sich der Herr Professor Higgins über sie lustig macht und ihr mit professoraler Arroganz Sprachunterricht in Hochenglisch erteilt. Aber ist nicht Eliza Doolittle die klügere von beiden? Ihr fehlt die formale Bildung, aber sie hat das Herz am rechten Fleck und beschämt den Professor, indem sie seinen Standes- und Professorendünkel bloßstellt. Nun, auch der Floristin mag es an Kenntnissen der deutschen Rechtschreibung fehlen. Aber mit ihrer unfreiwilligen Aktion hat sie das mittlerweile sinnentleerte Ritual, am Volkstrauertag einen Kranz für die Opfer von Krieg und Faschismus "abzuwerfen", aufgedeckt. Es kann nicht sein, daß sie deswegen ihre Arbeitsstelle verliert. Ich hoffe, man denkt in der Gärtnerei noch einmal darüber nach oder besorgt ihr eine gute Stelle anderswo. Die Mülheimer SPD versagt, dran glauben muß aber eine Arbeiterin. Absolut verrückt.

Roland Völkel | Do, 21. November 2019 - 17:18

In reply to by Michaela Diederichs

ist doch sicher eine Grün-Wählerin? Da geht der SPD ja keine Stimme verloren. Die Stimmen, die diese Partei noch bekommt, kann man sicher baldmit zwei Finger abzählen.
Können sogar die Kids auf die Reihe bekommen, ohne ihr Smartphone zu zücken.

Gerhard Lenz | Do, 21. November 2019 - 22:44

In reply to by Roland Völkel

Sieht mir eher nach AfD aus. Jedenfalls ist das die Art von "Politikstil", die man von den Rechtsextremisten gewohnt ist.

Joachim Kopic | Sa, 23. November 2019 - 15:20

In reply to by Gerhard Lenz

da müsste sie auch noch ne eventuelle Ächtung durch den Bundespräsidenten befürchten - oder er schickt ihr ne Freikarte für ein Konzert von "Feine Sahne Fischfilet" ;)

Ja, so ist es: da lassen SPD'ler einen Kranz anfertigen u. niederlegen, sind aber offenbar zu desinteressiert, um dies persönlich zu tun u. dabei alles selber nochmals zu kontrollieren. Diese Art des Gedenkens scheint somit tatsächlich zu einem oberflächlichen, lästigen Ritual verkommen zu sein. Das ist das eigentlich Peinliche und Traurige. Als ebenso peinlich und taktlos gegenüber den Opfern des Kommunismus empfand ich übrigens auch die Errichtung einer 5 m hohen Karl-Marx-Statue in Trier im Mai 2018 im Auftrag u. unter Beifall der SPD. Zumal es sich auch noch um ein Geschenk Chinas handelte - ein Staat, welcher nicht gerade für die Einhaltung der Menschenrechte u. seine "soziale Demokratie" berühmt ist. Die SPD täte insgesamt gut daran, sich mehr auf die Zukunft zu konzentrieren u. die aktuellen Probleme hier im Lande zu lösen, statt sich nur oberfläch und taktlos mit der Vergangenheit zu befassen. Sonst hat die Partei bei den meisten Bürgern zu recht bald selber "verschissen".

Christoph Kuhlmann | Do, 21. November 2019 - 15:12

Das eine Floristin ausgerechnet bei einem Auftrag der SPD ihren Arbeitsplatz verliert ist doch mal wieder bezeichnend für die Entfremdung zwischen Werktätigen und Sozialdemokratie. Im übrigen hat der Verschissmus im Internet Tradition. Er ist dem Medium quasi in die Wiege gelegt worden. Millionen pickeliger Zwerge konnten sich, zum ersten mal in Ihrem Leben, hemmungslos auskotzen ohne dass irgendein "Tugendwächter" oder Raufbold von nebenan ihnen Sanktionen angedeien lassen konnte. Flames sind seitenlange Wutausbrüche mit den übelsten Beschimpfungen, die im Copy/Paste Zeitalter teilweise liebevoll gepflegt werden. Ich würde sie nicht gerade zur Kunstform erheben, aber es gibt da recht originelle Kreationen, die schon eine besondere Form der Lyrik darstellen. Mir ist allerdings immer noch nicht klar aus welcher Geisteshaltung die Autoren ihre Inspiration schöpfen. Bei unserer Rechtssprechung wird es sicher als Meinungsbeitrag gewertet jemanden als Verschiss(s)t/in zu bezeichnen.

Petra Horn | Do, 21. November 2019 - 15:48

Ein klasse Wort!
Treffsicher!

Andreas Schmidt | Do, 21. November 2019 - 19:50

In reply to by Petra Horn

Vielleicht ist der Fehler auch Ergebnis einer Rechtschreibkorrektursoftware plus ein Tippfehler auf der Smartphone-tastatur. Mir sind auch schon toll
e Wortneuschöpfungen auf diese Weise untergeschoben worden :-( .

Michaela Diederichs | Do, 21. November 2019 - 15:48

Ist Wolfgang Schäuble ein Opfer des Verschissmus und somit ein armer Tropf? Mit seiner Egoismus-Aussage haben sich mächtig viele Gallenblasen bei WON über ihn entleert. Danke, dass sie die Floristin hier würdigen. Diese herrliche Wort hat sich spontan durchgesetzt - jedenfalls bei sehr vielen Kommentatoren im Netz.

Norbert Heyer | Do, 21. November 2019 - 15:59

„Verschissmus“ eine wunderbare, einmalige Wortschöpfung, die mit einem einzigen Begriff den Zustand der SPD abbildet. Es steckt Verrat, Verachtung, Verkauf und Vernichtung darin, das Mittelteil ist eher derb, wie bei enttäuschten Malochern üblich, am Ende steht Sozialismus oder Kommunismus. Was manchmal doch ein Hör- oder Schreibfehler für herrliche Geschichten schreiben kann. Allerdings zeigt es auch ganz deutlich, dass alle anderen mehr oder weniger Beteiligten an dieser Posse sich diesen Kranz und seine Schleife nicht angesehen haben, um den Lapsus zu bemerken. Ein Auftrag wird erteilt, die Arbeit wird delegiert, der Kranz wird fertiggestellt, ausgeliefert und aufgehängt und dann erst fällt es einem auf? Jetzt könnte man hieraus vielleicht auch Rückschlüsse auf die aktuelle Politik ziehen ... wenn man so manche Gesetze sieht oder Bundestagsdebatten verfolgt, ist das garnicht so
abwegig. Manchmal können auch kleine Geschichten dazu beitragen, der Politik etwas Lustiges abzugewinnen

Hans Krüger | Do, 21. November 2019 - 16:42

Ich bin zwar alt und grau und immer noch Legastheniker .Mir unterlaufen immer wieder Rechtschreibfehler. Mein Mitgefühl mit der Floristin.Diese Wortschöpfung ist trotzdem ein Geschenk das in diese Zeit passt !
SPD die hat abgewirtschaftet.
Wort des Jahres ,ganz klar!

Romuald Veselic | Do, 21. November 2019 - 17:15

ein anderes Wort fürs Verkacken.

Juliana Keppelen | Do, 21. November 2019 - 17:24

Bin mit einverstanden Verschissmuss versus Shitstorm kann man gelten lassen.

helmut armbruster | Do, 21. November 2019 - 17:45

als Sammelwort für alle diejenigen, die sich auf den Arm genommen und hintergangen fühlen von Politikern, Verbandspräsidenten irgendwelcher Art, Wichtigtuern und Großspechern, von Besserwissern, gewissenlosen Karrieristen und Egoisten.
Ich bin ein Opfer des Beschissmus, sollte ein geflügeltes Wort werden.

gabriele bondzio | Do, 21. November 2019 - 18:16

bei dem Spiel aus einen aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Die Floristin war nicht zu beneiden, bevor Sie, Herr Schwennicke, das Positive aus dem „Verschissmuss“ herausgekitzelt haben.
Wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn die Genossen mal nachgelesen hätten, was auf der Schleife steht. Bevor es zur Kranzniederlegung gekommen ist. Aber deren Zeit ist anderweitig ausgebucht, scheint mir.
Da fällt mir auch noch ein Spruch für die Genossen ein. „Spott untergräbt keine echte Autorität, weil er sie nicht treffen kann. Aber dem auf Äußerlichkeiten ruhenden, konventionell festgehaltenen, dem übertriebenen und angemaßten Ansehen tut er Abbruch. (Ludwig Thoma)

Thomas Hechinger | Do, 21. November 2019 - 21:12

In reply to by gabriele bondzio

Ein schönes Zitat von Ludwig Thoma. Danke dafür.
Echte Autorität kennt ihre Stärken, weiß aber auch um ihre Fehler und Mängel, die kleinen und die großen, und um ihre Beschränktheit. Deswegen kann der Spott ihr nichts anhaben, weil sie selber über ihn lachen muß.
Wie hätte die Mülheimer SPD reagieren sollen? Zunächst in Sack und Asche gehen und um Entschuldigung bitten (hat sie teilweise getan). Dann versprechen, die Sache aufzuarbeiten, den gesamten Vorgang aufzuklären und das Volkstrauertag-Ritual zu hinterfragen, um schließlich ein Konzept für ein würdiges und zeitgemäßes Gedenken an die Toten und Opfer von Krieg und Verfolgung zu entwerfen. Mit dem historischen Unsinn aufzuhören, von Opfern des Faschismus zu sprechen, wo doch die Opfer des National"sozialismus" gemeint sind, wäre folgerichtig, aber von einer linken Partei wohl zu viel verlangt. Immer daran erinnert zu werden, daß das alles auch mit dem Sozialismus zu tun haben könnte, tut schon richtig weh.

Rolf Westermann | Do, 21. November 2019 - 21:37

Es kommt ja noch hinzu, dass die Auftraggeber, die jetzt der Floristin die Schuld geben, die Aufschrift nicht mal gelesen haben, bevor sie den Kranz aufstellten.

Dieter Spliethoff | Do, 21. November 2019 - 23:38

Bei korrekter Recherche hätte man sich die hämische Bemerkung, dass die SPD vor Niederlegung des Kranzes einmal auf die Schleife hätte sehen sollen, sparen können. Fakt war: Die beauftragte Gärtnerei hat den Kranz gemäß der Verabredung vorab am Gedenkort aufgehängt. Der Fehler wurde natürlich unmittelbar beim Eintreffen der Gedenkfeiergäste bemerkt. Die Floristin, mit der wir Kontakt aufnehmen, hatte viel auszuhalten, und wir Sozialdemokraten stellen uns schützend vor sie. Dass nahezu die komplette deutsche Presse inclusive diverser Fernsehsender über den Parteivorsitzenden Bakum und mich als Fraktionsvorsitzenden hergefallen sind und von Samstag bis Mittwoch beschäftigt haben, sei nur am Rande erwähnt. Ein Spaß mag das für andere gewesen sein, für uns war es eine absolute Zumutung. Spott, Häme, Beschimpfung ohne jede Kenntnis der Hintergründe sind schwer auszuhalten und für ehrenamtliche Politiker eine ungeheure Zumutung und Belastung.

Danke für ihre Klarstellung. Aus eigener Erfahrung weiß ich natürlich wie das abläuft mit der Kranzbestellung. Die Kränze bekommt man in der Regel erst zu sehen wenn sie an Ort und Stelle geliefert sind. Häme und Spott läßt sich leider bei so einer Sache nie vermeiden aber das geht vorrüber und in 10 oder 20 Jahren wird man sich mit einem schmunzeln erzählen weißt du noch damals ........ . Ich habe mich auch sehr amüsiert und ich fand und finde es einfach menschlich, dass so etwas passiert in einer sonst so klinisch reinen durchgestylten Welt. Gut finde ich, dass sie sich vor die Floristin stellen die bestimmt nicht glücklich ist über Fauxpas und der so etwas bestimmt nie wieder passieren wird. Ansonsten denken sie dran viele Menschen hatten ganz einfach was zum Lachen (ohne Häme und Spott) in diesen ansonsten grauen Gedenktagen und das ist auch was wert.

Michael Theuring | Fr, 22. November 2019 - 00:12

bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Seitenhieb auf A. Gauland auszuteilen. Hier, indem er selbigen als "seltsamen Bruder" von Roger Hallam, Mitgründer von Extinction Rebellion und Holocaust-Verharmloser, ausgemacht hat. Eine gewisse lexikalisch-ortografische Ähnlichkeit von "Vogelschiss" und "Verschissmus" zu bemühen, erinnert mich an das ebenfalls sehr konstruierte Unterfangen der M-Medien, die erst unlängst eine inhaltliche Deckung von JUD in JUDe und JUDaslohn heraufbeschworen haben, um ihre vernichtende Botschaft gegen einen anderen AfD-Politiker herbeizuzaubern.

Barbara Ebert | Fr, 22. November 2019 - 02:36

treffender kann man deutsche "Politik" nicht beschreiben

Ernst-Günther Konrad | Fr, 22. November 2019 - 09:13

in diesen Tagen Mensch zu sein und zu bleiben. Alles und jeder wird nur noch ideologisch und böswillig dargestellt oder interpretiert. Das typisch menschsein, mal Fehler machen zu dürfen, einfach aus einer menschlichen Schwäche heraus, nein es darf nicht sein. Der Genderwahnsinn schützt inzwischen alles und jeden wie auch immer er/sie/es orientierte Vertreter einer Spezies. Nur an den Mensch selber, der im Arbeitsalltag eben nicht perfekt ist, dem Fehler passieren, der ohne großen politischen Hintergrund Fehler macht, er wird öffentlich geächtet. Ihr Artikel Herr Schwennick hat für mich menschliche Größe. Machen wir jetzt Lichterketten? Richten wir ein Spendenkonto ein? Welcher YuoTuber wird ein Satirevideo drehen und den Verdienst dieser unglücksseeligen Frau spenden? Höre ich Mitgefühl aus der Welt der Kuluturschaffenden? Finden sich sog. Experten, die den Spaanungsbogen herausnehmen? Vielleicht wird das Wort demnächst verboten und nicht gekrönt? Hoffentlich findet die Frau Ruhe.

Wolf-Dieter Hohe | Fr, 22. November 2019 - 09:22

Es sind ausschließlich die gnadenlosen, vampirigen Aussauger einer Person, anlässlich einer in Auftrag gegebenen Kondolenzschleife, von der ich von Herzen wünschte, dass es Absicht gewesen ist, die hier am Schandpfahl stehen. Wie gerne hätten sich all die vielen, Politiker bezeichneten, Phrasendrescher persönlich dieses Wortes gerühmt -
Möglichst weltweit via TV im BT.
Wenn etwas ganz bestimmt versch... wurde oder hat, dann ist es die öffentliche Gesellschaft in all ihren Ausprägungen. Wer ganz bestimmt versch... hat, sind jene die in eine solche hineingeboren werden.

Allein die Resonanz zeigt was für eine .... in diesem Land inzwischen verrührt wird.

Michael Sachs | Fr, 22. November 2019 - 13:35

Ich finde das Wort Super, aber meine Assoziationen geht mehr in Richtung verschissen beim Volk u. das hat ja die SPD nun beim Arbeiter u. kleinen Angestellten u. das seit Jahren, mindestens aber seit Rot Grün u. Hartz4, natürlich kann das falls ein Computer verwendet wurde auch eine Kreation der Autokorrektur sein, spielt aber keine Rolle, paßt trotzdem, die ganze Linke Regierung besteht für mich aus Verscheisserung des Volkes.