Tilman Kuban - Sturmfest und erdverwachsen

Mit seinem Vorschlag, den oder die nächste Kanzlerkandidatin durch einen Mitgliederentscheid zu bestimmen, hat der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, sich und die Nachwuchsorganisation der CDU ins Gespräch gebracht. Wer ist dieser Mann?

Tilman Kuban
Tilman Kuban ist ein politisches Talent. Er weiß, wie man Mehrheit organisiert und attackiert gern / picture alliance

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z. Sein aktuelles Buch „Wolfgang Bosbach: Endspurt. Wie Politik tatsächlich ist – und wie sie sein sollte” ist im Herbst 2016 erschienen.

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Jung-Unionisten haftet das Klischee an, sie liefen mit bravem Seitenscheitel und Aktenkoffer geschäftig durch die Gegend, gäben sich dynamisch und erinnerten doch eher an Musterschüler. Auf Tilman Kuban, den seit Frühjahr amtierenden Chef der Jungen Union (JU), der gemeinsamen Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, trifft das nicht zu. Der 32-jährige untersetzte Volljurist aus Barsinghausen tritt eher rustikal auf; er verkörpert geradezu die Niedersachsen-Hymne: sturmfest und erdverwachsen.

In seiner Jugend hat Kuban Fußball gespielt. Seine Position als freier Mann im defensiven Mittelfeld bezeichnete man damals als die des Libero. Der hielt die Abwehr zusammen und dirigierte das Spiel seiner Mannschaft. Auf dem grünen Rasen geht das bei Kuban nach zwei Kreuzbandrissen nicht mehr, in der Parteipolitik schon. Als im Frühjahr 2019 in der JU die Nachfolge des zum CDU-Generalsekretär aufgestiegenen Paul Ziemiak anstand, galt Kuban als Außenseiter – und setzte sich mit 63 Prozent durch.

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Heidemarie Heim | Mo, 4. November 2019 - 15:30

Die so scheint es, lange genug in der Warteschleife und dem parteipolitischen Räderwerk und ihrer Mühlen verwahrt bleiben sollen. Genau so wie ambitionierte sogenannte Quereinsteiger mit länger andauernder Lebens/-Berufserfahrung wenig Chancen eröffnet werden ohne den entsprechenden Netzwerkhintergrund oder auch politischen Patenschaften aus dem laufenden Betrieb. Was auch den so beschriebenen Unterschied sehr gut beschreibt zwischen den beiden Youngleadern. Der eine mit in Sport, Kommunalpolitik und im Berufsalltag erworbenen Kompetenzen, die ihm Grenzen setzen was das praktische Ausleben und die Machbarkeit seiner eventuell vorhandenen jugendlichen Überschwänge betrifft, der andere, der seinerseits den Anspruch erhebt seine politischen Ideen ungeachtet auftretender Einschränkungen praktischer Natur durchsetzen zu können. Doch Beide leiden im Endeffekt an der wohl kalkulierten Atemnot, die den Weg in die wichtigen Ämter der Parteien hemmt bzw. auch vorgibt. "Guter Mann..aber..!" MfG

Ernst-Günther Konrad | Di, 5. November 2019 - 11:20

Danke für Ihren Kommentar. Ich bin den Newcomern derzeit sehr skeptisch gegenüber. Herr Buban klingt symphatisch und hat sich als Kommunlpolitiker im Amt geerdet. Wenigstens kennt er die Basis. Ich halte seine Idee für durchaus nachdenkenswert für die CDU. Vielleicht trauen sich da die heimlichen Kritiker bei einer solchen Wahl wenigstens aus den Löchern und verhindern AKK, die sich meines Erachtens ohnehin selbst verhindert. Ich möchte ebenso meine Skepsis bezüglich Merz erneuern. Nicht das ich ihm es nicht zutraue. Nur , es wird Zeit jüngeren Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, endlich ohne Merkels Gnaden ins Rampenlicht zu treten. Merz würde egal wie es kommt, immer auch unterstellt werden, er übe späte Rache. Von der Hand zu weisen wäre es nicht. Die CDU sollte Mitglieder zwischen 35 und 45 Jahren aufbauen und für Ämter vorbereiten. Menschen mit kommunalpolitischer und berufspraktischer Erfahrung, vor allem nicht nur Juristen und sonstige Akademiker. Packt es endlich an.

Danke lieber Herr Konrad! Wir alle wissen wie die politischen Personalmühlen mahlen und das wir es denn auch nicht mit den Politikern zu tun bekommen, die wir eigentlich bräuchten wenn es eng wird bei einer Schönwetterpolitik oder wenn es gilt auch mal der obersten Führung zu widersprechen wenn diese dabei ist die Partei und das Land gegen die Wand zu fahren. Ihre Skepsis bezüglich des Herrn Merz teilte ich ebenso von Anfang an. Er ist ebenso glatt und undurchsichtig in seiner Kritik wie die von ihm beschriebenen Nebelschwaden. Inzwischen bereitet mir mein allgemeines Misstrauen und meine "Vorurteile" die ich der Politik und deren Vertreter gegenüber hege, des Öfteren Unbehagen. Doch es wird zumindest dahingehend gelindert durch die Tatsache, das ich da anscheinend nicht alleine bin!
Alles Gute! Grüße an Alle!

Maria Fischer | Di, 5. November 2019 - 20:48

Großen Dank für Ihren Mut und Einsatz.
Es lässt hoffen, dass die CDU nicht ganz verloren ist. Einfach weitermachen bis der Spuk vorbei ist.