Ilustration Postscriptum
So wie aus „Raider“ einst „Twix“ entstand, könnte die SPD künftig als „Die Respektpartei“ an den Start gehen

Postscriptum - Gute-Laune-Partei SPD

Die SPD will den Gute-Laune-Faktor gegen Politikverdrossenheit hervorheben: Deswegen gibt es jetzt Gesetze, deren Namen nicht nach miefiger Bürokratie klingen, sondern nach Optimismus. Vielleicht sollte sich die SPD selbst re-branden, sagt Alexander Marguier

Alexander Marguier

Autoreninfo

Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Da stellt sich natürlich die Frage: Warum erst jetzt, warum so spät? Jahrelang waren unsere Volksvertreter vergeblich auf der Suche nach einem wirksamen Mittel gegen Populismus, gegen Politikverdrossenheit. Und nun zeigt sich plötzlich und unerwartet: Alles kein Problem! Dass ausgerechnet die sonst immer etwas sauertöpfische SPD auf die Idee kam, Politik künftig mit dem ­Gute-Laune-Faktor zu gestalten, offenbart das kreative Potenzial dieser Partei nur umso deutlicher. Ein bisschen Spaß muss sein, dann geht der Rest von ganz allein!

Weil ja auch niemand eine Tüte Gummibärchen kaufen würde, auf deren Verpackung adipöse Kinder mit kariösen Zähnen abgebildet sind, haben die Sozialdemokraten also einfach mal ihr Produktdesign überarbeitet. Statt tristem Bürokraten-Wording herrscht neuerdings legislative Fröhlichkeit mit eingebautem Optimismus-Turbo: Aus einem sperrigen „Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ wird das „Gute-Kita-Gesetz“, ein unhandliches „Gesetz zur zielgenauen Stärkung von Familien und ihren Kindern durch die Neugestaltung des Kinderzuschlags und die Verbesserung der Leistungen für Bildung und Teilhabe“ erreicht das begriffsstutzige Volk kurz und gut und einprägsam unter dem Namen „Starke-Familien-Gesetz“.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 17. April 2019 - 14:08

entspringen diese "Umbenennungen" einem Gefühl, das sich wieder bei der SPD breitmacht.
Noch schöner wäre es, wenn dies sogar mit Andrea Nahles zusammenhinge.
Ich kenne sie nicht persönlich, aber so von Weitem halte ich sie für eine wirklich lustige Person, die knallhart arbeiten kann. Das ist Politik nämlich auch, Arbeit.
Zuletzt, diese Gummibärchen-Reklame ist doch wohl der Burner, für Erwachsene versteht sich, die sich auch regelmässig die Zähne putzen.
Gummibärchen gibt es auch vegan und vegetarisch.
Das bringt der Konzern zu wenig rüber.

Gerhard Schwedes | Mi., 17. April 2019 - 15:29

Die Umetikettierung neuer Regelungen und Gesetze in infantile Namen sind nur die Konsequenz dessen, was in den Suaden unserer Politiker oder auf deren Wahlwerbeplakaten doch schon längst vorhanden ist. Beispiele: „Das Land, in dem wir gut und gerne leben“, „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“, „die schon länger hier Lebenden“, die als „Füchtlinge“ Etikettierten, die in ihrer großen Mehrheit alles andere als Flüchtlinge sind. So will man uns Wähler einlullen und uns weiß machen, dass wir uns auf einem ewigen Kindergeburtstag befänden. Mit den Bezeichnungen wird sogleich auch die Interpretation mitgeliefert. Wie schön! George Orwell war noch nie so aktuell. Man macht aus uns Wählern kleinkindliche Trottel und hält unsereinen einfach für dumm. Bleibt die Frage, wie lange wir uns diese Bubble-gum-Gebabbel noch gefallen lassen. Spätestens wenn sich der Wähler den Alternativen zuwendet, hört dieses gehirnlose Gebabbel auf. Dann werden wir wieder ganz schrille Töne vernehmen.

Heidemarie Heim | Mi., 17. April 2019 - 21:19

Habe ich beim Lesen dieser Kolumne von unserem Chefredakteur Herr Marguier auf jeden Fall bekommen. "Gerechtigkeitsumlage" klingt ähnlich niedlich wie Cum Cum, Cumbaja…..! Der im letzten Satz geäußerte Wunsch bezüglich Herr S. und seiner fröhlichen Mimik bedarf es wohl einer größeren Menge SPD-Lachgas;-). Vielen Dank! MfG

Christa Wallau | Mi., 17. April 2019 - 21:51

... und einer geschickten Verkaufsstrategie.

Sie haben es erfaßt, lieber Herr Marguier.
Die SPD sieht sich mit ihren neuen "Masche" auf dem Weg zu besseren Wahlerfolgen.
Ob das gut geht?
Warten wir's ab. Deutschland ist das Land der
unbegrenzten Möglichkeiten, zumindest was das
Potential an Leichtgläubigkeit bzw. Naivität anbetrifft.

Ernst-Günther Konrad | So., 21. April 2019 - 08:33

netter Artikel mit viel Wahrheit Herr Marguier. Offenbar hat man da jemand aus der Werbebranche engagiert, der inhaltliche und unnütze SPD-Vorhaben kreativ umgestaltet. Pipi kann nur Sprüche wiedeholen, die wir eh schon von Astrid Lingren kennen. Neue Ideen müssen her. Man betrauert nicht die Opfer einer Katastrophe, nein man feiert jetzt die Überlenden. Kevin Kühnert wollte ja dafür sogar das Tanz- und Musikverbot im Feiertagsgesetz an Karfreitag aufheben lassen. Es gäbe immerhin Menschen, die an diesem Tag feiern wollen und ohnehin ist die Vorschrift antiquiert. Scholz zieht seinen Grundsteuervorschlag zurück und, ja was jetzt? Er will in überarbeiten. Der Europaabgeordnete Vault erfindet einen Wohnsitz in Brandenburg und auch noch eine Freundin, hat ihm der SPD-Werbemanager geraten. Und Stegner findet keinen Chirurgen, der ihm ein Lächeln oder symphatisches Aussehen operativ verpassen kann. Die Ärzte sehen da keine Erfolgsaussichten. Der Rest duckt sich weg.

Wolf-Dieter Hohe | So., 21. April 2019 - 23:29

Gelungene "Satire", Herr MARGUIER, die ob der Realität ein doch schmerzt.
Was wenn es die Adressaten plötzlich merken ?
VertrauensMissbrauch ist ne harte Dosis.
Oder deckt Neid und Missgunst in desem Deutsch benannten Land inzwischen alles zu?
Wegnehmen schafft eben Befriedigung. Dass letztlich nur dem zusehends sterbenden Mittelstand weggenommen wird, ist ebenso unbekannt wie die Tatsache dass nur verteilt werden kann was geschaffen wird. In Frankreich und Italien, weiß man es schon. Dass auch Deutschland deren obsoletes, papiernes Kredit-Zwischen-Fnanzierungs-Bankensystem stützt ist die einzige Möglichkeit nicht auf den eigenen Forderungen sitzen zu bleiben. Schließlich hatte man für Bestellungen vorab über die EZB die Kredite dazu geliefert. Besichert mit "Wetten" auf die Zukunft . Forderungen als Basis für die eigene Bilanzbereinigung = Schwarze Null.
Und wenn Schuldner(=die Länder) nicht zurückzahlen können, wird einfach die Tilgungsfrist verdoppelt und bis dahin...