Rechtsruck in Schweden - Mitten im Abseits

Bei der Wahl in Schweden haben die Populisten starke Zuwächse zu verzeichnen. Die Chefin der schwedischen Zentrumspartei, Annie Lööf, hatte versucht, sich gegen diese Stimmung zu stemmen. Ein Porträt von vor der Wahl.

Annie Lööf sitzt auf der Bühne während eines Interviews und lächelt
Ob Annie Lööf Gesinnungs- und Verantwortungsethik miteinander verbinden kann, wird sich nach der Wahl zeigen / picture alliance

Autoreninfo

Clemens Bomsdorf ist Korrespondent für Nordeuropa und Mitglied beim Netzwerk Weltreporter

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Der erste Mittwoch im Juli war ganz nach Annie Lööfs Geschmack: Über der schwedischen Ostseeinsel Gotland schien die Sonne, und die 35 Jahre alte Parteichefin der grün-liberalen Zentrumspartei konnte sich gegen rechts positionieren sowie gleichzeitig ihr rhetorisches Talent zur Schau stellen. Lööf hielt eine Rede bei der jährlichen politischen Großveranstaltung Almedalsveckan. Zu Anfang zählte sie Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Schweden auf und beklagte, wie intensiv diese wegen des zunehmenden Antisemitismus geschützt werden müssten.

Plötzlich rumorten im Publikum einige militante Rechtsextreme. Lööf konterte geschickt und mit so wenig Einsatz, wie ein asiatischer Kampfkünstler den Angriff seines Gegners gegen diesen wendet. Anstatt laut zu werden, sagte sie nur: „Es sind Nazis, die hier sprechen, es sind Vertreter der nazistischen nordischen Widerstandsbewegung NMR. Lasst uns ihnen ein wenig zuhören.“ Nach ihrem Angebot, den Anhängern des Nordiska motståndsrörelsen, für das die Abkürzung NMR steht, Gehör zu schenken, vergingen ein, zwei Sekunden, ohne dass aus dem Rumoren eine Rede oder sonstige verständliche Äußerungen geworden wären. Dann fuhr Lööf in aller Ruhe fort: „So, jetzt haben sie gesprochen.“ Im Publikum brandete angesichts dieser Bloßstellung Jubel auf. Als ein Video dieser Szene im Internet auftauchte, erhielt Lööf ebenfalls viel Beifall.

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Christa Wallau | Mi, 15. August 2018 - 14:06

Das Negieren, Schönreden oder Totschweigen
offensichtlicher Probleme und Mißstände ist das Schlimmste, was man als Politiker machen kann: Es führt i m m e r zu einer Spaltung der Gesellschaft und in den Radikalismus!

Die langjährige political correctness (= das Diktat der Moralisten) hat sowohl in Schweden als auch in Deutschland jede vernünftige Diskussion unmöglich gemacht.

Wenn nicht die Kritik an Merkel und ihrer Migrationspolitik in D sofort diskriminiert
(= in die rechte / rechtsradikale Ecke gestellt) worden wäre, hätten wir längst wirksame Maßnahmen ergreifen können, um unsere Probleme zu lösen.

Im ehemaligen Gutmenschen-Staat Schweden kann man sehen, wohin es führt, wenn naive
Gesinnungsethik das Handeln bestimmt.
V e r a n t w o r t u n g s v o l l e s und vorausschauendes Handeln zum Erhalt und Wohle eines hochentwickelten Gemeinwesens sieht anders aus!

Michaela Diederichs | Mi, 15. August 2018 - 14:08

Ich bin sehr gespannt, wie die Wahlen in Schweden ausgehen werden und welche Koalition dann regieren wird. Insgesamt sehen die Zukunftsaussichten nicht so rosig aus. Allerdings gilt das ja auch für Deutschland. Die ständigen Verweise auf die derzeitige gute Wirtschaftslage sind bei der Destabilisierung von Gesellschaften auch nicht hilfreich.
https://www.welt.de/politik/ausland/article153276350/Schweden-erklaert-…

Michaela Diederichs | Mi, 15. August 2018 - 15:17

Eine Frage an die Online-Redaktion: Seit gefühlter Ewigkeit steht bei Dossiers ganz oben ein Foto, das zu keinem Beitrag führt. Titel: Asylstreit. Klicke ich den an, bleibt einfach immer nur das Foto. Kann man das nicht mal ersetzen?
https://www.cicero.de/node/17903

Constantin Wissmann | Mi, 15. August 2018 - 17:55

In reply to by Michaela Diederichs

Die Artikel des Dossiers finden Sie darunter

VG
CW

Da ich immer auf das Titelbild der Rubrik geklickt habe, fand ich nie andere Dossiers als die Merkelsammlung und fand das sehr einseitig und Nerv tötend, obwohl unsere Kanzlerin uns alle ja schwer beschäftigt. Nun sind alle schönen Dossiers wieder für mich sichtbar. Pausen von der Kanzlerin können sehr wohltuend sein.

Konrad Perfeud | Mi, 15. August 2018 - 16:18

Seit Jahren lese ich nun diese Artikel, worin dargestellt wird, dass ein toller Politiker mit der richtigen Meinung andere bloßstellt, die Maske runterreisst oder ähnliches ... und dann kommen die Wahlen. Das "rhetorische Talent" hat als Lösung für die erodierende Sicherheit im Land die Verurteilung zu ein paar Sozialstunden zu bieten. Das überzeugt bestimmt viele Schweden. Wir haben hier eine migrations-linke liberalla Partei, die die Migrationsprobleme durch "Liberalität" lösen möchte und die Aufforderung sich zu integrieren. Außerdem ist man super-pro EU, also insgesamt etwa wie die 5% Neos in Österreich. "Mitten im Abseits", weil niemand so eine Angepassheit braucht?

Michaela Diederichs | Mi, 15. August 2018 - 22:34

In reply to by Konrad Perfeud

Ach ja, die erzieherischen Maßnahmen... Wir haben es in der EU mit Migranten zu tun, deren Sozialisation in der Regel abgeschlossen ist. Da lässt sich nur noch in Ausnahmefällen etwas im Sinne der europäischen Weltsicht korrigieren. Wenn die UNO sagt, jeder hat das Recht an jedem Ort dieser Welt zu leben, dann dürfen Europäer ja geschlossen nach Afrika und dort aufräumen - so wie man das vor Ort gewöhnt ist, also mit Waffengewalt, Willkür, Bestechung, dem Recht des Stärken. Wir sollten uns vielleicht langsam mal auf die Socken machen, bevor die UNO sich das anders überlegt. Überlassen wir die EU den Afrikanern. Holen wir uns diesen Kontinent voller wertvoller Rohstoffe, fast unbegrenztem Raum, einer einzigartigen Naturwelt und leben dort im ökologischen Gleichgewicht. Wie die Afrikaner dann hier bei uns mit den Atomkraftwerken und -müll klar kommen, den wir hinterlassen, kann uns doch egal sein. Die wollen hierher. Gerne. Lasst uns die (Lebens-)Räume wechseln. Ein Experiment.

Michael Jensen | Do, 16. August 2018 - 16:24

In reply to by Michaela Diederichs

Hübsch, diese Idee!
Das Beste allerdings daran wären die Gesichter der Grünen, wenn die Afrikaner und Araber hierblieben und die Leistungsträger sich in Afrika niederließen. Ist ja theoretisch Unsinn, aber der Gedanke, wie die Sozialarbeiter, Lehrer, ungelernten Politiker und „Geschwätzwissenschaftler“ ohne Steuern leben wollen... Nicht schlecht. Ich gäbe Ihnen genau drei Wochen, je nach Jahreszeit.

Peter Wagner | Mi, 15. August 2018 - 18:41

Wen wundert es, dass auch in Schweden, durch die Aufnahme vieler Muslime und den damit verbundenen Problemen, die Wähler immer öfter rechts wählen! Wie auch in anderen EU Staaten mit ständig steigendem muslimischem Bevölkerungsanteil, ist dieser Trend zu beobachten. Auch in Schweden ist die Stimmung gegen die Migranten schon länger gekippt! Um diese Stimmung nicht noch anzuheizen, wird die Herkunft der Brandstifter, die 100 Autos in mehreren Städten abgefackelt haben, verschwiegen!

Kostas Aslanidis | Mi, 15. August 2018 - 19:11

so Dumm handeln und die offensichtlichen Probleme der mittelalterlichen Muslime negieren. Die Linksseitler werden überall weggefeckt. Nur im Nirwana Land Deutschland hat sie die Moralhochheit, weil sie sich selbst überschätzen. Wie kann man Vorzeigeländer wie Schweden an die Wand fahren. Unglaublich törricht. Was versprechen sich die Schweden von den Islamisten.

Horst Brandner | Mi, 15. August 2018 - 21:23

Im Vorspann beginnt mit "Jugendlichen haben fast 100 Autos angezündet", aber im Artikel erfährt man nicht: wer, wessen Autos, warum.

Redaktionelle Schlamperei.

Oder kann ich nicht mehr lesen?

Alexander Mazurek | Mi, 15. August 2018 - 22:16

… zur Diskrimination: Waren die Täter blond und blauäugig? Reich oder arm? Klosterschüler? Talmudschüler? LBGTQIAZD... Aktivisten? Nein?! Wer waren sie denn?

Jeder weiß natürlich warum. Wegen "Generalverdacht" und "Wasser auf die Mühlen von...". Damit ist auch schon alles gesagt.
Dabei sind die Parallelen zu Ereignissen in französischen Vorstädten offensichtlich. Der Unterschied zwischen Schweden und Frankreich besteht darin, dass es kein gewachsenes sondern ein freiwillig, durch die Willkommenskultur importiertes Problem unter einer rot/grünen Regierung ist.

Andreas Johanning | Mi, 15. August 2018 - 22:50

Bei uns läuft die #metwo-Debatte, nach der Deutschland ein Ausbund an Rassismus ist. Pfui Deutschland! Schweden ist da ganz anders. Liberal, aufgeklärt und inklusiv. Trotzdem haben die Schweden offensichtlich ein virulenteres Integrationsproblem als Deutschland. Jedenfalls gibt es Beins noch keine koordinierten Gewaltausbrüche aus dem(muslimischen) migrantischen Milieu. Irgendwas haben die Schweden falsch gemacht. Vielleicht waren sie zu nett? Kein Scherz! Lt. dem holländischen Migrationsforscher Koopmanns sind ein liberales Ausländerrecht und hohe soziale Standards eine fatale Kombination. Meiner Meinung nach wird damit eine Erwartungshaltung gefördert, die eine dauerhafte Bringschuld bei den Aufnehmenden adressiert. Wird diese Erwartung nicht vollumfänglich erfüllt, dann reagiert man aggressiv. Jedenfalls bei den muslimischen Migranten. Ist das Islambashing? Irgendwie ja, aber nenn mir doch bitte jemand eine andere Einwanderergruppe mit der es solche Probleme gibt.

HUbert Sieweke | Mi, 15. August 2018 - 23:49

die Migrationspolitik und die banalen Lügen der Regierung, der Polizei und aller mit Kriminalität verbundenen Organisationen haben bereits Wirkung gezeigt. Es gibt eine Menge No-Gos und die Polizei beginnt sich versetzen zu lassen oder den Dienst zu quittieren. Das Militär muss oft helfen.

In Spannungsgebieten tut sich nichts mehr, die Bürger ziehen aus und Unternehmen wollen dort nicht mehr investieren. Bereits die Sozialdemokraten haben den SD Avancen gemacht, weil sie wissen, dass ihnen nicht mehr viele über den Weg trauen.

Es wäre hilfreicher, die Realitäten in Schweden abzubilden, die Quellen sind vorhanden, und nicht die Schönrederei aufstrebender Jungpolitikerinnen. Sie sollte mal erläutern, warum die Vergewaltigungen exorbitant gestiegen sind und die Polizei die Täter verschweigt.

Steffen Kahnt | Do, 16. August 2018 - 08:36

Mit der verfehlten Flüchtlingspolitik wird Europa noch lange zu kämpfen, die Folgen zeigen sich jetzt und es wird noch schlimmer, wenn die Migranten merken das sie hier chancenlos sind. Besonders die Afrikaner ! Ihnen bleibt nur der Weg in die Kriminalität, von Ausnahmen abgesehen.

Mathias Trostdorf | Do, 16. August 2018 - 13:31

In reply to by Steffen Kahnt

Neun von zehn in die Schweiz einwanderte Erithreer haben nach einer Studie, auf die sich das 3sat-Journal bezog, noch nie steuerpflichtig gearbeitet.
In einem ZDF Bericht hatten nach sechs Wochen Bäckerausbildung 70Prozent der schwarzafrikanischen Eingereisten bereits wieder das Handtuch geworfen, da sie "zu früh aufstehen mußten".
Das mit den "Chancen" scheint also nur bedingt das Problem zu sein.

Frank Box | Do, 16. August 2018 - 18:32

In reply to by Mathias Trostdorf

"Neun von zehn in die Schweiz eingewanderte Eritreer haben nach einer Studie, auf die sich das 3sat-Journal bezog, noch nie steuerpflichtig gearbeitet." - In Deutschland beträgt das Verhältnis 19 zu 10 - (wegen der Mehrfachidentitäten :-)

Karl Müller | Fr, 17. August 2018 - 10:51

In reply to by Mathias Trostdorf

weisen auch nach das mehr als 80% dieser Klientel langfristig in die Sozialsysteme einwandern und dort persistieren. Das persönliche Vermögen sich daraus wieder zu lösen ist praktisch nicht existent.

Helmut Bachmann | Do, 16. August 2018 - 10:15

Bedauerlich, dass diese furchtbar platte Formulierung jetzt auch bei Cicero immer öfter gebraucht wird. Sie ist niveaulos, undifferenziert und eigentlich linksradikal.

Karl Müller | Do, 16. August 2018 - 12:11

In reply to by Helmut Bachmann

Es ist schlicht dumm solche Phrasen zu verwenden.

Frank Box | Do, 16. August 2018 - 16:41

In 10 Jahren haben sich auch hier die - im Gegensatz zu Frankreich - INNERHALB der Großstädte befindlichen "Banlieues" extrem ausgeweitet und beginnen ein Eigenleben zu führen. Die - überwiegend - islamischen "Reichsbürger" erkennen staatliche Autoritäten nicht mehr an. So zahlt der Handel seine Abgaben nun nicht mehr an die "Ungläubigen", sondern an Clanbosse und Moscheevereine. Banden gehen nach AUSSERHALB auf Raubzüge und ziehen sich mit der Beute wieder in "ihr Viertel" zurück. Gegen Abgabe eines Anteils werden sie von den Clanbossen vor der Polizei beschützt. Auf den Dächern an den "Grenzen" sitzen rund um die Uhr Bewaffnete; in den Straßen sorgt die Scharia-Polizei für Ordnung. Wie auch in Frankreich traut sich die deutsche Polizei hier nur noch schwerbewaffnet und in gepanzerten Fahrzeugen hinein. Ordnung könnte in diesen "klein Gazas" nur noch ein Einmarsch des Militärs schaffen, wovor die Politiker in beiden Ländern (bisher) zurückschrecken...

Mathias Trostdorf | Do, 16. August 2018 - 22:01

Das Umfrageinstitut Yougov sieht die Schwedendemokraten aktuell bei 25,7 Prozentpunkten. Das ist nicht nur ziemlich exakt eine Verdoppelung des Ergebnisses aus 2014, sondern mit diesem Ergebnis würden die SD die stärkste Fraktion im neuen Reichstag stellen und wären mit der Regierungsbildung beauftragt.
Scheint so, als hätten auch immer mehr Schweden immer weniger Interesse an einem Fortbestehen der Entwicklung, die Schweden in den letzten Jahren aufgrund unkontrollierter Einwanderung erfahren hat.

Fritz Gessler | Do, 16. August 2018 - 22:17

'das sind nazis, die da sprechen. hören wir ihnen zu' - wer sagte denn der smarten grün-liberalen 'politikerin', dass die zwischenrufer 'nazis' seien? die art, unliebsame kritik zu erledigen, kennen wir doch auch aus hiesigen debatten nur allzu gut: wer nur die simple frage nach ethnischer/religiöser zugehörigkeit derartiger terror-krawallierer (aka 'jugendliche') stellt, wird als 'nazi', 'rassist', etc.pp. abqualifiziert und zum schweigen gebracht.