Auf der Bühne der Spielstätte Redoute des Deutschen Nationaltheater Weimar probt der Schauspieler Max Landgrebe am 01.06.2016 in Weimar (Thüringen) eine Szene der Komödie "Sein oder Nichtsein" von Nick Whitby nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch
Aufführung von Lubitschs „Sein oder Nichtsein“: Komödie und Horror fallen zusammen / picture alliance

Philosoph Slavoj Zizek - „Das Machtspiel gehört zum Sex dazu“

Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek hat einen Text geschrieben. Es geht um Ernst Lubitsch und um politische Korrektheit. Aber wie immer bei Zizek geht es auch um alles: um Hegel, Pornos, Donald Trump, #metoo und Konzentrationslager. Lesen Sie hier den ersten Teil

Slavoj Zizek

Autoreninfo

Slavoj Zizek, Jahrgang 1949, ist einer der bekanntesten Philosophen der Gegenwart. Der in Ljubljana geborene Denker war 1990 in Slowenien Präsidentschaftskandidat. Seit Anfang 2007 ist er International Director des Birkbeck Institute for the Humanities an der University of London. Hegel, Marx und Lacan haben seine Werke maßgeblich beeinflusst. Er bezeichnet sich als eurozentrischen Marxisten.

So erreichen Sie Slavoj Zizek:

Samstagabend vor dem Berliner Programmkino Babylon: Lange Schlangen überwiegend junger Menschen an den Eingängen. Slavoj Zizek ist angekündigt. Er wird über den Regisseur Ernst Lubitsch sprechen und über politische Korrektheit. Das Kino ist ausverkauft. Draußen verteilt ein Mann Flugblätter, auf denen er Zizek als Schwätzer bezeichnet, vor allem aufgrund von dessen Aussagen zu Donald Trump. Drinnen bekommt Zizek mit, dass die Zettel kursieren und geht unmittelbar darauf ein. Geißelt als Linker die Tabus und Denkfehler der Linksliberalen, gerade mit Blick auf die Flüchtlingskrise. Ein Mann wird von Zizek auf die Bühne gebeten und versucht eine Art Anmoderation, aber Zizek ist nicht moderierbar. Zizek ist ein Ereignis, nicht zu bändigen, schon gar nicht von sich selbst. Er sitzt da zusammengekauert vor seinem Laptop und einem Stoß Blätter. Er schnieft manisch beim Reden und fährt sich mit der Schniefhand durchs Haar. Sein Vortrag in eigentümlichem Englisch handelt vordergründig von Lubitsch, ja. Aber er handelt auch von Donald Trump, Hegel, Hardcore-Porno und Casablanca, Adorno, Wolf Biermann, Hitler, Srebrenica, der #metoo-Debatte. Zizek spielt Filmsequenzen von seinem Laptop ein, die Manuskriptseiten segeln Blatt für Blatt zu seinen Füßen. Das ist nicht einfach ein Vortrag, das ist eine Performance. Am Ende rafft er seine am Boden liegenden Blätter zusammen und bringt sie wieder einigermaßen in Form. 

Anderntags per Mail die Cicero-Anfrage an ihn: Ob wir das Manuskript haben könnten? Veröffentlichen könnten? Zizek schreibt zurück. „Lieber Kollege, you can print parts or all of it, whatever you choose.“

Cicero Plus weiterlesen

  • Monatsabo
    0,00 €
    Das Abo kann jederzeit mit einer Frist von 7 Tagen zum Ende des Bezugzeitraums gekündigt werden. Der erste Monat ist gratis, danach 9,80€/Monat. Service und FAQs
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
  • Ohne Abo lesen
    Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 1. Februar 2018 - 18:11

von Zizek, sich zu geben, dennoch würde ich ihn gerne ehren, indem ich ihm etwas zu seinen Überlegungen schreibe und sei es auch nur kurz.
Aber so schnell wird es nicht gehen, da ich mir das eben nicht vorstellen kann.
Als Kind hatte ich die schrecklichsten Alpträume über das Sterben der Juden und wußte doch, dass es Träume waren und ich sicher war.
Nein, ich kann mir das nicht vorstellen und gebe meine Kraft, um solche Situationen nie wieder zuzulassen.
"Sein oder Nichtsein" gibt auf wundervolle Art den Opfern ihre Würde zurück, Chaplin stellt sie gar nicht erst in Abrede, sondern die der Täter und er hat mir in Bezug auf Hitler die Augen geöffnet.
Nur so sind solche Verbrechen eventuell möglich.
Den Text über Foucault (Printausgabe) konnte ich an mich heranlassen.
Philosophie ist kein Spass. Viel wird von einem gefordert und man gibt viel von sich preis.
Zunächst also nur meinen Respekt vor Herrn Zizek und dem Gefährten von Foucault.
Sie machen uns reich

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 1. Februar 2018 - 20:21

in Kürze, dass für mich Sexualität überhaupt nichts zutun hat mit Macht, eher mit Begehren und Zielstrebigkeit und viel Klang.
Eine wundervolle Einführung nach meinem Geschmack ist der Videoclip zu Annie Lennox Song "Walking on Broken Glass", auch wegen der Komik und den Schauspielern.

Leitet sich etwa Macht von Gemächt ab?
Dies Starren auf sich selbst wäre aber gerade nicht dem Zueinanderwollen zuträglich...
Und die Frau soll dann wohl ihre Macht von Hysterie ableiten(Hystereia -> Gebärmutter?)?
Ein bisschen eine Offenlegung der etymologischen Hintergründe, die man auch selbst betreibt oder angelegt sieht, sollte ein philosophischer Text schon leisten.
Wie Foucault von Freund der Weisheit auf Sorge um sich selbst kommen konnte, erschliesst sich mir auch nicht einfach so. "le mots et le choses", da kommt immerhin Wort vor.

Holger Stockinger | Fr., 2. Februar 2018 - 10:39

Gäbe es Slawonien nicht, müsste man Zizek "neu erfinden".

Ob Balkankriege oder die "Hysterie als Erfindung von Lacan", eines ist gewiss, er, Zizek, ist hör- und lesenswert.

Etwas vermissen läßt sich leider ein Kommentar zum bibelschwingenden Sarte über MAOs kleines Büchlein im kulturrevolutionären China ...

Holger Stockinger | Fr., 2. Februar 2018 - 10:50

wird jetzt abgehängt.

Sie beleidigt jeglichen Männergeschmack!

Die "Menschentraube" im Gewimmel von how nice, isn't it beautifull? kaum überblickend dachte man, von Semper bis in den Zwinger braucht es in Dresden auch nicht länger ...

Mit ZIZEK ernsthaft zu sprechen, wäre in etwa wie "Das Überzeugen eines Gender-Gegners vom Vorteil der Weiblichkeit braucht 5 Minuten weniger als ein Hund Leika heißt und der Mann auf dem Mond raucht ..."

Günter Fischer | Fr., 2. Februar 2018 - 15:03

Den Betreff könnte man auch umkehren, ist jedoch nicht praktikabel, da der Artiken nicht weiter lesbar ist, weil die Redaktion einen Schlüssel eingebaut hat: den Schlüssel des Abos zum Geld verdienen.
Damit ist zumindest zum Teil eine meiner Fragen der letzten Tage so beantwortet, dass man hinreichende Schlüsse des Gelseinsammelns ziehen kann.
Das genügt auch, denn ein Abo wegen Herrn Zizek ist nun wirklich übertrieben.

Was glauben Sie, warum ich anfing, die Zeit zu kaufen und zu lesen?
Nun, weil Herr Thomas Assheuer, das philosophische Hirn Deutschlands und der Welt von der FR eben zur ZEIT wechselte.
Irgendwann überwog ihn dann eine unangenehme `Tendenz´berichterstattung der ZEIT, aber ich trauere der Zeit hinterher.
Herr Fischer, Sie können also Herrn Zizek geniessen, sie können in der Print/E-Ausgabe den letzten Gefährten von Foucault lesen und Sie könnten Herrn Frank Meyer lesen in seiner "Abrechnung" mit Adorno.
Vollkommen überraschend für mich und absolut lesenswert.
Der Cicero ist für mich derzeit Urlaub.
Es wäre schön, wenn es sich in die triste Wirklichkeit verstetigen würde.

dabei ist es bei mir Überzeugung aus Erfahrung...
Es hängt natürlich von vielen Faktoren ab, aber ich sehe nun mal Großes im Cicero.
Darüber wird er nicht reich werden, eher schon wir, die wir davon profitieren.
Warum nicht etwas davon für die Macher vergelten?
Es ist unglaublich, welche Kraft z.B. ein Herr Schwennicke aufbringen muss, sich nicht von den dem Cicero zugedachten Attributen aus seinem Lauf bringen zu lassen.
Den Lauf wünsche ich aber dem Cicero
und was habe ich dazu passend im Ohr?
Die Neunte, 4. Satz
Kurz, ich mache Werbung für den Cicero, weil ich etwas sehe, auch etwas, dem er abhelfen kann, etwas, das er retten könnte, politische KULTUR.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 6. Februar 2018 - 15:06

Antwort auf von Karin Zeitz

solange die Menschen sich nicht selbst verkaufen müssen.
Aber das ist glaube ich von Bildungsstand zu Bildungsstand? unterschiedlich.
Bei vielen vermute ich eher die Sehnsucht nach dem Unbedingten, frei Zustehenden/Zugestandenem, würde ich es auch benennen.
Auch dafür gibt es ein Lied gesungen von Annie Lennox "Into the West" wobei West vermutlich, da es sich um die Tolkienverfilmung handelt, das Abendland meint, Arwen, den Abendstern -> Venus.
Zugegeben geht es mir um Ewigkeit.
Die Tolkienbücher und Verfilmungen sind eine Neverending-Story und da geht es herzlich wenig um SEX.

Günter Fischer | Sa., 10. Februar 2018 - 13:59

man wird den Gedanken nicht los, warum niemand die Frage stellt, ob es auch Angelegenheiten gibt, die ohne Machtspiel und damit die Unterdrückung anderer gehen könnte.
Leider - gierbedingt - interessiert sich kaum jemand dafür, egal, ob es um tatsächliche Macht und Vorteile geht, oder aber nur darum, was der Nachbar denkt oder "die Leute" reden.
Also eigentlich sehr einfach zu verstehen, warum Steven Hawkins meint, dass die Menschheit in ca. 100 Jahren die Erde verlassen muss.
Ich habe nur die Befürchtung, dass es nicht solange dauert.