Viktor Orban - Neubürger mit Macken

Am 8. April wählen die Ungarn ihr neues Parlament. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán ist der umstrittenste Politiker Europas und will wieder gewinnen. Wer ist der Mann, der so viel Leidenschaft entfacht?

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban nimmt am 01.07.2017 am europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl im EU-Parlament in Straßburg teil.
In der Flüchtlingskrise reagierte Orbán früh, was ihm daheim Erfolg gebracht, ihn aber auch zu einem Fehler verleitet hat / picture alliance

Autoreninfo

Boris Kalnoky ist freier Journalist und lebt in Budapest. Er entstammt einer ungarisch-siebenbürgischen Familie

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Am 16. Juni 1989 hielt ein junger Ungar namens Viktor Orbán eine Rede vor Hunderttausenden seiner Landsleute. Anlass war die Umbettung der sterblichen Überreste des Ministerpräsidenten des Aufstands von 1956, Imre Nagy. „Meine Mitbürger!“, begann Orbán, und schon dieses Betonen des „Bürgerlichen“ war in jenen Monaten vor der Wende unerhört. Er forderte freie Wahlen; den Abzug der russischen Besatzer; und er sprach von Ungarns langem Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit, gegen die Österreicher 1848 und gegen die Russen 1956. Nun sei es an der Zeit, so sagte er, diese „nie aufgegebenen Ziele der Nation“ endlich durchzusetzen. Es war, im damals noch kommunistischen Ungarn, der lauteste Ruf nach Freiheit, den das Land seit 1956 vernommen hatte. Alle, die es hörten, waren elektrisiert. Auch viele Beobachter im Westen.

Heute, 29 Jahre später, ist Orbán neben Angela Merkel der erfahrenste Regierungschef Europas. Drei Amtszeiten, zwölf Jahre: 1998 bis 2002 und von 2010 bis jetzt. Am 8. April bewirbt er sich bei den Wählern um ein weiteres Mandat. Die Umfragen zeigen ihn und seine Partei, den Bund der Freien Demokraten (Fidesz), in Führung. Das Bild, das man sich von ihm im Westen macht, ist freilich nicht mehr jenes von 1989. Damals hätten die Großen und Guten der freien Welt gejubelt, wäre Orbán plötzlich Regierungschef geworden. Heute würden sie seine Niederlage feiern. Autokrat, Populist, Rassist, Nationalist, Diktator: Kein Regierungschef in der EU wird heftiger beschimpft und angefeindet. Und kaum einer prägt den öffentlichen Diskurs in Europa stärker als er.

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Volker Leyendecker | Di, 3. April 2018 - 18:08

Warum bezeichnen Sie Frau Merkel als erfahrene Politikerin ? Sie hat von den Früchten der Agenda 2010 gelebt, ( Bundeskanzler Schröder ) eigene Sachen kenne ich nicht von der Frau Merkel. Was Sie gemacht hat ist das Recht zu verbiegen wie es ihr gerade passt. Hurra geschrien als die USA den Krieg in nahen Osten angezettelt haben. Mir fällt im Moment nichts ein was zu Gunsten von Frau Merkel spricht. Für Herrn Urban gilt ganz kurz gesagt Der Mann macht Politik für sein Volk und nur das Zählt für den normalen Bürger. Ob er Deutscher ist oder Ungar !!

Joachim Wittenbecher | Di, 3. April 2018 - 18:17

Herr Kalnoky bemüht sich um Ausgewogenheit; das haben viele Journalisten, die sich zum Thema Orban äußern, leider verlernt. Mein Eindruck ist, dass Orban kein Außenseiter ist; die Parteienlandschaft in ganz Europa formiert sich neu; es entstehen zwei gegensätzliche Pole: der eine ist in etwa beschrieben mit Merkels Parteienformation (CDU,Grüne,SPD), der andere Pol sind Orban und seine geistigen Verwandten in Polen, in Tschechien sowie z.B. Front National (F), AFD (D), FPÖ(A) und SVP(CH). Die Entwicklung ist erst am Anfang und nur vordergründig eine Ost-West-Spaltung. Wenn sich diese beiden Blöcke in ganz Europa herausbilden, ist das kein Grund zur Gelassenheit. Beide Blöcke, die sich dann in etwa gleicher Stärke in jedem europ. Land entgegen stehen würden, sind nämlich illiberal. Beide Blöcke würden die besten demokratischen Traditionen zu Unrecht für sich in Anspruch nehmen. Sie wären tatsächlich ein Traditionsbruch mit der "erfolgreichen Zeit der Demokratie" seit 1945.

Heinrich Niklaus | Di, 3. April 2018 - 18:34

Bei wem ist Orban umstritten? Bei den Ungarn scheint er nicht so stark umstritten zu sein, sonst würden ihn nicht so viele wählen. In „Kreisen“ der EU umstritten? Mag sein, aber wen stört das. Umstritten bei den links-grünen Medien? Sicherlich, trotzdem wählen ihn die Ungarn.

Solange er bei den Ungarn nicht so umstritten ist, dass sie ihn nicht mehr wählen, sollten wir demokratisch gewählte Politiker respektieren, auch wenn das so einflussreichen Leuten wie Soros oder der deutschen Qualitätspresse nicht passt.

Kostas Aslanidis | Di, 3. April 2018 - 20:15

ist Merkel. Den Schwarzen Peter auf andere schieben, ist nicht die feine Art. Orban hält sich an EU recht und soll umstritten sein, Merkel bricht nachweislich alle EU Gesetze und wird bejubelt. Da ist nicht logisch.
Oder? Ungarn will die Probleme mit den eingeladenen Migranten nicht. Oder sind diese Probleme auch umstritten? Niemand kann Ungarn dazu zwingen. Es ist ein souveränes Land und braucht keine Befehle aus Deutschland.
Das Chaos will keiner.

Bernd Eifländer | Mi, 4. April 2018 - 11:17

In der EU mag er umstritten sein, im Land nicht !!! Man kann nachts noch spazieren gehen ohne ein Messer in die Rippen zu bekommen, Kopftücher tragen nur die Landfrauen wenn es regnet oder gegen Hitze. Eine Erholung wenn wir uns in unserem Ferien-Haus am Plattensee aufhalten und ca. 40% billigere Lebenshaltungskosten. Für Deutsche gibt es keine Probleme in Ungarn !

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