Ukrainische Truppen unterwegs im Gebiet Charkiw am Freitag, den 9. September / dpa

Ukrainische Offensive im Osten - 3000 Quadratkilometer Rückzug

Die Ukraine hat in den letzten Tagen 3000 Quadratkilometer ihres Staatsgebiets zurückerobert. Die russische Propaganda tut sich immer schwerer damit, das den eigenen Bürgern zu erklären.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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In den Nachrichten im russischen Staatsfernsehen ist am Sonntagmittag die Welt natürlich in Ordnung: Von einer „Operation zur Umgruppierung“ ist dort die Rede, einem „Truppenabzug und organisierter Verlegung der Einheiten im Raum Isjum-Balakleja ins Gebiet der Donezker Volksrepublik, um an der Donezker Front die Kräfte zu verstärken.“ Danach folgen Berichte über frische Heldentaten von Kampfpiloten, Artilleristen und Panzerfahrern.

In Wirklichkeit beobachtet die Welt - mit zunehmendem Erstaunen - seit Donnerstag einen in diesem Krieg bislang beispiellosen Vormarsch der Ukrainer: Was mit einem 30 Kilometer weiten Vorstoß durch die russischen Linien südlich der Millionenstadt Charkiw am Freitag begann, weitete sich bis zum heutigen Sonntag zu einem Geländegewinn der Ukrainer von mehreren tausend Quadratkilometern aus. Der ukrainische Oberbefehlshaber Walerij Zaluzhnyj spricht von 3000 Quadratkilometern, die die ukrainische Armee seit Monatsbeginn zurückerobert hätte – den größten Teil davon in den vergangenen Tagen.

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Jochen Rollwagen | So., 11. September 2022 - 18:16

Demnächst friert, hungert und das Automobil zum Stehzeug wird weil Sprit zu teuer hat er immer noch einen Trost:

Slava Ukraine !

P.S.: warm duschen ist in der Ukraine kein Problem.

Robert Hans Stein | So., 11. September 2022 - 18:19

Auch für die Zukunft wäre wünschenswert, dass vorexerziert wird: Eroberungskriege sollten der Vergangenheit angehören.
Das macht mich nicht zum Pazifisten. Es sollten alle, die sofortige Verhandlungen als einzig gangbaren Weg zur Lösungdes Konfliktes sehen, begreifen, dass die Ukraine dafür (noch?) zu stark ist. Ob stark genug, den Aggressor zu vertreiben, wir sich weisen. Meinen Segen hat sie, und hätte ich zu entscheiden, dann hätte sie auch die gewünschten Waffen. Der Krieg findet dort statt!

Martin Falter | So., 11. September 2022 - 18:28

das dies noch nicht das letzte Wort in diesem Krieg war.

Aber eins zeigt der Verlauf ganz deutlich, daß die Befürworter von "keine Waffen dann ist der Krieg schnell vorbei ", sowas von keine Ahnung haben.

Das genaue Gegenteil ist der Fall.
Je mehr Russland Probleme bekommt um so mehr sind richtige Verhandlungen wahrscheinlich.

Romuald Veselic | So., 11. September 2022 - 18:29

Soldateska, wie der berühmte verprügelte Hund, sich in sein Pinkelrevier zurückzieht.

Der Vampir aus Kreml verrechnete sich ein "wenig", weil er meinte, dass gg UA vorzugehen, ist nur eine andere Form, wie man gg IS kämpfte, wo Fanatismus m Kampfmoral verwechselt wurde.

Jetzt wissen wir, dass gut ausgerüstete UA Army, ist der Bundeswehr in allen Aspekten weit überlegen. Mit Brunnenbohren wurde bislang kein Krieg gewonnen, siehe AFG. Aber egal, ich selber würde für meine Freiheit, lieber ohne BW kämpfen.

Hab mir im Arte-Archiv den 3-Teiler Gulag angesehen. Abgesehen v permanenter Unmenschlichkeit/Verbrechen, war/ist/wird das Lügenelement der Dauerbestand der/s russischen Machthaber/Systems. Ein mentaler Faktor der sich zum Monsterkonglomerat entwickelte. Wenn ich den RUS GenLt sehe, der War Reporting in RUSTV betreibt, weiß ich, dass ich einen Mega-Lügenklon Made in Stalin auf dem Bildschirm sehe. Um es nett auszusprechen: Ein negativer Superlativ. Um das Wort A- auszulassen.

lieber ohne BW kämpfen. Welche Freiheit, Herr Veselic, meinen Sie? Die Freiheit, kalt die Hände zu waschen, den Waschlappen an Stelle der Dusche zu benutzen (natürlich auch kalt), ab Oktober wieder ganz nach Gutdünken der Machthaber, Mund und Nasenverschluss zu tragen? Gerne verteidigen Sie sich durch Abschalten ihrer Heizung und am besten, abklemmen ihrer Stromversorgung, denn dann leisten Sie ohne die Bw heroischen Widerstand gegen die Russen für Ihre Freiheit. A propos "Mega-Lügenklon": geehrter Herr Veselic, den gibt es ja nur in Russland, stimmts? Ihr heiliger Selenskiy trägt seinen Schein ganz offen, Lügen gibt es bei ihm selbstverständlich nicht. Und schon gar nicht lügen deutsche Politiker. Aber natürlich, Herr Veselic, haben Sie die Freiheit, all das zu glauben, schließlich passt das ja so hervorragend in Ihr Weltbild. Ich frage mich, warum Sie sich noch nicht auf den Weg gemacht haben, bei all dem Schlechten in Buntland (wobei ich diesbezüglich absolut zustimmen muss)

Heidemarie Heim | So., 11. September 2022 - 20:21

Was ich bis heute nicht begreife und von Anfang an nie begriffen habe, wie oder was sich die Russen dabei denken, wie es weiter gehen soll? Die können nach diesem völkerrechtswidrigen Beutezug und den Gräueln nicht allen Ernstes glauben, dass es genügt überall in diesem riesigen Land ihre Marionetten zu platzieren und die Besiegten laufen scharenweise über und es ist Ruhe im Karton? Mit wieviel Mann wollen die diese Besatzung eines ganzen Landes/Volkes aufrecht erhalten? Das klappt vielleicht in Belarus, wo man mehr oder weniger scheints eine ganze Armee von Schergen hat um die eigene Bevölkerung zu tyrannisieren, oder einen Staatsapparat zur Unterdrückung wie in Russland, wo man naturgegeben von der Bildfläche verschwindet nach einem Schauprozess. Aber die Ukrainer/Innen, die ich bisher kennenlernte ticken m. E. was ihre Freiheit/Art zu leben angeht ganz anders. Und wie ihre Soldaten wissen sie im Gegensatz zu den russischen Angreifern genau weswegen und um was sie hier kämpfen. MfG

Gerhard Schwedes | So., 11. September 2022 - 22:22

Hätte man die Ukrainer von Anfang an konsequent mit den besten Waffen unterstützt, hätte es die Chance gegeben, den Krieg relativ schnell zu beenden. Möglicherweise hätte Putin eine schnelle Schlappe nicht überlebt. Und als Konsequenz hätten die Gaslieferungen unter einer neuen russischen Regierung wieder aufgenommen werden können. So aber hat man nur dazu beigetragen, die politische Überlebenszeit Putins zu verlängern. Scholz und mit ihm Deutschland haben mal wieder auf das falsche Pferd gesetzt. Nun tut Klingbeil den Willen kund, schnell und massiv weitere Waffen zu liefern. Will man am Ende nicht beiseite stehen, wenn die Ukraine erfolgreich weiterkämpfen wird? Was für Taktierer doch unsere Laienschauspieler an der Regierung doch abgeben. Ein unbeschreiblicher Narrenstall!

Christoph Kuhlmann | Mo., 12. September 2022 - 05:34

fordert laut FAZ ein russischer Nationalist, um die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Putin sitzt in der Patsche. Die westlichen Zeitungen berichten brav von den Wahlsiegen seiner Partei Vereinigtes Russland und beim Leser entsteht der Eindruck, dass Russland mit dem Krieg einverstanden ist. Falls es zu weiteren Siegen der Ukraine kommt, wird es gefährlich für Putin und möglicherweise auch für Europa. Es werden kaum die Liberalen sein, die sich bei seiner Nachfolge durchsetzen. Ich wünsche der Ukraine alles Gute. Doch dieses Spiel mit dem Feuer ist brandgefährlich. Die Einstellung der Kreise, die in Russland noch publizieren dürfen, lässt die Wahl zwischen einem konventionellen Sieg Russlands und einer nuklear erzwungenen Kapitulation der Ukraine. Ich halte es für falsch, sich von diesen Leuten einschüchtern zu lassen. Aber wir sollten uns vorbereiten. Es kann sein, dass wir nicht Jahre Zeit haben, die Bundeswehr einsatzbereit zu machen.

Kai Hügle | Mo., 12. September 2022 - 06:50

Noch vor kurzem war hier in einem Interview von Herrn Dr. Grau mit Oberst Reisner vom "langsamen aber stetigen Vorrücken" der russischen Armee zu lesen. Die Ciceronen erklärten flankierend, dass westliche Waffen entweder schon bei Lieferung durch präzise russische Luftschläge zerstört werden oder aber im Sumpf der ukrainischen Korruption verschwinden. Nicht zuletzt würde daran erinnert, dass die russische Armee sich anfangs immer schwer tut, aber dann - na ja, Napoleon, Hitler und so...
Nun sieht es so aus, als ob die russische Armee schwach angefangen hat und stark nachlässt und die groteske Kreml-Propaganda ("Umgruppierung") einmal mehr in sich zusammenbricht.
Es zeigt sich darüber hinaus, dass Soldaten, die Ihre Heimat und ihre Freiheit verteidigen, wesentlich mehr Kampfkraft entwickeln als das, was das Regime Putin an die Front schickt.
Ich bin jedenfalls sehr auf die nächsten "Analysen" von Grau und Hanselle gespannt und danke Ihnen, Herr Gathmann, für Ihre Berichterstattung.

Gabriele Bondzio | Mo., 12. September 2022 - 11:19

desto schneller werden wir siegen,...tönt es au der obersten Komandoebene.

Das Kriegsrecht Ukraine bestimmt, Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen.
in den Karpaten zu Rumänien, am Fluß Theiß, ist zu beobachten, dass immer mehr ukrainische Männer im wehrfähigen Alter versuchen nach Rumänien zu fliehen. Zudem liegt hier eine beliebte Route für Schmuggel von Zigaretten, Drogen und Waffen(Tagesschau).

4-5.000 getötete ukrainische Soldaten in wenigigen Tagen, sprechen ihre eigne Sprache.
Auch die Analyse des Beobachter der geopolitischen Lage Gilbert Doctorow. Kommt zu den Schluß:..
" In der Realität allerdings hatte die ukrainische Gegenoffensive einen sehr schlechten Start. Sie begann im Süden, in der Region Cherson. Sie ist von strategischer Bedeutung (...) wurde deutlich, dass sie neue Rekruten eingesetzt hatten, die über wenig oder gar keine militärische Erfahrung verfügten. Ich habe die Zahl von 5000 ukrainischen Opfern bei dieser Gegenoffensive gehört"

https://gilbertdoctorow.com/

Wenn man mehr liest als die Passage, die Sie offensichtlich durch ein Übersetzerprogramm gejagt haben, so fällt auf, dass der Autor u.a. vorschlägt, Russland möge seine Zurückhaltung gegenüber Nordkorea (und dem Iran) aufgeben und dort militärische Unterstützung in Form von Panzern und einer oder mehreren Brigaden anfordern. Zwei Dinge werden hier deutlich:
1) Der Autor übernimmt eindeutig die Position des russischen Aggressors.
2) Wie verzweifelt muss man sein, wenn man militärische Hilfe von einem Bankrottsystem wie dem nordkoreanischen benötigt? Die Antwort liefern die Bilder russischer Panzer, die in der Region Charkiw panikartig zurückgelassen wurden.
All das hält den Auto indes nicht von einer Schlussfolgerung ab, die an Comical Ali aus dem Irak-Krieg erinnert und die da lautet: "This war, as I will argue, is going well for the Russians."

Aber wenn es Sie tröstet, Frau Bondzio, so halten Sie sich daran fest.

Tomas Poth | Mo., 12. September 2022 - 11:31

Temporär oder nachhaltig? Die nächsten Wochen werden weisen was das für die Zukunft bedeutet. Verhandlungen um eine Beendigung der Kampfhandlungen und Eintritt in Friedensgespräche, was zu wünschen wäre, oder Steigerung der Kriegshandlungen mit massiveren Methoden?

Sabine Lehmann | Mo., 12. September 2022 - 14:33

Je länger der Krieg dauert, desto abstrakter fühlt er sich an. Man hat sich schon so daran gewöhnt, u. weit weg vom Kriegsschauplatz bleibt das die ewige Folge einer mentalen u. medialen Abstumpfung. Ich versuche dann immer wieder, mir die schrecklichen Geschehnisse, Tote, Verletzte, Angst, Hunger u. Vertreibung ins Gedächtnis zurückzuholen, damit ich nicht noch mehr resigniere. Die Hoffnung, der Krieg möge endlich aufhören, habe ich noch nicht aufgegeben. Und ja, vielleicht gewinnen die Ukrainer gegen die Russen. Ich hoffe es.
Was ganz sicher NICHTS dazu beigetragen hat, sind deutsche Sanktionen, ausgedacht von ideologisch verbrämten Spitzenpolitikern, unter dem Deckmantel der sog. "Solidarität" eine ganze Nation an die Wand fahren, Hauptsache ihre abgedrehten "Klimaziele" werden nachhaltig für die Deindustrialisierung Deutschlands missbraucht! Dabei bereichert sich dieser Staat weiter an Steuern, Sprit- u. Strompreisen, wie kein anderes Land dieser Erde! Für die Ukraine? Ein Witz!

Gunther Freiherr von Künsberg | Mo., 12. September 2022 - 14:57

Daß Olaf Scholz ein selektives Gedächtnis bzw. einen selektiven Gedächtnisverlust hat, ist wohl bekannt. Nur so lässt sich seine Begründung erklären, weshalb Deutschland keine schweren Waffen an die Ukraine liefert. OS begründet dies in dem er ausführt, Waffenlieferungen würden nur international mit den Verbündeten abgeklärt. Die amerikanische Botschafterin hat hingegen erklärt, dass es entsprechende Waffenlieferungen aus der USA an die Ukraine geben würde. Von einer Einschränkung war von ihr keine Rede. Warum lügt Scholz schon wieder, wenn er seine Weigerung auf internationale Absprachen stützt? FDP und Grüne sind offensichtlich zur Panzerlieferung bereit.
Das Problem einer Ampel scheint mir zu sein, dass eine Ampel nicht funktionieren kann, wenn alle 3 Signale, d. h. rot gelb und grün gleichzeitig in Funktion sind und leuchten.