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Polizisten bewachen den Eingang zum Gerichtssaal, in dem am Mittwoch der Prozess zum Tiergarten-Mord beginnt / dpa

Prozess um Tiergarten-Mord - Russland vor Gericht

Heute beginnt der Prozess gegen einen Russen, der vor einem Jahr im Berliner Kleinen Tiergarten einen Tschetschenen ermordete. Mit auf der Anklagebank sitzt der russische Staat: Im Raum steht der Vorwurf des Staatsterrorismus.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Es sind sehr schlechte Zeiten für Menschen, die für gute Beziehungen zu Russland eintreten: Gerhard Schröder, Ex-Bundeskanzler und heute Lobbyist für russische Energieunternehmen, musste sich von Alexej Nawalny gerade einen „Laufburschen Putins“ schimpfen lassen. Angesichts seiner windelweichen Äußerungen zum Mordversuch an dem russischen Oppositionellen kann er dem wenig entgegensetzen. Nawalny ist zwar nach der Rettung durch Ärzte der Charité auf dem Weg der Besserung, aber der Kreml scheint nicht gewillt, die Täter ausfindig zu machen. Stattdessen wirft er eine Nebelkerze nach der anderen.

Der 2014 maßgeblich von Russland losgetretene militärische Konflikt in der Ostukraine ist beinahe in Vergessenheit geraten, schwelt aber noch immer und belastet die europäisch-russischen Beziehungen: Er ist einer der Gründe dafür, dass sich viele Länder in der EU gegen das Projekt Nord Stream 2 stemmen, weil dies Gasleitungen durch die Ukraine praktisch überflüssig machen würde. Und wer es vergessen haben sollte: Auch die Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektierte, sieht der Westen bis heute als ukrainisches Territorium.

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Walter Bühler | Mi., 7. Oktober 2020 - 16:55

Deutschland nimmt viele Menschen auf, die als Flüchtlinge angekommen, aber als Terroristen abgehauen sind. Nach Herrn Gathmann gilt das auch für Herrn Changoschwili, der bei uns zwar kein Asyl erhielt, offenbar aber dennoch geduldet und nicht als Terrorist verfolgt worden ist. Nun wurde er von Herrn Krassikow erschossen, insofern ist ein reales Stück Bürgerkrieg aus dem Kaukasus in Berlin Mitte aufgeführt worden. Der Mörder wurde aber gefasst. Insofern könnten wir alles dem Gericht überlassen.
Herr Guthmann erklärt aber nun Herrn Ch. zum guten Terroristen (Freiheitskämpfer usw.) und Herrn Kr. zum bösen Terroristen, weil er ihn mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung bringt. Er setzt voraus, dass russische Geheimdienste immer böse und grausam sind, während islamistische Kämpfer nur für ihre Freiheit kämpfen. Dieses Märchen nehme ich ihm nicht ab: Terrorist bleibt für mich Terrorist. Wenn einer von diesen Typen umkommt, hält sich meine Empörung und mein Mitleid in Grenzen.

auch Russland hat sich an diplomatische Gepflogenheiten zu halten. Wenn Herr Changoschwili ein Terrorist ist, dann gibt es ein Amtshilfe Ersuchen. Deutschland wäre eine der letzten Länder die nicht dieser Sache nachgegangen wäre.
Deutschland ist nicht der wilde Westen, wo man sich um die Mittagszeit trifft, um eine Schiesserei zu beginnen und dann noch auf belebten Plätzen.
Das in Russland robust mit Oppositionellen umgeht muss man nicht tolerieren. Aber auch in den USA geht man nicht zimperlich mit vermuteten Straftätern um, was die Medien ja auch berichten.
Generell sollte sich die Menschheit daran gewöhnen, dass jeder seine eigene Meinung hat. Mit etwas Toleranz und Respekt geht es doch leichter. Das gilt gerade für viele Machthaber in dieser Welt.

Klaus Funke | Do., 8. Oktober 2020 - 08:56

Wenn Sie, verehrter Herr Gathmann, die Chance ergriffen hätten, einmal "gegen den Stachel zu löcken" wäre Ihr Artikel ein guter Artikel geworden. Aber nein, Sie machten eine Haltungsstory daraus.
Das ist schade und auch schade für CICERO. Der Erschossene im Tierpark war ein übler Terrorist. Russland hat das mehrfach belegt. Er lebte unter uns und er lebte gut, weil alles, was gegen Russland läuft, wohlgetan ist. Man kennt den alten Spruch: "Er ist zwar ein Schweinehund, aber er ist unser Schweinehund!" Richtig an Ihrem Artikel ist die Überschrift: "Russland vor Gericht!" Denn darum geht es. Die Merkel-Regierung ergreift die Gelegenheit - und der Zeitpunkt ist günstig - Russland an den Pranger zu stellen. Es soll der Welt gesagt werden: Seht her, was für ein Mörderregime! Nawalny hat doch Recht: Putin ist ein Mörder! Darum geht es! Diskreditierung und Verleumdung um jeden Preis. Wie im Krieg! Und wir sind schon ganz aktiv in der Kriegsvorbereitung. Ich schäme mich für unsere Justiz!

... wir sind schon in den Kriegsvorbereitungen und auch ich schäme mich für unsere Politik. Unser Land hat Rußland 29 Mio Tote beschert und nun soll es wohl wieder so kommen....? Scheinbar.
In einem Kommentar werden fehlende Hilfeersuchen bemängelt, das ist lächerlich, die laufen so, wie im Fall Nawalny, einfach ins Leere, ungehört, unbeantwortet.

ist mal wieder zu Werk und übernimmt beinahe unredigiert Putins Argumentation. Ein übler Terrorist war er, also lasst doch die Russen bei uns ihre simple Justiz ungerügt ausüben!

Man stelle sich vor, die USA oder etwa die Chinesen würden so regieren.

Aber sicher trifft der als Putin-freundlich bekannte Forist einen Teil der Stimmung in diesem Forum. Eine Schreiberin meinte kurz, fünf Putins wären ihr lieber als eine Merkel.

Anhänger eines Mannes, der Oppositionelle niederknüpplen lässt, ins Gefängnis schmeisst, nach Sibirien verbannt, oder vermutlich daheim oder im Ausland einfach liquidieren lässt. Was soll man da erwarten?

Ein demokratisches, zivilisiertes Russland als Partner im europäischen Kontext wäre überaus wünschenswert.
Solange Russland jedoch von einem "Quasi-Herrscher auf Lebenszeit" und seiner verbündeten Bande wie eigenes Eigentum regiert wird, positioniert sich dieses so interessante Land selbst ausserhalb der zivilisierten Welt.

Ach ja, in den Zeiten grassierender Verschwörungstheorien sehen viele Menschen allüberall fünfte Kolonnen am Werk. Es wird daher vermutlich wenig nützen, wenn ich Ihnen sage, dass ich Putin nicht wählen würde, würde ich in Russland leben. In meinem Kommentar haben Sie ja auch schon überlesen, dass ich dem Gericht die Entscheidung überlassen will.
Worauf ich aufmerksam machen will: In Deutschland haben nicht nur viele Mafiosi, sondern auch viele Islamisten wie Changoschwili einen viel zu sicheren Hafen gefunden. Ich habe das Attentat am Breitscheidplatz noch nicht vergessen, und ich fürchte, dass die Berliner Polizei auch heute noch nicht entschieden genug gegen den islamistischen Terror vorgeht. Nach wie vor wird in Deutschland die Gefahr des islamistischen Terrors verharmlost. Siehe Macrons Rede.

zufälig kam am 6.10.2020 auf ZDF info "der 2. Weltkrieg" und es waren auch die ausgeklügelten Propaganda Vorbereitungen von Herrn Göbbels um den Deutschen den Krieg (Überfall) auf Russland schmackhaft zu machen zu sehen und zu hören. Kann jedem empfehlen sich diese Propaganda selber anzuschauen und vergleichen zu dem was heute abläuft, man bekommt das kalte Grauen. Und damals waren es (wei heute) nicht die linken oder rechten Ränder die auf die Frage "wollt ihr den totalen Krieg" inbrünstig antworteten, nein es waren die Biedermänner/Frauen also die in der bürgerlichen Mitte, aus eigenem Selbstverständnis "die Guten" die es nicht erwarten konnten neuen Lebensraum im Osten zu erobern und den Völkern (damals auch Untermenschen genannt) unsere Kultur beizubringen. Ja man hat das Gefühl es ist wieder so weit und die Propaganda läuft auf Hochtouren und ich sehe niemand der sich dagegen stemmt.

Rolf Rattay | Do., 8. Oktober 2020 - 11:18

Leider kann Gerhard Schroeder nicht behaupten, dass Nord Stream 2 gebaut werden muss, ansonsten die ganze Ukraine okkupiert werden könnte?
Wenn Sarazzin aus der SPD rausgeworfen wurde, dann wundert es mich doch sehr, dass Schroeder nicht das gleiche trifft. Denn wer hier Schurke ist oder nicht, ist doch klar ersichtlich?

Bernhard Weber | Do., 8. Oktober 2020 - 18:24

Antwort auf von Rolf Rattay

Wenn Deutschland seine Energieprobleme nur noch mit Sonne und Wind (selbiger aber auch durch die Sonne entsteht..!) lösen will, brauchen wir die, von den Grünen, der Ukraine und Polen etc. verteufelte, Gasleitung Nordstream 2 unbedingt.
Schröter sei Dank für seine, wenn auch gutgezahlten, Dienste.