Michelle O’Neill
Will Nordirland abschaffen und mit der Republik Irland wiedervereinigen: Michelle O’Neill / dpa

Nordirland - Machtwechsel erschüttert das Vereinigte Königreich 

Nach den Wahlen in Nordirland stellt zum ersten Mal die nationalistische Partei Sinn Fein die Regierungschefin. First Minister Michelle O’Neill kündigt als Erstes ein Referendum über die Wiedervereinigung Nordirlands mit den Rest der Insel an. Doch ihre Partei kann nicht allein regieren. Und der Brexit sorgt für zusätzliche Spannungen.

Tessa Szyszkowitz

Autoreninfo

Tessa Szyszkowitz ist Londoner Korrespondentin des österreichischen Wochenmagazins Profil. Im September 2018 erschien „Echte Engländer – Britannien und der Brexit“. Foto: Alex Schlacher

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„Ich werde eine Regierungschefin für alle Nordiren sein“, verkündete Michelle O’Neill, als ihr Wahlsieg feststand. Ähnliches versprechen zwar praktisch alle in der Stunde des Triumphs, aber im Fall der Vizepräsidentin der nationalistischen Sinn Fein wird es besonders schwierig. Denn Michelle O’Neill wird als First Minister mit der 101-jährigen Geschichte Nordirlands brechen. Erstmal stellen die loyalistischen Unionisten nicht mehr die Regierungschefin. O’Neill aber will noch mehr: Als nationalistische Irin will sie Nordirland abschaffen und mit der Republik Irland wiedervereinigen.  

Das Wahlergebnis erschüttert die bisherigen Machtverhältnisse. Wie prognostiziert gewannen bei den Wahlen zur nordirischen Versammlung in Stormont am Donnerstag die irischen Nationalisten der Sinn Fein mit 29 Prozent der Stimmen mehr als die DUP mit 21 Prozent. Die zentristische Allianz ist dritte Kraft. Erstmals in der Geschichte Nordirlands lösen die katholischen irischen Kräfte in Stormont, dem Belfaster Regierungssitz, die pro-britischen protestantischen Unionisten der DUP als stärkste Kraft ab. 

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Gerhard Lenz | Sa., 7. Mai 2022 - 20:55

Das musste früher oder später so kommen. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung Nordirlands ist in den letzten Jahren gewachsen. Damit ist eine Situation entstanden, die reichlich Zündstoff enthält.
Die Unionisten werden sich jedem Versuch, Nordirland auf eine Vereinigung mit der (überwiegend katholischen) Republik vorzubereiten, widersetzen. Möglich, dass protestantische Terroristen sich darin bestätigt fühlen, der Verbleib beim "Mutterland" sei nur mit Waffengewalt zu sichern. Die Hoffnung, das Unionisten das Wahlergebnis anerkennen und eine für alle Seiten tragfähige Lösung gefunden wird, ist praktisch unmöglich.

Eigentlich käme jetzt dem britischen Premierminister eine entscheidende Rolle zu. Der Narziss Johnson möchte jedoch als der Premierminister in die Geschichtsbücher eingehen, der dem Königreich zu neuer Größe verholfen hat - und nicht als "Loser", unter dem die Briten Nordirland "verloren".

Deeskalierend wird er kaum wirken - neue Troubles scheinen sicher...

Christoph Kuhlmann | Sa., 7. Mai 2022 - 20:57

Das UK wird sowieso immer mehr ein deindustrialisiertes Wage and -Tax dumping Island, dessen Unterschicht mit Spenden durch den Winter gebracht werden muss. Ist doch klar, dass da viele denken: Rette sich wer kann.

Walter Bühler | So., 8. Mai 2022 - 08:24

... an der die EU - trotz aller Trauer und Wut über den Brexit - ganz gewiss kein Interesse haben kann. Gewiss, die Europäische Union wird gleichzeitig von Boris im Westen und von Wladimir im Osten gewaltig in die Zange genommen. Aber das heißt noch lange nicht, dass jeder Feind von Boris oder Wladimir automatisch als ein Freund Europas angesehen werden darf.

Der sehr interessante Artikel von Frau Szyszkowitz schildert leider nur die Positionen der beiden nationalistischen Antagonisten, der "englandtreuen" DUP mit 21% und der irisch-nationalen Sinn Fein mit 29%. Mich würde interessieren, was bei den übrigen, nicht-nationalistischen 50% geschieht. Was verbirgt sich z. B. hinter der Alliance mit 13,5%? Die deutschen Grünen sind mit vergleichbarer Stärke im Bundestag vertreten und können dennoch maßgeblich die Politik mitbestimmen.

Jochen Rollwagen | Mo., 9. Mai 2022 - 14:18

Das war nix, Boris. Das war gar nix. Und Nigel geht langsam auch ein Lichtlein auf, was er da angerichtet hat. Global denken, lokal scheitern ist da wohl das Motto. We are Not amused, indeed, my dear.

Wenn jetzt noch die Schotten und Waliser merken, das es ohne das dekadente Westminster-Establishment besser geht ist England wieder im 12.
Jahrhundert angekommen. Eine Insel mit schlechtem Wetter und zerstrittenen Stämmen in der Nordsee.

Aber die Queen hält die Stellung. Bis zuletzt. Wenn's sein muss in Downtown Abbey.