Elon Musk / picture alliance

Krieg in der Ukraine - Elon Musks unrealistischer Friedensplan

Der Tech-Milliardär Elon Musk hat auf Twitter mit einem Friedensplan für die Ukraine überrascht. Dieser umfasst, dass die Halbinsel Krim auch völkerrechtlich Teil Russlands werden soll. Dabei geht Musk von falschen Prämissen aus: Keineswegs war die Krim immer schon russisch, und auch heute möchte ein großer Teil der Bevölkerung nicht zu Russland gehören.

Autoreninfo

Thomas Urban ist Journalist und Sachbuchautor. Er lebt in Polen. Kürzlich erschien sein Buch „Verstellter Blick. Die deutsche Ostpolitik“

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Nach vielen bundesdeutschen Politikern ist nun auch der Firmengründer und Multimilliardär Elon Musk Opfer der Kremlpropaganda geworden. Anders ist sein Vorschlag für eine stabile Friedensordnung zwischen Russen und Ukrainern nicht zu erklären, denn seine Prämissen sind schlicht falsch. Sein über Twitter verkündeter Friedensplan umfasst im Wesentlichen zwei Punkte: In den vier überwiegend russischsprachigen Gebieten der Ukraine, die Putin zu Teilen Russlands erklärt hat, soll ein Referendum unter UN-Aufsicht über die staatliche Zugehörigkeit entscheiden, die vor acht Jahren annektierte Halbinsel Krim soll auch völkerrechtlich Teil Russlands werden, die Ukraine selbst neutral bleiben.

Die Antwort der Kiewer Führung auf den Vorstoß Musks, dessen Unternehmen den ukrainischen Streitkräften satellitengestützten Kommunikationskanäle zur Verfügung stellen, kam postwendend: Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte über Twitter die Frage: „Welchen Elon Musk magst du mehr? Den Unterstützer der Ukraine oder den Unterstützer Russlands?“ Innerhalb weniger Stunden beteiligten sich Hunderttausende an der Umfrage, 90 Prozent davon votierten für die Ukraine. Musk besserte daraufhin seinen Plan nach: Auch auf der Krim solle ein Referendum stattfinden.

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Gisela Fimiani | Mi., 5. Oktober 2022 - 12:32

Schade, dass sich kaum jemand für Frieden stark macht. Wohin führt es, wenn jede Seite sich im „Recht“ glaubt. Es geht um Zerstörung, um das Auslöschen von Menschenleben, um Chaos weltweit. Ich frage mich, ob die derzeitige Kriegstreiberei dazu führen kann, der Vernunft, der Weitsicht eine Chance zu geben. Russland verschwindet nicht als unser Nachbar. Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben? Darf es keine Kompromisse geben und lassen wir nur unsere Bedingungen gelten? Es geht nicht nur um historische Betrachtungen, die ohnehin nie einheitlich sind. Es geht um unser westliches Menschenbild, um unsere vielbeschworenen Werte, die der Westen in der Vergangenheit, sowie in der Gegenwart selbst ad absurdum führt. Gehen wir in uns und fragen: Sind wir einzig die „Guten“? So scheinen wir uns derzeit zu empfinden. My way or no way……..führt IMMER ins Elend. Wo sind die weisen Staatsmänner, deren Gewissen sie gemahnt, das Besserwisserei, Hochmut und Rechtgläubigkeit Unmenschlichkeit gebiert

Ein für mich sehr guter Kommentar Frau Fimiani. In den Regierungsmedien, der deutschen Politik und der Berichterstattung der ÖRR kommt das Wort Frieden im Zusammenhang mit der Ukraine nur dann vor, wenn behauptet wird, Russland wolle den nicht oder Selenskij würde einen solchen ablehnen. Noch immer wird das Thema emotional transportiert und täglich werden wir von Erfolgsmeldungen der Ukraine und "Niederlagen" der Russen überrollt. Vieles sicher Propaganda, das wenigste belegt, sondern wie bei anderen Themen wird vermutet, einfach mal spekuliert und behauptet. Zaghafte Vorstöße, eine Diskussion zum Thema Frieden anzustoßen, landen sofort in der rechten Ecke, Putinversteher usw., wir kennen das alles schon. Sie haben recht, es bräuchte jemand der den Frieden will und die Parteien an einen Tisch bringt. Bei diesem Krieg gibt es am Ende, wann immer das sein wird keine Gewinner, sondern nur Verlierer auf allen Seiten. Ich lese nichts darüber, was das Volk der Ukrainer eigentlich will.

Jens Böhme | Mi., 5. Oktober 2022 - 12:38

Ist nett gemeint, ein wenig die Historie der Krim zu beleuchten. Hilft leider im heute verfahrenen Sachverhalt nicht weiter, es sei denn, man will mit der Brechstange, wie einst Russland, antworten.

Lars Freudenberg | Mi., 5. Oktober 2022 - 13:30

Die Krim ist eine enorm wichtige Ressource Russland. Diese zurück zu fordern ist Moralisch sicher richtig, aber fast unmöglich umzusetzen ohne das Russland die Nukleare Option in Betracht zieht. Auch Herr Kissinger drängte die die Ukraine auf Verhandlungen zu setzen,und ich würde nicht behaupten das dieser auf die Russische Propaganda reingefallen ist. Ich denke das die Ukraine hier einen Fehler macht wen es die Entschlossenheit Putin unterschätzt. Und die Wichtigkeit der Krim für Russland zu ignorieren. Das könnte Fatal enden. Ich hoffe für die Ukrainer, daß sie sich hier nicht verkalkulieren. Ein geschwächtes Russland unter Putin könnte zu drastischen Maßnahmen greifen.

so, sehe ich die Lage auch, nur einen Ihrer Sätze würde ich gerne ausweiten:

"Ich hoffe für die Ukrainer, daß sie sich hier nicht verkalkulieren"

Hier möchte ich die EU/Deutschland mit einschließen, denn ich finde wir sind auf dem besten Weg uns massiv zu verkalkulieren!

Gabriele Bondzio | Mi., 5. Oktober 2022 - 14:04

Realismus ist wohl von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Besonders wenn ein Feindbild in den Köpfen der Menschen aufgebaut wird und täglich befeuert.

Feindbilder trüben allerdings eine klare Sicht auf den Realismus.
Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille, werter Herr Urban.
Diejenigen welche die Suppe angerührt, werden sich nicht an einem Feindbild orientieren.
Hier zählt nur Macht und der Nutzen daraus.

Musks hat ein Unternehmen aufgebaut, welches ihm nicht so schnell nachgemacht wird.
Wäre das ohne Realismus möglich gewesen?
Ist zudem ein großer Unterstützer der Ukraine in Kommunikationstechnologie.

Seine Befürchtungen, dass es zu immer weiteren Eskalationsschritten kommt...teile ich.

Was russische und ukrainische Funktionäre dazu sagen,
war erwartbar.

Heidemarie Heim | Mi., 5. Oktober 2022 - 16:26

Danke geehrter Herr Urban für Ihre lehrreiche Aufarbeitung der Historie! Doch ich befürchte, und da spreche ich aus eigener Erfahrung, dass Sie und ich uns damit wohl keine Freunde machen werden. Denn wie wir wissen, hat heutzutage derjenige recht, der Gegenteiliges entweder schon früh während des Geschichtsunterrichtes zu Zeiten der UDSSR eingebläut bekam (wie z.B. Freunde von mir), die ungern ihre Kindheitserinnerungen korrigiert sehen möchten, oder besser, es kann sich hier nur um eine Lesart von westlicher, antirussischer Propaganda handeln;). Und wenn dann noch eine mehr oder weniger verhohlene Bewunderung für einen Herr Stalin und seine Politik sowie ein Sieg über uns Nazis, welchen die Russen natürlich ohne Hilfe irgendwelcher Alliierten herbeiführten, dazu kommt, dürfte sich Ihnen und mir so einiges erschließen bezüglich Ungereimtheiten über Generationen hinweg? Bezugnehmend auf die deutsche Historie eigener Vorfahren von 1900 an, gebe ich mich da keiner Illusion
mehr hin. FG

Gerhard Lenz | Do., 6. Oktober 2022 - 09:25

Dabei haben wir von selbsternannten, "friedenssüchtigen Experten", die ohne mit der Wimper zu zucken das Territorium der Ukraine verkleinern würden, bereits jede Menge hier im Forum!

Denn in der Ukraine regieren ja entweder "Nazis", oder die Amis sind an allem Schuld. Und Putin ist ja sowieso nur das Opfer.

Was interessiert, was die Ukrainer wollen?

Immer der gleiche Quatsch.

Auch Musks "geniale Überlegungen" kennen nur einen Verlierer: die Ukraine. Denn diese würde endgültig jeglichen Anspruch auf die von Russland gegen jedes Völkerrecht okkupierten Gebiete verlieren.

Die Krim wird also auch "anerkannt" russisch? Na das käme Putin sicher gelegen, auch wenn es ihm wahrscheinlich egal ist - faktisch hat er durch die Landnahme ja bereits die Kontrolle dort übernommen.
Und warum noch ein Referendum im Osten, wo Russland sich in selbigem von einer mittlerweile völlig russifizierten Bevölkerung hat bestätigen lassen, das man unbedingt zu Russland gehören möchte?

Quatsch eben.