Deutsch-türkische Erdogan-Anhänger feiern die Wiederwahl „ihres“ Präsidenten in Berlin / picture alliance

Liberale Türken verzweifeln - „Allahu Akbar“

Während deutsch-türkische Erdogan-Anhänger den Sieg ihres Wunschkandidaten feiern, rechnen liberale Türken mit dem Schlimmsten. Oppositionelle, Journalisten und Menschenrechtler erwarten neue Verhaftungswellen und ein Erstarken islamistischer Bruderschaften.

Autoreninfo

Ilgin Seren Evisen schreibt als freiberufliche Journalistin über die politischen Entwicklungen in der Türkei und im Nahen Osten sowie über tagesaktuelle Politik in Deutschland. 

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„Der Mann hat wieder gewonnen“ („Adam yine kazandı“) schreibt die kemalistische Tageszeitung Sözcü und macht aus ihrer Ablehnung Erdogans kein Geheimnis. „Wir werden bis zum Grab zusammen sein“ („Mezara kadar beraber olacaǧız“) schwört Erdogan seine Fans siegessicher bei seiner ersten Rede nach der offiziellen Verkündung der Wahlergebnisse ein. Auch wenn der Großteil der Erdogan-Kritiker an den offiziellen Ergebnissen der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı zweifelt, steht der Sieger der Wahlen fest: Recep Tayyip Erdogan.

Mit 52,18% der Stimmen führt er vor seinem Herausforderer Kemal Kilicdaroglu (47,86%). Während auf deutschen Straßen Erdogan-Anhänger mit Auto-Corsos den Sieg ihres Wunschkandidaten feiern, fürchten türkische Frauen das Schlimmste. Denn das vom inhaftierten kurdischen Politiker Selahattin Demirtas als „Taliban-Bündnis“ bezeichnete politische Gespann von Erdogan gilt als das frauenfeindlichste und radikalste der türkischen Parteiengeschichte.

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Markus Michaelis | Di., 30. Mai 2023 - 17:05

Eine interessante Frage. Die einfache Antwort ist: Nichts, weil es nur eine Gruppe unter vielen in D ist, also mit begrenztem Einfluss. Andererseits wird das heutige Deutschand politisch von einer Gruppe geprägt, die ich "biodeutsch, weltoffen, gebildet, mittelständisch-wohlhabend" nennen würde, im Selbstbild ausgleichend zu allen Seiten, hin zu universellen Werten.

Dieses Deutschland wird sich glaube ich ändern, weil, zB mit dem "Ausphasen" der Boomer, diese Gruppe an demografischem Gewicht verlieren wird. Das "neue Deutschland" wird sicher auch mehr durch Migranten geprägt sein. Auch da sind "Erdogan-Türken" nur eine Gruppe, aber organisiert und sicher mit gewissem Einfluss. Die heutige "Mitte" geht davon aus, dass wenn man sich kennenlernt, am Ende alles auf gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Werte hinausläuft. Das scheint mir nicht sicher, und ob die gemeinsamen Werte die der heutigen Mitte sein werden, auch nicht. Auch die Mitte wird sich anpassen und erneuern.

Sie begehen typische Denkfehler, die immer noch weit verbreitet sind. Die sich entwickelnde Gesellschaft in Deutschland wird keine gemeinsame Mitte mehr haben. Es wird nur noch Parallelgesellschaften geben.

Es wird kein Aushandeln von Gemeinsamkeiten geben, sondern bleibende Trennung. Und jede Parallelgesellschaft kämpft für sich. Demokratie kann man unter solchen Umständen keine mehr machen. Es wird dann eine sehr formale Demokratie, die sehr blockiert ist, und die wahren Entscheidungen fallen nur noch in Hinterzimmern. Beispiele gibt es genug: Bosnien, Syrien, Libanon.

Auch deshalb wäre es wichtig, eine gemeinsame Leitkultur zu definieren und diese auch einzufordern. Abgesehen davon, dass die vorhandene deutsche Kultur im deutschen Kulturraum auch per se erhaltenswert ist.

Ich glaube Sie irren sich, der Einfluß dieser Leute ist keinesfalls begrenzt.
Sie haben heute schon große politische Macht. Sehen Sie sich bitte unsere Parteispitzen an.
Ich kann allen, die noch träumen nur empfehlen, sich mit dem Islam zu befassen, obwohl es auch dafür eigentlich schon zu spät ist. Mit Gutgläubigkeit kommt man nämlich nicht weiter.
Es steht alles im Koran und den Hadithen beschrieben.
„Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen."
Sure 2, Vers 191: „Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten!
Sure 2, Vers 193: „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und die Religion (allein) Allahs ist.
Sure 4, Vers 74: „So sollen denn diejenigen auf Allahs Weg kämpfen, die das diesseitige Leben für das Jenseits verkaufen. Und wer auf Allahs Weg kämpft und dann getötet wird oder siegt, dem wird Allah gewaltigen Lohn geben.
usw

geprägt, biodeutsch weltoffen gebildet, mittelständisch wohlhabend …“
Das mag vielleicht für Städte mit einer Million an Einwohnern in deren Zentren gelten, also die so genannten Live Styl Links Grünen oder Grün Linken aber im Kleinstädtisch ländlichen Milieus, wo die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung & Wähler lebt, das sieht die bunte Welt ganz ganz anders aus. Was denken Sie wo die Konservativ ausgerichteten, die mit Multi Kulti nichts aber auch gar nichts am Hut haben denn leben und arbeiten? Wie hoch ist denn der Ausländeranteil, Gott sei Dank, da? In unserer 1200 Seelen Gemeinde bei 3. … 4 %.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Walter Bühler | Di., 30. Mai 2023 - 17:34

Ich finde das Foto zum Artikel ganz toll!

Anhänger und Anhängerinnen von Erdogan (Trump, Orban, Kaczyński, Selenski, Putin, ...) sehen oft ganz anders aus, als unsere biederen Pressemenschen uns weismachen wollen.

Die Wirklichkeit ist viel bunter und diverser, als sie glauben können.

Und was, sehr geehrter Herr Bühler, wollen Sie uns damit sagen? Dass es nicht schlimm ist, dass sich junge Menschen zu Diktatoren hingezogen fühlen, da sie jung und modern aussehen?

Gerhard Lenz | Di., 30. Mai 2023 - 18:22

wo Integration misslingt, wächst Radikalität. Nun sind viele dieser Türken seit langer Zeit in Deutschland, haben oft deutsche Pässe und fühlen sich doch eher einem türkischen Diktator verbunden. Ein Diktator, der ständig von nationalem Stolz, von Ehre, von Unteilbarkeit des heiligen Vaterlandes quasselt, alle Linken, Liberalen, Aufgeklärten für Kommunisten oder kurdische Terroristen bzw. deren Sympathisanten hält. Und diesen rechtsnationalen Mix hat er noch, und das überaus erfolgreich, mit religiösem Eifer gemischt. Das wirkt.

Nicht bei den Aufgeklärten. Nicht bei jenen, die sich in die Gesellschaft integriert haben. Sondern bei jenen, die zwar die Vorzüge der liberalen Demokratie jeden Tag genießen, sie aber im nächsten Moment als Sündenbabel ablehnen, in der noch dazu Türken angeblich als Menschen dritter Klasse gelten.
Es interessant, wer ganz schnell Erdoghan gratuliert hat. Putin soll über den Wahlausgang außerordentlich erfreut sein. Noch ein West-Hasser fest am Ruder...

Gerhard Lenz | Di., 30. Mai 2023 - 18:48

Sollen sich doch die Wutbürger über das Wahlverhalten der Türken in DE echauffieren...

Andere freuen sich!

Vladimir Putin: Der Wahlsieg war gesetzmäßiges Resultat Ihrer selbstlosen Arbeit auf dem Posten des Staatschefs der Türkischen Republik!

Viktor Orban, gleichfalls überschwänglich: Glückwunsch an Präsident Erdogan zu seinem unangefochtenen Wahlsieg! Herzlichen Glückwunsch! (Quelle: FR)

Putin, Orban, Trump, Erdogan, gefeiert und umschmeichelt von der AfD und anderen Rechtspopulisten und -extremisten, alles die gleiche Bande...

Stefan Jarzombek | Di., 30. Mai 2023 - 19:25

Nicht?? Ich persönlich habe nie daran gezweifelt, daß Herr Erdogan die Wahl gewinnt.
Doppeltes Wahlrecht hat sicherlich etwas dazu beigetragen.
Hier wählen viele der türkischen Leute die Grünen oder SPD, zuhause halt AKP. Verwerflich? Iwo, beides geht, wie der Leser hier schwarz auf weiss sehen kann. Der Migrant kann ja auch eine 1. und 2. Heimat haben, deren Weltbilder völlig konträr zueinander stehen.
Sie sind halt noch nicht so ganz grün bekehrt worden, die Anhänger der etwas, sagen wir mal etwas islamistischeren Fraktion.
Da wäre doch ein Besuch der Außenministerin Baerbock gerade jetzt angebracht und tut Not, um gerade jetzt in dieser schweren Stunde für Opposition, Frauen und anders Denkende, zumindest ein kleines bisschen feministischen Wind ins neue und alte Sultanat zu blasen.
Aber Vorsicht, nicht zu frech werden, sonst öffnet der Wahlsieger die Tore und Millionen von Glücksuchenden strömen gen Westeuropa.(„Mezara kadar beraber olacaǧız“) schwört Erdogan,na dann Glück auf!

Albert Schultheis | Di., 30. Mai 2023 - 20:21

Da haben wir uns eine richtig feine Baggage nach Deutschland geholt! Die erzfaschistischen Grauen Wölfe aus der Türkei, die Taliban aus Afghanistan, die Clans aus Arabien und dem Libanon und die jungen Messer- und Machetenhelden aus Afrika - alle im Namen Allahu akhbars! Danke Merkel! Danke Annalena und Nänzi! Alle gleich zu Staatsbürgern gemacht, damit die morgen ihre Schutzgöttinnen wählen. Derweil der Robert die Bürger mitsamt ihrer Wirtschaft abräumt und Claudia und Lisa den Rest von Familie Kultur und Tradition in die Tonne treten! - Oh Deutschland, Deutschland, wie warest du so blind!

Urban Will | Di., 30. Mai 2023 - 21:28

Bereich zu verorten, sind immer vorne dabei und übertreffen sich gegenseitig im „Verurteilen“ politischer Verhältnisse oder Wahlergebnisse in anderen Ländern, so etwa Ungarn oder Polen, um mal zwei Beispiele zu nennen.
Nun aber schweigen sie...
Ok, nicht dass ich etwas anderes erwartet hätte, stufe ich doch jeden Hühnerstall intellektuell höher ein als die namhaften Vertreter unserer Politik oder der NGOs. Was nicht ins Bild passt, wird totgeschwiegen. Man könnte ja sonst auf die Idee kommen, es hätte was nicht so funktioniert bei der Integration.
Aber unabhängig davon.
Das Bild zum Artikel könnte auch in Ankara aufgenommen worden sein, an heißen Tagen sieht man dort mehr kurze Röcke und hübsche, gestylte Damen als Kopftücher. Im Gegensatz zu Kreuzberg.
Ob sich die durchaus weltoffenen jungen Türken (was offensichtlich nicht im Widerspruch zur Wahl Erdogans steht)von den hier im Artikel erwähnten frauenfeindlichen Parteien in die Steinzeit zurückführen werden lassen, bleibt abzuwarten

Aljoschu | Mi., 31. Mai 2023 - 00:23

wir sehen auf dem bunten Foto zwei wahrscheinlich türkische Menschen mittleren Alters, ein Paar, das offenbar in seinem Gastland angekommen ist, sie sprechen wahrscheinlich beide fließend Deutsch. Die Frau ist gutaussehend, auffallend geschminkt und gekleidet, aber ohne Kopftuch. Ihr weißes Auto, eher gehobene Mittelklasse. Jeder Deutsche würde auf Anhieb von ihnen behaupten, die beiden seien zu 100% integriert. Und doch zeigen beide mit der linken Hand das Erkennungszeichen der türkischen Nazis, das Symbol der Grauen Wölfe. Sie leben also hier in aller grenzenloser Freiheit, die ihnen ein zerlumptes Grundgesetz bietet und dennoch schämen sie sich nicht, sich als Feinde der Freiheit, der Demokratie und Gleichheit zu outen. Mir sind viele von diesem Typus Türken begegnet und ich frage mich jedesmal, welcher verantwortungslose Beamte hat denen die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen. Es ist als würden wir die Tore Konstantinopels den Türken ein zweites mal von Innen öffnen!

Hans Süßenguth-Großmann | Mi., 31. Mai 2023 - 09:58

als weltoffene, bunte Gesellschaft auch die oben beschriebenen islamistischen Einstellungen tolerieren, denn das ist ja autochon, kommt aus dem Innersten dieser Leute, Gegenpositionen sind postkolonialistisch u.s.w.
Es bleibt zu konstatieren, dass 100 Jahre nach ihrer Gründung, die Erziehungsdiktatur Atatürks in Teilen gescheitert ist, wie überall in der islamischen Welt. Das Dorf hat die Stadt besiegt.
Wir haben es eben nach 20 Jahren in Afghanistan noch nicht begriffen.