Eine Puppe, eine Schüssel mit Stecknadeln und ein gerahmtes Foto des russischen Präsidenten Wladimir Putin stehen in der Pizzeria Simona im Zentrum von Kiew für die Kunden bereit / picture alliance

Europa und Russland - Was kommt nach Wladimir Putin?

Während sich die postsowjetischen Republiken modernisieren, schaut Putins Russland nur in die Vergangenheit. Putins Ende wird aber keine Lösung der Probleme bringen. Eine Analyse.

Autoreninfo

Dr. Alexander Dubowy ist Forscher im Bereich Internationaler Beziehungen und Sicherheitspolitik mit Schwerpunkt auf Osteuropa, Russland und GUS-Raum.

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Warum scheitert Russlands Anspruch auf eine eigene unangefochtene regionale Einflusssphäre? Die Antwort sollte nicht überraschen: Der Anspruch scheitert – entgegen den in den Köpfen russischer Entscheidungsträger umherschwirrenden Feindbildern – an der Unfähigkeit Moskaus, die – durch wirtschaftliche Hard Power unterlegte – kulturell-ideologische Anziehungskraft zu entfalten.

Die ausgeprägte Schwäche Moskaus auf der kulturell-ideologischen Ebene – der sogenannten Soft Power – erweist sich als die eigentliche Achillesferse der Russischen Föderation. Trotz des durchaus im ausreichenden Maße vorhandenen Potenzials, gelingt es Russland seit über drei Jahrzehnten selbst im postsowjetischen Raum nur äußerst begrenzt, die eigene kulturelle Attraktivität ansprechend zu gestalten.

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Romuald Veselic | Di., 29. November 2022 - 09:13

Wunschdenker, aber immerhin, eine fotogene Karikatur.
Da meine Konfession Aberglaube verbietet, halte ich nichts von Voodoo. Ein Schuß aus dem antimateriellen Gewehr, wäre die beste, pulverisierte Option.

Noch heute kann mich klar erinnern, wie wir uns, nachdem Breschnews Tod bekannt wurde, erfreut zuprosteten. Mit Sliwowitz. Der Henker vom Prager Frühling war endlich tot. Viele aus/im Ostblock freuten sich damals darüber.
Putin steht dies noch bevor.

Karl-Heinz Weiß | Di., 29. November 2022 - 10:30

Der Krieg gegen die Ukraine mit all seinen Begleiterscheinungen hat dem dortigen, lange brutal unterdrückten Nationalbewusstsein einen gewaltigen Schub verliehen. Tendenzen für das Konstruieren einer "Erbfeindschaft" sind nicht zu übersehen. Ohne ein UN-Mandat (Beispiel Zypern) wird dieser Krieg noch lange dauern.

Gerhard Lenz | Di., 29. November 2022 - 11:23

haben sich ins Gegenteil dessen verkehrt, was er wollte. Russland sollte noch während seiner "Regentschaft" die Größe der alten Sowjetunion zurückgewinnen. Diesem Ziel hat Putin alles andere untergeordnet.
Und so präsentiert Putin ständig neue Wunderwaffen, protzt mit der Stärke seiner Armee, hatte nicht mal Bedenken, sich selbst als eine Art russischer "Chuck Norris" in der Weltöffentlichkeit lächerlich zu machen. Im Grunde ist Putin noch immer ein Provinzschnüffler, der mit den Realitäten des 21. Jahrhunderts völlig überfordert ist und meint, er könne aktuellen Herausforderungen nur durch Militanz und Kampf bestehen.

Schlimmer noch: Russland unter Putin ist ein intellektueller Friedhof, auf dem völkisch-christliche Werte des 19. Jahrhunderts zur Staatsnorm erhoben werden und der aufgeklärte Mensch der westlichen Welt als "dekadent" verschrien wird.

Russische Medien bilden ausschließlich Putins Weltbild ab. Anderes Denken, Meinungsvielfalt wurden systematisch unterdrückt.

Urban Will | Di., 29. November 2022 - 12:07

und Existenz eines Großmacht – Status als Ende Russlands („wie wir es kennen“, also als Großmacht?) zu bezeichnen, dieses Land also gedanklich in eine Kammer zu stecken wie einst Schrödinger seine Katze, und seinen Zustand „sowohl tot als auch lebendig“ zu sehen, bis mal einer genau nachschaut, bzw. (im Falle Russlands) nachfragt, ist interessant, aber die Antwort gleich mit „tot“ festzulegen, verstehe ich nicht.
Eine Land ist kein Lebewesen, es kann sich doch durchaus in einem Zustand der Undefinierbarkeit - Großmacht oder nicht – befinden. Wer entscheidet das überhaupt?
Und da sind wir bei der Gretchenfrage. „Wie hast du's mit der Gleichbehandlung?“ Die Sache mit Hawaii (USA, Annexion, Volksentscheid) lief ähnlich wie mit der Krim, nur dauerte es viel länger und es gab dort 1898 noch keine Pazifik – Flotte. Nur als Beispiel.
Es ist mühsam über Recht und Unrecht zu reden, wenn man sich nicht über die Maßstäbe und Regeln einig ist.
Man sollte endlich über die Ursachen reden.

Hr. Will, die Frage der Gleichbehandlung ist verboten!
Es geht ausschließlich um die geopolitische Machtfrage. Ihr Hawaii-Beispiel wird ausgeblendet. Ebenso der Irakkrieg von USA&GB, ein völkerrechtswidriger Krieg wie der Ukrainekrieg der Russen, wurde klaglos hingenommen, die Propagandalügen in unseren Medien verbreitet.
Was die USA betreiben ist nichts weiter als die dominierende Weltmacht zu bleiben. Sie benutzen die berechtigte Verteidigung der Ukrainer gegen Russland, um eine Rivalen aus dem geopolitischen Spiel nehmen zu können.

Ich empfehle das - Buch Nationale Interessen -, ISBN 978-3-8275-0154-7 von K. v. Dohnanyi. Es zieht einen roten Faden geopolitischer Interessen vom Kaiserreich bis heute.

Ukrainekrieg einstellen, Verhandlungen beginnen, allen Ethnien in der Ukraine gerecht werden.

von Ihnen auch gerne Hintergründe genannt. Wer die kennt - und wichtiger noch - versteht, kommt sicher zu dem Schluß, dass Putin nur in Notwehr gehandelt hat, als er die Ukraine überfiel. Oder, weil selbst Sie das schwerlich zugeben können: Weil Putin eben so denkt wie er denkt, und das hätte man eben berücksichtigen müssen.
So wie Hitler oder Stalin eben das gedacht haben, was sie zu Massenmördern machte. Hätte man das verstanden, dann....ja dann was? Hätte Hitler keine Juden vergast, Stalin keine angeblichen Regimefeinde, und Putin nicht die Ukraine überfallen.
Klar doch: Der Westen, und besonders die russischen Anrainerstaaten sollten ihre Politik an den jeweiligen mentalen Zuständen des russischen Staatenlenkers orientieren.
Geht's noch?

Und was Ihr absurder Hinweis auf Hawaii angeht: Ich empfehle Ihnen das Kapitel
"Expansion im Kaukasus und Zentralasien", auf folgender Seite:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Russlands

Dann können wir ja mal "gegenrechnen"...

Gerhard Fiedler | Di., 29. November 2022 - 12:33

Dieses Foto, gemacht in der Pizzeria Simona in Kiew, hier im Cicero darzubieten, ist geschmacklos, gehört sich nicht und sollte sich für den Cicero verbieten. Er sollte sich dafür schämen. Soweit darf Hass nicht gehen. Einem Menschen den Tod zu wünschen, dies ist schließlich mit dem Tielbild gemeint, egal wie man zur Person Putin steht, widert mich an. Hätte man sich getraut, auch mit Bush-jun. hinsichtlich seines Irak-Krieges so zu verfahren? Nein, ein Aufschrei hätte stattgefunden.

Diese Form der Empörung, einen „Aufschrei“, sucht man bei vielen Ciceronen vergeblich - wenn es um den russischen Überfall auf die Ukraine und die zahllosen Kriegsverbrechen einschließlich der systematischen Vergewaltigungen geht, mit denen Putins verlotterte Soldateska das Land seit neun Monaten überzieht.
Sie setzen da offenbar andere Prioritäten…

Albert Schultheis | Mi., 30. November 2022 - 07:08

Genau, die Schwäche der Russen auf der "kulturell-ideologischen Ebene - der Softpower", während man in Kiew Voodoo-Puppen auflegt, damit sich die Leute im Bruderkrieg am anderen "Volodimir/Vladimir" abreagieren können! Wie haushoch überlegen der Westen gerade in der "Softpower" ist, konnten wir gerade in Kabul beobachten! Und die Zustände in den zerfallenden, uneinigen Staaten von Amerika sind auch nicht gerade berauschend.
"Der Anspruch scheitert ... an der Unfähigkeit Moskaus, die – durch wirtschaftliche Hard Power unterlegte – kulturell-ideologische Anziehungskraft zu entfalten." Ob es am Ende auf die überragenden Skills der Softpower ankommt oder auf die bewährte russische Resilienz und Leidensfähigkeit - das bleibt noch abzuwarten.