Königspalast von Kabul
Der Königspalast von Kabul sollte nach dem Wiederaufbau eigentlich als Sitz des afghanischen Parlaments dienen / Gary Knight

Demokratie in der Welt - Rolle rückwärts

Lange Zeit galt es als selbstverständlich, dass sich die Demokratie als Regierungsform immer weiter ausbreitet. Doch seit einiger Zeit hat sich der Trend umgekehrt. Die Welt erlebt die Rückkehr autoritärer Regime. Und ausgerechnet die Digitalisierung hat einen großen Anteil daran.

Autoreninfo

Harald Maass ist Journalist und wurde für seine Arbeit im Jahr 2019 mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet.

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Als vor 16 Jahren der Grundstein für das neue Parlament von Afghanistan gelegt wurde, ein prächtiger Kuppelbau im Süden Kabuls, waren die Hoffnungen groß. Mohammed Zahir Schah, der letzte afgha­nische König, nahm im betagten Alter von 90 Jahren an der Zeremonie teil, um nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs und der Gewaltherrschaft die Demokratisierung seines Landes zu unterstützen. Hier werde das „Herz der Demokratie Afghanistans“ entstehen, sagte Indiens Premierminister Manmohan Singh, dessen Land den 200 Millionen Dollar teuren Bau finanzierte. 

Seit vier Wochen steht das Parlament leer. Auf der Webseite sieht man noch die Bilder des letzten Besuchs von Präsident Aschraf Ghani, der sich kurz darauf ins Exil absetzte. Die meisten der Volksvertreter sind geflüchtet. „Wir fürchten um unser Leben“, sagt die Abgeordnete Farzana Kochai. 

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gabriele bondzio | Mi, 20. Oktober 2021 - 10:16

Warum in die Ferne schweifen..., Herr Maass?
Aus den "Abschiedsbrief einer Grünen an ihre Partei", sei folgendes (was ich auch fühle) zitiert:

" Wie rechtfertigt ihr dann die aktuellen Diskriminierungen der Ungeimpften im gesellschaftlichen Leben? Ihr wollt niemand wegen seines Geschlechtes, wohl aber wegen seines Impfstatus ausschließen? Obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass Geimpfte Viren genauso spreaden wie Ungeimpfte. Früher wäre das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und Gleichberechtigung für uns alle unantastbar gewesen."

Schöne neue Welt der, in der moralische? Grundsätze zu ideologischen Zwecken mißbraucht werden. Diese Ideologie, wo einerseits Randgruppen verhätschelt werden und andererseits ein gnadenloser Kampf gegen Andersdenkende(im Millionenbereich) stattfindet. Spricht zwar die Grünen besonders an, wird aber zunehmend auch Regierungshandeln. Das passt weder zur demonstrativ, vor sich her getragenen Menschlichkeit und noch weniger zu einer Demokratie.

Christa Wallau | Mi, 20. Oktober 2021 - 11:05

ist es, Demokratie in ihm zu erhalten u. erst recht, sie überhaupt aufzubauen.
Genau aus diesem Grund sind die als vorbildlich demokratisch genannten Länder k l e i n : Luxemburg, Schweiz, Irland, Dänemark.
Nur Bürger, die sich mit ihrem Staat u. ihren Mitbürgern identifizieren u. eine innere Bindung an die Unabhängigkeitsgeschiche ihres Heimatlandes haben, bringen die notwendige "Energie" auf, Demokratie dauerhaft zu leben.
Wo Materialismus die vorherrschende Ideologie ist und wo Egoismus u. das Recht des Stärkeren die Garantie für Aufstieg u. Wohlstand bilden, hat die Demokratie schlechte Karten. Sie ist die schwierigste aller Regierungsformen, weil sie Voraussetzungen braucht, auf die jeder autoritäre Staat verzichtet:
Freiheit, Selbstbestimmung u. gegenseitige Achtung - zumindest unter den Menschen, welche die tragende Gesellschaftsschicht bilden. Es ist leicht, u. es gibt viele Wege, demokratische Strukturen zu unterhöhlen.
Die EU hat ihren eigenen Weg auch längst gefunden.

Walter Bühler | Mi, 20. Oktober 2021 - 12:40

... nämlich die wirtschaftliche Entwicklung in den islamischen Ländern, die sich der Politik Saudi-Arabiens und der Scheichtümer angeschlossen haben. Ich sehe darin den Erfolg einer islamischen Doppelstrategie, die von den westeuropäischen Staaten in unverständlicher Weise hingenommen wird. Das soziale Elend in diesen Ländern wird per Flüchtlungsströmen systematisch nach Europa exportiert, wobei die frommen Scheichs alles tun, um die religiös-politische Betreuung komplett in den Händen zu behalten. Ansonsten wird ein ungeheurer Reichtum angehäuft, mit dem Wirtschaftsbetriebe (und auch Fußballklubs) in islamische Hände gelangen.

Die Mega-Städte der Golf-Region sind für die Nachbarn ein sichtbares Zeichen, dass die islamistischen, anti-demokratischen Staaten schneller zum Wohlstand kommen als die, die den Weg der westlichen Demokratien gehen.

Der Kampf der arabischen Fürsten gegen die Demokratie ist höchst erfolgreich. Sie wird nur noch als Auslaufmodell wahrgenommen.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 20. Oktober 2021 - 14:47

Ihrer beiden Gedanken waren auch meine ersten als ich den Artikel las. Ich fragte mich sofort: Hat Herr Maass da nicht etwas vergessen? Wie sieht es inzwischen mit Deutschland aus? Meine Damen, sie haben die für mich richtigen Antworten gegeben. Danke.
An die übrigen Foristen. Es darf jetzt nur noch ein weiterer Mann antworten, damit die Quote gewahrt bleibt. Diverse und andere können sich natürlich äußern. :)

Markus Michaelis | Mi, 20. Oktober 2021 - 18:05

Natürlich verteidigen wir unsere Demokratie (die auch spezielle ist) und die (bei uns) damit verbundenen Werte. In der Welt gibt es viele, verschieden gelagerte Beispiele, wie der Artikel zeigt.

90% der Chinesen würden in freien Wahlen wahrscheinlich die KPC wählen - zumindest deutlich mehr als etwa für einen EU-Beitritt stimmen würden. In der EU ist es fast allen klar, dass es zu einer zusammenwachsenden EU kaum eine Alternative gibt, dass man das aber auch nicht im nationalstaatlichen Sinne rein demokratisch erreicht. Niemand würde heute EU-weit wirklich darüber abstimmen oder gleiche Wahlen abhalten - die Fliehkräfte und unüberbrückbaren Differenzen wären viel zu groß (zwischen den Menschen, nicht den Regierungen). In instabilen Ländern sehen die Menschen einen Autokraten oft als die bessere Lösung zum Bürgerkrieg. Wirkliche Vielfalt und Demokratie ist auch etwas Neuland - Grundvoraussetzung ist Wahlsiege der anderen zu akzeptieren. Es lohnt sich sehr, mehr darüber nachzudenken.

Jürgen Klemz | Mi, 20. Oktober 2021 - 18:25

...laufen doch hierzulande auf Hochtouren, mehr gibt's dazu nicht zu sagen, ausser doch: die meisten freuen sich drauf, oder sind schlichtweg zu doof und zu gleichgültig das zu sehen!

daß Viele ein autoritäres Regime (16 Jahre Merkel!) freiheitlich-demokratisch agierenden, wechselnden Regierungen vorziehen. Geradezu mit Wonne beugen sie sich unter die Corona-Zwangs-Verordnungen u. möchten diese am liebsten auf ewig verlängert sehen. Soll doch der Staat - im Bedarfsfalle - sofort über alle Bürger verfügen dürfen!!

Eine derartige Haltung zeigt nur eines: Feigheit u. Dummheit.
Kein anderes Volk läßt sich derart von Angstmacherei beeinflussen wie das Deutsche. Dies beweist am klarsten die Klimahysterie, die n u r in Deutschland dazu führt, daß die gesamte Politik danach ausgerichtet wird.
Das Verrückte dabei ist: A k u t drohende Gefahren werden gleichzeitig ausgeblendet, z. B. Illegale Immigration i. d. Sozialsysteme, Islamismus, Inflation.

Es gibt auch in D mutige, eigenständig denkende Menschen . Aber sie werden von der Mehrheit ihrer Mitbürger - von den Medien unterstützt - erfolgreich als Idioten, Verschwörungstheoretiker bzw. Rechtsradikale diskriminiert.

Werner Zillig | Mo, 25. Oktober 2021 - 11:08

"Offenbar hat eine Mehrheit der Afghanen die gesellschaftlichen Verbesserungen, etwa bei den Frauenrechten, als nicht so erhaltens- oder schützenswert eingestuft, dass sie dafür zu kämpfen bereit gewesen wäre."

Dieser Satz, der die großen argumentativen falschen Linien offenbart, sollte mehrfach gelesen und durchdacht werden. Es wird einfach vorausgesetzt, dass Frauenrechte etwas Positives sind. Nein, das sind sie nur in Gesellschaften, die einen gewissen Entwicklungsstand erreicht haben. In Afghanistan steht Tradition gegen westliches Denken, und die Tradition hat gesiegt.

Im übrigen haben "gemäßigte Diktaturen" wie China gegenüber westlichen Staaten mit ihren großen internen Debattier-Reibungsverlusten immer einen gehörigen Vorteil, wenn es um die Durchsetzung von Positionen nach außen geht.