Attentat in Christchurch - „Willkommen in der Hölle“

Als ein Mann im Kampfanzug am vergangenen Freitag die Al-Nur-Moschee in Christchurch betritt, beginnt für Neuseeland die dunkelste Stunde seiner Geschichte. Der Investigativ-Journalist Selwyn Manning zeichnet sie nach und erklärt, was die Tat für den „Kiwi Way“ bedeutet

Ein Mädchen trauert nach dem Anschlag in Christchurch
Ein Mädchen trauert nach dem Anschlag in Christchurch: Der „Kiwi Way“ muss neu definiert werden / David Robie

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Selwyn Manning ist Gründer und Chefredakteur des neuseeländischen Evening Report. Er gilt als einer der renommiertesten Investigativ-Journalisten des Landes

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Selwyn Manning

Freitag, 15. März, 13:39 Uhr: Wie üblich an einem Freitag sind Hunderte von Menschen in die Al-Nur-Moschee in Riccarton, Christchurch, zum Beten gekommen. Alles ist friedlich, unter Frauen, Kindern, Männern, Menschen aller Altersgruppen, Jung und Alt, sowohl Sunniten als auch Schiiten, herrscht beschauliche Ruhe. Es ist ein milder Tag im Spätsommer bei 20 Grad Celsius. Zuvor hat das Cricket-Team aus Bangladesch während seiner Tour die Moschee kurz besucht, hatte sie aber früh zu einer Pressekonferenz verlassen. Um 13:39 Uhr waren sie zurückgekehrt und sind gerade dabei aus ihren  Bus auszusteigen. Sie wollen ihr Gebet in der Moschee fortsetzen.

Schüsse während des Gebets

Um 13.40 Uhr erscheint ein Mann noch vor dem Team an der Moschee und läuft die Eingangstreppe hoch. Er trägt ein Sturmgewehr und hat eine Kampfuniform an. Er fängt sofort an, auf Menschen zu schießen, die zum Gebet niederknien. Die Schüsse fallen und die Mitglieder des Bangladesch-Teams erkennen, dass sie Zeugen eines Anschlags werden. Sie ziehen sich zurück und fliehen zu Fuß in den nahe gelegenen Hagley Park.

In der Al-Nur-Moschee wurden zahlreiche Menschen während ihres Gebets niedergeschossen, einige waren sofort tot, andere verbluteten. Unter den Opfern befand sich der kleine Mucaad Ibrahim, der drei Jahre alt war. Mucaad wurde von seinen Angehörigen als weise „alte Seele“ bezeichnet und besaß eine „Intelligenz über seine Jahre hinaus“. Augenzeugen berichteten, dass der kleine Mucaad, sobald der Mörder Menschen erschoss, von seiner Familie getrennt wurde. Im Chaos konnte seine Familie ihn nicht finden. Am nächsten Tag bestätigte die Polizei, auch er sei vom Mörder erschossen worden.

Die Morde in der Al-Nur-Moschee setzen sich fort, bis die Schusswaffen des Mörders keine Kugeln mehr haben. Dann geht er einfach aus der Moschee hinaus, steigt in sein Auto und fährt sechs Kilometer zur Linwood Moschee. Auch dort haben sich Menschen zu ihrem regelmäßigen Freitagsgebet versammelt.

In der Linwood-Moschee befindet sich Abdul Aziz, der sich dort mit seinen muslimischen Freunden getroffen hat. Er beginnt gerade sein zweites Gebet, als er draußen Schüsse hört. Zuerst denkt er, jemand spiele mit Feuerwerkskörpern. Aber dann, innerhalb von Sekunden, hört er Leute schreien.

Die Al Noor-Moschee
Die Al-Noor-Moschee nach der Attacke / picture alliance

Mit einem Kartenlesegerät gegen das Sturmgewehr

Abdul Aziz nimmt ein Kartenlesegerät von einem Tisch in der Moschee an sich. Er rennt nach draußen. Er sieht einen Mann, der „wie ein Soldat aussah“, wie Aziz ihn später beschreibt. Er sagt zu dem Mann: „Wer bist du?“ Aziz sieht dann drei Menschen auf dem Boden liegen, sie sind offenbar von einer Shotgun getötet worden. Er versteht sofort, dass der Mann, der wie ein Soldat aussieht, der Mörder ist. Er nähert sich dem Angreifer, wirft das Kartenlesegerät auf ihn. Der Mörder holt daraufhin eine zweite Schusswaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr im militärischen Stil aus seinem Fahrzeug und feuert vier bis fünf Schüsse auf Abdul Aziz ab, verfehlt ihn aber. In einem Versuch, den Mörder von anderen Leuten wegzulocken, schreit Aziz den Mörder aus der Deckung eines Autos an: „Komm, ich bin hier. Komm, ich bin hier!“ 

Aziz sagte später, er wollte nicht, dass der Mörder in die Moschee geht und noch mehr Menschen umbringt. Aber der Mörder blieb konzentriert. Er ging direkt zum Eingang, als er in die Moschee hineingelangte, fuhr er  in seinem Tötungsrausch fort. 

In der Linwood-Moschee kniet ein weiterer Zeuge, Shoaib Gani, im Gebet. Er hört ein Geräusch wie mehrere  Feuerwerksknaller, aber er und andere lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und setzen ihre Gebete fort. Dann, als er und seine Mitanbeter kniend Verse aus dem Koran rezitieren, fällt der Mann neben ihm nach vorn, Blut rinnt aus seinem Kopf. Er sei sofort tot gewesen, sagte Gani. Dann fielen auch andere zu Boden. Gani kriecht unter einen Tisch. Er sieht den Mörder und seine Schusswaffe. „Auf das Gewehr geschrieben waren die Worte ‚Willkommen in der Hölle‘“, erinnert sich Gani.

Opfer, die verwundet sind und bluteten, beten Gani, ihnen zu helfen. Aber unter dem Tisch liegt er wie erstarrt. Er weiß, dass der Mörder in der Moschee herumläuft und so viele Menschen wie möglich tötet. Gani ist sich sicher, dass auch er bald tot sein würde, also greift er nach seinem Handy und ruft seine Eltern in Indien an. Niemand geht ran. Er versucht, das Handy seines Vaters anzurufen, aber das Telefon klingelt nur. Um ihn herum sieht er Menschen verbluten. Andere lagen da mit tödlichen Kopfverletzungen. „Ich konnte einfach nichts tun" Gani ruft die Notrufnummer von Neuseeland an und teilt den Behörden mit, dass es Tote und Verletzte gebe: „Die Dame am Telefon bat mich, so lange wie möglich in der Leitung zu bleiben.“

Draußen sammelt Abdul Aziz eines der weggeworfenen Gewehre des Mörders auf. In der Moschee sind in dem Sturmgewehr des Killers keine Kugeln mehr übrig. Der Mörder lässt seine Waffe fallen und rennt zu seinem Auto zurück. Er setzt sich auf den Fahrersitz. Aziz rennt auf das Auto zu. Er wirft ein aufgesammeltes Gewehr auf das Fahrzeug des Mörders. „Ich habe es wie einen Pfeil geworfen. Es hat sein Fenster zerschmettert.“ Aziz glaubt, der Mörder denkt, jemand hätte mit einer geladenen Waffe auf ihn geschossen. Der Mörder dreht sich um. Er flucht.  Als das Fenster platzt, fallen die Glasstücke in den Innenraum des Autos. Laut Aziz fuhr der Mörder dann los. Dann bog er rechts von der Moschee ab und fuhr über eine rote Ampel in die Vorstadtstraßen von Christchurch.

Die Festnahme

Einige Minuten später kommen Polizei und Krankenwagen in der Linwood Moschee an. Die bewaffnete Anti-Terror-Polizei betritt die Moschee. Drinnen, sagt Shoaib Gani, sei den Überlebenden befohlen worden, ihre Hände über ihren Kopf zu legen. Überall klebt Blut. Die Polizei sichert den Bereich. Einige Opfer haben überlebt, weil sie unter den Körpern der Leichen Deckung gefunden hatten. Die Polizei sagt den Überlebenden, sie sollen sich draußen  in der Nähe einer Grasfläche versammeln. Dort beginnen die Menschen, zu weinen, um ihre Ehemänner, Ehefrauen, Eltern, Kindern und Freunde.

Route Attacke
Die Route des Täters / Evening Report NZ

17 Minuten später identifizieren zwei Polizisten den Mörder in seinem fahrenden Auto. Sie rammen das Auto des Mörders gegen einen Bordstein. Sofort entwaffnen sie ihn, fesseln ihn und sicherten die Szene ab. Im Auto finden sie selbstgebaute Bomben

Der Rest von Christchurch steht unter Hausarrest.  Kinder werden in ihren Klassenzimmern in Sicherheit gebracht, Krankenhäuser bereiten sich auf die Opfer vor. Die Straßen der Stadt werden unheimlich still, die Menschen sind eingesperrt in Bibliotheken, Geschäften und ihren Häusern. Hubschrauber der Polizei und der Armee kreisen am Himmel. Niemand weiß, ob die Terroranschläge von einer Gruppe mehrerer Menschen oder einem einsamen Schützen begangen worden sind. 

„Australiens böser Export“

Im Inneren und den Eingängen zu den beiden Moscheen liegen 50 Menschen tot – einer der Toten wird erst  am nächsten Tag von der Polizei entdeckt, seine Leiche liegt unter anderen. Viele werden  ins Krankenhaus eingeliefert, wo einige noch immer um ihr Leben kämpfen. Mindestens zehn weitere befinden sich in einem kritischen Zustand auf der Intensivstation. Pathologen aus ganz Neuseeland und Australien reisen nach Christchurch, um dabei zu helfen, den Massenmord zu dokumentieren.

Wenige Stunden nach den Morden benennen australische Medien den mutmaßlichen Mörder als einen 28-jährigen Australier namens Brenton Tarrant. Am Samstagmorgen steht auf der Titelseite einer  australischen Zeitung „Australiens böser Export“.

Medien in Neuseeland veröffentlichen Details zum Hintergrund des Mannes. Brenton Harrison Tarrant erscheint am nächsten Tag vor Gericht, angeklagt wegen eines einzigen Mordes. Andere Anklagen werden folgen. Sein Anwalt versucht, weder ein Verbot der Namensnennung noch eine Kaution zu erwirken: „Ich beantrage lediglich Untersuchungshaft und einen Termin für die nächste Anhörung“, sagt er dem Richter.  Tarrant steht da in Fässeln und lächelt die Anwesenden im Gerichtssaal an. Einmal signalisiert er mit den Fingern ein Zeichen der „White Supremacists" (Neonazis). Das nächste Mal vor Gericht erscheinen wird er am 5. April.

Die Folgen der Bluttat

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern sagt später über den Täter: „Es war absolut seine Absicht, den Angriff fortzusetzen.“ Und weiter: „Die Polizei arbeitet daran, ein Bild von diesem tragischen Ereignis zu erstellen. Eine komplexe und umfassende Untersuchung ist [jetzt] im Gange." Die Überlebenden des Massakers hätten darauf hingewiesen, dass dieser Angriff nicht „aus dem Neuseeland stammt, das sie kennen“.

Einen Tag später sagt der Zeuge Shoaib Gani, dass er immer noch nicht schlafen oder essen könne. Was er während des Anschlags gehört und gesehen hatte, spiele sich immer  noch lebhaft in seinem Kopf ab: „Ich kann immer noch fühlen wie ich auf dem Boden lag und darauf wartete, dass die Kugeln mich treffen würden“.  Er sagt, er würde nach Indien reisen, um seine Familie zu besuchen, aber er werde nach Christchurch zurückkehren: „Es sind nur ein paar Leute, wissen Sie. Sie können nicht ganz Neuseeland dafür verantwortlich machen ... Es ist ein gutes Land, Die Menschen sind friedlich. Jeder hat mir hier geholfen. Ein [Mensch vom] rechten Flügel bedeutet nicht, dass alle Menschen schlecht sind. Ich kann hierher zurückkommen und leben und hoffen, dass so etwas  in Zukunft nicht mehr geschieht. "

In den Stunden nach den Anschlägen stand die Polizei in ganz Neuseeland bereit, in den Städten und in kleinen ländlichen Gebieten, für den Fall, dass andere beteiligt waren und weitere Verbrechen vorbereiteten.

Blumen für die Opfer, harte Fragen an Behörden

Menschen aller Rassen und Religionen haben schon bald nach der Tat begonnen, Blumen auf die Stufen der örtlichen Moscheen zu legen. Dazu Schriftzüge auf Tafeln wie „Salam Alaikum, Friede sei mit dir" und „Aroha nui, Frieden und Liebe“, „Ihr seid von uns“. Ein Strom der Trauer ergreift die Nation und während dieser Artikel geschrieben wird, ist sie überall zu spüren, diese Stimmung der Unterstützung, des Trostes und der Solidarität mit den Muslimen.

In Australien mutet Sydneys Wahrzeichen, die Oper, an wie ein Leuchtturm in der Nacht; sie erstrahlt in blau, rot und weiß  – die Farben der neuseeländischen Flagge, die mit dem silbernen Farn (Ponga), einem Emblem von Aeotearoa, der  maorischen Bezeichnung von Neuseeland, geprägt ist. Wie in Neuseeland legen Menschen in Australien und überall auf der Welt Blumen auf die Stufen ihrer Moscheen.

Doch viele Fragen bleiben: Wie konnte ein so hasserfüllter Mensch, der seinen Hass auf Menschen anderer Kulturen offen aussprach und auch seine Absicht, diese zu töten, wie konnte dieser Mensch nach Neuseeland kommen, dort leben und Waffen kaufen? Premierministerin Ardern sagte dazu: „Die Waffen, die in diesem Fall verwendet wurden, scheinen manipuliert worden zu sein. Das ist eine Herausforderung, der sich die Polizei gestellt hat, und das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen werden, wenn wir unsere Gesetze ändern ... Wir müssen die Tatsache berücksichtigen: Diese Modifikation der Geschütze kann dazu führen, dass sie im Wesentlichen zu den Waffen werden, die wir bei diesem Terrorakt gesehen haben."

Auf die Frage, wie sie persönlich mit der Tragödie zu Recht käme, sagte sie: „Ich fühle genau die gleichen Emotionen, mit denen jeder Neuseeländer konfrontiert ist. Ja, ich habe die zusätzliche Verantwortung und die Bürde, die Trauer aller Neuseeländer auszudrücken, und auch das fühle ich“. Zu dieser Verantwortung gehört die Überprüfung der Polizei Neuseelands, der Geheimdienste und anderer Sicherheitsdienste der Nation und „der Prozess rund um die Überwachungslisten, einschließlich der Frage, ob unser Grenzschutz und unsere Waffengesetze sich in dem Zustand befinden, in dem sie sich befinden sollten.“

Sehen die „Fünf Augen“ genug?

Tatsächlich ist Neuseeland Teil des sogenannten „Five Eyes“-Netzwerkes, zu dem auch die USA, Großbritannien, Kanada und  Australien  gehören. Die globale Überwachung wird zwischen den Mitgliedstaaten koordiniert und priorisiert. Dafür werden ihnen massive Ressourcen und Technologien zur Verfügung gestellt. Jedoch fürchten viele Neuseeländer, dass diejenigen, die ins Visier der Geheimdienste geraten, überproportional Menschen muslimischen Glaubens sind.

Im Gegensatz dazu war der angeklagte Mörder, der allem Anschein nach die schrecklichen Angriffe auf die Moscheen in  Christchurch-Moschee begangen hat, sowohl in den sozialen Medien als auch im sogenannten Dark Net aktiv. Er teilte seine Ideologie des Hasses und der Intoleranz immer deutlicher mit. Es scheint von höchstem öffentlichen Interesse zu sein, zu klären, warum die neuseeländischen Überwachungsexperten (und die des gesamten Five Eyes-Netzwerks) das ausgesprochene Böse nicht erkannt haben, welches Herz und Verstand des Täters zunehmend radikalisierte.

Die Radikalisierung des Angreifers

Es ist auch eine Tatsache, dass Neuseeland eine vergleichsweise sichere und friedliche Nation ist. Aber auch in ihrer Mitte gärt rassistischer Hass. Offenbar besteht auch hier eine Gefahr von rassistisch motivierten Terrorverbrechen.

Der mutmaßliche Mörder Brenton Tarrant lebte seit zwei Jahren in der Stadt Dunedin im Süden Neuseelands. Offenbar radikalisierte er sich um 2010 herum, nachdem sein Vater gestorben war und er Europa bereist hatte. Er schrieb, er sei „zunehmend angewidert“ von Einwanderergemeinschaften. Anfang 2018 trat Tarrant einem Waffenclub in Dunedin bei, übte seine Schießkünste und begann, das Attentat zu plane.

Right Wing Resistance Gruppe
Mitglieder der neuseeländischen „Right Wing Resistance“ / Evening Report NZ

In Christchurch gab es in der Vergangenheit Gruppen, die sich offen weiß- rassistisch gaben, doch offenbar waren sie an diesem Verbrechen nicht direkt beteiligt. Doch es bleiben viele Fragen ungeklärt, darunter diese: 

 – War der Mörder ein einsamer Massenmörder, ein Schläfer in seiner eigenen Zelle?

–  Waren denjenigen, mit denen er im Internet über extreme rassistische Ideologien kommunizierte, seine Pläne bekannt?

–  Wurde die Stadt Christchurch aus logistischen Gründen vom Mörder ausgewählt, weil die Stadt leichter mit dem Auto zu befahren ist als Dunedin, Wellington oder Auckland, oder weil sich die Moscheen so nah beieinander befinden?

– War das Cricket-Team von Bangladesch ein Ziel?

–  Hat der Mörder versucht, eine gewalttätige Antwort von Christchurchs aufkeimender muslinischer Gemeinschaft zu provozieren, oder erwartete er eine Antwort von weiß-rassistischen Gruppierungen wie der „Right Wing Resistance“ (RWR), dem „Fourth Reich“ und der Skinhead-Gemeinschaft von Christchurch?

Das Ende des „Kiwi Way“?

Überlebende des Terroranschlags geben an, sie hätten sich in letzter Zeit beschwert über einen Anstieg von Rassismus und Hass. Sie sagen, ihre Bedenken seien nicht ernst genommen worden. Premierministerin Jacinda Ardern hat zugesagt, diesen Beschwerden nachzugehen und sich als oberste Vertreterin der Menschen ihres Landes dafür einzusetzen, dass eventuelle Lücken im Netzwerk des neuseeländischen Grenz-, Sicherheits- und Geheimdienstapparats geschlossen werden.

Und was ist mit Neuseelands Gesellschaft? Wie hat der Anschlag sie getroffen? Wie es weitergehen kann, wird durch die Handlungen jedes Einzelnen, jeder Gemeinde, jeder Stadt bestimmt. Eines aber ist sicher: Neuseeland wird das Konzept der „Nation“ und des „Kiwi Way“ neu definieren müssen. Denn um das Böse des Hass-Extremismus auszurotten, werden die Neuseeländer einen Preis zahlen müssen. Das, was den „Kiwi“-Lebensstil ausmacht, die Freiheiten der Meinungsäußerung und der Gestaltung des Privatlebens, werden darunter leiden, wenn die Nation um die Antwort ringt auf die Frage, wie sie ihre Bewohner schützen kann. Es wird heiß diskutiert werden, mit welchen Mitteln eine relative Sicherheit erreicht werden kann, aber es ist ein überfälliger Zeitpunkt in der Geschichte des Landes. In diesem Moment müssen sich alle Neuseeländer der Herausforderung stellen, dass unschuldige Menschen wie der dreijährige Mucaad Ibrahim durchs Leben gehen können in Vertrauen, in Frieden, in fröhlichem Tatendrang. Alles andere wäre ein zweiter Mord an den Opfern vom 15. März, Neuseelands dunkelster Stunde. 

 

Übersetzt aus dem Englischen von Constantin Wißmann

Wolf-Dieter Busch | Di, 19. März 2019 - 04:37

Dass die „Fife Eyes“ den Fall nicht im Vorfeld entdeckten, hat einen natürlichen Grund: sie sind ausgerichtet auf wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Spionage. Alle weiteren Erkenntnisse sind zufälliger „Beifang“.

...bei der Übernahme der Regierung wurde Frau Ardern ein Bericht über die innere Sicherheit vorgelegt (der übrigens in Teilen im Internet zu finden ist).
Darin werden etwaige Bedrohungen auf die in Neuseeland recht kleine, muslimische Gemeinde reduziert. Der Bericht schweigt aber über rechte Extremisten, die durchaus in der jüngsten Vergangenheit aufgefallen sind. Christchurch und andere Städte haben nach verschiedenen Meldungen eine zahlenmässig kleine, aber aktive Bewegung von rechten Skinheads, Alt-Right-Radikalen, Supremacicts und den üblichen Fremden- und Muslim-Hassern.
Ähnlich wie in NZ hat man die Bedrohung durch rechten Extremismus schlichtweg igrnoriert bzw. relativiert.
Hinterher hat es - woher kennen wir das wohl - mal wieder keiner gewusst...

Ernst-Günther Konrad | Di, 19. März 2019 - 10:18

Niemand kann man hinter die Stirn blicken. Die Gründe für eine solche Tat sind irgendwie immer gleich. Ein Mensch kommt mit seinem Leben nicht zurecht, er kappselt sich ab und begibt sich in "seine" Scheinwelt. Er sucht die Gründe nie bei sich, sondern findet die Ursache seiner eigenen Probleme immer bei anderen. Mal sind es politische, mal religiöse oder familiäre Probleme. Es sind letztlich immer andere, die angeblich am eigen Schicksal und persönlichen Werdegang schuld sein sollen. Es gibt keine "richtigen" Gründe für Mord. Ob ein einzelner oder mehrere Opfer werden. Wir können nur uns selbst ändern und durch eigenes Vorleben anderen Vorbild sein und ihn hoffentlich auch gewaltfrei zu einem selbstkritischen und offenen Menschen hinführen. Nur machen muss es jeder selber. Man mag Attentäter vielleicht rechtzeitig erkennen, weil sie zuvor auf sich aufmerksam machen. Es gibt aber auch die vielen, vielen unerkannnten, die auf der Kippe stehen. Wie will man sie erkennen? Es ist schwer.

Wer hätte in Holland überwacht werden müssen ? Alle Bürger mit türkischen Wurzeln ? Es gab auch schon Fälle da wurde das Finanzamt angegriffen, weil einem sein Steuerbescheid nicht gepasst hatte. Ein Zuordnung dieser Fälle zu einer bestimmten Gruppe gibt es nicht - ausser von Klugscheißern !

Juliana Keppelen | Di, 19. März 2019 - 16:28

Nun auch in Neuseeland. Denn wir wissen solche Höllen gibt es viele in der Welt. Gerade in Afghanistan wieder ein Selbstmordattentat, mal auf die Kopten in Ägypten oder Drohnenattentate im Jemen usw., usw. was alle Attentate vereint ist die Wut und Trauer aber auch die Hilflosigkeit mit der man diesen Psychopathen gegenüber steht.