Rezo und die Influencer - Das Geschäft der neuen Meinungsmacher

Als Werbebotschafter wurden Influencer bislang vor allem von Konzernen gebucht. Denn ihren Fans gelten sie, obwohl bezahlt, als extrem glaubwürdig. Neuerdings erleben auch Politiker deren Markt- und Meinungsmacht. Das Geschäft der Influencer ist heikel, denn es geht um mehr als nur Produkte

Rezo
Millenial als Multiplikator: Der Youtuber Rezo / picture alliance

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Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Ein wenig klang es so, als habe Annegret Kramp-Karrenbauer sich den Youtuber Rezo geradezu herbeigewünscht. „Wir brauchen kurze Sätze, präzise und griffig. Wir brauchen Emotionen. Und wir dürfen auch mal frech, überraschend oder einfach kommunizieren.“ So hatte die CDU-Vorsitzende Anfang dieses Jahres für das Fachportal politik & kommunikation ihre künftige Kampagnenstrategie umrissen. Demnach müsse die CDU ein „fragmentiertes Publikum zielgerichtet und verständlich, gleichzeitig auf unterschiedlichen Kanälen erreichen“. Sie sprach von „horizontalem Vertrauen“, von „Botschaftenmanagement über Influencer und Multiplikatoren“.

Wenige Monate später lassen sich die Union und ihre Vorsitzende kalt erwischen, mitten im digitalen Raum. Die Endgegner im Europawahlkampf sind keine anonymen Social Bots – mit Desinformationen und Fake News aus Russland. Für Turbulenzen sorgen junge deutsche Youtuber, allen voran ein junger Mann namens Rezo – mit Fakten samt Fußnoten aus der Wissenschaft, mit blauen Haaren, grünen Forderungen und millionenfacher Reichweite. Sein 55 Minuten langer Videoaufruf „Die Zerstörung der CDU“ endet mit den Worten: „Wählt bitte nicht die SPD! Wählt bitte nicht die CDU! Wählt bitte nicht die CSU! Und schon gar nicht die AfD!“ Es ist eine implizite Wahlempfehlung für die Grünen.

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Christa Wallau | Fr, 28. Juni 2019 - 09:35

... ist schon lange d a s Problem in der Kommunikation ganz allgemein.
Meines Erachtens ist ein ganz neuer Ansatz in
Bildung und Erziehung notwendig, um der
Riesengefahr, die damit verbunden ist, Herr zu werden. Vom ersten Tag ihres Kita-Besuches an
müssen Kinder darüber aufgeklärt werden, daß
alles, was ihnen im Radio, im Fernsehen, auf dem
Smartphone, in Zeitungen und Zeitschriften geboten wird, n i c h t ungeprüft zu glauben oder zu übernehmen ist, sondern in erster Linie dazu dient, sie zu willfährigen Konsumenten zu machen - sogar politisch! Jedes kritische, selbständig denkende Kind muß als VORBILD für die anderen
hervorgehoben werden, und es darf nicht derjenige der "Star" sein, der Markenklamotten trägt und das neueste Modell von I-phone hat, sondern derjenige, der am klügsten und kritischsten argumentieren kann.
Dies alles muß ganz b e w u ß t von allen Lehrern unterstützt werden - konsequent.
Sonst landen wir in einer Gesellschaft von Manipulierern und Manipulierten.

Sehr geehrte Frau Wallau,

ich schätze Ihre mir aus dem eigenen Herzen sprechende Kommentare sehr, sehe aber bei diesem Anliegen von Ihnen die fehlende bzw. dafür unausreichend vorhandene Grundlage. Ggf. neue Ansätze in Bildung und Erziehung werden eher in eine andere Richtung gehen als dass diese unsere Kinder (um gotteswillen) zu selbstdenkenden, urteilsfähigen Menschen heranbilden werden. Ich höre eher die Kinder, grüne-rote Halstücher tragend, schon singen, dass die Partei immer recht hat.
Mit herzlichen Grüßen

Ich halte zwar Herrn Rezo eher für denjenigen, als der er sich bei Herrn Böhmermann präsentierte, woran ich nichts Grundsätzliches auszusetzen habe, jedoch nichts davon mit Politik zusammenbringen kann, allerdings verkennen Sie Beide die Jugendproteste als unausgereifte politische Äusserungen.
Das Gegenteil ist der Fall, es ist ein Ausdruck kritischen Denkens, der meines Erachtens Anerkennung verdient.
Ich hätte jedoch von unserer Politik weit mehr erwartet, als sich davon in Gang gesetzt zu fühlen.
Ich empfinde also die Wertschätzung, die der Schülerin Greta ob ihres aussergewöhnlichen Einsatzes weltweit entgegengebracht wird als geradezu kleine Geste, wenn man die Ordensflut bedenkt, mit der sich manche Politiker*innen bedenken lassen.

Die Lage der elektronischen Systeme der Informations- und Kommunikationsvermittlung haben in der jüngeren Kulturgeschichte eine völlig neue Lage geschaffen. Die technische Entwicklung verändert das Kommunikationsfeld der Gesellschaft stark. Die Entwicklung ist keineswegs abgeschlossen. Das alles hat auch Auswirkungen auf die Verfassung unserer Wirklichkeit, denn Wahrnehmung ist kein passiver Vorgang, sondern die Tätigkeit des Gehirns und der Sinne. Ein geschriebener Text ist jedoch etwas anders als ein YouTube-Video, spricht auch unterschiedliche Gehirn-Operationen an.

Versinken wir nicht dadurch in einen grellen Pluralismus, in eine permanente inszenierte Wirklichkeit? Was ist mit Vertrauen und Vernunft? Leben wir nicht jetzt schon im Zeitalter der Simulationen und der virtuell realities?

Nein, es wird immer qualitativ gute Videos/Filme, gute Texte, gute Musik geben. Alle Darstellungen jedoch, die nicht untersuchungsgesättigt sind, schmelzen wie Schaum.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 29. Juni 2019 - 09:57

In reply to by Bernhard Jasper

Die digitale Entwickölung in all ihren Ausformungen überrennt uns regelrecht. Ständig neue Versionen, Verbesserungen, mehr Möglichkeiten und das in Echtzeit. Anynym und manipulierend einerseits, informativ und essential andererseits. Wir werden an Informationen derart überflutet, das wir immer mehr Schwierigkeiten haben, eine halbwegs neutrale Meinung zu erkennen. Ich gebe Ihnen völlig recht, bereits in der Grundschule- müsste ein Konzept für einen angemessenen Umgang mit Medien eingeführt werden. Schon 6-7jährige spielen am Handy oder haben gar eins. Sie werden letztich genauso "zugemüllt" wie wir Erwachsenen. Vor-und Nachteile, insebsondere die Möglichkeiten der Manipulation dieser Medien müssen erlernt werden.
Sie sagen es für mich richtig, das Ende ist noch lange nicht erreicht, da kommen wahrscheinlich noch Sachen auf uns zu, deren Umfang und Ausmaß wir heute noch gar nicht überblicken. Hier ist ein Arbeitsfeld für viele junge Informatiker und Medienfachleute in der Aufklärung.

Frau Wallau, wie meist absolute Zustimmung. Es ist zu heiß für mich, deswegen fasse ich mich kurz: erinnern Sie sich noch an den Kita-Leitfaden der AA-Stiftung (Frau Kahane!) mit dem ominösen und wohlwollenden Vorwort seitens Frau "Dr." Giffey?

Das Bedenklichste ist aus meiner Sicht ist jedoch, dass die "Aktuelle Elterngeneration" selbst bereits ziemlich verpeilt ist, also hinsichtlich "des faktisch Machbaren, Nützlichem"; (= Politik!)
JA, jede Generation hat das Recht auf Rebellion, Besserwisserei - wenn es jedoch in offensichtlichen Nonsens, die "wahre" Katastrophe hinausläuft, dann sollte MAN …

… ja was sollte MAN dann? Und wer ist eigentlich dieser MAN?

Schönes Wochenende an alle Ciceronen und ich dreh jetzt den Ventilator auf MAX!
Modell Greta FFF
(der ist BAAH!, folglich ein Schnäppchen!)

..dem stimme ich auch zu! Bloß wäre zu bedenken, wo wären wir dazumal mit unserer "Besserwisserei" gelandet? Wenn nicht vernünftig-ältere Leute Grenzen gezogen hätten. Die Selbstwahrnehmung in der Jungend, geht weit über die Objektivität des Machbaren hinaus. Das Ungestüme und der Verzicht auf die Erfahrungen der Älteren haben auch zur Zeit, die wir Deutschen vor 1945 erlebt haben, beigetragen. NS-Verantwortliche haben bevorzugt junge Menschen ideologisiert und ihnen Verachtung für den alten Menschen eingeimpft.
Ein nüchterner Blick auf die Gegebenheiten, was möglich und unmöglich ist hat noch keinem in seinem Tatendrang geschadet.
Die kritiklose Anbetung von Jugendbewegungen aus der politischen Ecke, ist schlichtweg dumm und nur auf Wählerzugewinn bedacht.

Gisela Fimiani | Fr, 28. Juni 2019 - 20:05

Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und sollten es auch nicht wollen. Viel besser hätten wir uns um die Bildung der Menschen kümmern sollen. Der einzige Schutz des Bürger vor der „Gehirnwäsche“ ist seine eigene kritische und rationale Denkkraft. Alle Influencer, sei es aus Politik, Medien, Wirtschaft etc., lieben den leicht Beeinflussbaren. Ihnen geht es vor allem um sich selbst und die eigene „Ideologie“, die man in heutiger Zeit noch besser verschleiern kann als ehemals. Zu Hauf vernehme ich Äußerungen „maßgeblicher“ Personen und warte auf die Aufschreie dagegen. Auf dem Ev. Kirchentag schwingen sich neue Propheten zu neuen Führern auf. ( Frau Bils: „Wir sehen wo Gott in der Welt wirkt.“ „Wir haben Gott an unserer Seite.“ WIR, nicht die Anderen.) Demokraten? Wo sind sie? Diletanz und Eitelkeit haben ihre hohe Zeit. Dass all die, so scheinheilig verurteilten, Influencer Erfolge feiern, beängstigt mich zutiefst. Wie demokratisch sind wir als Bürger wirklich verfasst?

Romuald Veselic | Sa, 29. Juni 2019 - 07:30

Die mediale Selbstjustiz, die von niemandem kontrolliert oder zu Rechenschaft gezogen wird. Vorerst.
Klassisches Muster: H-C Strache und illegal angefertigtes Video, um ihm vorsätzlich einen massiven Schaden zuzufügen. Vermerk: Privat darf jeder was sagen was er will. Auch wenn es falsch oder "gesetzwidrig" ist. Egal in welcher Position.
Die daraus erfolgten Taten sind entscheidend oder rechtlich anfechtbar.
Das Gegenteil davon; die öffentlichen Äußerungen von Ex-Kanzler Gerd Schröder, über russische Krim-Annexion. Ohne Folgen. Nix... Wo sind die Medien "Büttel/Schiedsrichter" von WDR/NDR & SZ?
Und das beste zum Kaputtlachen: SPD will Thilo Sarrazin erneut (3-mal) aus der Partei rauswerfen. Kann man noch das Deutsch-Dämliche überbieten.
Es werden die Zeiten kommen, wenn die Parteien in D., Leute wie Thilo S. darum bitten werden, in ihre Partei pro Honor einzutreten.

Stefan Forbrig | So, 30. Juni 2019 - 00:57

In reply to by Romuald Veselic

Lieber Herr Veselic, ich hoffe auch auf diese Zeiten mit Herrn Sarrazin, wobei ich glaube, wir müssen erst durch ein tiefes Tal mit Luftanhalten durch und ich hoffe, die Luft reicht bis zum Ufer noch, ehe diese Zeiten kommen werden. Und ich hoffe, ich erlebe sie noch.

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