Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, kommt zur Pressekonferenz für Vorstellung der Reformvorschläge für die Krankenhausversorgung.
Karl Lauterbach vor der Pressekonferenz zur Vorstellung der Reformvorschläge / dpa

Reform der Krankenhausfinanzierung - Lauterbach geht „all in“

Karl Lauterbach kündigt bei der Vorstellung von Empfehlungen zur Reform der Krankenhausfinanzierung eine „Revolution“ an. Tatsächlich handelt es sich bei der deutlichen Begrenzung der Fallpauschalen um eine sozialdemokratische Konterrevolution.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb war Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehört der SPD an.

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Nicht weniger als eine „Revolution“ kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) heute bei der Vorstellung von Empfehlungen einer Regierungskommission zur Reform der Krankenhausfinanzierung an. Der Zustand der deutschen Krankenhauslandschaft sei dramatisch und fordere daher tiefgreifende Reformen. Das Problem beschrieb der Bundesminister in düsteren Worten: Überall dominiere nur noch die Ökonomie. Es gebe eine „Tendenz zu billiger Medizin“ und zugleich dazu, immer mehr Behandlungsfälle zu produzieren. Lauterbach sprach daher von einem „Hamsterrad“, in dem sich Deutschlands Krankenhausärzte und Pfleger befänden.

Eine sozialdemokratische Konterrevolution

Als Ursache des Übels wurde dabei vor allem das Fallpauschalensystem ausgemacht. Das soll nun zwar nicht ganz abgeschafft, aber doch deutlich in seine Schranken verwiesen werden. Dass es künftig wieder verstärkt um den Patienten und die medizinische Behandlungsqualität gehen solle – genau darin besteht nach Lauterbach die „Revolution“.

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Bernhard Marquardt | Di., 6. Dezember 2022 - 16:13

Wer mag wohl wohl diese "Regierungskommission zur Reform der Krankenhausfinanzierung" berufen und mit welchen Personen bestückt haben?
Wieder einmal ein "Sachverständigenrat" von Ministers Gnaden, der genau das verkündet, was dem seltsamen Professor L. schon seit vielen Jahren am Herzen liegt.
Nicht ohne Grund saß er jahrelang gut dotiert im Aufsischtsrat des Rhön-Klinik-Konzerns.
Werter Herr Gutbrod,
lassen Sie sich bloß nicht hinters Licht führen.
Die Pläne zur Planwirtschaft im Gesundheitswesen laufen bei der SPD bereits seit Mitte der 80-ger Jahre. Mit dem heute zu besichtigenden Ergebnis, dass der Karren mit allen Rädern tief im Dreck steckt.
Der heutige Minister war bei all den unseligen "Gesundheitsreformen" unter Ulla Schmidt immer eine treibende Kraft.
Die neuerlichen "revolutionären" Reformen werden das Gesundheitssystem zwar erneut massiv verteuern aber ebenso sicher nicht verbessern.
Für Einzelheiten reicht dieser Platz leider nicht aus.

Letztlich geht es am Ende immer ums abkassieren.
Ich will damit nicht die Leistungen der Ärzte und des Medizinischen Personals schmälern, ganz gewiß nicht!
Aber das Kapital sucht immer Rendite und geht dorthin wo es sich lohnt!
Der Gesundheitsmarkt einschließlich der Alterspflege ist ein solcher.

Bernhard Marquardt | Mi., 7. Dezember 2022 - 02:05

Antwort auf von Tomas Poth

Aktuell 290 Mrd. Euro jährlich bekommen die gesetzlichen Krankenkassen an Zwangsbeirägen der Versicherten vor die Füße gekippt. Und niemand kontrolliert deren Verbleib irgendwie auch nur annähernd ernsthaft.
Jüngst wurden die Zuzahlunngen der Versicherten nach oben"angepasst".
Wann und wo haben Sie in den vergangenen Jahren einen kritischen Bericht über die gesetzlichen Krankenversicherungen gesehen, gehört oder gelesen? Merken Sie etwas?
Abgesehen von der hervorragenden Vernetzung und Lobbyarbeit der gesetzl. Krankenkassen und deren Funktionäre in Politik und Gewerkschaften, für genügend Geld (der Versicherten) da kann man vieles kaufen, auch das Wohlwollen der öffenlichen Wahrnehmung, z.B. über ganzseitige Inserate oder großzügiges "Sponsoring".
Lesetipp: Renate Hartwig: "Geldmaschine Kassenpatient"

Hans Jürgen Wienroth | Di., 6. Dezember 2022 - 16:36

Wohin führt Lauterbachs „Konterrevolution“? Die Krankenhauslandschaft wird ausgedünnt, dem Ärztemangel auf dem Lande wird weiter Vorschub geleistet und die Krankenhäuser werden zu „Versorgungszentren“ (VZ) (großer Medizinkonzerne) und streng auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet. Hohe Investitionen für moderne Untersuchungsgeräte lohnen sich nur, wenn sie sich dank vieler Patienten amortisieren. Schlaganfall oder Herzinfarkt werden schnell zum Todesrisiko, wenn das nächste Krankenhaus im Mittelzentrum weit entfernt ist. Gute Patientenversorgung hat da keine Priorität.
Schon heute haben wir sowohl Ärzte- als auch Pfleger-Mangel! Kommt durch Lauterbachs Reformen mehr Geld ins System? Werden wir bei der Bezahlung der med. Fachkräfte zur europäischen Spitze aufschließen oder uns weiter nach der immer kürzeren Decke strecken? Ist das die medizinische Versorgung eines Industrie- oder mehr die eines Entwicklungslandes? Sollen hier nur Krankenhaus-Konzerne gestärkt werden? Qui bono?

Sabine Jung | Di., 6. Dezember 2022 - 20:21

da unser ganzes Land zum Entwicklungsland mutiert, kommt es nun auf das Gesundheitssystem auch nicht mehr drauf an. Besser man geht jetzt schon aus diesem Lande....ehe es zu spät ist.
Aber halt, wir sind ja ein Einwanderungsland, vielleicht kommen die zukünftigen Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte zukünftig aus Syrien, Eritrea, Tunesien, Afghanistan, Iran?

Ernst-Günther Konrad | Di., 6. Dezember 2022 - 20:54

Der Spiegel titelt 2004 über Lauterbach, er sei der Chefeinflüsterer von Ulla Schmidt. Für mich ist er der genetische Vater der Fallpauschale und der Gesundheitsökonom hat da ganze Arbeit geleistet. Mit seinen Expertisen ließ er unter Schmidt etliche Krankenhäuser einstampfen und machte aus dem ohnehin schon fragilen Gesundheit System nur noch reine Wirtschaftsunternehmen und heizte damit das wirtschaftliche Konkurrenzdenken und den Betrug zur Erlangung von zusätzlichen Geldern geradezu an. Der Patient geriet völlig aus dem Blickwinkel und war nur Zählwerkzeug für Verwaltungsdirektoren bei der Erlangung von Geldern für die Krankenhäuser. Mit den vielen Klinikschließungen wurde auch Personal freigesetzt und nicht wenige wechselten den Beruf. Seine jetzige "Revolution" des Gesundheitswesens ist ein Placebo und man liest schon die ersten davon betroffenen Mediziner in verschiedenen Medien, die das Vorhaben zerreißen. Diese Reform ist so wirr, wie der Blick von Seuchen Karl auf dem Bild.

Sabine Lehmann | Di., 6. Dezember 2022 - 23:03

Ich bin inzwischen so neurotisch geworden, dass das Foto schon reicht um mich am lesen des Textes zu hindern. Ich entschuldige mich.

Ernst-Günther Konrad | Mi., 7. Dezember 2022 - 13:46

Antwort auf von Sabine Lehmann

Aber, aber liebe Frau Lehmann. Sie müssen sich nicht entschuldigen und für mich deutet nichts, aber auch gar nichts in Ihren immer erstklassigen, launigen und humorvollen Kommentaren auch nur ansatzweise auf eine krankhafte Veränderungen bei Ihnen hin. Vielmehr verorte ich ihre ablehnende Haltung einem natürlich Reflex ihres Immunsystems zu, dass sich eben gegen das Eindringen und Verfestigen von Karls Antlitz in Ihrem Gedächtnis versucht zu wehren. Da man ihn inzwischen kaum noch ohne Maske sieht sollten wir für die Bildauswahl dankbar sein, so bleibt uns der Anblick seiner schlechten Zähne erspart. Und mal ehrlich. Wenn er so verwirrt schaut, erinnert er doch sehr an "Doof", dem Gegenpart von "Dick". Ich mochte die beiden als Kind gerne sehen und kann auch heute noch über die lachen. Also. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und Karl kann man getrost auslachen.

Helmut Bachmann | Di., 6. Dezember 2022 - 23:29

soll das gehen? Wie funktioniert das überhaupt in anderen Ländern. Sind die alle Vorbilder? Oder dürfen wir dann einfach nicht mehr krank werden?

Bernhard Marquardt | So., 11. Dezember 2022 - 10:45

Antwort auf von Helmut Bachmann

Ulla Schmidt hat als Gesundheitsministerin bei einem USA-Besuch den Klinikkonzern Kaiser permanente besucht und als großes Beispiel gewürdigt:
Der "Gesundheits"-Konzern mit einem Umsatz rund 90 Mrd. Euro 2021 bietet Krankenversicherungen an, verfügt über viele Kliniken und jede Menge Arztpraxen.
Bertelsmann wirbt für ein solches System mit dem Slogan "Medizin aus einer Hand"
Und natürlich ist das Ziel von K.L. gleichgerichtet.
Kliniken bzw. Konzerne sollen via MVZ die ambulante fachärztlich-medizinische Versorgung übernehmen mit Ausnahme der Hausärzte, denn welcher Klinikonzern möchte schon Hausbesuche fahren.
Mit den sich bildenden regionalen Monopolen werden die Konzerne Leistungen und deren Preis diktieren, denn niemand kann den Patienten Fahrtstrecken von zig-Kilometern zur nächsten nicht zum Konzern gehörigen Versorgung zumuten.
Dass dieses Vorhaben nicht gelingen mag, ist allenthalben zu besichtigen, aber weder die Klinikkonzerne noch die Ideologen der SPD mögen davon abrücken.