„Gender Pay Gap“ - Der Mythos der 21 Prozent

Am kommenden Montag ist „Equal Pay Day“, und schon jetzt kann man die Klagen hören über den „Gender Pay Gap“, also den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. 21 Prozent soll der betragen, die Zahl ist omnipräsent. Aber stimmt sie auch?

Demonstration gegen ungleiche Löhne
Demonstration gegen ungleiche Löhne: Es lohnt sich, genauer hinzuschauen / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Am Montag ist es wieder so weit: Dann ist „Equal Pay Day“, und ein Chor aus Politikern, Gewerkschaftlern, Sozialverbänden und Feministinnen wird die „Gender Pay Gap“ beklagen, die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen. Voll Entrüstung und mit ungespielter Empörung wird man Gerechtigkeit fordern und endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Und wie selbstverständlich wird wieder eine Zahl durch die Medien geistern: 21 Prozent.

Keine Frage: Wenn es tatsächlich so wäre, dass Frauen 21 Prozent weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhielten, wäre das ein Skandal. Allerdings kommen einem sofort Zweifel: Denn der Arbeitsmarkt mag überreguliert sein, doch er ist immer noch ein Markt. Wären die Personalkosten für Frauen also tatsächlich um mehr als 20 Prozent geringer, es dürfte keine arbeitslose Frau geben, dafür aber massenweise arbeitslose Männer. Die Chance, die Personalkosten auf so einfache Weise zu drücken, würde sich kaum ein Unternehmen entgehen lassen. Doch offensichtlich ist das nicht der Fall. Und was heißt hier eigentlich „Pay“? Einkommen? Lohn? Gehalt? Nicht ohne Grund spricht man im englischen Sprachraum auch von „Gender Wage Gap“. Vor der großen Aufregung lohnt es sich also, genauer hinzuschauen.

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Tonicek Schwamberger | Sa, 16. März 2019 - 11:51

... Herr Dr. Grau, Sie haben mir wieder mal einen Weg gezeigt, wie man dieses Thema anders beleuchten kann, daran hatte ich bisher noch nicht in dem Maße gedacht. Und, ja, nach dem Lesen Ihrer Zeilen sehe ich vieles anders, um nicht zu sagen, genau wie Sie. Vielen Dank u. ein schönes Wochenende!

Ernst-Günther Konrad | Sa, 16. März 2019 - 13:30

danke Herr Grau, wie immer in der Aussage klar und deutlich. Ich könnte 24 Stunden am Tag nichts anderes tun, als zu ermitteln, wer, wann an welchem Tag wessen gedenkt. Deutschland hat riesige Probleme, wir sind dabei uns komplett abzuschaffen und anstatt inhaltliche Diskussionen zur Lösung dieser Probleme zu führen, wird wiedermal mit einem Genderthema abgelenkt. Ich kann nicht beurteilen, ob es überhaupt Unterschiede gibt. Es mag sein und wenn es so ist, muss nachgebessert werden und bei gleicher Ausbildung und Arbeitszeit im gleichen Beruf auch gleich bezahlt werden. Nur, wenn es stimmt, dass es zwischen 3,8% und 4,6% Unterschied sein soll, kann das sicher auch mal ein Thema sein. Es wird aber inzwischen alles zum skandalisierten Genderproblem erklärt und ich frage mich als Mann, welche Nachteile unser Geschlecht ereilt und wann da die ersten "Gender-Day's" kommen. Es wird wiedermal ganz deutlich. Es sollen alle im Ergebnis gleich gemacht werden. Frauen sind halt auch Wähler.

helmut armbruster | Sa, 16. März 2019 - 15:01

Bravo Herr Grau! Ihre Argumentation, dass in einem einigermaßen offenen Arbeitsmarkt ein Personalkostenunterschied von 20% zw. Mann und Frau nicht lange Bestand haben würde, weil dann vermehrt die mit -20% Benachteiligten eingestellt würden, ist große Klasse und zeigt, dass sie von Wirtschaft etwas verstehen.
Vielen Dank auch für die Entlarvung des 21% Unterschieds als ominös. Linke, Gewerkschafter und Feministinnen haben sich entweder nie die Mühe gemacht diese 21% zu hinterfragen oder die Zahl war ihnen sogar sympathisch, weil sich damit viel besser manipulieren ließ.

Inge Meier | Sa, 16. März 2019 - 16:59

Links liebt man zwar die Vielfalt verabscheut aber Unterschiede , die als potentiell ungerecht und prinzipiell als gesellschaftlich verursacht angesehen werden. So auch unterschiedliche Lebenspräferenzen. Auch Eigenverantwortung steht da unter Verdacht Ungerechtigkeiten zu produzieren.Und viele kokettieren vermutlich klammheimlich mit den Lösungsmöglichkeiten , welche Herr Grau erwähnt hat.

...schlechtere Entlohnung infolge des eigenen Geschlechts als Lebenspräferenz? Interessanter Erklärungsansatz.

Im Übrigen gefällt sich der Cicero im Moment in der eher "konservativen Betrachtung" von Genderangelegenheiten, gleich ob es um genderneutrale Schreibweise, Chancengleichheit oder Entlohnung geht.
Der wievielte Artikel über dieses Thema war das jetzt, innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes?
Aber damit trifft man natürlich den Geschmack des in Genderfragen verfestigt negativ eingestellten Lesers, der zumindest hier (online) zweifellos dominiert.

Karsten Meyer | So, 17. März 2019 - 01:23

Leider wird der Artikel diesen durch die Hirne vieler Zeitgenossen spukenden Irrtum nicht mehr aufklären können. In unserer postfaktischen Zeit reicht es eben schon aus, irgendeine Benachteiligung in Verbindung mit Frauen oder einer Minderheit zu bringen, schon ist der Beweis für die Richtigkeit erbracht. Passend dazu wird in Berlin der Internationale Frauentag zum Feiertag gemacht. Muss man alles nicht verstehen.

Dieter Erkelenz | So, 17. März 2019 - 07:14

Wie alle Ihre Essays, Herr Grau, gut durchdacht. Mich stört nur - ohne an Gleichmacherei zu denken - allgemein: Warum sollen Sozialpädagogen/innen wie Wirtschaftsingenieure z.B. nicht das Gleiche 'verdienen' wie Wirtschaftsingenieure pp.? Es kommt wohl auf die Bewertung an. Das in den Griff zu bekommen, scheint mir -auch für die Zukunft - unmöglich!

Wolfram Fischer | So, 17. März 2019 - 13:35

Dank an Herrn Grau für diesen Artikel!
Es ist gemessen an unterschiedlichen Lebensentwürfen und Prioritäten völlig klar, daß die unausrottbare statistisch-pauschale Aussage auf dem Niveau von Totschlag"argument", Frauen verdienten 21% (ich habe auch schon 25 gelesen, egal...) zu fast 100% Lüge ist!
Ob die hier in Rechnung zu stellenden anderen Lebensentwürfe und Prioritäten von Frauen für eine lebenswerte Gesellschaft von Vorteil sind, dieser Meinung kann man ja sein, nur hat das mit Ungerechtigkeit (-> Diskriminierung!) von Frauen nun mal nichts, und zwar überhaupt nichts, zu tun!
Aber zu den im Artikel genannten FAKTEN zu stehen, ist mittlerweile politisch höchst unkorrekt und damit für den, der dazu steht, höchst gefährlich.
Die pauschal-dümmlichen Schreihälse sind in den Medien absolut dominierend - Lichtblicke wie hier der Artikel von Herrn Grau sind sehr selten und verdienen daher deshalb umso mehr großen Dank und Respekt!

Martin Böhm | Mo, 18. März 2019 - 07:56

Das GPG ist wohl das Musterbeispiel für Alternative Fakten, in den Medien wird quasi ausnahmslos die 21% in der Deadline benutzt, später findet man irgendwo noch einen Hinweis auf das bereinigte GPG. Wie das GPG ermittelt wird, und dass es noch weitere Faktoren für DAS GPG geben kann die unberücksichtigt blieben wird schon gar nicht mehr erwähnt. Wie sieht das Gap den zwischen Müttern und kinderlosen Frauen aus? Ich denke mit dem ersten Kind beginnt sich die Schere zu öffnen. Wie unterschiedlich sind die Anfahrtswege zur Arbeit? Hier nehmen Männer einen deutlich weiteren Weg in Kauf als Frauen, dazu gibt es auch entsprechende Statistiken.
Und wer kommt auf die Idee, dass einem gleiches Geld für gleiche Arbeit/Qualifikation zusteht?
Früher hieß es mal in den Stellenanzeigen „Leistungsgerechte“ Bezahlung, also man muss die Leistung vergleichen nicht die Arbeit.Leistungsunterschiede könnte man ja z.B. anhand variable Entlohnter Arbeitsplätze vergleichen, wie z.B.