Energiepolitik und Klimaschutz - „Der Atomausstieg war ein Fehler“

Ohne Technologieoffenheit wird der Wandel zur Klimaneutralität nicht gelingen, sagt Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht. Deutschlands Abschied von der Kernenergie sei der falsche Weg. Dabei hat er daran selbst mitgewirkt.

Autoreninfo

Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Daniel Gräber

Jürgen Hambrecht war von 2003 bis 2011 Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF und von 2014 bis 2020 dessen Aufsichtsratsvorsitzender.

Herr Hambrecht, Sie waren Mitglied der von Angela Merkel eingesetzten Ethikkommission, die sich für einen schnellen Atomausstieg ausgesprochen hat. War das ein Fehler?

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Thorwald Franke | So, 31. Oktober 2021 - 18:05

Die Begründung, die Jürgen Hambrecht für sein williges Mitlaufen bei Merkels Ethikkommission liefert, ist entlarvend:

"Die Schreckensbilder der Reaktorkatastrophe von Fukushima waren allgegenwärtig. Deshalb ist relativ zügig gehandelt worden. Nun sind zehn Jahre vergangen, und wir haben andere Schreckensbilder vor Augen".

Damit gibt Jürgen Hambrecht zu, dass er immer nur nach Emotionen und nach Zeitgeist und Stimmung entschieden hat, und immer noch entscheidet. Damals ... und heute! Schon wieder sind es die Schreckensbilder, die ihn leiten.

Sein Plädoyer für Vernunft klingt vor dem Hintergrund dieser Aussage sehr hohl. Wenn er sich auch heute noch von Schreckensbildern und Stimmungen leiten lässt, ist er heute auf demselben Holzweg wie damals.

Jürgen Hambrecht bringt es nicht fertig, seinen Fehler und seine Schuld einzusehen, sondern versucht sich herauszureden. Damals wäre eben die Stimmung so gewesen, sagt er ... hallo!? Das ist keine valide Ausrede!

Herr Franke, Sie treffen den Kern des Problems. Jetzt sieht plötzlich auch Herr Altmaier Probleme. Wie kommen solche Leute in Entscheiderpositionen? Wie konnte Frau Merkel nicht nur die CDU, sondern auch CEOs so blenden?

Danke Herr Franke für Ihren wahren Kommentar. Dieser Mann mitgeholfen, unsere deutsche Wirtschaft mit in den Ruin zu treiben und willfährig die "Schreckensbilder" Merkels mit angeschaut und bar jedweder Vernunft unterwürfig und die eigene Branche in den Ruin führend "beraten". Es sind immer irgendwelche "Bilder" dran schuld, die man vermeiden will, nicht sehen will oder vor Augen hat. Und auch er reitet nach wie vor auf der Klimawelle ohne Inhalt, nur mit Phrasen und ohne den Mut, die Wahrheit seines Irrglaubens zu bekennen. Dieser Mann ist ein Wendehals, wenngleich er nur eine halbe Drehung vollzieht. Es ist inzwischen Kennzeichen deutscher Politik auf allen Feldern, immer und sofort in Panik, Hektik, Weltuntergangsstimmung zu verfallen und eben auch mit solchen Schnellschüssen dem Zeitgeist hinterher zu laufen und sich zum Werkzeug der Ideologen zu machen. Dieser Mann ist ein Opportunist, dem glaube ich nichts, aber auch gar nichts. Von echter Fehlerkultur sehe ich bei ihm nichts.

dass Herr Hambrecht, laut einem FAZ-Interview 2011, der einzige in der Ethikkommission war, der die Emotionalisierung der Deutschen bei der Atomkraft kritisiert und einen gangbaren Atomausstieg Deutschlands zumindest angezweifelt hat.
Nichtsdestotrotz ist die Kurzsichtigkeit der meisten Entscheidungsträger in diesem Land zutiefst erschreckend und man muss es schlicht Dummheit nennen.

Richtig, Jürgen Hambrecht hat damals gewarnt, aber das Ergebnis von Merkels Ethikkommission gleichwohl mitgetragen. Das nimmt von seiner Schuld nichts weg.

Allerdings möchte ich hier zufügen, dass ich mir für Herrn Hambrecht weniger eine "Strafe" vorstelle, wie manche abgedrehte Rechtsradikale sich das vorstellen, sondern dass ich mir einfach wünsche, er würde sich zu seiner Schuld bekennen. Dann wäre es auch gut. Das allerdings muss er schon tun. Bis dahin steht er am Pranger, und das verdient.

Urban Will | So, 31. Oktober 2021 - 18:54

diesem Narrenschiff den Kurs angeben. Sei es in der Politik oder in all diesen „Räten“.
Ein Topp – Manager hat also 2011 nicht erkannt, dass der Strombedarf steigen könnte, hat einer Energiewende zugestimmt, die einer Geisterfahrt gleicht. Immerhin gibt er seinen Fehler zu.
Jetzt trällert er im Chor derjenigen, die erkannt haben, dass D mit Vollgas auf die Wand zufährt und streckt nun das Fingerchen nach dem Motto: „Äh, Herr Lehrer, ich glaub, sie haben da Plus mit Minus verwechselt...äh... wollte es nur gesagt haben...“
Jeder Lehrbube in der BASF hätte diesem Herrn damals schon sagen können, das es wenig Sinn macht, AKW's abzuschalten, die in keinster Weise einer Gefährdung wie die in Japan ausgesetzt sein können, dass es in einer sich immer weiter entwickelten Welt natürlich einen steigenden Strombedarf geben wird.

Diese Niete in Nadelstreifen... Soll er wenigstens jetzt mal auf die Pauke hauen und den Blindgängern auf der Brücke des Narrenschiffs Dampf machen!

Was haben DIESE gemeinsam?

Erinnerungsschwäche - Wirklich?

Herr Muhlack wird sie sicher ganz genau aufklären können, dass Alkohol nicht vor Strafe schützt.

Erst geben Sie Befehle raus, als würde ihr Alkoholgehalt bei über 2Promille liegen
& am nächsten Tag können Sie sich an nichts Erinnern, aber wollen 100%-ige Absolution bekommen.

Ferdinand Schulze | Mo, 1. November 2021 - 08:33

Top-Manager denken also ebenso wie Politiker äußerst kurzfristig, das ist wirklich übel.

Kurt Walther | Mo, 1. November 2021 - 10:24

Deutschlands Abschied von der Kernenergie war und ist ein Fehler. Dass Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht daran mitgewirkt hat und die Dinge jetzt anders sieht, sagt auch einiges  über die Qualitäten deutscher  Wirtschaftsführungskräfte, genauer: Top-Manager, als  die höchstbezahlten  Angestellten ihres Unternehmens, aus.
Rationales langfristiges Denken scheint häufig keine große Rolle zu spielen. Mitschwimmen im Mainstream ist "in".
Es ist schon erstaunlich, wie A. Merkel  die Reaktorkatastrophe von Fukushima benutzte, um dem Wunsch der Grünen entsprechend der Atomenergie auf deutschem Boden den Garaus zu machen. Es gab aber auch kaum Widerstand. Emotionen und  die "German Angst" verdeckten rationales Denken über eine künftige sichere Stromversorgung und  dass es in DE überhaupt keine Tsunamis gibt. Von  Industriekapitänen hätte ich  mehr erwartet. Zu viel "Nieten in Nadelstreifen"? ÜbrIgens, die Aktienkurse von BASF und BAYER lassen sehr zu wünschen übrig. Noch liegt es nicht am Strom.

Achim Koester | Mo, 1. November 2021 - 12:14

der zweifelhaften Erkenntnis, dass Kernkraft gefährlich sei, was bei den neusten Technologien wie Thorium- oder Dual-Fluid-Reaktor, ganz zu schweigen vom Fusionsreaktor, der leider noch in weiter Ferne liegt, nicht der Fall ist, sondern einzig und allein ihrem eigenen Machterhalt. Machtmensch Merkel hat schnell erkannt, dass sich auf der Panikwelle Stimmen fangen lassen.

Michael Marx | Mo, 1. November 2021 - 23:51

Es war doch damals schon einem jeden einigermaßen klar Denkenden klar:
1. Das Atomkraftwerk in Fukushima war gegen den ausdrücklichen, wiederholten, dringenden Rat von Experten an einer in hohem Maße gefährdeten Stelle errichtet worden, unter Mißachtung der Vorsichtsmaßnahmen, die man billigerweise erwarten durfte.
2. Die Abschaltung war dringend nötig, denn sowohl Tsunamis als auch Erdbeben sind in diesem unseren Lande an der Tagesordnung, alltäglich, und Sicherheitsvorschriften gibt es ja bei uns nicht.
3. Während die FDJ-Kanzlerin sich sonst immer sehr viel (nicht selten auch allzu viel) Zeit ließ für die Verkündigung eines Ergebnisses, kam es diesmal sofort - und das Ergebnis "Abschalten" kam einzig und allein aus dem Wunsche, sich den Grünen als Koalitionspartner anzudienen.
Wenn man das alles hinnimmt, qualifiziert man sich natürlich für die höheren Weihen, unfehlbar.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 2. November 2021 - 15:41

Nutzung der Kernenergie, der MILITÄRISCHEN ÜBERHAUPT NICHT!
Deshalb war ich mit dem von Rot/Grün geplanten Atomausstieg ganz zufrieden.
Ich hatte auch nie den Eindruck, dass dies nicht reiflich geplant und ausgestaltet war.
Nachdem ein Herr der Energiewirtschaft letztens recht deutlich machte, dass man nicht mal eben aus- und wieder einsteigen könne, kann ich nachvollziehen, dass man mit dem Amtsantritt von Frau Merkel noch daran glaubte, das Ruder zugunsten der Kernenergie wieder herumreissen zu können, OBWOHL der Ausstieg auch vor dem Hintergrund von Tschernobyl durchgesetzt werden konnte und da steht die Atomwirtschaft bei Fukushima Kopf?
So langsam mache ich mir Sorgen und stelle einmal die kühne These auf, dass selbst eine Rückkehr zur Atomenergie von einer Ampel aus SPD/Grünen und FDP besser gemanagt würde, als von der CDU.
Ich fasse nicht, was da abgelaufen sein muss.
Aber Atomsprengköpfe dürfen hier lagern?
Kopfschmerzen war noch das Wenigste, die mir Frau Merkel bereitete...

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