Valentinstag im Lockdown - Die Liebe in Zeiten der Mutationen

Der Valentinstag stand schon immer quer zu der Lebensangst der sachlichen Romantiker. In Zeiten des Lockdowns aber wird der Gedenktag für den Heiligen Valentin von Rom geradezu zur Provokation. Dabei sollten wir besonders in diesen Tagen mehr Liebe wagen.

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Küssen verboten! / dpa

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Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero.

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Heute ist Valentienstag, aber komme man mir in diesen angespannten Zeiten bloß nicht mit Liebe! Die Liebe ist doch eh längst tot. Und damit meine ich nicht das seit je beschworene Tête-à-Tête zwischen Eros und Thanatos. Mit der Liebe ist’s an sich passé: „Tanz mich bis ans Ende der Liebe“ hatte bereits 1984 Leonard Cohen, der einstmals melancholischste unter allen Barden und Liedermachern gewinselt und damit den endgültigen Wunsch nach dem Exitus letalis für alle Schwärmereien jenseits des Lustprinzips gefordert.

Schluss also mit diesem besoffenen „Oh, Romeo!“, mit dem „Wo Du hingehst, will auch ich hingehen!“ und dem ganzen Nachtigallen-Trallala! In einer Ära, in der ein durchschnittlicher Koitus nicht länger als fünf Minuten dauert und in der Bestsellerautor Bas Kast („Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt.“)die Passionen in der Petrischale nachzuzüchten verspricht, steht es um die Trias Eros, Agape und Philia ohnehin nicht zum Besten.

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Jens Böhme | So, 14. Februar 2021 - 09:29

Es ist nicht nur der Kuss. Es sind auch einfache Handkontakte oder zufällige Körperkontakte (auch mit Bekleidung), die uns sozialer und sensibler machen. Dass derzeit humorlose und körperkontaktarme Politiker regieren, kommt nicht zufällig. Der Gruß mit der ausgestreckten Faust (übrigens nicht coronakonform!) oder mit Ellenbogen lassen tief blicken.

Yvonne Stange | So, 14. Februar 2021 - 09:39

... hat auch noch Anke Rehlinger, die sozialdemokratische Wirtschaftsministerin des Saarlandes, am Freitag mitgeteilt: Geschäfte und Discounter, die auch während des Lockdowns geöffnet haben, dürfen im Saarland ab dem 22. Februar nicht mehr für Artikel außerhalb des täglichen Bedarfs werben, also auch nicht für Blumen! Sie fordert aber schon den Werbeverzicht ab sofort - also nix mit Valentines Strauß... ;-) Es drohen Horrorbußgelder bis zu 10.000 Euro... da vergeht einem die Lust auf Blumen und Liebe!
Pakete werden seit Neuem auch wieder kontrolliert, ich fühl mich wieder wie zu Stasi-Zeiten. Aber nicht wie in der DDR, denn da hätten wir mit viel Glück auch ohne Werbeverbot Nelken, Alpenveilchen oder Fresien bekommen... ;-) Mit jedem Tag der vergeht sehne ich mich mehr zurück.

"Mit jedem Tag der vergeht sehne ich mich mehr zurück". Ich kann das nachvollziehen. Sehr sogar. Wenn ich mir vergegenwärtige, was unsereins alles auf sich genommen hat, um der verhassten DDR zu entfliehen. Um frei zu sein, um reisen zu können und die Welt entdecken zu dürfen, um sich selbst verwirklichen zu können. Nun gut, für ein paar Jahre hatten wir das ja tatsächlich. Aber jetzt? Jetzt muss ich leider konstatieren, dass unsere Unfreiheit größer geworden ist als jemals zuvor. Unsereins wird quasi zuhause eingesperrt (in Ba-Wü hatten wir Ausgangssperren mit teilweise drastischen Strafen bei Zuwiderhandlung), aber gleichzeitig bleiben die Grenzen von außen offen wie Scheunentore. Zu DDR-Zeiten durften wir zumindest die DDR und das östliche Europa bereisen, jetzt darf ich mich noch nicht einmal im eigenen Lande bewegen. Haben wir unser früheres Leben für so etwas aufgegeben? Komme mir keiner und versuche zu erklären, dass das alles mit dem bösen Virus zu tun habe ...

Ernst-Günther Konrad | So, 14. Februar 2021 - 09:55

Wenn sich Liebe auf den Valentinstag und einen Blumenstrauß beschränkt, haben Liebende aber wirklich nichts verstanden. Und was ist an den übrigen Tagen im Jahr? Wenn für Liebe nur der Austausch von Zärtlichkeiten stehen soll, haben auch diese Liebenden nichts verstanden.
Wenn ein Grüner im Ösiland fordert, das Küssen restriktiv zu handhaben, hat auch der die Liebe nicht verstanden. Wer das auch noch befolgt ist schlichtweg bescheuert.
Wer Liebe nur auf den Moment der Schmetterlinge im Bauch reduziert und seine Zukunft nur rosig sieht, auch der hat Liebe nicht verstanden. Was ist Liebe? Jedenfalls nicht der Blumenstrauß am Valentinstag, überteuert als "sichtbarer" Beweis der Zuneigung, der vom eigenen alltäglichen Einerlei ablenkt. Wer seinen Partner nur am Valentinstag mittels Blumenstrauß in der Hand wahr nimmt, nun auch der hat Liebe nicht verstanden. Täglich ein nettes Wort, respektvoller Umgang, den anderen so akzeptieren , wie er ist, und vieles mehr, das kann Liebe sein.

Karl-Heinz Weiß | So, 14. Februar 2021 - 10:28

Mit der heute üblichen Verkopfung hätte der Namensgeber sicher nicht seine Aktivitäten im antiken Rom unternommen. Mehr Gelassenheit, nicht nur bei Liebesbezeugungen, ist sicher nicht unangemessen sowohl in Zeiten der Cholera als auch von Corona.

Christa Wallau | So, 14. Februar 2021 - 12:17

Einige kennen sicher noch das schöne Lied (Text von Max von Schenkendorf): "Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt, komm mit deinem Scheine, süßes Engelsbild ..."
Hier wird der FREIHEIT der MUT zugeordnet.
Ja, auch nach meiner Überzeugung gehören beide zusammen.

Bei der LIEBE, wie ich sie verstehe (eben n i c h t nur die zwischen Eros und Thanatos, die stark aus der Körperchemie gespeist wird), ist es ähnlich:
Der Liebe ist immer die HINGABE, ja sogar
das Opfer, zugeordnet.
Deshalb hat wahre Liebe keinerlei Probleme mit dieser speziellen Corona-Zeit; denn sie kann verzichten und gerade dadurch wachsen.
Ich wünsche allen wahrhaft Liebenden an diesem
Valentinssonntag, daß genau das mit ihrer Liebe
geschehen möge - ob sie nun mit dem oder den
Geliebten zusammen sind oder nicht.

Urban Will | So, 14. Februar 2021 - 16:41

Ansonsten freut man sich ja, dass es in dieser bekloppten Zeit zumindest noch weitestgehend erlaubt scheint, zu schreiben, was einem so in den Sinn kommt.
Wer weiß, wann es der Obrigkeit einfällt, eine Studie mit dem Auftrag in Auftrag zu geben, wissenschaftlich zu „beweisen“, dass man Corona auch beim Lesen gewisser Texte bekommen kann und man in Folge dessen dann das Lesen einschränkt oder – besser noch – ganz verbietet. Der treuselige Michel wird mehrheitlich auch dies bejubeln.
Ob denn nun eine Mehrheit der Deutschen schon so verblödet ist, dass sie dem bekannten Rat, auch innerhalb der eigene vier Wände die ach so wichtigen Kontaktregeln einzuhalten und auf Zwischenmenschlichkeit zu verzichten, befolgt, weiß ich nicht, möchte ich auch nicht wissen, denn mir schwant schlimmes. Und da wäre ich dann noch verzweifelter und dann wird es irgendwann auch ungesund. Möchte ich doch wenigstens noch einen Tag ohne all den Corona – Irrsinn erleben. Wann auch immer.

oder, Sie vermeiden den Begriff ja gerne, der demokratisch gewählten Regierung..sollten Sie vielleicht einfach nur gelegentlich zuhören.

Dann müssten Sie nicht Dinge behaupten, die nie gesagt wurden - wie beispielsweise eingeschränkte Kontakteinschränkungen in den eigenen vier Wänden.

Kontaktbeschränkungen scheinen Sie aber ganz grundsätzlich in Frage zu stellen - denn die sind ja nur "angeblich" wichtig.

Und wer sich daran hält, so wie die Mehrheit der Deutschen, der kann einfach nur "verblödet" sein!

Von Kontaktbeschränkungen ist es "scheinbar" auch nicht mehr weit zur Einschränkung des geschriebenen Wortes...

Abmarsch in die Corona-Diktatur!

Wen, werter Herr Will, wollen Sie eigentlich mit solchen Erkenntnissen überzeugen? Glauben sie ernsthaft, solche "höheren Warnungen" wären hilfreich, der "Obrigkeit" bei der nächsten Wahl einen Denkzettel zu verpassen?

Eher verschwindet Corona vollständig von der Erdoberfläche, als das Ihre AfD in die Regierung gewählt wird. So nicht!