Bodo Kirchhoff in seinem Arbeitszimmer auf einem Stuhl sitzend
„Schriftsteller sind Menschen, für die das Schreiben alternativlos ist und die es ein Leben lang betreiben.“ / Zino Peterek

Schriftsteller Bodo Kirchhoff - „Gut tat es mir nicht“

Bodo Kirchhoff legt seine Autobiografie vor. Ein Gespräch über den Geist von Achtundsechzig, Zielgruppendeutsch, Selfies, Tattoos – und einen sexuellen Missbrauch ohne Überschrift

Alexander Kissler

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Redakteur im Berliner Büro der NZZ. Zuvor war er Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ und „Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss“.

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Herr Kirchhoff, Sie haben 1968 Abitur gemacht. Also sind Sie ein echter Achtundsechziger.
Ja und nein. Damals wusste man noch nicht, was ein echter Achtundsechziger ist. Der Begriff entstand erst Jahre später. Von den Vorbeben und Beben dieser Zeit bin ich allerdings erfasst worden, von der Sehnsucht, das Kleinliche der Elterngeneration durch eine andere Sprache aufzusprengen.

Sie verbrachten den größten Teil Ihrer Schulzeit auf einem evangelischen Internat am Bodensee. Dort war ein geistiges Beben zu spüren?
Das hing vom Umgang ab. Mein engster Freund und ich – der Freund, von dem ich in „Eros und Asche“ erzählt habe –, wir haben sozusagen um die Wette gelesen und die Exilschriftsteller für uns entdeckt und in deren Büchern gefunden, dass es noch etwas anderes gibt als das, was unsere Eltern repräsentierten. Bei Joseph Roth, bei Peter Weiss, bei Ernst Kantorowicz und Ernst Bloch, vor allem aber bei denen, die Selbstmord begingen, Ernst Toller, Walter Benjamin, Stefan Zweig, Klaus Mann – wir haben die Bücher von ihnen gelesen und hochgehalten wie Fahnen.

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