Musikstudent Justus Wilcken übt im Unterrichstraum seiner Hochschule Klavier
Musikstudent Justus Wilcken muss bald auf dem Arbeitsmarkt ums Überleben kämpfen / Anja Lehmann

Musikerausbildung - Lotterie und Armut

Immer mehr Musiker werden in Deutschland für immer weniger Stellen ausgebildet. Jugendwahn und Globalisierung verschärfen den Konkurrenzdruck. Eine Reise zu Hoffnungsträgern und Absturzexperten

Autoreninfo

Michael Stallknecht ist Musikkritiker und Autor und spielt zur Erholung gerne Bach am Klavier

So erreichen Sie Michael Stallknecht:

Kürzlich hat Justus Wilcken mal wieder ein Angebot bekommen. Er sollte kurzfristig einspringen für einen erkrankten Kollegen. Ein Liederabend bei einem renommierten Festival für junge Sänger. Die Gage: 100 Euro, plus Fahrtkosten. Er hat höflich abgesagt – und sich dann geärgert, dass er so höflich war. Wilcken studiert Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, im kommenden Wintersemester macht er seinen Bachelor als Bariton. Was danach auf ihn zukommt, kann er ziemlich genau einschätzen. Er will selbstbewusst auftreten, nicht sagen: „Bitte helft mir.“ Sondern: „Ihr könnt mit mir Geld verdienen.“ Doch Wilcken weiß, dass er auf einen Markt drängt, der aus dem Lot ist. Das Angebot übertrifft die Nachfrage bei Weitem. 

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.