Beethovens Zehnte Sinfonie - Die Vollendung der Unvollendeten

Am 15. November wird in Bonn eine computergenerierte Fassung von Beethovens unvollendeter Zehnter Sinfonie Premiere haben. Sakrileg oder Hommage? Beethoven-Biografin Christine Eichel im Gespräch mit dem Komponisten Walter Werzowa – er gehört zum Team aus Musikologen und Wissenschaftlern, die das Projekt leiten.

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Digitale Zugabe Beethovens: Sakrileg oder Hommage? / Sebastian König

Autoreninfo

Christine Eichel leitete bis April 2010 das Cicero-Ressort Salon. Sie promovierte über Theodor W. Adorno, arbeitete als Autorin und Regisseurin fürs Fernsehen und debütierte 1998 als Schriftstellerin.

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Einem breiten Publikum ist der 1960 geborene Komponist und Produzent Walter Werzowa durch den Hit „Bring Me Edelweiss“ bekannt geworden. Werzowas eigentlicher Welthit aber war ein Vier-Sekunden-Jingle für den Chiphersteller Intel. Seither gilt Werzowa als „Mozart der Jingles“. Zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens hat er nun zusammen mit einem internationalen Team aus Musik- und KI-Experten eine mögliche Version der Zehnten Sinfonie Beethovens erstellt. Der Komponist selbst hatte nur einige Notizen zu dem geplanten Werk hinterlassen.

Herr Werzowa, Ihr Ansinnen, Beethovens Zehnte mithilfe künstlicher Intelligenz zu vollenden, ist für viele eine mentale Provokation. Schließlich wird der immer noch zirkulierende Geniebegriff des 19. Jahrhunderts infrage gestellt. Und damit die Überlegenheit menschlicher Kreativität gegenüber technischen Hervorbringungen.

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Christa Wallau | Mi, 21. Oktober 2020 - 21:17

daß hier Beethovens Musik "benutzt" wird, um mit Hilfe der Technik daraus etwas Neues zu schaffen.
Es gefällt mir einfach nicht - kommt mir vor wie Leichenfledderei.
Ich weiß: Das ist ein äußert subjektves Urteil,
aber bei Kunst ist mir nun mal Originalität wichtig, die aus einem bestimmten menschlichen Geist erwachsen ist und nicht aus einem Computer.

Braucht es überhaupt eine zehnte Sinfonie Beethovens, die dann doch nicht "seine" ist?
Warum begnügt man sich nicht mit dem, was es von diesem Genius alles gibt?
Weshalb schaffen heutige Komponisten kein schönes, beeindruckendes eigenes Werk - meinetwegen auch mit Hilfe der Technik - , das die Menschen so begeistert wie dies die Werke der Klassiker nun schon seit mehr als zwei Jahrhunderten tun?
Mir schwant: Es gibt Höhepunkte in der Musik, die nicht mehr zu toppen sind!

Ich bin gespannt darauf zu erfahren, wie meine Mitkommentatoren das sehen.

gabriele bondzio | Mi, 21. Oktober 2020 - 21:31

Und Ludwig van Beethoven ist schon gewöhnungsbedürftig. Naja, ich will nicht meckern bevor ich den Artikel intus hab bzw. die Unvollendete vollendet gehört habe.
Ob jetzt eine Maschine die Entscheidungshilfe ist bzw. beim Feilen richtig liegt und das in klassischen Dimensionen kann man ja auch nur im Hören entscheiden. Der subjektive Geschmack von Herrn Eichel gibt ja dann den Ausschlag.
Wenn ich das mit einem gelesenen Roman, der verfilmt wurde, vergleiche. Fließt in den Film ja auch der subjektive Geschmack des Regisseur ein. Ich lese ein Buch mit meiner eignen Phantasie. Meistens musste ich feststellen, dass das Buch den Film um Längen geschlagen hat. Weil eben Vorstellungswelten individuell sind, daraus bildhafte Vorstellungen von Szenen sehr abweichen.
Die Summe dieser subjektiven Unterscheidungen definiert die Vorstellungswelt eines Menschen.
Aber wir werden sehen bzw. hören.