Während öffentliche Theater dank üppiger Corona-Kulturförderung Millionenüberschüsse machen, kämpfen viele Solo-Selbstständige um die nackte Existenz / Sebastian König

Kultur nach Corona - Mit Geld geflutet

Corona hat vielen Künstlern zugesetzt. Nicht wenige haben in der Pandemie ihre wirtschaftliche Grundlage aufs Spiel gesetzt. Doch es gibt auch Kulturbereiche, denen geht es so gut wie noch nie. Staatliche Schutzschirme haben dafür gesorgt, dass mancherorts doppelt so viel Gelder geflossen sind wie vor Corona. Eine Recherche in der Zwei-Klassen-Kultur.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb war Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehört der SPD an.

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Als der damalige Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wenige Wochen nach Beginn der Corona-Krise vor die Kameras trat, um seine bisherige Haushaltspolitik des sparsamen Wirtschaftens auszusetzen, fand er deutliche Worte. Es dürfe nicht „gekleckert“, sondern es müsse „geklotzt“ werden – zitierte er, wahrscheinlich ohne historisches Bewusstsein, den Generaloberst der Deutschen Wehrmacht Heinz Guderian. Deutschland könne sich gerade wegen der guten Haushaltsführung historisch hohe Schulden leisten, um die Wirtschaft vor dem Kollaps zu retten. Nur wenige Wochen später legte er nach und kündigte an, das Land mit einem „Wumms aus der Krise“ führen zu wollen. Sein Instrument: „Es ist die Bazooka. Was wir dann noch an Kleinwaffen brauchen, das gucken wir später.“ 

Scholz’ Entschlossenheit dürfte sich dabei nicht nur durch die äußeren Ereignisse erklären lassen. Der Mann wollte schließlich Kanzler werden. Die Corona-Krise kam da zwar nicht unbedingt recht, aber angesichts der Gesamtumstände blieb nichts anderes übrig, als die Schotten aufzumachen und das ganze Land mit Geld zu fluten. Also machte Scholz aus der Not eine Tugend und präsentierte sich als tatkräftiger Entscheider. Selbst seinen parteiinternen Kritikern von links blieb gar nichts anderes übrig, als ihm Beifall zu spenden. Seitdem kam in der SPD am Kanzlerkandidaten Olaf Scholz niemand mehr vorbei.

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Ernst-Günther Konrad | Di, 10. Mai 2022 - 15:31

....die neue Kulturstaatsministerin kommt doch von der Pike auf gelernt aus Eurem Milieu. Wenn sie es nicht weiß, wer denn sonst. Vielleicht müsst ihr nur noch deutlicher Eure politische Ausrichtung links-grün betonen und den Kampf gegen die rechte deutsche Kultur postulieren, dann wird Euch auch geholfen. Und warum seit ihr nicht schon längst auf der Straße und protestiert gegen diese Ungleichbehandlung? Und überhaupt. Einige dieser Künstler sind schon längst im ÖRR integriert und gut alimentiert versorgt. Die haben eben gewusst wie es geht.
Mir fehlen in dem Artikel die konkreten Beispiele der sog. "Verlierer", sieht man von den Soloselbständigen mal ab, was nachvollziehbar ist. Ich kann so damit nichts anfangen.

wenn der Staat in ihre Rechte eingreift, wie jetzt bei der Pandemie durch Berufsverbot geschehen; denn sie stehen auf eigenen Füßen, ihr Einkommen ist schwankend, sie werden nicht von jemandem alimentiert.
Das ist in unserem Sozialstaat die gefährlichste Position, die man haben kann.

Wenn viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, reagiert der Staat mit horrenden Summen an Unterstützungsgeldern. Notfalls rettet er große Unternehmen mit Milliardenkrediten u. Subventionen (z. B. Lufthansa, TUI usw.)
Die vielen direkt beim Staat Tätigen (Beamten + Angestellte), die Hartz4-Empfänger u. die Rentner sind sowieso fein raus. Ihnen konnte die Pandemie nichts anhaben.
Kleine, freie Unternehmer, Geschäftsleute, Handwerker u. eben Soloselbständige (z. B. Künstler u. im Kunstbereich Tätige) sind die am wenigsten Abgesicherten. Jederzeit kann ihnen der Boden unter den Füßen wegbrechen. Und die Gesellschaft läßt sie dann gnadenlos fallen. Sie hätten ja schließlich auch beim
Staat anheuern können!

"Sie hätten ja schließlich auch beim Staat anheuern können!"

Da lässt sich jetzt viel dazu sagen! Für den Anfang nur das: Beim Staat gibt es Vorgesetzte, Hierarchien, "Strukturen". Das ist vielen an Freiheit zu wenig. Daraus folgt umgekehrt: Freiheit hat so ihren Preis.

Dann: beim Staat und zum Beispiel beim ÖRR "reinkommen" ist so einfach nicht. "Freier Schriftsteller" und "Maler" kann sich jeder nennen, der schreibt bzw. malt. Einen Verlag und eine erfolgreiche Galerie finden, ist schon nicht mehr so einfach. Da ist es dann schnell so wie beim Staat und dem ÖRR.

Insgesamt gilt: Man sucht sich seinen Weg aus nach dem, was man ist und kann. Und dann muss auch noch Glück dazukommen. Was ja nicht heißt, dass es am Bestehenden im Bereich "Kulturförderung" nichts zu verbessern gibt.

Ingo Frank | Di, 10. Mai 2022 - 20:33

Nun, da nenne mir einer ein Beispiel, wo in diesem Land das Geld richtig verteilt wird?
Mir fällt da nix ein. Auch nicht nach intensiven Nachdenken!
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Walter Bühler | Mi, 11. Mai 2022 - 10:52

... wird von der Politik organisiert, damit die Leute nicht so schnell merken, dass wir bereits alle auf dem Schlitten sitzen, der ein immer flotteres Tempo erreicht.

Ja, unsere Politiker sorgen für uns - indem sie einfach immer neues Geld zum Verteilen drucken lassen.

Das ist beileibe nicht nur bei der Kulturförderung so.

Sollten wir ihnen nicht für den kuscheligen Geldregen in den Wahlkabinen auf den Knien danken?

Nun, wir werden sehen.