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Nach MeToo-Vorwürfen: Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr gibt seinen Posten auf. / dpa

Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Klaus Dörr - Auch ein Intendant kann sich anders verhalten

An der Berliner Volksbühne hat der Interims-Intendant Klaus Dörr nach Vorwürfen sexueller Belästigung seinen Posten geräumt. Offenbar waren die Vorwürfe begründet. Gut, dass so schnell Konsequenzen gezogen wurden.

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Jens Nordalm leitete bis August 2020 die Ressorts Salon und Literaturen bei Cicero.

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Die Volksbühne kommt nicht zur Ruhe. Wer in der Ära Frank Castorfs eigentlich jede neue Inszenierung des Hausherrn und der Riege Pollesch, Marthaler und Fritsch sah, weil man sich ein Verpassen gar nicht vorstellen konnte, der kann nur traurig darüber sein.

Nach dem missglückten Zwischenspiel mit Chris Dercon, der mit seinen Plänen nicht überzeugen konnte, ist es nun Klaus Dörr, der Haus und Posten räumt – nach Vorwürfen, die vor Tagen bekannt wurden, aber, wie man jetzt hört, schon seit Beginn des Jahres die Berliner Kulturverwaltung beschäftigten.

Es gab lange schon Gerüchte

Zehn Mitarbeiterinnen des Theaters hatten sich an die Themis-Vertrauensstelle der Kultur- und Medienbranche gegen sexuelle Belästigung und Gewalt gewandt. Von schamlos-aufdringlichen Blicken, unerwünschten Berührungen, sexistischen Bemerkungen, unangemessenen SMS und ähnlichem ist die Rede. Gerüchte darüber hatte es offenbar schon länger gegeben. Kultursenator Klaus Lederer teilt dazu mit, allein aufgrund von Gerüchten habe die Verwaltung nicht tätig werden können.

Nachdem Dörr noch am Wochenende die Vorwürfe zurückgewiesen, sich aber nicht näher geäußert hatte, hat er am Montag die „komplette Verantwortung“ für die erhobenen Vorwürfe übernommen. Man muss also annehmen, dass an den Beschwerden etwas dran war. Dabei schien nach verbreiteter Einschätzung Klaus Dörr seine von vorn herein als Übergangsphase gedachte Aufgabe fachlich eigentlich gut zu erledigen.

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Walter Bühler | Do., 18. März 2021 - 12:27

... ist das moderne, politische Theater der letzten Jahrzehnte nicht gerade durch Prüderie aufgefallen. Dem bloßen Anschein nach hatten und haben es dort "normale" oder "verklemmte" Typen eher schwer, egal ob sie persönlich sich als weiblich (ho/he), männlich (ho/he), binär, trinär oder auch völlig divers fühlen sollten, zumal sexuelle Perversitäten bei vielen "progressiven" Regisseuren und Drehbuchautoren stets auf besonderes Interesse hoffen dürfen. Die sexuelle Revolution hat doch - wenn überhaupt - im zeitgenössischen Theater gesiegt, wenn man mal von den einschlägigen Filmen absieht.

Davon müssen auch die weiblichen Ensemblemitglieder schon lange etwas bemerkt haben. Die Prüderie, die jetzt gerade in den Medien hochgewirbelt wird, weckt daher doch auch Erinnerungen an den weiblichen Einfluss auf das Schicksal von Herrn Kachelmann.

Es wäre doch etwas zu kitschig, zu romantisch, wenn nur die Männer "Schweine" sein könnten. Das Milieu in all seinen Diversitäten ist viel größer.

Ein sehr treffender Kommentar, Herr Bühler. Es ist schäbig, wenn sich (auch hochbetagte) Verantwortliche lapidar mit fehlendem Unrechtsbewusstsein herausreden. Nirgendwo sind die Abhängigkeitsverhältnisse so eklatant vorhanden wie bei Stellenbesetzungen im Kulturbereich.

Klaus Funke | Do., 18. März 2021 - 13:13

Lieber CICERO, mangelt es euch an brisanten politischen Themen? Wen interessiert so eine Theaterintrige? Denn etwas anderes ist es nicht. Im Theatermilieu wimmelt es nur so von Intrigen, Sticheleien und anderen, widerlichen Kleinigkeiten. Zumal jetzt, wo sie nichts zu tun haben. Das ist kein Aufmacher. Damit sollte sich CICERO nicht befassen, sowas zieht herunter. Und es interessiert auch nicht, zumindest mich nicht...

Yvonne Stange | Do., 18. März 2021 - 15:42

Antwort auf von Klaus Funke

.... oh, hat da noch einer die Falschen kritisiert? xD Oder war mit dem Falschen "zu Tisch"....? Ich habe ein sehr distanziertes Verhältnis zur metoo-Sekte, liegt wahrscheinlich an der anderen Sozialisierung, ich kenne es nicht anders, als das man sich als Frau durchsetzen muß, wenn man etwas wirklich will und natürlich die LEISTUNG bringen muß. Andererseits, wenn alles so Friede, Freude, Eierkuchen ist, woher kommt dann das Wort "Besetzungscouch" die ja wohl doch einigen recht genutzt hat? Jetzt kommt es nur noch auf "Haltung" an, nicht nur am Theater, sogar beim Bier.

H. Stellbruch | Do., 18. März 2021 - 15:53

Hier geht es nicht um etwas Grundsätzliches, sondern nur um schlechtes, unangemessenes Benehmen, also eine individuelle Verfehlung. Von mir aus soll das Theater ihn deswegen feuern. Die Verallgemeinerung auf "toxische" Männlichkeit hingegen ist verfehlt. Die meisten Männer tun so etwas nicht, und die Wahrnehmung der betroffenen Frauen darf nicht das Verhalten eines Mannes zum Straftatbestand oder zum Grund einer beruflichen Vernichtung machen, wie dies MeToo versucht. Leider trifft es dabei in den Medien auf willige Gehilfen. Nicht Strukturen sind Schuld sondern Einzelne, die ihre Macht ausnutzen.