Geheimrezept für Kartoffelsalat - Bitte keine Mayonnaise-Pampe!

Rainer Balcerowiak isst für sein Leben gern Kartoffelsalat. Obwohl ihm das, was bisweilen unter diesem Namen angeboten wird, manchmal schon den Appetit verdorben hat. Am Ende verrät er sogar sein „Geheimrezept“.

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Der Klassiker Kartoffelsalat funktioniert in vielen Varianten / dpa

Autoreninfo

Rainer Balcerowiak ist Journalist und Autor und wohnt in Berlin. Im Februar 2017 erschien von ihm „Die Heuchelei von der Reform: Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt (edition berolina). Er betreibt den Blog „Genuss ist Notwehr“.

So erreichen Sie Rainer Balcerowiak:

Zeig mir deinen Kartoffelsalat, und ich sage Dir, wer Du bist. Ganz so einfach ist es vielleicht nicht, aber die Zubereitung eines Kartoffelsalats lässt durchaus Rückschlüsse nicht nur auf die Herkunft, sondern auch auf die kulinarische Ernsthaftigkeit zu.

Und wenn man sich so anschaut, was Menschen freiwillig an Imbissbuden als „Kartoffelsalat“ so zu sich nehmen, oder die mit absonderlichen „Salatcremes“ und „Dressings“ bestückten Regale in Supermärkten sieht, dann kann man als Geschmackspolizist schon erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns bekommen. Allzu oft wird Mayonnaisepampe, in der vereinzelt Kartoffelscheibchen und Gurkenstückchen herumschwimmen, klaglos als Kartoffelsalat akzeptiert oder gar eigenhändig zubereitet.

Der Ernährungssoziologe wittert Frevel

Das bringt auch den Ernährungssoziologen Daniel Kofahl auf die Palme. Kartoffelsalat sei eigentlich Ausdruck „der bodenständigen Vielfalt, die uns die wunderbare Kartoffel bietet“. Doch viele Zeitgenossen würden „in kulinarischer Bildungsnot alles in zu viel Mayonnaise, zu viel Halbfettmayonnaise oder – am allerschlimmsten –  zu viel (und hier ist jedes Nanogramm zu viel!) die Konsistenz von Mayonnaise imitierenden „Salatcremes“ ertränken. Nicht selten noch garniert mit gezuckerten Mandarinchen aus der Dose“. Für Kofahl schlicht „Frevel an einer landwirtschaftlichen Kulturfrucht“.

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Brigitte Simon | Sa, 23. Januar 2021 - 12:49

...lieber Herr Balcerowik, aber versehen Sie Ihre Kreation mit dem Namen "Kartoffelsalat Buchheim".
Meine Großeltern hatten einen großen Bauernhof.
Die bevorzugte Kartoffel war die "Sieglinde".

Nach München gezogen, mußte ich den hiesigen
Kartoffelsalat vorübergehend essen. Essig, Öl, Salz.
Halt, noch dicke Scheiben Kartoffeln. Ich fragte ob dieser fertig ist. "Wenn er enga nicht paßt,gehn´s dorthin wo´s herhämma, solche wie Sie brauch´ma neet. Machn´s die Tier hinter eahna zu".
Ja, ja...

Der Salat meiner österreichischen Frau schmeckte allen Gästen außerordentlich, was dazu führte, daß sie zu jedem Fest den Kartoffelsalat mitbringen mußte!!
Ihr Rezept: Festkochende Kartoffeln (Drillinge), Essig, Öl, Salz, Pfeffer, Zwiebeln, vielleicht auch Knoblauch.
Fragen kann ich sie leider nicht mehr.
Einfach mal in österreichischen Kochbüchern nachschauen und Guten Appetit.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 23. Januar 2021 - 13:25

Das klingt verführerisch, dann noch ein für mich süßer Apfel - meine Mutter liebte Boskop-Äpfel und meinen Vater, vielleicht nicht ganz so ein Unterschied? - Zwiebeln, in Öl angedünstet, und keine sauren Gurken, aber vielleicht Salatgurken?
Senf nehme ich lieber für den grünen Salat oder für Möhrchen.
Die Engländer essen Pommes und Vinegar?
Aber die essen auch Marmite aufs Brot.
Freue mich immer wieder über ihre Anregungen, Herr Balcerowiak und weil es eben so vieles, sogar von hier gibt, sag ich mal, dass es in der DDR nicht am Mangel an Zitronen und schon gar nicht an Bananen lag.
Dennoch, ein wunderschöner Urlaub vor langer Zeit über die Dolomiten Richtung Venedig und noch unterhalb der Berge an einem kleinen See mit Turm, einen schwarzen Tee mit Zitrone, natürlich ohne Zucker.
Ich verbinde schon gerne Lebensmittel mit den Zonen, in denen sie gedeihen und gedenke ihrer mit Achtung.
Goethe hätte sicher sonst nicht die passenden Worte gefunden...

Helmut Bachmann | Sa, 23. Januar 2021 - 13:59

Creme fraiche im Kartoffelsalat? Igitt.

Barbara Piele | So, 24. Januar 2021 - 09:50

In reply to by Helmut Bachmann

Hab ja schon viele merkwürdige Rezepte gelesen. Aber das hier... das lass ich bleiben. Gruß Barbara Piele

Bernd Muhlack | Sa, 23. Januar 2021 - 15:22

Vor etwa 100 Jahren gab es die Familienserie "Die Unverbesserlichen" mit Inge Meysel, J. Offenbach etc.
Nein, keine Soap, sondern richtig gut, soweit ich das als Kind beurteilen konnte.
Agnes Windeck war die Oma: "Zu Kartoffelsalat gehören Würstchen!"

Ich präferiere die Version mit Essig, Öl und Brühe, jedoch darf kein Matsch entstehen. Zwiebel u gerne auch kleingewürfelte Salatgurke, nicht zu viel.

Natürlich sind die Kartoffeln entscheidend sowie deren "Zubereitung", das ist wie bei Bratkartoffeln oder Rösti!
Spontan fällt mir der Sketch von Diether Krebs "Bernies Imbiss" ein.
"Hier in der kulinarischen Diaspora ist Bernies Imbiss eine wohltuende Ausnahme. Er verwendet ausschließlich handgeschnittene Sieglinde. Sein Getränkeangebot ist erfreulich überschaubar u er dekantiert sorgfältig." - "Bier oder Limo, rülps, sorry!"

Ja, Kartoffelsalat ist etwas Feines, gerne auch Rippchen statt Würstchen dazu.

Das absolute No Go: MAGGI!

Ein Bekannter kippt Maggi in alles, sogar in Spinat!

Heidemarie Heim | Sa, 23. Januar 2021 - 15:48

So die Antwort auf Mutters Frage, was sie an Heilig Abend auf den Tisch bringen soll. Wie all die Jahre meiner Kindheit und auch später noch, wenn wir samt unseren Ehegesponsten über die Feiertage einfielen und die Platte samt Garnitur immer größere Ausmaße annahm;). Der Salat zwar mit Mayo, aber ganz wenig!, Essig, Gewürzgurke und kleingehackten abgekochten Eiern wie man bei uns in der Pfalz sagt. Das Blöde dabei, meine Mutter machte das derart nach Gefühl und Wellenschlag, dass es mir oder auch meinen kochmäßig talentierteren Schwestern nie gelang ihn so hinzubekommen wie sie. Öfter gab es warmen Kartoffelsalat mit Speck, den ich dann chirurgisch
entfernte. Als wir dann nach Stuttgart versetzt wurden und eine Wohnung bei einer urschwäbischen Familie anmieteten, wurde ich als erstes mit Tradition one, der sogenannten "Kehrwoche" bekannt gemacht, um dann die traditionelle Zubereitung des "schwäbischen" Kartoffelsalats zu erlernen und high-end "schlotzig" fertig zu stellen;). Lecker!